hochkant|mini|Wilhelm Kalle jun. (1904) Wilhelm Jakob Ferdinand Kalle (* 19. Februar 1870 in Biebrich am Rhein; † 7. September 1954 in Wiesbaden) war ein deutscher Chemiker, Unternehmer und Politiker (DVP). Er war langjähriger Generaldirektor der Chemischen Fabrik Kalle sowie Parlamentarier im preußischen Landftag und im Reichstag.
Leben mini|hochkant|links|Kalle als Student in Erlangen, 1894
Kalle wurde als Sohn des Chemiefabrikanten Wilhelm Kalle geboren.Walter Habel: Wer ist wer? Das Deutsche Who’s Who. Berlin 1928. Sein Cousin war der Offizier und Politiker Arnold Kalle.Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 7, Stuttgart 1984, S. 182. Nach dem Besuch der Realschule in Biebrich und des Gymnasiums in Wiesbaden studierte er an der Universität Genf und der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg, wo er Mitglied des Corps Rhenania wurde.Kösener Corpslisten 1960, 100/134. Als Inaktiver studierte er an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und der Technischen Hochschule Dresden Chemie. Nach seinen Promotionen in den Fächern NaturwissenschaftenÜber die Umwandlung von Naphtalinderivaten in o-Oxy-o-Toluylsäure und in p-Oxy-o-Toluylsäure und über einige Derivate dieser Säuren. (Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen 1894) Aug. Vollrath, Erlangen 1895. (28 Seiten) und Ingenieurwissenschaften wurde er 1897 Teilhaber der Chemischen Fabrik Kalle & Co. in Biebrich. Mit der Umwandlung des Familienunternehmens in eine Aktiengesellschaft wurde Kalle 1904 Generaldirektor. Nach der Eingliederung in die I.G. Farben wechselte er zum 1. Januar 1926 in den Verwaltungsrat der I.G. Farben und übernahm gleichzeitig den Vorsitz im Aufsichtsrat von Kalle.
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit war Kalle auch politisch engagiert. Nach dem Ersten Weltkrieg trat er in die von Gustav Stresemann gegründete Deutsche Volkspartei (DVP) ein. Ab 1919 gehörte er für diese dem preußischen Landtag an. Anschließend saß er von 1924 bis 1932 im Reichstag. Er war Chef des sogenannten Kalle-Kreises, dem 1922 oder 1923 gegründeten informellen Lobby-Verein der I.G. Farben zur Parteienfinanzierung in der Weimarer Republik.
Während des Zweiten Weltkriegs verriet er Zyklon-B-Entwicklungen innerhalb der I.G. Farben über Erwin Respondek an die USA. Er wurde daher im I.G.-Farben-Prozess nicht angeklagt.ARTE-Dokumentation über Erwin Respondek, 31-33 und 41-50 min. Im Jahr 1951 zog er aus seinem bisherigen Wohnort Tutzing nach Wiesbaden, wo er auch starb.
Sein schriftlicher Nachlass befindet sich im Stadtarchiv Wiesbaden, im Bestand WA 3 – Werksarchiv Kalle-Albert.
Ehrungen 1913: Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Dresden (als Dr.-Ing. E. h.) 1923: Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule München (als Dr.-Ing. E. h.)Personal- und Hochschulnachrichten, in: Angewandte Chemie 36/340 (1923). Ehrenmitglied des Corps Rhenania Straßburg 1953: Ehrenbürgerwürde der Stadt Wiesbaden
Siehe auch Liste der Ehrenbürger von Wiesbaden Liste der korporierten Reichstagsabgeordneten (Weimarer Republik)#Kösener
Literatur Kalle, Wilhelm Ferdinand. In: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Band 1 (A–K), Berlin 1930, S. 876.
Weblinks
Nachlass Bundesarchiv N 1771
Einzelnachweise
Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (Hessen) Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied des Preußischen Landtags (Freistaat Preußen) Kategorie:Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik) Kategorie:DVP-Mitglied Kategorie:Person (I.G. Farben) Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Ehrenmitglied eines Corps Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität München Kategorie:Ehrenbürger von Wiesbaden Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1870 Kategorie:Gestorben 1954 Kategorie:Mann