Oberdieten (mundartlich Uwwerndiere) ist ein Dorf im Westen des Hessischen Hinterlandes und als solches ein Ortsteil der Gemeinde Breidenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie Lage Der Ort liegt etwa in der Mitte zwischen Biedenkopf und Dillenburg an der Bundesstraße 253, welche den Ort durchzieht. Bereits im Jahr 1843 wurde die jetzige Bundesstraße als Staatsstraße ausgebaut. Die von Achenbach kommende Landesstraße 3043 mündet in der Ortsmitte ein. Am südlichen Ortsende, Richtung Dillenburg, kann man über die Landesstraße 3331 die Nachbarorte Oberhörlen und Niederhörlen erreichen.

Klima Klimatisch liegt Oberdieten wie der gesamte Breidenbacher Grund im Grenzbereich der beiden Klimaräume Nordwest- und Südwestdeutschland, die sich im Bereich Mittelhessen trennen. Das heißt, es gibt sowohl maritime als auch festländische Einflüsse. Das Klima wird daher durch verhältnismäßig kühlere Sommer, aber auch nicht-alpine Wintertemperaturen gekennzeichnet, wobei Niederschläge von durchschnittlich ca. 900 mm ganzjährig fallen.

Siedlungen und Wüstungen In der Gemarkung Oberdietens lag die wüst gegangene Siedlung Eberbach, eine Hofstelle rechts des gleichnamigen Bachlaufs nahe der heutigen B253. Heute erinnert noch der Flurname Alter Hof an die ehemalige Siedlung. Auch in der Gemarkung Oberdietens lag die bereits 1589 wüst gegangene Siedlung Stedenhausen, eine Hofstelle an einem in die Diete einmündenden Bachlauf. Heute erinnert noch der Flurname Im Stedenhausen an die ehemalige Siedlung.

Im Achenbachtal an der Straße zwischen Oberdieten und Achenbach liegen die Gehöfte Grenzhof und Waldhof gegenüber voneinander, die aus Aussiedlerhöfen aus den späten 1940er-Jahren hervorgegangen sind.

Geschichte Oberdieten wurde erstmals um 1299 als Didinahe urkundlich erwähnt.

Sichere Anhaltspunkte für die genaue Entstehung Oberdietens gibt es nicht. Vermutlich hat es aber wohl spätestens im 9. Jahrhundert bereits eine erste Besiedlung hier gegeben. Namensgeber des Ortes ist der Bach Diete.

Eine urkundliche Ersterwähnung einer Besiedlung des Dietetals stammt aus 1299. In dieser Urkunde wird ein Wiegand von Didenau erwähnt. Daher gilt dieses Jahr, ebenso wie im benachbarten Niederdieten, als offizielles Gründungsjahr.

Seit 1395 gehörte Oberdieten zum Gericht Melsbach, das um 1500 mit den Gerichten Breidenbach und Wallau zusammengefasst war. Ab 1577 zählte Oberdieten zum Gericht (Amt) Breidenbacher Grund.

In weitere Urkunden wurde der Ort unter verschiedenen Namen erwähnt (Dydena (1395), Oberndiedena (1395), Obirdydin (1452), Obern Diden (1487), Uberndedennau (1492), über Oberndiedn (1677), Ober-Dieten).

Im Mittelalter hatte die Zivilbevölkerung des damals kleinen Oberdieten (1577 gab es hier 10 Häuser) mit den für die damalige Zeit üblichen Schwierigkeiten und Ängsten zu kämpfen. In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hatte die Dorfbevölkerung neben den Kriegswirren auch extrem unter der Pest zu leiden. Fast jeder vierte Bewohner starb an dieser Seuche, ganze Familien wurden ausgerottet. Zwischen Ende 1635 und Ende 1636 starben allein in Oberdieten mindestens 34 Personen.

So folgte Schreckenszeit auf Schreckenszeit, kaum waren Kriegsschulden getilgt und die Gehöfte instand gesetzt, kamen neue Lasten und Kriege hinzu.

Vier Oberdietener junge Männer nahmen unter Napoleon an dessen Schlachten in Spanien und Russland teil und sind im Osten gefallen. Die größten Opfer forderten die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Im Ersten Weltkrieg fielen 20 Männer aus Oberdieten, zwei wurden vermisst; im Zweiten Weltkrieg starben 25 Soldaten aus Oberdieten, vermisst wurden 13 Männer. Des Weiteren starb eine Zivilperson, eine Frau ist im Konzentrationslager umgekommen.

Im Jahr 1817 kam es in Oberdieten zu einem Großbrand, bei dem zehn Häuser zerstört wurden, ein junger Mann starb dabei. Durch diesen Brand wurde auch das Haus des damaligen Bürgermeisters zerstört, und mit dem Haus auch sehr viele historische Unterlagen. Ein weiterer Großbrand richtete im Juni 1981 in einem Sägewerk einen Sachschaden von damals 3.000.000 DM an.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Oberdieten:

Erst 1920, und damit doch etwas später als die meisten benachbarten Orte, konnten die Bürger Oberdietens ihre Bedenken gegen elektrisches Licht überwinden – so erstrahlte erst am 17. September 1920 erstmals elektrisches Licht im Dorf.

