Kleingladenbach (bis 1906 Gladenbach b. Br., mundartlich Gloareboch oder Klähgloareboch) ist ein Dorf im Westen des Hessischen Hinterlandes und als solches ein Ortsteil der Gemeinde Breidenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. mini|Die Kleingladenbacher Skipiste am Abend Es ist zusammen mit dem Nachbarort Breidenbach mit einer urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 913 der älteste Ort im Breidenbacher Grund. Überregional bekannt ist der Ort für den Silbersee und sein Skigebiet.

Geographie mini|Blick auf den westlichen Teil des Dorfes aus Richtung Süden: in der Mitte Kirche und Friedhof, unten rechts die Dorfmitte mini|Panorama von Kleingladenbach

Lage Der Ort liegt nördlich von Niederdieten, südlich von Wiesenbach und östlich von Breidenbach am Rande des Hessischen Hinterlandes.

Er ist über die Kreisstraße 107 mit der Bundesstraße 253, die östlich von Bad Laasphe von der Bundesstraße 62 nach Süden abzweigt, verbunden und liegt etwa 330 m bis 350 m über NHN. Es zeigt einen typischen Charakter eines geschlossenen Haufendorfs mit regellosem Grundriss, das von Bergen umgeben in einer Talmulde liegt. Kleingladenbach hat zurzeit um die 600 Einwohner verteilt auf rund 180 Häuser. Der alte Ortskern liegt im Talboden und konzentriert sich vornehmlich um Gladbach- und Lindenstraße. Moderne Bebauung liegt vorwiegend hangaufwärts Richtung Norden vor.

Gemarkung

Überblick Die Kleingladenbacher Gemarkung erstreckt sich entlang des Gladenbachs und ist 531 Hektar groß, davon rund 390 ha Wald (etwa drei Viertel). Durch den Niedergang der Landwirtschaft (siehe Abschnitt „Geologie“) nahm der Waldanteil in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zu, während der Anteil an Äckern abnahm (bspw. 1885 waren noch 30 Prozent der Gemarkung Äcker und Wiesen und nur 46 Prozent Wald).

Abgetrennt von den Nachbarorten ist die Gemarkung durch die zwei das Tal umgebenden Höhenzüge, auf denen die Gemarkungsgrenze verläuft. Sie führt von Südwest nach Nordost und läuft hin zur Mündung des Gladenbachs spitz zu. mini|Der Lauf des Hochbachs, südwestlich der Dorflage

Gewässer Kleingladenbach liegt im Tal des von Südwest nach Nordost fließenden Gladenbachs (Gewässerkennzahl DE/2581482), der in einer Senke zwischen Hachenberg () und dem in der Gemarkung Achenbach gelegenen Hommerichskopf () „auf dem Weidenfeld“ entspringt. Er fließt zunächst etwa 500 m nach Süden und anschließend nach Nordosten, um nach etwa 5,1 km „im gehauenen Stein“ in den Boxbach zu münden, der nur 300 m weiter in der Gemarkung Breidenstein in die Perf fließt. Doch dies war nicht immer so: eine Flurkarte von 1831 zeigt, dass der Gladenbach damals auf geradem Wege noch vor der Perfbrücke der B 253 in die Perf mündete, ohne zuvor in den Boxbach geflossen zu sein. Ob die Verlegung mit dem Bau der Brücke oder aus wasserbaulichen Gründen erfolgte, ist nicht bekannt. Lokal wird der Abschnitt ab der Mündung in den Boxbach bis zu dessen Mündung in die Perf vereinigt auch als „Wiesenbach“ bezeichnet.

Im Ort wird der Bach entgegen der offiziellen Bezeichnung meist „die Gladbach“ (von mundartlich de Gloaboch) genannt, daraus rührt auch die heutige Bezeichnung der ehemaligen Hauptstraße, die nach der Gebietsreform in Gladbachstraße umbenannt wurde.

Die Gemarkung ist nahezu vollständig vereinnahmt von Flusssystem und Einzugsgebiet des Gladenbachs (5,43 Quadratkilometer), und alle in der Gemarkung fließenden Bäche sind dessen Zuflüsse. Dabei handelt es sich flussabwärts um den Tiefenbach (mundartlich Díffeboch, von rechts), den Eisenbach (mundartlich Äseboch, von links), den Hochbach (mundartlich Hóchboch, von rechts, 1,5 km lang), den Seifen (mundartlich Säife, von rechts) und die Kehl (der Kehlbach, von links), wobei letztgenannter der einzige im Dorfgebiet verlaufende ist (seit 1972 aber vollständig verrohrt).

