mini|Apsismosaik der Nikopoia in der Hagia Sophia, Istanbul, 867

Die Thronende Madonna (griech. Νικοποια (Nikopoia, auch: Nikopea, Nikopeia, Nicopeia), von griech. νίκη Sieg und ποιεῖν machen, herstellen, die „Siegbringende“) ist in der byzantinischen Ikonografie ein bestimmter Typus eines Marienbildes,Lorenzo Ceolin, S. 5 der im Westen bis ins 13. Jahrhundert zum bedeutendsten autonomen Marienbild wurde.Die vergessene Bildersprache der Kunst, S. 203

Der Name Die Bezeichnung Nikopoia soll darauf zurückgehen, dass ein byzantinischer Herrscher namens Nikephoros (Der Sieg bringende) ein in dieser Weise gestaltetes Gnadenbild auf seinen Feldzügen mitführte.Beyars.com

Ikonografie mini|Nikopoia, byzantinische Ikone, Kriegsbeute des vierten Kreuzzuges, heute in der Cappella della Madonna Nicopeia im Markusdom mini|hochkant=0.8|Byzantinische Ikone in der Chiesa SS. Pietro e Paolo in San Cosmo Albanese, Kalabrien, 20. Jahrhundert

Die Mutter Gottes wird als Basilissa oder Kaiserin auf einem Thron mit üppigen Kissen sitzend, mit dem Jesuskind auf dem Schoß dargestellt. Ihre rechte Hand liegt auf der Schulter des Jesuskindes, die linke auf seinem Knie. Während die rechte Hand des Kindes segnend erhoben ist, hält es in der Linken (auf frühen Bildern seltener) die Buchrolle, Symbol der Macht. Die Feierlichkeit wird durch die frontale Statik von Mutter und Sohn auf der gleichen vertikalen Achse dargestellt.Lorenzo Ceolin, S. 63

Im byzantinischen Zeitalter folgte die Kleidung der Madonna starren Schemen. Die Haare wurden durch eine weiße Kappe verdeckt. Sie selbst war mit einer roten Tunika und darüber einem blauen manchmal mit drei Sternen bestickten Mantel bekleidet und trug rote Schuhe oder Pantoffel. Diese Art die Madonna darzustellen sollte die in Italien in den darauf folgenden Jahrhunderten erfolgreichste und am weitesten verbreitete werden.

Marias göttliche Mutterschaft wird bei jüngeren Darstellungen durch zwei Abbreviaturen auf beiden Seiten des Kopfes bezeugt: „MP ΘY“, für „Μητὴρ Θεοῦ“ (Mutter Gottes).

Diese Darstellungsform findet sich

in byzantinischer Zeit (4.–15. Jahrhundert) als Maria lactans („stillende Gottesmutter“, griech. Galaktotrophousa, „seliger Schoß“) ab der Romanik (in Italien ab dem 13. Jahrhundert) als Sedes sapientiae („Sitz der Weisheit“), oder als Maestà („Herrscherin“) umgeben von Engeln oder Heiligen in der Renaissance Italiens (15.–16. Jahrhundert) in Form der Sacra conversazione („heilige Unterredung“), von Heiligen umgeben im Barock der Gegenreformation (17.–18. Jahrhundert) dann wieder als Regina caeli („Königin des Himmels“), die beiden letzteren auch als stehende Madonnen.

Variante Eine Variante der Nikopoia ist die Kyriotissa (griech. „Mutter des Herrn“), ein byzantinischer Madonnen-Bildtypus, bei dem Maria aufrecht steht und das Jesuskind an ihre Brust drückt.

Ikonografische Geschichte mini|hochkant=1.6|Das Byzantinische Reich unter Justinian I.

Dieser „triumphale Typus“ setzte sich 431 nach dem Konzil von Ephesos durch. Der Prototyp scheint byzantinischen Ursprungs zu sein, da dieser ikonografische Typus in allen Gebieten zu finden ist, in denen die byzantinische Kunst Fuß fassen konnte. Man findet ihn in Syrien, Kappadokien, Ägypten, Karthago, Italien, Russland, Rumänien und Bulgarien.Lorenzo Ceolin, S. 61

Unter den Ikonen des 6. Jahrhunderts gibt es nur zwei in gutem Zustand erhaltene, die eine im Katharinenkloster im Sinai in Ägypten und die andere, Madonna della Clemenza genannt, in der Chiesa Santa Maria in Trastevere in Rom. In beiden Darstellungen ist Maria als Königin der Engel und Heiligen dargestellt.Lorenzo Ceolin, S. 62

Seit der Herrschaftszeit von Justinian I. (527–565) findet man den Typus in der Sophienkirche in Konstantinopel, in der Basilika Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna u. a. m.

Nach den ikonoklastischen Kämpfen unter Leo III. und Konstantin V. wurde die Rolle der Maria als Mutter von Jesus mit dem Zweiten Konzil von Nicäa (787) verstärkt. Sie sollte die gleiche Rolle ihres Sohnes, König der Christen, erhalten. Als Königin auf dem Thron sitzend erhielt sie den Ehrenplatz in der Halbkugel der zentralen Apsis der Kirchen.

Plastische Darstellung in Europa Die sakrale Skulptur der Madonna mit Kind im Pommerschen Landesmuseum in der Hansestadt Greifswald gehört ebenfalls zu den Thronenden Madonnen. Vergleichbar ist diese Skulptur mit Thronenden Madonnen mit Kind aus Frankreich aus dem 13. Jahrhundert. Bis um 1300 erfährt dort diese Darstellung, vor allem in der Stein- und Holzbildnerei sowie in der Elfenbeinschnitzkunst, eine Blüte. Ein Beispiel dafür ist die Madonna aus der Sammlung Corroyer, welche aus Nussbaumholz gefertigt wurde und heute zum Bestand des Musée du Louvre gehört.Samml.-Kat. Paris 1996 = Baron, Francoise (Bearb.): Sculpture francause, I: Moyen Age, Paris 1996, S. 108. Ebenfalls als Beispiele für den gleichen Typus im europäischen Norden kann eine Madonnenskulptur aus Överselö (erste Hälfte 14. Jahrhundert, Schweden) oder die Thronmadonna aus dem St. Annen Museum in Lübeck angeführt (Anfang 14. Jahrhundert) werden. Das Motiv des stehenden Christuskindes findet sich auch, zum Beispiel bei der Thronenden Madonna aus dem St. Annen Museum in Lübeck. Das Kompositionsschema dieser Skulptur und auch der Madonna mit Kind aus dem Pommerschen Landesmuseum hat einige Vorbilder in Frankreich, welche zeitlich in das Ende des 13. Jahrhunderts eingeordnet werden können. Bei der Madonna mit Kind aus Mützenow handelt es sich um eine Ausnahme, da das Kind ebenfalls geradeaus schaut und auf den Betrachter blickt.

Siehe auch Maestà Thronende Madonna (Cimabue)

Literatur

Stefan Samerski: Die Nikopeia. Kultbild – Palladium – Mythos Venedigs. fe-Medienverlag, Kißlegg 2013, ISBN 978-3-86357-075-0.

Weblinks

Einzelnachweise

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