Der Württembergische Kunstverein Stuttgart wurde im Jahr 1827 gegründet und ist einer der ältesten Kunstvereine Deutschlands. Der heute rund 3000 Mitglieder zählende Verein ist im Kunstgebäude Stuttgart beheimatet und widmet sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Vorsitzender des Württembergischen Kunstvereins, welcher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) angehört, ist seit 2023 die Kunsthistorikerin Kerstin Thomas.
Geschichte Zu den Gründervätern des Württembergischen Kunstvereins zählte der Jurist und Maler Carl Urban Keller, der den Verein anfangs als ehrenamtlicher Konservator führte. Das Ziel des Vereins war die Beschäftigung des Bürgertums mit der Kunst, sowie der Ankauf, die Ausstellung und die Verlosung von Werken heimischer Künstler. Wie bei anderen damals ins Leben gerufenen Kunstvereinen bestand die Mitgliedschaft im Erwerb von Aktien, mit denen man an der Verlosung teilnehmen und sich somit privat Kunst aneignen konnte.
Der Württembergische Kunstverein ist seit 1913 in dem von Theodor Fischer entworfenen Kunstgebäude am Schloßplatz ansässig und versteht sich seither als Ort der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst. In den 1930er Jahren wurde er, wie alle Kunstvereine, unter der nationalsozialistischen Regierung in der Reichskulturkammer gleichgeschaltet. So wurde im März 1933 die erste große Retrospektive Oskar Schlemmers mit dessen Hauptwerk Bauhaustreppe noch vor der Eröffnung durch die neuen Machthaber geschlossen.
Das Kunstgebäude wurde während des Zweiten Weltkriegs nahezu vollständig zerstört. Erst 1961 wird der Wiederaufbau, der mit einem modernen Erweiterungsbau verknüpft ist, abgeschlossen. Mit dem Kunstverein bezog auch die Galerie der Stadt Stuttgart die Räume des Kunstgebäudes, das nun aus dem historischen Komplex mit Kuppelsaal und Galerieräumen, dem neuen von Paul Bonatz und Günther Wilhelm gestalteten sogenannten Vierecksaal, sowie einem gläsernen Verbindungstrakt zwischen Alt- und Neubau besteht.
Im Jahr 2005 ist die Galerie der Stadt Stuttgart aus dem Kunstgebäude ausgezogen und hat das nur einige hundert Meter entfernte neue Kunstmuseum bezogen. Seit 2012 befindet sich der Württembergische Kunstverein permanent im neuen Komplex des Kunstgebäudes.
Konzeption Der Württembergische Kunstverein ist ein Ausstellungszentrum für zeitgenössische Malerei, Grafik, Fotografie, Videokunst, Installation, Performance und Architektur. Aktuell setzt der Verein eine Reihe von inhaltlichen Schwerpunkten, welche als Themenhintergrund für das Ausstellungsprogramm sowie für weitere Aktivitäten wie Vorträge, Konferenzen oder die Vergabe von Stipendien dienen.
Regelmäßig bietet der Verein zudem seinen Mitgliedern die Möglichkeit zur Präsentation der eigenen Werke im Rahmen einer Mitgliederausstellung an. Die Jahresausstellungen der Mitglieder stehen jeweils in einem spezifischen thematischen Kontext.
Auszeichnungen Die zusammen mit dem Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA) konzipierte Ausstellung Die Bestie ist der Souverän wurde im Jahr 2015 vom deutschen Kunstkritikerverband AICA zur Ausstellung des Jahres gekürt.
