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Albert Güldenstein (* 3. Januar 1822 in Sontheim; † 25. Mai 1891 in Stuttgart; eigentlich Abraham Isaak GüldensteinSchwinghammer 2005, S. 86.) war ein württembergischer Bildhauer von regionaler Bedeutung. Seine Hauptwerke sind naturalistische Tierplastiken und tierplastische Applikationen an Kandelabern und Brunnen für die Stuttgarter Schlösser Villa Berg, Schloss Rosenstein und Wilhelma. In seinen Grabmal-, Denkmal- und Brunnenfiguren ist er seiner klassizistischen Ausbildung verhaftet.

Leben und Werk Angaben ohne Nachweis stützen sich vorzugsweise auf Müller-Klunzinger, ersatzweise auf das AKL.

Herkunft Albert Güldenstein wurde am 3. Januar 1822 in SontheimHeute ein Stadtteil von Heilbronn. als Sohn jüdischer Eltern geboren. Sein Vater war der Kaufmann Isak Michael GüldensteinIsak Michael Güldenstein hieß ursprünglich nur Isak Michael, d. h. sein Name bestand wie bei den meisten Juden nur aus dem Vornamen und dem Vornamen des Vaters (Patronym). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begannen die Juden, um in den Genuss erweiterter Bürgerrechte zu kommen, ihre Namen durch einen unveränderlichen Familiennamen zu ergänzen (siehe auch Jüdische Familiennamen und Franke 1963, S. 169). Im Zuge dieser Bestrebungen legte sich Isak Michael 1825 den Familiennamen Güldenstein (oder Gültenstein) zu, siehe (1777–1861), seine Mutter Karoline Güldenstein geb. Gressle (1792–1858) aus Affaltrach.Heute Ortsteil von Obersulm. – Zum Todesjahr der Mutter: Die 1811 geschlossene Ehe dauerte 47 Jahre, also bis 1858; da der Vater erst 1861 starb, muss daher die Mutter 1858 gestorben sein (Schwinghammer 2005, S. 86). Die väterliche Familie stammt wohl von einem der Schutzjuden ab, die von dem Deutschen Orden schon im 16. Jahrhundert in Sontheim angesiedelt wurden.Schwinghammer 2005 S. 86Angerbauer 1986, S. 213–217. Von den 16 Kindern der 1811 geschlossenen Ehe war Albert das achte Kind. Sein älterer Bruder Bernhard Güldenstein (1819–1873) war Webermeister und zog um 1855 nach Stuttgart, wo Albert bereits seit 1849 wohnte. Er betrieb dort anfangs eine Strohmanufaktur und betätigte sich später als Makler. Der zweitälteste Bruder Michael Güldenstein (1814–1861) war von 1841 bis zu seinem Tod Bezirksrabbiner in Bad Buchau.Weitere Quellen dieses Abschnitts: J 386 Bü 523; Stuttgarter Adreßbücher 1855–1871.

Seine jüdische Abstammung scheint Güldenstein nicht geschadet zu haben, weder bei seiner Ausbildung noch bei seinen Auftraggebern. In sämtlichen Akten, die sich mit seiner Person oder den herrschaftlichen Aufträgen an ihn befassen, wird nicht einmal erwähnt, dass er Jude ist, und auch unterschwellige, negative Anspielungen fehlen ganz. Auch in zeitgenössischen Presseveröffentlichungen, außer in der Allgemeinen Zeitung des Judentums, ist von Güldensteins jüdischer Herkunft nicht die Rede.

Ausbildung und Berufseinstieg Über Güldensteins Kindheit und seine schulische Ausbildung ist nur wenig bekannt. Er zeigte „eine geistig rege Art und zeichnerisches Talent“ und besuchte die Schule in Sontheim. Dann machte er eine Lehre als Graveur in der Bruckmann’schen Silberwarenfabrik in Heilbronn.AKL und Wininger 1927 irrtümlich: Stuttgart.

München (1840–1843) Im Jahr 1840 begann er bei dem Bildhauer Ludwig Schwanthaler in München eine Lehre als Ziseleur. Nach einem Jahr wurde er von Schwanthaler zu Bildhauerarbeiten verwendet, da er „seine freie Zeit zum Componiren benützt hatte“.Müller-Klunzinger. Im Alter von 20 Jahren, am 5. November 1842, trat er in die Bildhauerklasse der Akademie der Bildenden Künste München ein, an der auch Schwanthaler als Professor unterrichtete. Die Behauptung, Güldenstein sei (in der Bildhauerei) ein Schüler von Schwanthaler gewesen, wies sein Bruder Michael 1846 in der Allgemeinen Zeitung des Judentums vehement zurück, eigentlich sei er ein „Zögling der königlichen Kunstschule zu Stuttgart“.Güldenstein 1846.

