mini|Blick auf das Schloss von Südosten mini|Saal im Erdgeschoss Das Barockschloss Neschwitz steht im gleichnamigen Ort Neschwitz, etwa 15 km nordwestlich von Bautzen in Sachsen und zählt mit dem dazugehörigen Schlosspark zu den kulturhistorisch bedeutsamen Schlossanlagen der Lausitz.

Geschichte Die Geschichte von Schloss NeschwitzÜber die Herkunft des Namens Neschwitz gibt es unterschiedliche Deutungen. G. A. Poenicke weiß zu berichten, dass er sich vielleicht ableitet von nesswadzicz, was so viel heißt wie nicht Vesperbrot essen, weil in Neschwitz die Feierabendglocke stets eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang geläutet wurde, denn einst hatte ein Neschwitzer Ritter seinen Leibeignen angeboten, ihnen täglich eine halbe Stunde der Fronarbeit zu erlassen, wenn sie auf ihren Anspruch auf das ihnen zustehende Vesperbrot verzichteten. lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen und ist stets eng verbunden mit den jeweiligen Besitzverhältnissen des ehemaligen Rittergutes als landwirtschaftliche Einheit.

Von den Anfängen bis 1721 mini|hochkant|Teil des Gewölbes der alten Wasserburg Als der askanische Markgraf Otto IV. von Brandenburg im Jahre 1268 die Oberlausitz in die Landvogteien Bautzen und Görlitz aufteilte, tauchte in der Teilungsurkunde auch ein Ort namens „Nyzwaz“ auf, heute Neschwitz im Landkreis Bautzen in Sachsen. Zum Zeitpunkt dieser Teilung hat hier bereits eine am Hoyerswerdaer Schwarzwasser gelegene Wasserburg gestanden.

Lehnsleute von Neschwitz waren zu dieser Zeit die Ritter von Schreibersdorf, eine ursprünglich aus dem niederschlesischen Jauer stammende Adelsfamilie. Der für 1454 überlieferte Umbau der alten Wasserburg zu einem Renaissanceschloss kann auf diese Familie zurückgeführt werden, denn bereits 1286 taucht ein Lucas von Schreibersdorf in einem Gerichtsprotokoll auf, Balthasar von Schreibersdorf war 1474 Amtshauptmann von Bautzen und 1492 waren die Brüder Hans, Caspar und Dietrich von Schreibersdorf die Herren auf Neschwitz. Die Schreibersdorfs begannen 1543 hier auch mit der Teichwirtschaft,Die Chroniken der Teichwirtschaft nennen das Rittergut Neschwitz bereits 1543. später wurde Neschwitz eines der Zentren der Karpfenproduktion in der Oberlausitz.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts geriet der landbesitzende Adel in eine anhaltende wirtschaftliche Krise und die großen Herrschaften wurden zu Rittergütern mit einfachem Mannlehn, das heißt, sie konnten nur an einen direkten, männlichen und mündigen Nachkommen vererbt werden. Als der böhmisch-ungarische König Ferdinand I. nach dem sogenannten Oberlausitzer Pönfall von 1547 seine Versprechungen zur Stärkung der Lehnsrechte der Landstände nicht einlöste, wechselten die Besitzverhältnisse auf Neschwitz nun öfter.

Bis 1572 blieb das Gut, bis auf wenige UnterbrechungenEine dieser Unterbrechungen könnte im Jahre 1481 gewesen sein, als ein Martin von Maxen urkundlich als Besitzer genannt wurde, eine andere 1488, als der Meißener Bischof Johann VI. zu Stolpen den Balthasar von Haugwitz zum Lehnsherren von Neschwitz berief. noch in den Händen der Schreibersdorfer, dann verkaufte es Dietrich von Schreibersdorf an den kaiserlichen Rat Hans Haubold von Schleinitz, dessen Familie in der Lausitz weit verbreitet war.Der Familie von Schleinitz entstammte auch der erste Bischof von Leitmeritz (heute Litoměřice), Maximilian Rudolf von Schleinitz, was insofern eine interessante Querverbindung darstellt, als die spätere Eigentümerin von Schloss Neschwitz, Ursula Katharina von Altenbockum, in der Jesuitenkirche von Leitmeritz beigesetzt ist. Hans Haubold war ab 1572 Landvogt der Oberlausitz, bis er infolge einer Intrige 1594 von Kaiser Rudolph II. abgesetzt wurde und am 1. Januar 1595 auf Schloss Neschwitz in tiefster Verbitterung verstarb.

