Legionellen (Legionella) sind eine Gattung stäbchenförmiger Bakterien aus der Familie der Legionellaceae. Sie sind im Wasser lebende gramnegative und nicht sporenbildende Bakterien, die durch eine oder mehrere polare oder subpolare Flagellen (Geißeln) beweglich sind. Legionellen sind als potenziell humanpathogen anzusehen. Zurzeit kennt man mehr als 48 Arten und 70 Serogruppen. Die für Erkrankungen des Menschen bedeutsamste Art ist Legionella pneumophila (Anteil von etwa 70 % bis 90 %, je nach Region), sie ist Erreger der Legionellose oder Legionärskrankheit mit Auslöser einer Pneumonie. Weit häufiger kommt es zum milderen Verlauf des sogenannten Pontiac-Fiebers ohne Lungenentzündung.

Eine Besonderheit vieler Arten der Gattung Legionella ist der hohe Anteil von verzweigten Fettsäureketten in ihren Membranlipiden. Beispielsweise beträgt bei Legionella pneumophila der Anteil verzweigter Ketten 64 %.T. Kaneda: Iso- and anteiso-fatty acids in bacteria: biosynthesis, function, and taxonomic significance. In: Microbiol. Rev. 55(2); June 1991: S. 288–302, PMID 1886522 (freier Volltextzugang)

Lebensbedingungen Die optimalen Lebensbedingungen für Legionellen sind: Frischwassernachspeisung lange Verweilzeit Temperaturbereich 25 °C bis 50 °C

Auswirkungen der verschiedenen Temperaturbereiche auf die Vermehrung der Legionellen: Temperaturbereich Wirkung auf die Vermehrungsrate bis 20 °C sehr langsame Vermehrung ab 20 °C Vermehrungsrate steigt 30 °C bis 45 °C optimale Vermehrung, Verdoppelung bei 36 °C in nur etwa 3 Stunden bei gutem Nährstoffangebot, 22–72 Stunden bei geringem Nährstoffangebot. ab 50 °C kaum noch Vermehrung ab 55 °C keine Vermehrung mehr möglich, Abtötung nach 6 Stunden ab 60 °C Abtötung der Legionellen innerhalb ca. 30 Minuten ab 65 °CAbtötung innerhalb 2 Minuten ab 70 °CAbtötung innerhalb Sekunden

In einer Studie des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig sollte gezeigt werden, dass sich der bakterielle Krankheitserreger Legionella pneumophila auch bei Wassertemperaturen zwischen 50 und 60 °C vermehrt.René Lesnik, Ingrid Brettar, Manfred G Höfle: Legionella species diversity and dynamics from surface reservoir to tap water: from cold adaptation to thermophily. In: The ISME Journal. 2015, doi:10.1038/ismej.2015.199.

Vorkommen von Legionellen Legionellen kommen dort vor, wo warmes Wasser optimale Bedingungen für ihre Vermehrung bietet. Sie sind im Temperaturbereich von 5 °C bis 55 °C lebensfähig, ab 60 °C werden sie nach wenigen Minuten inaktiv.A. von Graevenitz: Die Familie der Legionllacaea – Legionellose, in: Lehrbuch der Medizinischen Mikrobiologie, herausgegeben von Henning Brandis und Gerhard Pulverer Geeignete Lebensbedingungen bestimmen das Vorkommen: Warmwasserheizungen und Wasserverteilungssysteme für Warmwasser Wassertanks und Heißwasserbereiter (Boiler) Wasserleitungen mit langen Stillstandszeiten (z. B. nach einem längeren Urlaub oder mäßig genutzten Feuerlöschleitungen mit Trinkwasseranbindung), mit Wärmeeinwirkung von außen oder zu Thermomischern Totleitungen Schwimmbäder Krankenhäuser öffentliche Duschen (z. B. Schulduschen) Wannenbäder und Stationsbäder Luftwäscher von Klimaanlagen Kühltürme Biofilme

Artenliste Die Familie Legionellaceae ist monotypisch in der Gattung Legionella. Diese ist gemäß LPSN mit ihren Mitgliedsarten (Stand 2. September 2026):LPSN: Family Legionellaceae Brenner et al. 1979 (Approved Lists 1980).Genus Legionella Brenner et al. 1979 (Approved Lists 1980).

