Das Infanterie-Regiment Lübeck (3. Hanseatisches) Nr. 162 war ein Verband der Preußischen Armee. Während des Ersten Weltkriegs kämpfte es an der Westfront und bestand hier seine Feuertaufe in der Schlacht von Noyon.
Organisation Hanseatische Besonderheiten mini|Aufnahme aus dem Jahr 1904
Im Jahre 1867 wurde durch eine Militärkonvention die Militärhoheit der norddeutschen Stadtstaaten auf das Königreich Preußen übertragen.
Gemäß § 9Reichs-Militärgesetz (Wikisource). dieser Konvention wurden die Militärpflichtigen mit Lübecker Staatsangehörigkeit zu dem in Lübeck stationierten Regiment einberufen, sofern sie nicht den Wunsch äußerten, anderweitig eingesetzt zu werden. Untauglichkeit zum Infanteriedienst konnte zur Einberufung in eine andere Waffengattung wie Kavallerie, Artillerie, Train usw. der königlich preußischen Armee führen.Lübeckisches Adressbuch, Erster Abschnitt, Stadtverwaltung, Behörden, öffentliche Angelegenheiten, nach der lübeckischen Infanterie-Brigade, dem lübeckischen Regiment, Jahrgänge 1910 bis 1918. Ab 1910 wurden auch Erläuterungen hinzugefügt und das hier Stehende wörtlich übernommen worden.
Da die Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck Probleme mit der Stellung von genügend Wehrpflichtigen hatten, wurden keine Begrenzungen bei Einjährigen gemacht und die Reservepflicht für überseeische Wehrdienstpflichtige ausgesetzt.
Der Landwehrbezirk Lübeck bildete sich aus dem Staate Lübeck und dem Kreise Herzogtum Lauenburg.
Unterstellungen Vorabend des Ersten Weltkriegs mini|Kriegsgliederung
IX. Armee-Korps in Altona 17. Division in Schwerin 81. Infanterie-Brigade in Lübeck Infanterie-Regiment „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162 Schleswig-Holsteinisches Infanterie-Regiment Nr. 163 in Neumünster
Mobilmachung 1914 IX. Reserve-Korps in Altona 17. Reserve-Division in Schwerin 81. Infanterie-Brigade in Lübeck Infanterie-Regiment „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162 Schleswig-Holsteinisches Infanterie-Regiment Nr. 163 in Neumünster
Kriegsgliederung vom 28. März 1918 IX. Reserve-Korps 17. Reserve-Division 81. Infanterie-Brigade Infanterie-Regiment „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162 Schleswig-Holsteinisches Infanterie-Regiment Nr. 163 Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 76Hugo Gropp: Hanseaten im Kampf. Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 76. Erlebnisse bei dem Res.-Inf.-Rgt. 76 im Weltkrieg 1914/18, zusammengestellt im Auftrage des „Vereins ehemal. Angehöriger Reserve 76 e. V.“ Druck Klindworth & Neuenhaus, Hamburg 1932. 1. Eskadron/Reserve-Husaren-Regiment Nr. 6
Während des Ersten Weltkriegs Das Regiment in der 17. Reserve-Division gehörte zu Beginn des Ersten Weltkrieges zur 1. Armee. Ende September 1915 wechselte das XI. Reserve-Korps von der 1. Armee zur 6. Armee (Kronprinz Rupprecht) und wurde im Juli 1916 wieder der 1. Armee unter General Below unterstellt, die zur Armeegruppe Gallwitz gehörte. Nach der Schlacht an der Somme kam es im Oktober 1916 zur 4. Armee unter Herzog Albrecht von Württemberg. Nach der Frühlingsschlacht von Arras kam das Regiment zur Gruppe „Arras“ innerhalb der 6. Armee. Am 14. November 1917 wurde die 17. Reserve-Division der Gruppe „Wytschaete“ bei der 4. Armee unterstellt. Während der Ypernschlacht unterstand die Division dem XVIII. Reserve-Korps unter General Sieger. Ab Juni 1918, Matz-Offensive, kämpfte die Division im I. Reserve-Korps der 18. Armee unter General Hutier. Im September 1918 kam das Regiment wieder zur 2. Armee als Heeresgruppenreserve der Gruppe „Combres“ und dann der Gruppe „Mihiel“. Ende September war es für zwei Wochen Heeresgruppenreserve der Gruppe „Maas-West“, bevor es zurück zur 2. Armee kam, aus der es am 25. Oktober 1918 entlassen wurde.