Stuttgart (1843–1847) und Berlin (1845) 1843 übersiedelte Güldenstein nach Stuttgart und besuchte die dortige Kunstschule als Schüler des Bildhauers Theodor von Wagner. Er schuf ein Flachrelief, das eine Szene aus der Sintflut darstellte und allgemeine Anerkennung fand. 1845 bewarb er sich um eine Unterstützung aus dem Kunstreisefonds „Behufs einjährigen Aufenthalts in Berlin […], woselbst er um das für israelitische Kunstzöglinge gestiftete Beer’sche Reise-Stipendium von 500. Preußischen Thalern durch eine daselbst zu fertigende Concurrenz-Arbeit sich bewerben will.“ Die Kunstschuldirektion befürwortete den Antrag in Anbetracht dessen, „daß er durch ein im vorigen Jahre in der Kunstschule gefertigtes Basrelief ein vorzügliches Talent für die Plastik gezeigt und dieses auch durch seine neueren Studien in jener Anstalt beurkundet habe.“ Daraufhin wurde ihm am 23. April ein Reisestipendium über 400 Gulden zugesprochen.E 14 Bü 1501, Nr. 19. Güldenstein ging nach Berlin, schuf dort ein Relief oder eine Skulptur als WettbewerbsarbeitEs ist nicht bekannt, um was für eine Arbeit es sich dabei handelte. Nach dem AKL legte er auch in Berlin sein Sündflut-Relief vor, während alle anderen Quellen die Frage offenlassen. und gewann den Rompreis der Michael-Beer-Stiftung, der seit 1833 an jüdische Künstler vergeben wurde, um ihnen eine einjährige Studienreise nach Italien zu ermöglichen.NN 1839. Die Italienreise konnte er jedoch erst zwei Jahre später antreten, weil mittlerweile herrschaftliche Aufträge in seiner Heimat auf ihn warteten.

mini|hochkant=1.7| Anfang 1846 arbeitete er vorübergehend in seiner Heimatgemeinde Sontheim an „einem größeren Kunstwerke, dessen Sujet soll ein alttestamentliches sein.“Fürst 1846, S. 59. Wieder in Stuttgart erhielt er von Kronprinz Karl I. den Auftrag, Skulpturen für seine neu zu erbauende Villa Berg zu fertigen. Dazu ließ Karl I. ihm ein eigenes Atelier einrichten.Fürst 1846, S. 164. Im Laufe des Jahres 1847 besuchte König Wilhelm I. Güldenstein in seiner Werkstatt, um sich diese Arbeiten anzusehen. Dabei sah er auch einige Tiergruppen, die Güldenstein modelliert hatte, und gab ihm den Auftrag, ein Pendant zu der Tiergruppe zu schaffen, die in der Wilhelma aufgestellt war und von einem unbekannten italienischen Bildhauer stammte. Noch in Stuttgart erstellte Güldenstein ein Modell der Tiergruppe, das den Beifall des Königs fand.Heß 1847, S. 293. Die Arbeiten Güldensteins für die Villa Berg kommentierte Wilhelm I. mit den Worten: „Sie müssen schon entschuldigen, wenn ich Ihnen Einiges tadle, ich habe im Leben schon viel gesehen.“

Rom (1847–1848) Ende Juli 1847 brach Güldenstein nach Rom auf, wo er am 18. November 1847 eintraf.Heß 1847, Noack 1927. Während seines Rom-Aufenthalts wurde er Mitglied der Deutschen Künstler-Vereinigung, scheint aber sonst keine Spuren hinterlassen zu haben. In Rom führte er die Tiergruppe für König Wilhelm I. in Carrara-Marmor aus. In Anbetracht der revolutionären Unruhen verließ er Rom Ende 1848.Heß 1847, S. 293; Müller-Klunzinger. – Siehe auch Tierskulpturen (Wilhelma), besonders die Abschnitte zur Beschreibung und Geschichte der Skulptur.

Berufsleben 1849 kam Güldenstein wieder nach Stuttgart, wo er sich bis zu seinem Lebensende niederließ. Bis er 1854 sein erstes eigenes Haus erwarb, wohnte er in fünf verschiedenen Mietwohnungen, alle zentral im näheren Umkreis des Neuen Schlosses gelegen.Stuttgarter Adreßbücher 1848–1863.

Hauptwerke Als Güldenstein nach Stuttgart zurückkehrte, standen die Zeichen günstig für den jungen Bildhauer. König Wilhelm war mit der ersten Tiergruppe, die Güldenstein für ihn geschaffen hatte, sehr zufrieden, und auch seine ersten Arbeiten für die Villa Berg waren gut aufgenommen worden. Für die weitere Ausstattung der Wilhelma und ihrer Gärten, für die Villa Berg und für Schloss Rosenstein gab es Arbeit in Hülle und Fülle, und Güldenstein war in den 1850er Jahren mit Aufträgen gut versorgt. Während dieser Zeit schuf er seine Hauptwerke, die alle im Auftrag des Königs bzw. des Kronprinzen entstanden: den Nymphenbrunnen für die Villa Berg, acht weitere Tiergruppen für die Wilhelma sowie sechs Kandelaber, zwei Löwen und zwei liegende Kolossalhirsche für Schloss Rosenstein.