Berge mini|Der Haidackerskopf mit der Skipiste vom Schacksberg aus gesehen mini|Blick über die obere Dorflage, im Hintergrund der Sender Biedenkopf auf der Sackpfeife Die Gemarkung wird ringsum von Nordost über Südwest bis Nordost durch Billen (; mundartlich de Binn), Hirschkopf (; mundartlich Häscht) und Hachenberg (; mundartlich Hócheberg) sowie von Hommerichskopf (; mundartlich Hómmerichskopp), Struthberg (; mundartlich Struttberg), Hahn (), Steckelsberg (), Gebranntem Berg (; mundartlich Gebroander Berg), Haidackerskopf (; mundartlich Hähräggerschkopp), Schacksberg (), Hinterstein (; mundartlich Hennerstäh) und der Geweidigshecke (mundartlich Geweirishägge) begrenzt.

Die höchste Erhebung der Dorfgemarkung ist der Hachenberg (), der höchste Punkt liegt allerdings am Nordhang des Hahn (), dessen Gipfel knapp auf Oberdietener Gemarkung liegt.

Kleingladenbach liegt am westlichen Rand des Gladenbacher Berglandes, das unmittelbar westlich der Gemarkung, „hinter“ dem Hachenberg, am Übergang zu Wittgenstein in das Rothaargebirge übergeht.

Geologie Da der Ort zu den Ausläufern des Rheinischen Schiefergebirges zählt, ist der Schiefer „Wissenbacher Stufe“ die vorherrschende Gesteinsformation. Grauwacke und Diabas kommen nur im südwestlichen Teil der Gemarkung, im ehemaligen Steinbruch im Struthberg, vor. Durch die niedrigen Ertragsmesszahlen unter 30 und die Höhenlage, gehört Kleingladenbach zu den „von der Natur benachteiligten Gebieten“, wie alle Gemeinden im Naturraum „Breidenbacher Grund“. Unter diesen schwierigen Bedingungen hat die Landwirtschaft immer mehr an Bedeutung verloren, heute ist sie fast vollständig aus dem Ortsbild verschwunden.

Klima Klimatisch liegt Kleingladenbach wie der gesamte Breidenbacher Grund im Grenzbereich der beiden Klimaräume Nordwest- und Südwestdeutschland, die sich im Bereich Mittelhessen trennen. Das heißt, es gibt sowohl maritime als auch festländische Einflüsse. Das Klima wird daher durch verhältnismäßig kühlere Sommer, aber auch nicht-alpine Wintertemperaturen gekennzeichnet, wobei Niederschläge von durchschnittlich ca. 900 mm ganzjährig fallen.

Geschichte Vorgeschichte Das Suffix „-bach“ des Ortsnamens deutet auf eine erstmalige Besiedlung in der fränkischen Siedlungsperiode (400–800 n. Chr.) hin. Kleingladenbach weist dabei den typischen Charakter der „-bach“-Orte mit Lage am Fluss und an der Waldgrenze auf.

Chronik

Ersterwähnung Kleingladenbach wurde zum ersten Mal am 16. Juni 913 als Gladebach urkundlich in einer in Trebur ausgestellten Urkunde erwähnt, in der „Der Priester Guntbald bekundet, dass er aus dem Besitz des Walburgisstifts in Weilburg die Kirche in Breidenbach (neben anderen) empfangen hat, und dass er dagegen dem Stift sein Eigentum im Dorf Breidenbach und im Dorf Gladenbach mit 42 Hörigen beiderlei Geschlechts geschenkt hat, doch behält er sich den Besitz auf Lebenszeit vor“. Damit ist der Ort einer der ältesten der Region.

Der Dreißigjährige Krieg und die Dorflinde mini|hochkant|Die neue Friedenslinde im Lindengarten

Nach dem Dreißigjährigen Krieg pflanzte man, in Dankbarkeit und Freude über das Ende des Krieges und aus Hoffnung auf eine friedliche Zeit, in der Dorfmitte symbolisch eine Friedenslinde. Die Linde wurde später zum Wahrzeichen des Ortes und fand sich auch als Wappensymbol der damaligen Gemeinde Kleingladenbach im Gemeindewappen von 1962 wieder. Durch das Entfernen eines Hauptastes in den 1970er-Jahren breitete sich Fäulnis im Baum aus, bis dieser im Sommer 1987 auseinanderbrach und gefällt werden musste. An seiner Stelle pflanzte man eine neue Linde, um die Tradition zu erhalten.

Von der Leibeigenschaft zur Selbstverwaltung Im 18. Jahrhundert waren die Gladenbacher Leibeigene der hessischen Landgrafen und derer von Breidenbach zu Breidenstein. Verwaltungspolitisch war der Ort der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zugeordnet. Im Jahr 1736 wohnten in Gladenbach 37 Leibeigene. Damals gehörte Gladenbach dem Gericht Melsbach an.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Kleingladenbach: Mit der hessischen Verwaltungsreform 1821 wurde Kleingladenbach zusammen mit Wiesenbach und Breidenstein zu einer Gemeinde zusammengeschlossen, der erstmals ein Bürgermeister vorstand.

