mini|Mutterschaft Minderjähriger pro 1000 Mädchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren im Jahr 2008 mini|Weltkarte der mit der Anzahl der Geburten Minderjähriger zwischen 15 und 19 Jahren pro 1000 Frauen im Jahr 2002 lang=de|mini|Entwicklung der Mutterschaft 15–17-jähriger Mädchen in den USA seit 1970
Die Mutterschaft Minderjähriger ist in vielen entwickelten Ländern mit einem Stigma behaftet und stellt ein soziales Problem dar. Stammt die Mutter aus der Unterschicht, sind ihre Kinder häufiger ärmer und schulisch weniger erfolgreich.The National Campaign to Prevent Teen Pregnancy. (2002). Abgerufen am 27. Mai 2006.
In den Entwicklungsländern gibt es die Mutterschaft Minderjähriger – je nach Festlegung der Volljährigkeit – häufiger innerhalb der Ehe, wo sie nicht mit einem sozialen Stigma behaftet ist.Population Council (2006) Population Briefs, January 2006, Vol. 12, No. 1. Abgerufen am 18. April 2007.
Die jüngste Mutter wurde Lina Medina, ein sexuell missbrauchtes Mädchen in Peru im (nicht gesicherten) Alter von 5 Jahren.
Häufigkeit der Schwangerschaft Minderjähriger in verschiedenen Ländern + Minderjährigen-Geburtenrate in OECD-Ländern (2010)OECD Family database, SF2.4 Share of births outside marriage and teenage births, abgerufen am 1. März 2017. Land Minderjährigen-Mutterschaftsrate bei 1000 Frauen im Alter 15–19Südkorea5,5Niederlande5,2Italien4,8Schweden5,9Deutschland9,8Schweiz4,3Österreich11,2Vereinigte Staaten16,7 (2019)Vereinigtes Königreich14,5 (2016)Mexiko64,3Chile59,4Türkei35,9
Ein Report von Save the Children stellte fest, dass pro Jahr 13 Millionen Kinder von Mädchen und Frauen unter 20 Jahren geboren werden, davon 90 % in den Entwicklungsländern. Komplikationen bei der Schwangerschaft und Geburt sind in den Entwicklungsländern die häufigsten Gründe für Todesfälle bei Frauen zwischen 15 und 19 Jahren. Die höchste Minderjährigen-Mutterschaftsrate der Welt hat Sub-Sahara-Afrika.Treffers, P.E. (November 22, 2003): Teenage pregnancy, a worldwide problem. In: Nederlands tijdschrift voor geneeskunde, 147(47), 2320-5. PMID 14669537
In Niger sind 87 % der weiblichen Bevölkerung vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet, und 53 % haben mindestens ein Kind, bevor sie 18 Jahre alt sind.Locoh, Therese. (2000). „.“ WIN News. Abgerufen am 7. Juli 2006. In El Salvador gibt es eine problematisch hohe Zahl von Schwangerschaften bei 10- bis 14-Jährigen, aus Unwissen über Empfängnisverhütung oder als Folge von Sexuellem Missbrauch. Das wird umso problematischer, als das Abtreibungsgesetz in El Salvador weltweit zu den Ländern mit den strengsten gehört. Auf dem indischen Subkontinent gehen Ehen zwischen Jugendlichen häufig mit Minderjährigen-Mutterschaft einher. In den ländlichen Gegenden hat sie eine höhere Rate als in urbanen Gebieten. In Indonesien und Malaysia hat die Rate der minderjährigen Mütter stark abgenommen, und sie ist in den Industrienationen Asiens wie Südkorea und Singapur sogar extrem niedrig.Mehta, Suman, Groenen, Riet, & Roque, Francisco. United Nations Social and Economic Commission for Asia and the Pacific. (1998). . Abgerufen am 7. Juli 2006.
In Europa hat die allgemeine Geburtenrate und auch die Rate minderjähriger Mütter seit 1970 abgenommen. Die höchste Minderjährigen-Mutterschaftsrate Europas hat Großbritannien und gleichzeitig auch eine höhere Abtreibungsrate als die meisten anderen europäischen Länder. In den meisten europäischen Ländern ist die Minderjährigen-Mutterschaftsrate im weltweiten Vergleich sehr niedrig, was auf den Gebrauch von Verhütungsmitteln (in den Niederlanden und Skandinavien), die Beachtung traditioneller Werte (in Italien oder Spanien) oder eine Kombination aus beidem (in der Schweiz) zurückgeführt wird.UNICEF. (2001). Abgerufen am 7. Juli 2006. Häufige Abtreibungen bei Teenagern und die höchste Teenager-Mutterschaftsrate in der industrialisierten Welt treten in den USA auf. Seit 1990 sinkt dort die Rate, wobei sie bei Hispanics und Afroamerikanerinnen in den USA höher bleibt als bei weißen und asiatischen US-Amerikanerinnen. 25 % des Sinkens sind laut Untersuchungen des Guttmacher-Institutes auf Abstinenz zurückzuführen, 75 % auf bessere Verhütungsmittel.Wind, Rebecca. The Guttmacher Institute. (February 19, 2004). “U.S. Teenage Pregnancy Rate Drops For 10th Straight Year”. Abgerufen am 7. Juli 2006.
