Die Schnellfahrstrecke Madrid–Barcelona–französische Grenze (spanisch: Línea de alta velocidad Madrid-Barcelona-Frontera francesa) ist Teil des Hochgeschwindigkeitsnetzes in Spanien. Mit einer zulässigen Streckenhöchstgeschwindigkeit von 350km/h im Abschnitt zwischen Madrid und Barcelona gehört sie zu den schnellstbefahrenen Bahnstrecken der Welt. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 310km/h legt der AVE die 620,9km zwischen Madrid und Barcelona in einer Fahrzeit von zwei Stunden und 30 Minuten zurück. Dies entspricht einer Reisegeschwindigkeit von 248,4km/h (Stand November 2017). Die Strecke ist ferner Teil des Prioritären Projekts 3 (Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnachse Süd, Paris–Madrid) der Transeuropäischen Netze (TEN). Seit 20. Februar 2008 wird die Strecke zwischen Madrid und Barcelona in voller Länge planmäßig von Reisezügen befahren. 2013 wurde, als letzter Streckenabschnitt, die Verlängerung bis Frankreich durchgehend in Betrieb genommen.

Verlauf Madrid–Barcelona Madrid–Lleida mini|Zug der RENFE-Baureihe 103 auf dem Weg nach Madrid in der Provinz Guadalajara Die Strecke beginnt im Bahnhof Madrid-Atocha () und verläuft zunächst in südlicher Richtung neben den Gleisen der Schnellfahrstrecke Madrid–Sevilla. Nach rund fünf Kilometern trennen sich beide, die Strecke Richtung Barcelona verläuft danach zunächst in nordöstlicher Richtung durch die Vororte von Madrid und am Westsaum des Río-Henares-Flusssystems. Beim Streckenkilometer 64 wird der Bahnhof Guadalajara-Yebes erreicht, der als Pendlerbahnhof sieben Kilometer südöstlich des Stadtzentrums errichtet wurde.Mike Bent: Spain’s high speed step change. In: Today’s railways Europe. 150, June 2008, , S. 32–43.

Die Strecke steigt im weiteren Verlauf an und erreicht mit einer Höhe von () in der Sierra Ministra (Streckenkilometer 152,7), südöstlich von Torralba del Moral den höchsten Punkt im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz. Nun nutzt die Trassierung das südöstliche Hinterland des Jalón und ab Streckenkilometer 197 (kurz vor Calatayud) verläuft die Strecke für rund 30km weitgehend parallel zur Bestandsstrecke im Flusstal. Beim Streckenkilometer 221 wird der Bahnhof Calatayud erreicht. Die Anbindung Saragossas an die Schnellfahrstrecke fädelt beim Streckenkilometer 294 in nördlicher Richtung aus, während die Neubaustrecke etwa sechs Kilometer südlich am Stadtzentrum in der weiten Ebroniederung vorbeiführt.

Während die Bestandsstrecke im weiteren Verlauf nach Norden (Richtung Tardienta) abschwenkt, verläuft die Neubaustrecke auf direktem Weg nach Lleida, indem sie im nördlichen Hinterland des Ebrotals südlich die Los Monegros berührt. Für rund 50km verläuft die Strecke in Verkehrswegebündelung mit der Autopista AP-2. Während die Neubaustrecke rund drei Kilometer südlich des Stadtkerns von Lleida verläuft, bindet eine Spange den Bahnhof der Stadt an. Beim Streckenkilometer 452 lag eine ehemalige Umspuranlage, die bis zur Fertigstellung des letzten Streckenabschnitts genutzt wurde.

Lleida–Barcelona Im weiteren Verlauf bis Barcelona folgt die Strecke zunächst in einem Abstand von bis zu fünf Kilometern der Bestandsstrecke und steigt wie diese und die Autopista AP-2 Martorell bei Vinaixa zum Kulminationspunkt zwischen (nördlich) Serra de Vilobí und (südlich) Montañas de Prades an. Meerwärts geht es dann südöstlich entlang des Francolí-Tals bis nördlich von Tarragona, von wo aus im Küstenhinterland nordwestwärts in die Ebene des Penedès gelangt wird. Martorell wird nördlich umfahren, bevor die Strecke in südöstlicher Richtung gen Barcelona abknickt. Im Tal des Llobregat verlaufen die Gleise in dichter Bündelung mit weiteren Straßen und Schienen. Der auf Meereshöhe liegende Bahnhof Barcelona-Sants wird in einem 4619m langen Tunnel erreicht.