Gliederung I. und II. Bataillon in Lübeck III. Bataillon in Eutin
Unterstellte Truppenteile mini|Familienhaus Die im März 1909 befohlene Aufstellung einer Maschinengewehr-Kompanie wurde am 1. Oktober durch Abkommandierungen innerhalb des Regiments vollzogen. Für die Kompanie wurde eigens ein Gebäude erstellt. Ende Juni 1916 wurde innerhalb des Regiments eine neue Einheit, die Infanterie-Pionier-Kompanie, aufgestellt. Sie bestand aus dem Fernsprechpersonal, den Lichtsignalisten, Hundeführern, den Desinfektions- und Entwässerungstrupps, den Granatwerfern samt Bedienung und noch anderen besonderen Bautrupps. Diese Kompanie führte bald den Namen Baukompanie. Im November 1916 erhielt jedes Bataillon eine MG-Kompanie. Unter Heranziehung des Feld-MG-Zugs 317 wurde daher eine 2. und 3. MG-Kompanie aufgestellt. Innerhalb des Regiments wurden ab Mai 1917 alle der Nachrichtenübermittlung Dienenden zur Nachrichten-Mittel-Abteilung zusammengefasst. Im September 1917 wurde eine Sturmabteilung für das Stoßtrupp-Verfahren gebildet. Die Mitglieder dieser Abteilung trugen am linken Unterarm ein blaues Band mit dem Lübecker weiß-roten Wappenschild. Das Verfahren wurde von General Hutier an der Ostfront während des Krieges entwickelt. Der Feind nannte es „Hutier-Taktik“ (siehe auch Sturmbataillon). Am 5. September 1918 erhielt das Regiment unter Heranziehung der MW-Kompanie 217 eine eigene Minenwerfer-Kompanie. Im September 1918 wurde die Nachrichten-Mittel-Abteilung des Regiments wieder aufgelöst. Jedes Bataillon erhielt seinen eigenen Nachrichtenmittelzug.
Abtretungen Die im März neu errichtete 13. und 14. Kompanie wurde am 23. Mai 1915 mit ihren Führern, den Leutnants der Reserve Buchenau und Simon, an das neugebildete Infanterie-Regiment Nr. 187 abgetreten.Wolf Jan Dose (Hrsg.): Die 187er im Felde. Eigenverlag, Hamburg 1922. Anfang September 1916 wurde die 4. Kompanie zur Neuaufstellung des Infanterie-Regiments 394 abgetreten.
Bewaffnung und Ausrüstung Hauptbewaffnung mini|Gewehr 88 mini|Wappentier Das Regiment wurde mit dem Gewehr 88 und dem Seitengewehr 71 bewaffnet. Ab 1906 verwendete man das Gewehr 98. Ab 1909 wurde die 3. Kompanie (I. Bataillon) zur Maschinengewehr-Kompanie Als erste neue Waffe im Stellungskrieg setzte das Regiment ab Januar 1915 den Minenwerfer ein. Ab Sommer 1915 gehörten Gasschutzmittel zur Standardausrüstung im Graben. Ab Juli 1916 wurden im Regiment Flammenwerfer verwendet. Zu jenem Zeitpunkt wurde erstmals Gas als Waffe vom Regiment eingesetzt. Ab Oktober 1916 wurde das Regiment mit Stahlhelmen ausgestattet. Ab November 1916 wurde in jedem Bataillon eine Maschinengewehr-Kompanie erstellt. Als weitere Hilfswaffe wurden jeder Kompanie Granatwerfer zugeteilt. Die besten Schützen wurden zu Scharfschützen und mit Zielfernrohrgewehren ausgerüstet. Zur Erleichterung der Koordinierung von Geländepunkten wurde das Koordinatensystem eingeführt.
Uniform mini|Ehrenkompanie der 162er in Paradeuniform Das Regiment trug die preußische Uniform mit den der Hansestadt Lübeck zugestandenen Änderungen. So wurde am Helm und an der Mütze neben der schwarz-weiß-roten Reichskokarde die hanseatische Kokarde (rotes Hanseatenkreuz auf weißem Grund) getragen.
Die Achselklappen waren weiß mit roter Nummer (162), die Ärmelpatten weiß mit gelber Paspelierung.
Bereits im August 1914 wurde auf der Fahrt nach Frankreich bei Aachen feldgraues Tuch zum Verhüllen von unzweckmäßig leuchtenden Uniformteilen ausgegeben.
Im Sommer 1915 verschwanden an der Front die langen Degen der Offiziere und Feldwebel, wodurch die Kleidung und Ausrüstung denen der Mannschaften angepasst wurden, um weiteren hohen Verlusten an Führern vorzubeugen.