Münchner Industrieausstellung 1854 1854 fand in München die Erste Allgemeine Deutsche Industrieausstellung statt. Güldenstein stellte zusammen mit dem Stuttgarter Kunstgießer Wilhelm Pelargus einen zweiten Abguss der Hirschgruppe, die für den Kölner Kaufmann W. Meurer bestimmt war, und zwei für Schloss Rosenstein bestimmte Kandelaber aus, außerdem „zwei Figürchen »Winter und Frühling« darstellend“.E 14 Bü 202, 1853 & 1854, Nr. 35 und 47; E 21 Bü 263, Nr. 80; Kress 1987, S. 104; Hermann 1855, S. 12. In dem Bericht der „Beurtheilungs-Commission“ hieß es: „So lebendig die Thiergruppen auch sind, und so geschickt zusammengestellt, so ist doch die Ausführung eine sehr mangelhafte zu nennen. Dasselbe lässt sich von den beiden Figürchen sagen.“Da von „Thiergruppen“ die Rede ist, muss man annehmen, dass Güldenstein außer der Hirschgruppe auch Modelle anderer Tiergruppen ausstellte. Trotzdem erhielt Güldenstein eine Belobende Erwähnung „wegen der Lebendigkeit in seinen Thiergruppen“ und Pelargus „für seine anerkennungswerthen Zinkgüsse von Thiergruppen und Figuren“.Hermann 1855, S. 12 und 43. – Unter 104 beurteilten Ausstellern in der Kategorie „Plastische Gegenstände“ erhielten 6 eine Große Denkmünze, 19 eine Ehrenmünze und 36 eine Belobende Erwähnung, d. h., mehr als die Hälfte der Teilnehmer wurde ausgezeichnet (Hermann 1855, nach S. 45). In einem Gesuch an König Wilhelm berichtet Güldenstein über den Erfolg seiner Ausstellungsbeiträge: „Seit 14 Tagen aus München zurückgekehrt, wohin ich verschiedene Modelle zur Ausstellung gebracht die sich des Beifalls hoher und höchster Herrschaften so wie vieler Künstler zu erfreuen hatten, […]“.E 200 Bü 486, Beilage zu Nr. 1, 17. August 1854.

Bewerbung um Professorentitel Offenbar war Güldenstein in München klargeworden, „wie sehr ein glücklicher Markt von Namen Titel u. Rang eines Ausstellers abhängig gemacht wird“, und richtete daher an König Wilhelm die „Unterthänigste Bitte […] um den Titel eines Professors ohne Gehalt; behufs seines Verkehrs mit dem Ausland, und den Schülern der Sontags-Gewerk-Schule zu Stuttgart“ (im Januar 1853 hatte er angefangen, „Modellirunterricht für junge Gold- und Silberarbeiter Ciseleurs, Graveurs u. s. w.“ zu erteilen). Der König hatte gegen die „Titel Ertheilung zwar gerade nichts zu erinnern“, ließ seine Beamten aber nach etwaigen Hinderungsgründen forschen. Trotz positiver Beurteilung wurde Güldenstein der Titel verwehrt, weil unter den gleichen Prämissen vielen anderen ebenfalls der Professorentitel zugestanden hätte.E 200 Bü 486.

Fotograf Güldenstein scheint sich bereits früh mit der aufkommenden Technik der Fotografie angefreundet zu haben. Im Gewerbe- und Handelsadressbuch des Königreichs Württemberg von 1855 firmiert er als „Bildhauer u. Inhaber einer photographischen Anstalt, Neckarstr. 42“.Adreßbuch 1855, S. 19. Offenbar benutzte er die Fotografie auch als Marketinginstrument. So bat er 1863 König Wilhelm, ihm „die Photographien einiger von ihm jüngst modellirter Thiergruppen“ vorlegen zu dürfen.E 14 Bü 203, 1861–1865, Nr. 39.

Zeit ab 1860 mini|hochkant=1.7| mini|hochkant|Güldenstein im August 1886 In den 1860er Jahren führte Güldenstein (soweit bekannt) noch zwei herrschaftliche Aufträge aus: zwei Bärengruppen für den Rotwildpark beim Bärenschlössle und die Figur einer „Gabenspenderin“ für die Villa Berg. Zu den bekannten Privataufträgen aus dieser Zeit gehören: die Heilbronnia für den Fleinertorbrunnen in Heilbronn und ein Medaillonbildnis des Moses Mendelssohn am israelitischen Schulhaus Laupheim. 1882 schuf er zum Gedenken an seinen 1864 verstorbenen Gönner König Wilhelm ein fünfteiliges Relief, das er an seinem Wohnhaus Hoppenlaustraße 23 anbrachte.