Historische Namensformen Historisch dokumentierte Erwähnungen des Ortes sind:

Didinahe, de (1299) Dydena (1395) Oberndiedena (1395) Obirdydin (1452) Obern Diden (1487) Uberndedennau (1492) Oberndiedn (1677)

Gebietsreform Am 1. Juli 1974 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Oberdieten im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Gemeinde Breidenbach eingegliedert. Letzter Bürgermeister war Heinrich Weigel. Für Oberdieten wurde, wie für alle in der Gebietsreform eingegliederten Gemeinden von Breidenbach, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Steinbruch

Nordwestlich von Oberdieten, im Grenzgebiet nach Kleingladenbach, gab es einen inzwischen stillgelegten Diabas-Steinbruch. Die Nutzung dieses harten Gesteins geht bis in frühere Jahrhunderte zurück. Um das Jahr 1900 wurde mit dem gewerblichen Abbau des Steinmaterials begonnen, 1993 wurde der Betrieb geschlossen.

In dem Steinbruch entstanden durch Sprengungen zwei kleine Seen, darunter der heutige Silbersee. Der andere, kleinere See wurde zugeschüttet.

Schule In der Nähe des alten Kirchengebäudes befand sich auch die erste erwähnte Oberdietener Schule. Seit wann genau in der Schule unterrichtet wurde, ist ungewiss, vermutlich jedoch bereits um mindestens 1750, eher bereits früher.

Ab 1828 hatte Oberdieten zusammen mit Achenbach eine „Doppelschule“. Vormittags wurde in dem einen, nachmittags in dem anderen Ort unterrichtet.

Im Jahre 1842 wurde das alte, baufällige Schulgebäude abgetragen und nach Biedenkopf verkauft. Im Jahre 1846 wurde ein neues Schulhaus fertiggestellt, in dem über 100 Jahre unterrichtet wurde und in dem auch die Lehrerwohnung untergebracht war.

Ab 1930 bemühte man sich um einen modernen Neubau. Steigende Kinderzahl, dadurch auch ein zu kleiner Schulhof, durch das Alter steigende Reparaturkosten, mangelnde hygienische Bedingungen und anderes mehr veranlassten zu der Überlegung eines Neubaus. Auch durch die Kriegswirren und mangelnde finanzielle Möglichkeiten dauerte es aber bis Ende 1953, bis die neue Schule eingeweiht werden konnte. Diese hatte neben den Klassenräumen auch einen Werkraum und eine Küche, in der sich bis 1960 die „Kochschule“ befand.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als zusätzlich die Kinder der Heimatvertriebenen die Schule besuchten, unterrichteten zeitweise drei Lehrer an der Schule.

Seit 1966 besuchen die Schüler ab der Jahrgangsstufe 5 die Mittelpunktschule Breidenbach oder andere, weiterführende Schulen. Nachdem die Grundschule im benachbarten Achenbach Ende 1969 komplett geschlossen wurde, besuchen seit 1970 auch die Achenbacher Kinder die Grundschule in Oberdieten. Seit 1993 befindet sich bei der Schule eine Kleinsporthalle, in den Jahren 1997/98 wurde die Schule grundlegend renoviert.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Oberdieten angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach (Untergericht, Gericht Melsbach; das um 1500 mit den Gerichten Breidenbach und Wallau zusammengefasst war)Die Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach (ab 1577: Gericht Grund Breidenbach) 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach (Untergericht) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach, Gericht Breitenbach ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Blankenstein, Grund Breidenbach ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk BattenbergBis 1823 Patrimonialgericht Grund Breidenbach; 1923: Trennung von Justiz (Landgericht Biedenkopf) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Biedenkopf ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde BreidenbachAm 1. Juli 1974 wurde Oberdieten als Ortsteil der Gemeinde Breidenbach eingegliedert. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Breidenbach

Bevölkerung Einwohnerentwicklung  Quelle: Historisches Ortslexikon

• 1577: 10 Hausgesesse • 1630: 15 Hausgesesse (6 zweispännige, 7 einspännige Ackerleute, 2 Einläuftige). • 1677: 21 Männer, 2 Witwen, 9 Jungmannschaften, 11 ledige Mannschaften. • 1742: 28 Haushalte • 1791: 205 Einwohner • 1800: 205 Einwohner • 1806: 216 Einwohner, 34 Häuser • 1829: 249 Einwohner, 39 Häuser

Religionszugehörigkeit  Quelle: Historisches Ortslexikon • 1829: 249 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1885: 292 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 491 evangelische (= 80,10 %), 66 römisch-katholische (= 10,77 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit  Quelle: Historisches Ortslexikon • 1867: Erwerbspersonen: 131 Landwirtschaft, 1 Forstwirtschaft, 2 Bergbau und Hüttenwesen, 9 Gewerbe und Industrie, 8 Verkehr, 1 persönliche Dienstleistungen, 1 Erziehung und Unterricht. • 1961: Erwerbspersonen: 156 Land- und Forstwirtschaft, 163 produzierendes Gewerbe, 15 Handel und Verkehr, 23 Dienstleistungen und sonstiges.

Religion Im 15. Jahrhundert stand der Ort unter dem Dekanat Breidenbach des Archidiakonats St. Stephan zu Mainz. Nach Einführung der Reformation in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gehörte Oberdieten zum Kirchspiel Breidenbach. Wegen der Größe des Kirchspiels (insgesamt neun Dörfer) löste sich die Evangelische Kirchengemeinde Oberdieten 1665 von Breidenbach. Seit 1965 besteht das Kirchspiel Oberdieten mit den Filialorten Achenbach und Niederdieten.

mini|Evangelische Kirche von 1879