Am 18. Oktober 1913 feierte Kleingladenbach sein 1000-jähriges Jubiläum zusammen mit einem Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig 100 Jahre zuvor. Eine Festveranstaltung mit einigen Rednern und Chören fand statt; zog ein Festzug aus Schulkindern, Gemeindevertretung, dem Kriegerverein und weiteren dörflichen Akteuren zog von der alten Schule zur Dorflinde und zurück. An der Schule wurden zwei weitere Linden gepflanzt, eine in Gedenken an 1000 Jahre Kleingladenbach, die andere an 100 Jahre Völkerschlacht.

Backhaus-Bau, neue Kirche und Elektrizität in der Zwischenkriegszeit Um 1920 wurde ein neues Backhaus im Bereich der heutigen Bushaltestelle Gladbachstraße, gegenüber dem Dorfplatz errichtet. Im Gebäude wurden zugleich Amtsräume für die Tätigkeit des Bürgermeisters geschaffen, sodass dieser seine Dienstgeschäfte nicht mehr im heimischen Wohnhaus zu verrichten hatte. 1971 wurde das Backhaus abgerissen, die Amtsräume des Bürgermeisters wichen in das neue Gemeindehaus in der Ecke Wiesenstraße/Lindenstraße.

Im Jahr 1922 wurde der Ort an die Elektrizitätswerke Oberscheld angeschlossen und erhielt erstmals elektrisches Licht. Die Stromleitungen verliefen damals oberirdisch und überspannten den Ort. In dieser Zeit erhielt der Ort auch, als einer der ersten im Umkreis, befestigte Straßen mit heimischem Diabas aus dem Steinbruch Oberdieten. Am Ortseingang an der Gladbachstraße wurde damals ein markantes Transformatorenhaus errichtet, das nach längerer Nichtnutzung im Jahr 2003 abgerissen wurde.

Durch den Bau der neuen Schule bis 1916 und dem darauffolgenden Neubau der Kirche „im Kirchgarten“ 1928 verlagerte sich der Dorfmittelpunkt nach Norden. In dieser Zeit (1920er-Jahre) wurden auch viele Häuser umgebaut, erweitert oder durch Neubauten ersetzt.

Bau von Gemeindehaus und Jagdhaus in der Nachkriegszeit 1949 baute die Gemeinde Kleingladenbach als erste Gemeinde in der Umgebung ein Gemeindehaus mit Amtsräumen, einer Wohnung und einer Vielzahl von Gemeinschaftseinrichtungen, wie Wäscherei, Mangel, Schlachterei und Mosterei. 1965 nahm das Land Hessen das Gemeindehaus in sein Förderprogramm für Dorfgemeinschaftshäuser auf, damit einhergehend wurde es umgestaltet und am 4. Dezember 1965 als Dorfgemeinschaftshaus wieder an die Bevölkerung übergeben. Seit dem Bau des neuen DGHs an der Stelle der alten Schule wird das Gemeindehaus in der Lindenstraße 12 als Wohnhaus genutzt.

Im selben Jahr erbaute die Gemeinde das Forsthaus am Fuße des Haidackerskopfes „im Seifen“.

1965 wurde mit dem Bau eines Jagdhauses „auf dem Gleichen“ begonnen. Der Bau war nötig geworden, da der aufkommende Betrieb des Steinbruchs Oberdieten nahe der alten Jagdhütte „an der Pfingstweide“ Unruhe mit sich brachte. Das neue Jagdhaus wurde bis 1976 von der Jagdpächterfamilie Klotzbach genutzt. Diese verkauften es anschließend an der Frankfurter SPD-Politiker Erich Nitzling und dessen Frau Christiane, wodurch das Haus in den Folgejahren als „Villa Nitzling“ bekannt wurde und zeitweise höherrangigen politischen Besuch bekam. Nach einem größeren öffentlichkeitswirksamen Diskurs wurde das Haus Anfang der 2000er-Jahre schließlich abgerissen, da durch die zweckwidrige Nachnutzung verschiedene Vorgaben missachtet wurden.

Flurbereinigung und Eingemeindung Zwischen 1963 und 1970 fand in der Gemeinde Kleingladenbach eine Flurbereinigung statt. Um die finanziellen Mittel dafür aufbringen zu können, beschloss die Privatgemeinde Kleingladenbach schließlich ihre Auflösung und den Übergang sämtlichen Grundbesitzes in die Nachbargemeinde Breidenbach durch Vertrag vom 23. Juli 1971.