Direktoren des Kunstvereins (seit 1945) Alice Widensohler (1946–1965) Dieter Honisch (1965–1968) Uwe M. Schneede (1968–1973) Tilman Osterwold (1973–1993) Martin Hentschel (1994–2000) Andreas Jürgensen (2001–2003) Hans D. Christ und Iris Dressler (seit 2005)
Vorsitzende des Kunstvereins (seit 2013) Petra Olschowski (2013–2016) Martin Fritz (2017–2023) Kerstin Thomas (seit 2023)
Ausstellungen (Auswahl) 1912: Max Liebermann, Radierungen 1948; Käthe Kollwitz 1952: Max Ernst, Gemälde und Grafik 1920–1950 1954: Willi Baumeister; Wassily Kandinsky 1956: Raoul Dufy 1959: Oskar Schlemmer, Handzeichnungen 1966: E. W. Nay 1967: Josef Albers, Robert Indiana, Victor Vasarely u. a., Formen der Farbe 1972: James Ensor, Ensor – Ein Maler aus dem späten 19. Jahrhundert 1974: Duane Hanson. Eine Retrospektive. 1980: Walter Stöhrer, Malerei; Anselm Kiefer 1986/1987: Emil Nolde. 1988: Robert Häusser, Photographische Bilder 1994: Thomas Schütte, Figur; Karl Blossfeldt, Fotografie; Rudolf Steiner, Tafelzeichnungen; Ein Kunstverein im Vergehen. Es spricht Friedrich Hölderlin. Im Gasthof zur Einfalt. In Zusammenarbeit mit dem Museum für Moderne Kunst München 1995: Thomas Schütte, können lilien lügen? In Zusammenarbeit mit dem Museum für Moderne Kunst München; John Baldessari, Retrospektive; Stephen Shore, Fotografien 1973–1993 1997: Yuji Takeoka; Albert Renger-Patzsch, Retrospektive; Thom Barth, Das große Ding, die Arbeit und der Schrank 1998: François-Marie Banier, Private Heroes 1999: John Hilliard, Werke 1969–1999 2000: Sandra Hastenteufel, Durch einen Spiegel in einem dunklen Wort; Fabián Marcaccio, Paintant Stories 2002: Ugo Rondinone, Coming up for Air 2003/2004: Walter Niedermayr, Zivile Operationen (Civil operations) 2004: Kirsten Krüger, Skulpturen; Cildo Meireles; Cornelia Parker, Perpetual Canon 2005: Marina Abramović, Loretta Lux, Ulay u. a., Contenance. Fassung Bewahren 2007: Anna Oppermann, Revisionen der Ensemblekunst; Stan Douglas, Past Imperfect 2009: Daniel García Andújar, Postcapital. Archive 1989 – 2001 2009: Teresa Hubbard und Alexander Birchler, No Room to Answer – Projections 2011: Michaël Borremans, Eating the Beard 2013: Platino, Flechtwerke und Fliehkräfte; Klaus Jürgen-Fischer, Joachim Kupke, Marinus van Aalst u. a., Das Antlitz!; Klaus Mettig, Katharina Sieverding, Klaus Staeck u. a., Der Ungeduld der Freiheit Gestalt zu geben 2014: Francis Alÿs, Samuel Beckett, Rabih Mroué u. a., Irgendetwas im Raum entzieht sich unseren Versuchen des Überfliegens; Chantal Akerman, Douglas Gordon, Bruce McLean u. a., Geste; Yvonne P. Doderer, Jáchym Fleig, Matthias Roesch u. a., 2041. Endlosschleife; Sergio Zevallos, Ein umherschweifender Körper 2015: Ines Doujak, Juan Downey, Genesis P-Orridge u. a., Die Bestie ist der Souverän 2016: Jorge Ribalta, Monumentmaschine; George Brecht, Tacita Dean, Zoe Leonard u. a., Ein Loch im Meer; Ines Doujak, Not Dressed for Conquering 2017: Lawrence Abu Hamdan, Anna Dasovic, Anika Schwarzlose u. a., Post-Peace; Susanne Kriemann, Eduardo Paolozzi, Dan Perjovschi u. a., Titos Bunker 2018: Le Corbusier, El Lissitzky, Ludwig Mies van der Rohe u. a., 50 Jahre nach 50 Jahre Bauhaus 1968 2019: Lorenza Böttner, Requiem für die Norm 2020: Alexander Kluge. Oper: Der Tempel der Ernsthaftigkeit 2021: Laressa Dickey, Eva Egermann, Magdalena Freudenschuss u. a., Actually, the Dead Are Not Dead. Techniken des Werdens 2022: Carrie Mae Weems, The Evidence of Things Not Seen.Carrie Mae Weems: , bilinguales Heft, PDF 2023: Widerständige Musen. Delphine Seyrig und die feministischen Videokollektive im Frankreich der 1970er und 1980er Jahre
Literatur
Weblinks Webpräsenz des Württembergischen Kunstvereins Württembergischer Kunstverein auf ArtFacts.net Artnews.org – Information on Contemporary Art
Einzelnachweise
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