Siehe auch Lebendgeburten in der EU
Gründe für die Schwangerschaft Minderjähriger In den entwickelten Ländern sind Schwangerschaften bei Minderjährigen vorwiegend ungeplant.Teenage Mothers : Decisions and Outcomes – Provides a unique review of how teenage mothers think Policy Studies Institute, University of Westminster, 30 Oct 1998 Heranwachsende sind über Methoden der Familienplanung selten gut informiert, haben keinen Zugang zu Verhütungsmethoden oder schämen sich, danach zu fragen.Slater, Jon. (2000). “Britain: Sex Education Under Fire”. The UNESCO Courier. Abgerufen am 7. Juli 2006.The National Campaign to Prevent Teen Pregnancy. (1997). . Abgerufen am 13. Juli 2006. Dennoch ergaben einige Studien eine etwa entsprechende Rate des Gebrauchs von Verhütungsmitteln bei Mädchen wie bei Frauen.BBC-News Werden Verhütungsmittel von Jugendlichen angewendet, erweisen sie sich oft als unzuverlässig, wenn Kondome falsch benutzt oder das Einnehmen der Pille vergessen wird. Falsche Anwendung wurde vermehrt bei armen Jugendlichen festgestellt. Für Jugendliche ist der Pearl-Index höher als für ältere Personen.Besharov, Douglas J. & Gardiner, Karen N. (1997). Trends in Teen Sexual Behavior. Children and Youth Services Review, 19 (5/6), 341-67. Abgerufen am 13. Juli 2006. 60 % der minderjährigen Mütter gaben an, dass sie den Sex nicht wollten, 11 bis 20 % der Minderjährigen-Mutterschaften wurden als Folgen von Vergewaltigung beschrieben.Boyer, Debra and Fine, David (1993), „Sexual Abuse as a Factor in Adolescent Pregnancy and Child Maltreatment“ Family Planning Perspectives Vol. 24 (2). Quoted in Community Crisis Center, abgerufen am 25. Januar 2007.Gershenson, Harold et al. (1989) „The Prevalence of Coercive Sexual Experience Among Teenage Mothers.“ Journal of Interpersonal Violence, Vol. 4 (2).
Sozioökonomische Faktoren mini|300px|Mutterschaft Minderjähriger ist höher in Ländern mit höherer Ungleichheit Zwischen Armut und Minderjährigen-Mutterschaft besteht ein ausgeprägter Zusammenhang, wobei arme Länder, wie Niger oder Bangladesch, eine höhere Minderjährigen-Mutterschaftsrate aufweisen als reiche Länder wie Japan und die Schweiz. UNFPA, State of World Population 2003, abgerufen am 22. Januar 2007. In reichen Regionen in Italien ist die Rate mit 3,3 pro 1.000 sehr niedrig. Im armen Mezzogiorno (Süditalien) liegt sie bei 10 pro 1.000. Der Soziologe Mike A. Males stellte diesen Zusammenhang für Kalifornien fest:
County Anteil von Haushalten unter der Armutsgrenze Geburtenrate*Marin County5 %5Tulare County (Weiße)18 %50Tulare County (Hispanics)40 %100 * bei 1000 Frauen im Alter 15–19
Junge Frauen bzw. Mädchen mit geringer Bildungserwartung sind stärker gefährdet, minderjährig Mutter zu werden.Allen et al. (2007) Does the UK government’s teenage pregnancy strategy deal with the correct risk factors? Findings from a secondary analysis of data from a randomised trial of sex education and their implications for policy Journal of Epidemiology and Community Health 2007;61:20-27, Referenced January 26, 2007Steffen Heinzelmann: Teenager-Schwangerschaften: Von wegen aufgeklärt Süddeutsche Zeitung vom 28. September 2006, abgerufen am 20. Mai 2012 Bei Jugendlichen ist die Wahrscheinlichkeit einer Minderjährigen-Mutterschaft höher, wenn auch deren Mutter und die älteren Schwestern minderjährige Mütter waren.East, P.L., & Jacobson, L.J. (2001). The younger siblings of teenage mothers: a follow-up of their pregnancy risk. In: Developmental Psychology, 37 (2), 254-64. PMID 11269393Furstenberg, F.F., Jr, Levine, J.A., & Brooks-Gunn, J. (1990). The children of teenage mothers: patterns of early childbearing in two generations. PMID 2347409