Familie Legionellaceae et al. 1979 (Approved Lists 1980) Gattung Legionella et al. 1979 (Approved Lists 1980) Legionella adelaidensis et al. 1991 Legionella anisa et al. 1985 Legionella antarctica et al. 2022 Legionella beliardensis et al. 2001 Legionella birminghamensis et al. 1988 Legionella bononiensis et al. 2022 Legionella bozemanae corrig. ( et al. 1980) et al. 1980 Legionella brunensis et al. 1989 Legionella busanensis et al. 2003 Legionella cardiaca et al. 2012 Legionella cherrii et al. 1985 Legionella cincinnatiensis et al. 1989 „Legionella clemsonensis“ et al. 2016 „Legionella donaldsonii“ et al. 1999 Legionella drancourtii et al. 2004 Legionella dresdenensis et al. 2010 Legionella drozanskii et al. 2001 Legionella dumoffii et al. 1980 Legionella erythra et al. 1985 Legionella fairfieldensis et al. 1991 Legionella fallonii et al. 2001 Legionella feeleii et al. 1984 Legionella geestiana et al. 1993 Legionella gormanii et al. 1980 Legionella gratiana et al. 1991 Legionella gresilensis et al. 2001 Legionella hackeliae et al. 1985 Legionella impletisoli et al. 2007 „Legionella indianapolisensis“ et al. 2018 Legionella israelensis et al. 1986 Legionella jamestowniensis et al. 1985 „Ca. Legionella jeonii“ et al. 2004 Legionella jordanis et al. 1982 Legionella lansingensis et al. 1994 Legionella londiniensis et al. 1993 Legionella longbeachae et al. 1982 Legionella lytica et al. 1996 Legionella maceachernii et al. 1985 Legionella maioricensis et al. 2023 Legionella massiliensis et al. 2012 Legionella micdadei ( et al. 1980) et al. 1980 Legionella moravica et al. 1989 Legionella nagasakiensis et al. 2012 Legionella nautarum et al. 1993 Legionella nigrisilvae et al. 2026 Legionella norrlandica et al. 2015 Legionella oakridgensis et al. 1983 Legionella parisiensis et al. 1985 Legionella petroniana et al. 2026 Legionella pneumophila et al. 1979 (Approved Lists 1980) „Ca. Legionella polyplacis“ et al. 2017 Legionella qingyii et al. 2019 Legionella quateirensis et al. 1993 Legionella quinlivanii et al. 1990 Legionella resiliens et al. 2024 Legionella rowbothamii et al. 2001 Legionella rubrilucens et al. 1985 Legionella sainthelensi et al. 1984 Legionella santicrucis et al. 1985 Legionella saoudiensis et al. 2016 Legionella septentrionalis et al. 2021 Legionella shakespearei et al. 1992 Legionella sheltonii et al. 2025 Legionella spiritensis et al. 1985 Legionella steelei et al. 2012 Legionella steigerwaltii et al. 1985 Legionella stuttgartensis et al. 2026 Legionella taurinensis et al. 1999 Legionella thermalis et al. 2016 Legionella tucsonensis et al. 1990 Legionella tunisiensis et al. 2012 Legionella wadsworthii et al. 1983 Legionella waltersii et al. 1996 Legionella worsleiensis et al. 1993 Legionella yabuuchiae et al. 2007

Übertragung der Legionellen auf den Menschen Eine Übertragung von Legionellen ist prinzipiell durch Kontakt mit Leitungswasser möglich, wenn die Legionellen in die tiefen Lungenabschnitte gelangen.

Nicht jeder Kontakt mit legionellenhaltigem Wasser führt zu einer Gesundheitsgefährdung. Erst das Einatmen bakterienhaltigen Wassers als Bioaerosol (Aspiration bzw. Inhalation z. B. beim Duschen, bei Klimaanlagen, durch Rasensprenger und in Whirlpools) kann zur Infektion führen.

Das Trinken von legionellenhaltigem Wasser ist für Personen mit intaktem Immunsystem keine Gesundheitsgefahr.

Eine Infektion mit Legionellen wird insbesondere mit folgenden technischen Systemen in Verbindung gebracht: Warmwasserversorgungen (z. B. in Wohnhäusern, Krankenhäusern, Heimen, Hotels, Kasernen), raumlufttechnische Anlagen (Klimaanlagen) und Luftbefeuchter Badebecken, insbesondere Warmsprudelbecken (Whirlpools) sonstige Anlagen, die Wasser zu Wassertröpfchen zerstäuben (beispielsweise Nebelerzeuger, Nebelbrunnen)

Geschichte

Legionellen wurden erstmals 1977 entdeckt, nachdem beim 58. Veteranenkongress der Amerikanischen Legion (Pennsylvania American Legion) im Bellevue-Stratford Hotel in Philadelphia (USA) 180 von 4400 Delegierten erkrankten und 29 starben. Bis Ende der 1980er Jahre waren 22 Spezies bekannt, außerdem 11 Serogruppen von Legionella pneumophila.