Wappen Das Regiment schmückte sich mit dem Wappentier der Freien und Hansestadt Lübeck. Die einzige Ausnahme bildete die Fahne, da auf ihr nicht der Lübecker, sondern der preußische Adler war.
Fahne mini|Die ehemaligen Fahnen Das Aussehen der Fahnen der Linien-Infanterie-Regimenter der Preußischen Armee war dem Korps, zu dem das Regiment gehörte, entsprechend reglementiert.Martin Lezius: Fahnen und Standarten der alten preußischen Armee. Franckh’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1935.
Am 16. Oktober 1897 verlieh der Kaiser dem I. Bataillon seine Fahne, die er dem Regimentskommandeur übergab. Das II. Bataillon hatte seine alte Fahne behalten, erhielt aber wenige Tage vor dem Kaisermanöver 1904 ein neues Fahnentuch, damit die Fahne zur Parade übergeben werden konnte. Zum Gottesdienst standen die Fahnen am Altar ihrer Garnisonskirche, dem Lübecker Dom.
Im Jahre 1912 verlieh die Hansestadt Lübeck dem I. und II. Bataillon ihres Regiments Fahnenbänder.Martin Lezius: Fahnen und Standarten der alten preußischen Armee. Franckh’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1935.
Die Fahnen wurden 1915 aus dem Felde nach Lübeck zurückgeführt, weil ihre Verwendung im Kampfe nicht mehr der Kampfführung entsprach und unnötige Opfer forderte. In einem Gottesdienst im Jahre 1920 wurden sie der Ratskirche St. Marien übergeben. Hier verbrannten sie 1942.Otto Dziobek: Geschichte des Infanterie-Regiments Lübeck (3. Hanseatisches) Nr. 162. Verlag Gerhard Stalling, 1922 Oldenburg i. D., Offizier-Verein ehem. 162er.
Geschichte Gründung Durch das Gesetz vom 28. Juni 1896 wurde mit der Heereserweiterung 1897 die Infanterie um 33 Regimenter vermehrt. Diese sollten aus den IV. Bataillonen der alten Regimenter gebildet werden. Jedes dieser neuen Regimenter hatte zunächst aus zwei Bataillonen zu bestehen.
Am 1. April 1897 wurde das Regiment als 3. Hanseatisches Infanterie-Regiment Nr. 162 aus den Halbbataillonen der Großherzog Mecklenburgischen Brigade, Großherzoglich Mecklenburgisches Grenadier-Regiment Nr. 89 und Großherzoglich Mecklenburgisches Füsilier-Regiment „Kaiser Wilhelm“ Nr. 90, und dem schon in Lübeck garsonierenden Füsilierbataillon des 2. Hanseatischen Infanterie-Regiments Nr. 76 errichtet. Die Allerhöchste Kabinettsorder (A.K.O.) vom 29. August 1899 legte den 31. März 1897 als Stiftungstag fest.
Regimenter, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg gebildet wurden, wurden als „junge Regimenter“ bezeichnet.Die per Gesetz vom 28. Januar 1896 neuen 33 Regimenter wurden, da sie sich im Kriege noch keine Meriten verdient hatten, als junge Regimenter bezeichnet.
Sein III. Bataillon erhielt das Regiment zum 1. Oktober 1913; es wurde aus den Kompanien 9./75, 6./84, 4./163 und 12./31 gebildet. Als Garnisonsort wurde diesem Bataillon Eutin im oldenburgischen Fürstentum Lübeck zugewiesen.
Zusammen mit dem ebenfalls neuen Schleswig-Holsteinischen Infanterie-Regiment Nr. 163 bildete das Regiment die 81. Infanterie-Brigade der 17. Division des IX. Armee-Korps.
Garnison mini|1899 bezogene ehemalige Kaserne des I. Bataillons mini|Kaserne des II. Bataillons mini|Kaserne des III. Bataillons mini|Ehemaliges Offizier-Kasino
Das III. Bataillon des Regiments 76 wurde 1867 nach Lübeck als Garnison verlegt. Nachdem es 162er wurde, blieb das nun II. Bataillon in der Alten Kaserne vor dem Holstentor. Das I. Bataillon wurde zunächst auf dem „Grünen Platz“ in Wellblechbaracken untergebracht. Es erhielt seine Kaserne 1899. Das seit 1913 bestehende, in Eutin beheimatete III. Bataillon erhielt seine Kaserne während des Ersten Weltkriegs. Zu dessen 25. Jahrestag erhielt die Kaserne von Udo de Rainville den Namen Rettberg-Kaserne. Sie dient noch heute als Kaserne.Standort Eutin
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