Eine Studie der University of Chicago beschreibt das Aufwachsen bei Pflegeeltern als einen Risikofaktor: Fast die Hälfte aller in den USA in Pflegefamilien aufgewachsenen Frauen waren vor dem 19. Lebensjahr mindestens einmal schwanger.A Joint Project of The National Campaign to Prevent Teen Pregnancy and UCAN (Uhlich Children’s Advantage Network) 16. Februar 2006 Das hört mit dem Verlassen der Pflegefamilie nicht auf. Eine Studie des Utah Department of Human Services belegt, dass die Geburtenrate von jugendlichen ehemaligen Pflegekindern sogar dreimal so hoch war wie die durchschnittliche Geburtenrate von gleichaltrigen Jugendlichen
Daniel Goleman benennt als Hauptfaktor für Teenager-Schwangerschaften mangelnde emotionale Bildung und beruft sich dabei u. a. auf eine Studie von Marion Underwood und Melinda Albert, die 1989 beobachtet hatten, dass 40 % der Mädchen, die als Zehnjährige ständige Probleme mit Lehrern hatten, noch vor Abschluss der High School Mutter wurden.Marion Underwood, Melinda Albert: Fourth-Grade Peer Status as a Predictor of Adolescent Pregnancy, Konferenzpapier, Society for Research on Child Development, Kansas City, Missouri, April 1989;
Medizinische Faktoren Frühgeburten und ein geringes Geburtsgewicht treten häufiger auf.Scholl, T.O., Hediger, M.L., & Belsky, D.H. (1994). Prenatal care and maternal health during adolescent pregnancy: a review and meta-analysis. In: Journal of Adolescent Health, 15 (6), 444-56. PMID 7811676Makinson, C. (1985). The health consequences of teenage fertility. In: Family Planning Perspectives, 17 (3), 132-9. PMID 2431924 In den USA leiden schwangere Jugendliche oft unter Mangelernährung, bedingt durch ungesunde Ernährung, Fast-Food und Schlankheitsdiäten.Gutierrez, Y., & King, J.C. (1993). Nutrition during teenage pregnancy. In: Pediatric Annals, 22 (2), 99-108. PMID 8493060
In den USA gibt es Studien zu einem öffentlichen Dienst, welcher jeder Teenagermutter eine betreuende Person zur Seite stellt. Diese „Nurse-Family-Partnerships“ senken das Risiko von Vernachlässigung und erweitern die Lebenschancen der Mutter. Ebenso senken sie die Kriminalitätsrate der weiblichen Kinder. Die der Jungen bleibt unberührt.John Eckenrode et al.: Long-term Effects of Prenatal and Infancy Nurse Home Visitation on the Life Course of Youths, ARCH PEDIATR ADOLESC MED/VOL 164 (NO. 1), JAN 2010, online abrufbar als Volltext im PDF. Zuletzt abgerufen am 7. Januar 2009
Sozioökonomische und psychologische Konsequenzen Minderjährige Mütter und deren Kinder scheinen schlechtere Lebenschancen zu haben, wobei Studien darauf hindeuten, dass es sich um eine Scheinkorrelation handeln könnte. Minderjährige Mütter kommen häufig aus der sozialen Unterschicht und haben daher weniger Möglichkeiten, eigene Ressourcen zu mobilisieren; verfügten sie über mehr Ressourcen, ginge es ihren Kindern vermutlich besser.
Die frühe Mutterschaft ist oftmals eine „Flucht“ aus einer unerträglichen Familien- oder Ausbildungssituation, drohender Arbeitslosigkeit oder Aussichtslosigkeit bezüglich des Berufswunsches. Elternschaft erscheint dann möglicherweise als der einzige Weg, einen anerkannten sozialen Status zu erlangen. Minderjährige Mütter stammen oftmals aus problematischen Familienverhältnissen. Die junge Mutter sehnt sich möglicherweise danach, eine enge emotionale Beziehung zu einem eigenen Kind aufzubauen. Der Wunsch nach emotionaler Nähe basiert auf der Sehnsucht nach Geborgenheit und Zuwendung, die auch auf den selbst erlebten Mangel zurückzuführen ist. Eventuell möchte sie den Kindsvater über ein gemeinsames Kind an sich binden.
Konsequenzen für die Mutter Die Schullaufbahn einer jungen Frau kann durch eine Minderjährigen-Mutterschaft negativ beeinflusst werden. Minderjährige Mütter verlassen häufiger die Schule ohne Abschluss als andere Frauen.