Streckencharakteristik Die Gesamtlänge der Strecke zwischen Madrid und Barcelona beträgt 621km, einschließlich der Verlängerung zur französischen Grenze bei 744kmK. Fockenberg, G. Blaasch: Eisenbahn-Hochleistungsstrecken in Europa. In: Tiefbau. 2003, Heft 7, S. 400–408 (PDF-Datei, 3,5 MB) bzw. 855km einschließlich Verbindungskurven und -Strecken.. In: eib.org. vom 2. Juni 2003, abgerufen am 14. September 2007. Die Strecke zwischen Madrid und Barcelona führt zwischen Madrid und Barcelona durch die Provinzen Madrid, Guadalajara, Soria, Saragossa, Huesca, Lleida, Tarragona und Barcelona. 29 Prozent der spanischen Bevölkerung, 11,5 Millionen Menschen, leben in diesen Provinzen (Stand: 1998). Die Strecke führt allein im Abschnitt zwischen Madrid und Lleida durch 26 Tunnel und über 94 Brücken (andere Quelle: 27 Tunnel, 97 Brücken auf der gesamten 855-km-Strecke, weitere Quelle: 24 Tunnel zwischen Madrid und LleidaK. Fockenberg, G. Blaasch: Projektsteuerung bei großen Infrastrukturvorhaben. In: Tiefbau. 2001, Heft 1, S. 31 (PDF-Datei, 541 kB)). Die Gesamtlänge der Brücken im 481km langen Abschnitt zwischen Madrid und Lleida liegt bei 26,6km, die Gesamtlänge der Tunnel bei 24,4km. An zahlreichen Stellen verläuft die Strecke auf Dämmen oder in Einschnitten.Amar Chaker, Jeffrey Falero: Speeding across Spain. In: Civil Engineering. 71, Nr. 6, 2001, , S. 52–58. In Saragossa steht auf einer Grundfläche von 80000m² der Bahnhof Zaragoza-Delicias. Der Bahnhofskomplex nimmt neben den Bahnanlagen auch einen Busbahnhof, einen Gewerbekomplex mit zwei Hotels, ein Geschäftszentrum sowie 2000 Parkplätze auf. In Saragossa zweigt die kurze Schnellfahrstrecke nach Huesca ab.

Die Stationen zwischen Madrid und Barcelona werden in der Regel höhenfrei, zumeist über Verbindungskurven angebunden. Unter anderem führt dabei ein 21,2km langer Streckenabschnitt an Saragossa, ein 13,1km langer Abschnitt an Lleida vorbei. mini|Überhol- und Notbahnhof L’Arboç Zwischen den Unterwegsbahnhöfen liegen Überhol- und Notbahnhöfe (spanisch Puesto de adelantamiento y estacionamiento de trenes, Abk. PAET). Sie dienen der Überholung von langsamen durch schnelle Züge und zur Abstellung von Instandhaltungsfahrzeugen und Baumaschinen. An vielen dieser Stationen können Züge bei Bedarf auch an einfachen Bahnsteigen geräumt und in Busse evakuiert werden. Mit Inbetriebnahme der Strecke verkürzt sich der Schienenweg zwischen Madrid und Barcelona um rund 60km. Die Streckenlänge der Fernstraßen liegt ähnlich hoch, die Luftlinie ist etwa 150km kürzer.

Barcelona–Figueres–französische Grenze Eine 155km lange Schnellfahrstrecke zwischen Barcelona und der französischen Grenze wurde am 9. Januar 2013 eröffnet. Das Umsteigen in Figueres entfiel aber erst mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2013. Seitdem verkehren Züge des Gemeinschaftsunternehmens Elipsos von RENFE und SNCF nach Paris und Lyon. Auch Toulouse ist seit diesem Tag umsteigefrei mit Barcelona verbunden. Ferner wurde eine Direktverbindung zwischen Marseille und Madrid eingerichtet.