2007 gab die Weltgesundheitsorganisation ein Handbuch mit Empfehlungen zur Prävention heraus,who.int (PDF; 1,7 MB) die in einigen Ländern bereits früher umgesetzt worden waren.

Eine Untersuchung zwischen 2005 und 2010 in Berliner Kliniken ergab, dass jedes zweite Krankenhaus von Legionellen betroffen war. Eine Meldepflicht bestand damals nur bei einer tatsächlichen Erkrankung.

Im Klinikum Frankfurt (Oder) gab es 2003 einen Ausbruch mit sechs Infizierten, von denen zwei Patientinnen verstarben.Katrin Bischoff, Jens Blankennagel: Tod beim Duschen. In: Berliner Zeitung, 1. August 2003. Der Ausbruch einer Legionellen-Epidemie mit den bisher meisten Todesfällen in Deutschland ereignete sich Anfang Januar 2010 im Raum Ulm mit 5 Toten und 64 Infizierten.Sibylle Hübner-Schroll: Augsburger Experte: „beunruhigende Häufung“. In: Augsburger Allgemeine, 15. Januar 2010. Bei dem Erreger handelte es sich um das Stäbchen-Bakterium Legionella pneumophila der Serogruppe 1.Stephanie Schuster: Legionellen-Bakterie ist identifiziert. In: Augsburger Allgemeine, 15. Januar 2010. Die Gesundheitsbehörden ermittelten in Zusammenarbeit unter anderem auch mit der Technischen Universität Dresden dabei als Verursachungsquelle die zu einem Blockheizkraftwerk und einer Kältemaschine gehörigen Kühltürme in der Olgastraße 67, Nähe des Ulmer Hauptbahnhofs. Die Anlage wurde im September 2009 installiert und befand sich zu diesem Zeitpunkt im Probebetrieb. Stadt Ulm Der Legionellose-Ausbruch in Warstein 2013 war mit 165 Menschen der Fall mit der bisher größten Zahl von Infizierten in Deutschland. Dabei waren bis zum 25. September 2013 drei Todesopfer zu beklagen. Im September 2015 wurde im Klinikum Bremen-Ost ein Fall gemeldet.

Eine Studie in Quebec 1991 hat gezeigt, dass bei 128 untersuchten elektrischen Warmwasserspeichern selbst eine eingestellte Temperatur von 60 °C in 37 % der untersuchten Geräte aufgrund der niedrigeren Temperatur von 30–40 °C im unteren Bereich des Tanks noch kontaminiertes Wasser ergab. 12 % der Wasserhähne und 15 % der Duschköpfe waren kontaminiert. Auch das Alter der Speicher wurde als Grund erwogen. Eine Kontamination von gas- oder ölbeheizten Speichern wurde nicht festgestellt, da diese Geräte den Speicher periodisch auf höhere Temperaturen aufheizten.M. Alary; J. R. Joly: Risk factors for contamination of domestic hot water systems by legionellae., in Appl Environ Microbiol. 1991 Aug; 57(8): 2360–2367, DOI:10.1128/aem.57.8.2360-2367.1991, abgerufen am 10. Sep. 2023 Die Kinderschutzorganisationen in Kanada forderten in den 1980er Jahren, Warmwassertemperaturen auf 49 °C zu begrenzen, um Verletzungen durch Verbrühung zu vermeiden. Das Risiko von Legionelleninfektionen wird aber größer eingeschätzt, so dass weiterhin eine Auslauftemperatur am Wasserhahn von wenigstens 50 °C empfohlen wurde und der gesamte Inhalt von Warmwasserspeichern wenigstens einmal täglich auf 60 °C erhitzt werden sollte. Die Einstellung der Speichertemperatur auf 60 °C alleine reiche bei manchen Speichern nicht aus, da sich das Wasser im unteren Bereich des Speichers dann oftmals dennoch nicht über 30 bis 40 °C erhitze.Benoît Lévesque, Michel Lavoie, Jean Joly: Residential water heater temperature: 49 or 60 degrees Celsius? (englisch)

2012 kam es in Quebec zu einem großen Ausbruch von Legionellen mit 181 Betroffenen und 14 Todesfällen.

Regelungen in Deutschland Gesetzliche Vorschriften

Die deutsche Trinkwasserverordnung (Abk. TrinkwV 2001) schreibt in ihrer aktuellen Fassung (bekanntgemacht am 10. März 2016) eine regelmäßige Untersuchungspflicht auf Legionellen vor. Diese betrifft alle Unternehmer und sonstigen Inhaber von Trinkwasser-Installationen mit Großanlagen zur Trinkwassererwärmung, sofern aus diesen Trinkwasser im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit abgegeben wird und es zu einer Vernebelung des Trinkwassers (z. B. in Duschen) kommt.