Nach dem Tode des Landvogtes ging Neschwitz an Friedrich von Pannewitz, dieser verkaufte das Gut dann 1600 an Hans von Ponickau den Jüngeren, der 1562 Amtshauptmann in Bautzen war und dem auch die Güter in Prietitz, Elstra, Königswartha und Debra gehörten. Sein Nachfolger war Georg Rudolph von Ponickau, der 1604 dem Pfarrlehn von Neschwitz per Schenkung die Stelle eines Hüfners überließ und 1608 eine neue SchulordnungDiese Schulordnung war wie folgt betitelt: „Instruction, wie es mit den Knaben so in der Schule allhier zu Neschwitz instituiert werden und dem Organisten commandiret sind, hinfüro gehalten werden soll.“ einführte. Weiterhin legte er 1615 fest, dass der jeweilige Besitzer einer bestimmten Wiese in der Neschwitzer Flur pro Jahr 18 Groschen an die Schule zu zahlen hatte.Dieses Geld sollte dafür genutzt werden, „die Kinder am Charfreitage nach abgehaltenem Examen zur Aufmunterung mit Fastenbrezeln zu traktiren…“ Diese Bestimmung galt noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts, allerdings reichte infolge höherer Kinderzahl der Geldbetrag nicht mehr aus und musste aus der Kirchenkasse bezuschusst werden. Die Bemühungen des Georg Rudolph von Ponikau, Neschwitz zu einem Markflecken zu erheben, scheiterten an der Genehmigung des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I.

Nach der Familie Ponickau erwarb die Familie von Theler das Gut. 1674 gehörte Neschwitz der Anna von Theler, die ein Vermächtnis zugunsten des Pfarrherrn, der Armen und der Schule in ihr Testament aufnahm. Danach wurde ihr Sohn George Bernhard von Theler Schlossherr.Georg Bernhard von Theler wurde am 17. Februar 1649 auf Neschwitz geboren und übernahm die Herrschaft mit 22 Jahren. Mit seiner ersten Frau Amalie Elisabeth von Minckwitz hatte er bis 1686 8 Kinder. Danach heiratete er noch zweimal. Der letzte der Thelers, Conrad Heinrich, verkaufte das Anwesen an Schack von Rumohr.Schack von Rumohr wurde nach 1660 auf Gut Olpenitz in Holstein geboren. 1681 war er Fähnrich in Prinz Friedrichs Regiment und dort 1683 bis 1687 Premier-Leutnant. Er hatte eine nicht standesgemäße Verbindung, aus der auch ein Kind stammen soll. Deswegen verließ er Holstein und ging in ausländische Dienste. Er wurde kursächsischer Oberst und niedersächsischer Kreisoberst. 1708 bis 1720 hatte er Streitigkeiten mit Georg Bernhard von Theler über den Verkauf von Neschwitz. Sein Sohn aus zweiter Ehe, Georg Wilhelm von Rumohr, kursächsischer wirklicher Kammerjunker, wurde 1734 im Duell erstochen. Damit starb dieser Zweig der Familie Anfang des 18. Jahrhunderts aus. Rumohr besaß das Anwesen bis 1721.

Die Ära von Württemberg bis Simonis Mit der Übernahme des Besitzes durch den Prinzen Friedrich Ludwig von Württemberg-Winnental im Jahre 1721 kam es zu einer vollständigen Veränderung des Schlossgeländes.

mini|links|hochkant|Prinz Friedrich Ludwig von Württemberg-Winnental mini|hochkant|Ursula Katharina von Altenbockum Der Prinz, der bereits seit 1703 in militärischen Diensten König August II. stand, hatte am Dresdner Hofe die Ursula Katharina von Altenbockum, Reichsfürstin von Teschen und geschiedene Fürstin Lubomirska, die im gleichen Jahr die Mätresse des Königs wurde, kennen gelernt. Jetzt, fast zwanzig Jahre später, – August II. hatte längst andere Frauen in seine Gunst genommen und der Prinz hatte sich für ihn in zahlreichen Schlachten geschlagen – fand der König offenbar Wohlgefallen an einer festen Verbindung zwischen Ursula Katharina und Friedrich Ludwig. Letzterer zeigte jedenfalls höchstes Interesse an der noch immer attraktiven Frau, und so benötigte er ein „angemessenes“ Brautgeschenk. Also erwarb er die Neschwitzer Immobilie und beauftragte den damaligen Dresdner Oberlandbaumeister Johann Friedrich Karcher, diese vollkommen umzubauen. mini|links|Schematische Darstellung der Schlossanlage mini|Vorderansicht des Barockschlosses

