Gottfried Anderssøn Hendtzschel (auch Henschell; * in Breslau; † wohl nach 1657) war ein deutscher Maler, der vor allem in Norwegen, insbesondere im Bistum Stavanger tätig war. Stilistisch werden seine Arbeiten der Stavanger Renaissance zugeordnet.
Leben Hendtzschel stammte aus Breslau in Schlesien, wie von seiner Signatur am Altarbild der Stabkirche Røldal bekannt ist. Sein Vater hieß vermutlich Andreas, denn in Norwegen verwendete er das Patronym Anderssøn. Wie er nach Norwegen kam und über sein Leben vor seiner Ankunft in Norwegen ist nichts überliefert. Man weiß auch nicht, wo er seine Ausbildung zum Maler erhalten hat.
Um 1620 kam Hendtzschel, möglicherweise auf Handelsrouten über Lübeck und Bergen, in die Hansestadt Stavanger. Dort arbeitete er vermutlich in der Stavanger Werkstatt des aus Neustadt in Holstein gebürtigen Malers Peter Reimers. Reimers ist ab 1607 in Norwegen nachweisbar. Nach Reimers’ Tod 1625 beauftragte dessen Witwe Hendtzschel mit der Ausführung von dessen Aufträgen für Kirchenausschmückungen, womit er bis 1628 beschäftigt war. Das erste Hendtzschel sicher zuzuordnende Werk ist die Kanzel der Kirche von Orre von 1625.mini|Kanzel der Kirche des Klosters Utstein Anschließend führte Hendtzschel Reimers’ Werkstatt selbständig fort. 1629 wurde er Bürger in Stavanger, heiratete und bekam mehrere Kinder. In den folgenden Jahrzehnten malte er im Auftrag geistlicher und weltlicher Obrigkeiten zahlreiche Dorfkirchen aus.
Wann Hendtzschel starb, ist nicht sicher. Das letzte Werk, das sicher von ihm stammt, ist auf 1648 datiert. Zugeschrieben werden ihm auch eine mit G. H. signierte Kreuzigungsgruppe in der Kirche von Sauda von 1657 und zwei auf 1661 bzw. 1663 datierte Altartafeln in Suldal und Sauda.
Werk Hendtzschel gilt als der produktivste Kirchenmaler im Norwegen seiner Zeit. Rund vierzig Ausstattungsstücke in 31 Kirchen, darunter dreizehn Altäre, sind von ihm bekannt und darüber hinaus zahlreiche ornamentale Panelmalereien an Kirchenwänden und -decken. Dabei arbeitete er häufig mit den Tischlern Thomas und Lauritz Christofferson zusammen. Daneben malte er einige Porträts, meist von Pastoren, in deren Kirchen er arbeitete, und deren Familienangehörigen.
Seine Altarbilder haben als Hauptmotiv zumeist Darstellungen von Golgata und seine Kanzeln sind alle mit Halbfiguren der Evangelisten bemalt. Für seine Motive orientierte er sich oft an italienischen oder niederländischen Vorbildern, die er frei wiedergab. So verwendete er für sein Røldaler Altarbild, eine Darstellung der Grablegung Christi, einen Stich von Jan Sadeler nach Federico Baroccis Gemälde in der Confraternita del Santissimo Sacramento e Croce in Senigallia, während die bekrönende Auferstehungsszene ein Gemälde von Peter Paul Rubens als Vorbild hat. Damit war er der erste, der in Norwegen eine Kopie eines Rubensgemäldes malte. Dasselbe Rubens-Bild verwendete er noch für vier weitere Altäre, allerdings nach zwei verschiedenen Kupferstichvorlagen.
Ausgewählte Werke Ausstattung der Kirche im Kloster Utstein, 1625–1650 Ausmalung der Stabkirche Røldal, 1627–1629 Altar in der Vestre Moland kirke in Lillesand, 1630 Altartafel in der Kirche von Randaberg, 1630 Kanzel und Altartafel in der Alten Kirche von Årdal, 1634/35
Literatur Tine Frøysaker: The church paintings of Gottfried Hendtzschel in Norway – past and future conservation (= Göteborg Studies in Conservation. Vol. 10). 2 Bände (Bd. 2: Catalogue.). Acta Universitatis Gothoburgensis, Göteborg 2003, ISBN 91-7346-455-4 (Zugleich: Göteborg, Univ., Diss., 2002).
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Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Geboren im 16. oder 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 17. oder 18. Jahrhundert Kategorie:Mann Kategorie:Maler (Norwegen)