Der Andere ist ein früher deutscher Tonfilm von Robert Wiene aus dem Jahre 1930.
Handlung Der Film ist eine Dr.-Jekyll-und-Mr.-Hyde-Geschichte. Hallers ist ein Staatsanwalt, der tagsüber das Verbrechen bekämpft und sich nächtens in einen Verbrecher verwandelt. Das andere Ich Hallers verliebt sich in die zwielichtige Frau Amalie Frieben, die in der Unterwelt als Rote Male bekannt ist. Staatsanwalt Dr. Hallers ist Amalies größter Feind, doch erkennt sie den verwandelten Hallers nicht wieder und überredet ihn, Hallers zu ermorden. Er lässt sich sogar darauf ein und bricht gemeinsam mit dem Gastwirt Dickert in sein eigenes Haus ein. In seinen eigenen vier Wänden bricht das andere Ich des Staatsanwalts wieder durch, und er lässt den Gastwirt verhaften. Durch diese Handlung wird sein Doppelleben erkannt, und Hallers Persönlichkeitsspaltung kann behandelt werden. Hallers steht vor einem lebenslangen Aufenthalt in einer geschlossenen Anstalt, doch der Staatsanwalt nimmt den schweren Kampf mit dem Anderen auf und wird geheilt.
Hintergrund Der Andere ist eine Neuverfilmung des gleichnamigen Stummfilms von Max Mack aus dem Jahre 1913.vgl. Zglinicki S. 377–379, Dahlke-Karl S. 14–15. Bei Mack spielte Albert Bassermann die Rolle, die jetzt Fritz Kortner übernahm. Beide Filme basieren auf einem Theaterstück von Paul Lindau. Der Film ist der erste Tonfilm des legendären Stummfilmregisseurs Robert Wiene. Er wurde später auch unter dem Titel Staatsanwalt Hallers verliehen.
Die Bauten des Films erstellte Ernő Metzner, die Kamera führte Nikolaus Farkas. Die Aufnahmen fanden in Berlin, u. a. im Lunapark, statt.
Der Andere wurde in Deutschland am 12. August 1930 im Berliner Großkino CapitolPremieren-Theater, 1925/26 von Hans Poelzig mit ca. 1300 Plätzen erbaut, vgl. und Zglinicki S. 448–449. uraufgeführt. Er lief auch in Dänemark, Australien und in Amerika, wo er in New York City am 14. Januar 1932 als The Other One Première hatte.
Filmmusik Wie in der Anfangszeit des Tonfilms üblich, erhielt Der Andere durch die Komponisten Artur Guttmann, Will Meisel und Friedrich Hollaender außer der Begleitmusik auch zwei Tonfilmschlager, deren Liedtexte – einer eher forsch, der andere eher gefühlvoll – von Hollaender und Kurt Schwabach verfasst wurden:
Küsse mich, wenn Du mich lieb hast, Lied u. Tango (Meisel, Guttmann und Schwabach) Du hast ja eine Träne im Knopfloch. Tango (TuM Fr. Hollaender)
Sie sind in Schallplattenaufnahmen der Marke Ultraphon erhalten:
Ultraphon A 531 (mx. 10 984, aufgenommen im Mai 1930) Küsse mich wenn Du mich lieb hast, Tango (Meisel, Guttmann und Schwabach) a.d.Tonfilm “Der Andere”: Tango-Orchester Juan Llossas, Refraingesang Walter Jurmann.
Ultraphon A 556 (mx. 15 024, aufgenommen im August 1930) Du hast ja eine Träne im Knopfloch, Tango (TuM Fr. Hollaender) a.d.Tonfilm “Der Andere” : Alfred Beres mit Orchester. Refraingesang Walter Jurmann.anzuhören bei youtubeyoutube.com aufgen. August 1930.
Letzterer ist mit seinem witzig-ironischen Text in den Schatz berlinischer Redensarten eingegangen. Seine Wurzeln dürften jedoch älter als der Schlager sein.vgl. Heinz Küpper: Ill. Lexikon der Deutschen Umgangssprache. Band 2: Träne im Knopfloch. = geheuchelte Rührung; Rührseligkeit. Seit dem ausgehenden 19. Jh, schül und stud. ; danken mit einer Träne im Knopfloch = gerührt danken (iron). Im ausgehenden 19. Jh unter Schülern und Studenten, verdreht aus "danken mit einer Träne im Auge und einer Nelke im Knopfloch". Vgl. cosmiq.de
Kritik
Literatur Günther Dahlke, Günter Karl (Hrsg.): Deutsche Spielfilme von den Anfängen bis 1933. Ein Filmführer. Henschel Verlag, Berlin 1993. Uli Jung, Walter Schatzberg: Zur Genese eines Filmstoffs: DER ANDERE von Max Mack (1912) und Robert Wiene (1930). In: Filmwärts. 1993, Nr. 28, S. 39–41. Heinz Küpper (Hrsg.): Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache. 8 Bände. Klett, Stuttgart 1982–84 (Band II: Band Blau – Faul. 1983), ISBN 3-12-570020-5, ISBN 3-12-570180-5) Lihi Nagler: Allegorien der Kulturkämpfe. Die Doppelgänger-Figuren in DER ANDERE (1913) und DER STUDENT VON PRAG (1913) und ihre Remakes von 1930 und 1926. In: montage AV. 16. Jg., 2007, Nr. 1, , S. 140–166 (online, PDF; 216kb). Lihi Nagler, Philipp Stiasny: "Ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht!" Doppelgänger, Tonfilmtechnik und Psychoanalyse in Robert Wienes DER ANDERE (1930). In: Filmblatt. 16. Jg., Nr. 45 Sommer 2011, , S. 61–74. Lena Marie Olbrisch: Paul Lindaus DER ANDERE : vom Fall zum Film. (DER ANDERE by Paul Lindau : from a case study to a movie). Publikationsdatum: 30. Mai 2013; (opus.kobv.de) Friedrich v. Zglinicki: Der Weg des Films. Die Geschichte der Kinematographie und ihrer Vorläufer. Rembrandt Verlag, Berlin 1956.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1930 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Horrorfilm Kategorie:Kriminalfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Thriller Kategorie:Literaturverfilmung