Abschnitt Barcelona–Figueres

Im Juni 2007 kündigte das Ministerium für Infrastrukturförderung an, dass die Eröffnung der Gesamtstrecke zwischen dem Bahnhof Barcelona-Sants und Figueres erst im Jahr 2012 (statt 2009) erfolgen solle. Tatsächlich wurde die Strecke erst 2013 in Betrieb genommen. Eine wesentliche Ursache für die Verzögerung liegt in Girona, wo umfangreiche Arbeiten zur Errichtung eines vier Kilometer langen Innenstadttunnels mit Tieferlegung des Bahnhofs im April 2010 begonnen hatten. In Barcelona begann Ende September 2009 der Vortrieb für den Provença-Tunnel zwischen dem Bahnhof Sants und dem neuen Bahnhof Sagrera.Quelle fehlt Der 5,6km lange Tunnel wurde größtenteils (4,8km) mit einer Tunnelbohrmaschine aufgefahren. Meldung vom 16. Januar 2009. Umstritten war die Unterquerung von etwa 800 Gebäuden im Stadtgebiet von Barcelona. Auch führt der Tunnel nur wenige Meter an den Fundamenten der Basilika Sagrada Família entfernt vorbei.Perpignan–Barcelona AVE to open in 2012….or 2020? In: Today’s railways Europe. August 2007, Ausgabe 140, , S. 10. Dieser Abschnitt wurde im Oktober 2010 im Rohbau fertiggestellt. Seit Dezember 2010 verkehren Güterzüge auf Regelspur vom Hafen Barcelona nach Frankreich. Sie benutzten dabei den bereits fertiggestellten Abschnitt der Schnellfahrstrecke zwischen Montmeló und dem Güterbahnhof von Girona auf einer Länge von 66 Kilometern sowie ab Figueres-Vilafant und dazwischen die Bestandsstrecke Barcelona–Cerbère. Ein Gleis wurde dafür zwischen Girona und Viamalla mit einer dritten Schiene ausgerüstet. Pressemitteilung des Ministeriums für Infrastrukturförderung (Ministerio de Fomento) vom 21. Dezember 2010. Im Juli 2011 erfolgten auch die letzten Tunneldurchstiche im Stadtgebiet Gironas.Le dernier tunnel TGV de Girona est percé. In: la-clau.net. vom 6. Juli 2011. und Barcelonas.Le dernier tunnel TGV de Barcelone, enfin percé. In: la-clau.net. vom 27. Juli 2011. Dieser Streckenabschnitt wurde schließlich als letztes Teilstück der Gesamtverbindung zur französischen Grenze am 9. Januar 2013 eingeweiht.Le premier TGV Figueres-Barcelone, enfin lancé. In: la-clau.net. vom 8. Januar 2013.

Abschnitt Figueres–Französische Grenze

Die Grenze zu Frankreich wird bei La Jonquera erreicht, von dort führt die Strecke nach Perpignan/Perpinyà. Dieser nördlichste Abschnitt der Schnellfahrstrecke ist der spanische Teil der französisch-spanischen Schnellfahrstrecke (LGV Perpignan–Figueres), er umfasst unter anderem einen 8,1km langen Tunnel unter dem Col de Perthus in den Pyrenäen. Die geschätzten Kosten des Bauwerks, bis zu 900 Millionen Euro, wurden – erstmals in Spanien – im Rahmen einer Public Private Partnership privat vorfinanziert und werden über 50 Jahre zurückgezahlt.Spain’s great rail race. In: railway-technology.com. vom 30. Juli 2007. Im Unterschied zum südlicheren, herkömmlich beauftragtem Bauabschnitt wurde dieser Teilabschnitt pünktlich fertiggestellt und ist Ende 2010 in Betrieb gegangen.

Geschichte Ausgangssituation Die Altstrecke Madrid–Barcelona hatte seit ihrer Errichtung im 19. Jahrhundert keine wesentlichen Veränderungen erfahren. Sie verfügt, mit wenigen, kurzen Ausnahmen, über keine für mehr als 120km/h geeignete Trassierung. Im Abschnitt Zaragoza–Manresa (nordwestlich von Barcelona) ist die Bestandsstrecke nur eingleisig, zudem war sie in den 1990er Jahren stark belastet. Der Abschnitt zwischen Calatayud und Ricla gilt als besonders bogenreich. Die schnellsten Fernzüge erreichten eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von rund 105km/h. Die Reisezeit im Schienenverkehr zwischen Madrid und Zaragoza lag bei drei Stunden, zwischen Madrid und Lleida bei vier Stunden und 36 Minuten sowie zwischen Madrid und Barcelona bei sechs Stunden und 30 Minuten. Diese Reisezeiten glichen in etwa den Reisezeiten auf der Straße.

Erste Überlegungen für eine Schnellfahrstrecke zwischen Madrid, Barcelona und der französischen Grenze bei Port Bou gehen auf das Jahr 1975 zurück. Die 728km lange, regelspurige Strecke sollte mit bis zu 270km/h befahren werden. Nach dem Tod von Francisco Franco im selben Jahr wurde das Vorhaben zunächst nicht mehr weiter verfolgt.Talgo 350 erreicht 300 km/h. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 1/2001, , S. 22 f. Der 540km lange Abschnitt zwischen Madrid und Barcelona sollte – nach dem Planungsstand von Ende der 1970er Jahre – eine Reisezeit von zweieinhalb Stunden zwischen den beiden Städten ermöglichen. Die Strecke sollte an Saragossa vorbeiführen und die Stadt über einen Tunnel anbinden.Fernando Oliveros: Schnellverkehrsstrecken in Spanien: Madrid–Barcelona–Port Bou. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 28, Nr. 10, 1979, S. 747–752.