Unter-Seibertenrod ist ein Ortsteil der Stadt Ulrichstein im mittelhessischen Vogelsbergkreis. Der Ortsteil liegt circa sechs Kilometer nordwestlich des Kernorts Ulrichstein am Oberlauf der Ohm. Mit dem Kernort verbindet ihn die Landesstraße L3073.

Ortsgeschichte mini|hochkant|Evangelische Kirche Unter-Seibertenrod mini|hochkant|Barockkanzel ev. Kirche

Mittelalter Die Ersterwähnung Seibertenrod erfolgte im Jahr 1328: „... curiam sitam in villa Sywarterode ... in jurisdictione Babinhusen“ (das Gericht Seibertenrod im Gericht Bobenhausen). Hier wird schon die historische Siedlungsform villa angegeben.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 521, S. 357. Während in dieser Urkunde noch allgemein Seibertenrod genannt wird, differenzieren zwei weitere Erwähnungen von 1353 und 1355 und geben „obirnsyfriderode“StAD, Urkunden Oberhessen, v. Sassen. und „obern sibratherode“StAD, Urkunden Oberhessen, v. Sassen. an. 1385 wird ein „Ditmar mullir Grebe zu Siffirderade“ (Ditmar der Müller, Grebe zu Seibertenrod) genannt.StAD, Urkunden Oberhessen, Ruppertenrod. Erst 1576 wird „Niddern Seibertenrode“Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 399. in einem Salbuch erwähnt. 1592, in einem weiteren Salbucheintrag, heißt es dann „Underseiberterodt.“Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 376. Aus Nieder-Seibertenrod wurde Unter-Seibertenrod. Der Ortsname unterscheidet sich nach Höhenlage der Siedlung. Als Bestimmungsglied des Ortsnamens diente ein nicht mehr genau zu bestimmender Rufnamen.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 343–345.

Der Ort fiel im Heiliges Römisches Reich unter die Riedeselsche Gerichtsbarkeit Lehen der Landgrafschaft Hessen.

Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Unter-Seibertenrod:

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die bis dahin selbständige Gemeinde Unter-Seibertenrod und weitere Gemeinde zum 31. Dezember 1971 freiwillig mit der Stadt Ulrichstein zur erweiterten Stadt Ulrichstein. Für Unter-Seibertenrod wurde ein Ortsbezirk errichtet.

Im Jahre 1985 feierte Unter-Seibertenrod sein 600-jähriges Bestehen.

Ein Neubaugebiet Rainbaum am Ortsrand von Unter-Seibertenrod soll neue Wohnfläche für Wochenenddomizile und auch Dauerwohnsitze für Bewohner der Metropolregion des Rhein-Main-Gebiets schaffen, die eine naturnahe Wohnlage suchen.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Unter-Seibertenrod angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Gericht Ober-Ohmen der Freiherren Riedesel zu EisenbachDie Zugehörigkeit des Gerichts Ober-Ohmen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Gericht Ober-Ohmen der Freiherren Riedesel zu Eisenbach 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Grünberg, Gericht Ober-Ohmen der Freiherren Riedesel zu Eisenbach ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Ober-Hessen, Amt Grünberg, Gericht Ober-Ohmen der Freiherren Riedesel zu Eisenbach ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Grünberg, Amt Grünberg, Gericht Ober-Ohmen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Grünberg; 1821 ging die Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren Riedesel zu Eisenbach an das Landgericht über) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis AlsfeldIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Lauterbach ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis, Stadt UlrichsteinAm 31. Dezember 1971 wurde Unter-Seibertenrod mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Stadtgemeinde Ulrichstein zusammengeschlossen. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis, Stadt Ulrichstein

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Unter-Seibertenrod das „Patrimonialgericht der Freiherren Riedesel zu Eisenbach“ in Ober-Ohmen zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. 1821 traten die Freiherren Riedesel zu Eisenbach ihre Recht am Gericht Ober-Ohmen an das Großherzogtum Hessen ab. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1853 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Unter-Seibertenrod zuständig war. Infolge der Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 15. Oktober 1853Bekanntmachung vom 4. Oktober 1853,1) die Aufhebung der Großherzoglichen Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;2) die künftige Zusammensetzung der Landgerichts-Bezirke in der Provinz Oberhessen betreffend. (Hess. Reg.Bl. S. 640–641) wurde Unter-Seibertenrod an den Sprengel des Landgerichts Ulrichstein abgetreten.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Ulrichstein“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.

1943 verlor das Amtsgericht Ulrichstein seine Selbständigkeit und wurde zur Zweigstelle des Amtsgerichts Schotten.Verfügung des Landgerichtspräsidenten in Gießen vom 16. Juni 1943 — 3200 — Betrifft: Errichtung der Zweigstelle Ulrichstein des Amtsgerichts Schotten Am 1. Juli 1968 wurde auch diese Zweigstelle aufgehoben, und Unter-Seibertenrod wurde dem Amtsgericht Alsfeld zugelegt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Unter-Seibertenrod 225 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 45 Einwohner unter 18 Jahren, 78 zwischen 18 und 49, 51 zwischen 50 und 64 und 51 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 78 Haushalten. Davon waren 18 Singlehaushalte, 21 Paare ohne Kinder und 33 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 18 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 39 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1806: 292 Einwohner, 57 Häuser • 1829: 306 Einwohner, 59 Häuser • 1867: 315 Einwohner, 56 bewohnte Gebäude • 1875: 315 Einwohner, 57 bewohnte Gebäude

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 306 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 278 evangelische (= 92,67 %), 22 katholische (= 7,33 %) Einwohner

Politik Für Unter-Seibertenrod besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Unter-Seibertenrod) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 71,60 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Unter-Seibertenrod“ an. Der Ortsbeirat wählte Wolfgang Geiß zum Ortsvorsteher.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Evangelische Kirche stammt von 1738/1739 und gilt als besonderes Schmuckstück unter den zahlreichen Fachwerkkirchen im Vogelsberg, wenn nicht in Hessen überhaupt.Rainer Schmid: Fachwerkkirchen im Vogelsberg. Ein Reisehandbuch. Eigenverlag Rainer Schmid, Mühlheim am Main 2013, ISBN 3-930367-31-9, S. 107. Der flach gedeckte einschiffige Kirchenraum weist eine Empore mit Bildnissen der 12 Apostel, Christus und Maria, Moses und Isaak auf. Wertvollstes Ausstattungsstück ist eine reich ornamentierte Barockkanzel. Ebenso wie die Kirche sind einige weitere Gebäude des Ortes in einer Kombination aus Schindelbauweise und Fachwerk errichtet, wie sie für die Region charakteristisch sind.

Literatur Heinrich und Martin Bast: Unter-Seibertenrod – Urkunden und Nachrichten zur Dorf- und Familiengeschichte, Selbstverlag, 1953 (Neuauflage Oktober 2009 bei Friedhelm Bast in Unter-Seibertenrod erhältlich).

Weblinks

Stadtteil Unter-Seibertenrod. In: Webauftritt der Stadt Ulrichstein.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

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