Karcher strukturierte das fünfeinhalb Hektar große Gelände streng geometrisch zu einem Park im französischen Stil. Das alte Schloss wurde bis auf die alten, heute noch zu sehenden KellergewölbeNach einer alten Sage soll in einem zwölften Keller des Gewölbes eine goldene Kutsche verborgen sein, aber bisher wurde dieser Keller noch nicht gefunden des ehemaligen Wasserschlosses abgerissen und darauf ein 5 Meter hoher Hügel aufgeschichtet. Auf diesen Hügel ließ Karcher ein barockes, durch Pilaster gegliedertes, zweistöckiges Gebäude mit Mansarddach bauen, umgeben von einer zweiseitigen Terrasse. Zum Mittelpunkt des Hauses wurde eine große, durch beide Etagen gehende Haupthalle. Die Aufträge für die Vasen und Plastiken aus Sandstein, wie zum Beispiel die Skulpturen von Adonis und Venus an den Seitenwänden des Schlosses, gingen an Johann Benjamin Thomae, einen Schüler Permosers. mini|links|hochkant|Sandsteinverzierungen an der Schlossfassade mini|hochkant|Südwest-Ende der Querachse mit Sicht auf die Neschwitzer Kirche Die Längsachse des Schlosses verläuft in einem 45°-Winkel zur Nord-Süd-Richtung von Südwest nach Nordost. Dazu im rechten Winkel wurde die Hauptachse des Schlossparks angelegt, und zwar vom Schloss aus in Richtung Nordwest. Die Ausdehnung der Hauptachse erstreckt sich vom Schloss bis zum sogenannten Blauen Tor, ein Schmuckstück des Schmiedehandwerks. Senkrecht zur Hauptachse, annähernd im Goldenen Schnitt der Entfernung Schloss-Blaues Tor legte Karcher eine Querachse an, die im Südwesten genau auf die Neschwitzer Kirche zeigt und am Parkeingang mit zwei Torhäuschen besetzt ist. In der Gegenrichtung war die Sicht frei bzw. führte zum Forst. Am Schnittpunkt von Haupt- und Querachse wurde ein Rondell von rund 35 Metern angelegt. Beide Hauptachsen als Symmetrieachsen nutzend, entstanden 4 kleine Zweckbauten, und zwar ein Herrenpavillon, ein Bade- und Küchenpavillon, eine Bibliothek sowie ein Theaterpavillon.

mini|links|hochkant|Atalante mini|hochkant|Meleagros In der Flucht der beiden dem Schloss abgewandten Pavillons wurde noch eine parallel zur Querachse verlaufende Balustrade eingefügt, die zur Hauptachse hin dem Kreisbogen des zentralen Rondells folgt und sich dort zum Blauen Tor hin öffnet. Der Durchgang ist geziert durch zwei überlebensgroße Statuen von Atalante und Meleagros, die ebenfalls von Johann Benjamin Thomae geschaffen wurden.

Weiterhin entstand ein neuer Wirtschaftshof und – schließlich gehörten zu einem rauschenden Fest, wofür die ganze Anlage ja von vornherein gedacht war, auch Bier und Spirituosen – ein Brauhaus mit Brennerei. Ein Marstall für 40 Pferde und ein Tiergarten mit Jagdhaus komplettierten das Ganze.

Da es in Neschwitz schon seit Jahrhunderten Erfahrungen in der Teichwirtschaft und im Wasserbau gab, war es naheliegend, dass bei der Gestaltung des Parkes auch die Wasserkunst eine Rolle spielte. So wurde der Schlosshügel mit einem Wassergraben eingerahmt und innerhalb des Parkes südwestlich neben dem Schloss ein Teich angelegt.

Im Jahr 1723 war das Bauvorhaben beendet und Prinz Friedrich Ludwig konnte mit seiner frisch vermählten FrauPrinz Friedrich Ludwig hatte am 22. Oktober 1722 die Reichsfürstin von Teschen heimlich in Dresden geheiratet in das Schloss einziehen. Sie nutzten es als Sommer- und Jagdresidenz. Allerdings währte die Freude an dem Besitz nicht sehr lange. 1731 erhielt der Prinz, inzwischen zum sächsisch-polnischen Reitergeneral und kaiserlichen Generalfeldzeugmeister befördert, von Kaiser Karl VI. den Oberbefehl über dessen Truppen in Italien. Als es nach dem Tode von König August II. 1733 zu kriegerischen Auseinandersetzungen um die polnische Thronfolge mit Frankreich kam, fiel Friedrich Ludwig am 19. September 1734 in der Schlacht bei Guastalla.