Lück war eine Brauerei in Lübeck. Sie war die letzte industrielle Brauerei Lübecks und wurde 1988 durch die Bavaria-Brauerei Hamburg geschlossen. Die Produktion belief sich auf etwa 70.000 Hektoliter jährlich.

Gründung mini|links|Jürgen Heinrich Christian Lück Im Frühjahr 1865 beantragte der ehemalige Gärtner Jürgen Heinrich Christian Lück beim Lübecker Stadtamt eine Braugenehmigung, die ihm am 28. November 1865 erteilt wurde. Es handelte sich dabei erst um die zweite Genehmigung, die ausgesprochen wurde, nachdem der Lübecker Senat am 23. November 1864 durch ein Gesetz das bis dahin noch mittelalterlich organisierte Brauwesen neu geregelt hatte. Somit war Lück nach der kurz zuvor gegründeten Brauerei Röper die zweite Lübecker Brauerei, die nicht mehr der mittelalterlichen Brauordnung unterstand. Nachdem auch Lück den Betrag von 300 Courantmark beim Stadtamt bezahlt hatte, wurde ihm die Aufnahme der Brautätigkeit zugesprochen.

Standort mini|Die Brauerei Lück um 1870 Lück errichtete seinen Brauereibetrieb auf einem Grundstück an der Geniner Straße in der Vorstadt St. Jürgen, auf dem sich zuvor eine traditionsreiche Walkmühle an der Megedebek befand. Bis 1834 befand sich die Mühle im Besitz eines Franzosen, der hier zusätzlich eine Gastwirtschaft betrieb. Er hatte dann das Grundstück an die Familie Dose veräußert, in die Lück 1843 einheiratete. Da die Mühle nicht mehr rentabel zu betreiben war, wurde sie 1846 abgerissen und durch eine neu erbaute Ausflugsgaststätte mit Veranstaltungssaal ersetzt, die den Namen Zur Walkmühle trug. Daran anknüpfend firmierte die Firma Lück auch als Brauerei zur Walkmühle und Brauerei Walkmühle.

Produktion mini|Frontansicht 1910 mini|Flaschenabfüllung 1910 mini|Historische Lück-Leuchtreklame am Berliner Platz in Lübeck (2010) Jürgen Heinrich Lück schickte seine Söhne, Heinrich und Carl Lück, zur Ausbildung nach Weihenstephan, wo sie das Brauen von Lagerbier erlernten, das im Unterschied zu den traditionellen Lübecker Bierarten untergärig gebraut wird. Nach ihrer Rückkehr überzeugten sie ihren Vater, fortan Bier nach bayerischer Art zu brauen. Am 31. März 1866 wurde das erste Lück-Bier neuer Brauart ausgeliefert und erwies sich als großer Erfolg. In der Gaststätte fand an Sonntagen fanden Musikveranstaltungen mit der Militärkapelle des 76. Regiments statt.

1872 stellte die Brauerei von Handbetrieb auf dampfgetriebene Herstellung um und wurde damit Lübecks erste Dampfbierbrauerei. Am 23. Februar 1872 starb Jürgen Heinrich Lück; sein Sohn Heinrich führte das Unternehmen fort.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Brauerei ständig ausgebaut. 1881 wurde die Mälzerei durch einen Brand zerstört, wodurch ein modernisierter Neuausbau ermöglicht wurde.

Die Arbeitsbedingungen Ende des 19. Jahrhunderts veranlassten die Arbeiter 1894, in den Boykott einzutreten. Diese hatten sich mehrfach an Heinrich Lück wenden müssen, um Verbesserungen der Arbeitszeiten und Entlohnung durchzusetzen. Lück weigerte sich, mit den Arbeitern zu verhandeln, und entließ schließlich die gesamte Belegschaft. Wer bereit war, zu alten Konditionen zu arbeiten, durfte wieder für ihn arbeiten.Wolfgang Frontzek: Brauhäuser, Brauwesen. Schmidt-Römhild. Lübeck 2006,

1907 wurde der Gaststättenbetrieb vom Unternehmen getrennt und verpachtet, 1914 wurde die gesamte Brauerei vergrößert und modernisiert. Auch nach Heinrich Lücks Tod am 6. Juni 1906 blieb die Firma in Familienbesitz. Seine Witwe leitete das Unternehmen fortan mit Sohn und Enkel.

1925 wurde die Brauerei Lück in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und bestand in dieser Form über sechs Jahrzehnte. Die in den fünfziger Jahren eingeführte Werbeslogans Lück – Unser Lübecker Pils und Lück muß der Mensch haben waren über viele Jahre im Lübecker Stadtbild allgegenwärtig, unter anderem auf Bussen, Leuchtreklamen und großflächiger Werbung auf Häuserwänden.

Als Anfang der 1960er Jahre in Deutschland der Absatz von Pilsbier zunahm, führte die Lück-Brauerei 1963 das Lück Pils ein.

Ende der 1970er Jahre zeichnete sich ein erhöhter Investitionsbedarf ab, um auch weiterhin konkurrenzfähig bleiben zu können. 1979 verkaufte die Inhaberfamilie das Brauereiunternehmen an die Bavaria-Brauerei Hamburg.

Ende des Betriebs mini|links|Das ehemalige Kesselhaus der Brauerei Lück in heutigem Zustand Im April 1988 stellte die Brauerei Lück unter Protest einer Bürgerbewegung den Betrieb ein. Die Gebäude der in den 1960er-Jahren modernisierten ehemaligen Brauerei existieren zum großen Teil noch heute. Während der Komplex, in dem die Produktion untergebracht war, heute von der unmittelbar benachbarten Konservenfabrik Erasco (Continental Foods) genutzt wird, beherbergte das ehemalige Eishaus bis Anfang der 2020er Jahre eine Diskothek. Heute werden die Räumlichkeiten als Lager genutzt.

Wiederbelebung der Marken Nach Verkauf der Marke Wilcken Pils war das Bier als Billigmarke im Hamburger Raum erhältlich.

Seit Anfang 2011 findet sich die Marke Lück Pils wieder in einigen Lübecker Supermärkten. Eine schleswig-holsteinische Brauerei hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Marke wiederzubeleben. Besitzer und Braumeister der ehemaligen Lück-Brauerei standen hierfür beratend zur Seite.Gerhard Krüger:

Literatur

Weblinks

Homepage des neuen alten Lück Pils Artikel über die Schließung der Lück-Brauerei in Die Zeit, 1987 Homepage des Ratzeburger Rommeldeus

Einzelnachweise

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