mini|Lillie Langtry,Foto: Napoleon Sarony, 1882rahmenlos|class=notpageimage|200px mini|Porträt von Sir John Everett Millais: Lillie Langtry, 1878 Lady Lillie Langtry, geborene Emilie Charlotte Le Breton (* 13. Oktober 1853 auf der Insel Jersey; † 12. Februar 1929 in Monte Carlo) war eine bekannte Persönlichkeit der britischen Gesellschaft und zeitweilig Mätresse des Prince of Wales, des späteren Königs Eduard VII. von Großbritannien und Irland. Zahlreichen Malern stand sie zu der Zeit Modell, darunter John Everett Millais, Edward Burne-Jones, Edward Poynter, James McNeill Whistler und George Frederic Watts.

Die Affäre mit dem Prince of Wales währte drei Jahre. Nach dem Ende der Affäre und der Geburt eines außerehelichen Kindes, dessen Vater Prinz Louis von Battenberg war, wandte sie sich auf Grund ihrer beengten finanziellen Situation der Schauspielerei zu und wurde zu einer der bekannteren Schauspielerinnen der viktorianischen Zeit.

Leben Jugend mini|hochkant|Porträt von Lillie Langtry, Künstler und Entstehungszeit unbekannt Emilie war die einzige Tochter von William Corbet Le Breton (1815–1888), Dekan von Jersey, und seiner Frau Emilie Charlotte Davis (1823–1902). Sie wuchs gemeinsam mit ihren sechs Brüdern in St. Saviour auf der Insel Jersey auf und wurde von einer französischen Gouvernante und dem Tutor ihrer Brüder erzogen.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 40. Weder von ihrem Vater, über den zahlreiche Frauenaffären bekannt wurden, noch von ihrer kränklichen Mutter strenger beaufsichtigt, entwickelte sie sich ungeachtet ihrer konventionellen Erziehung und ihres Familienhintergrundes zu einer jungen Frau, die sich in ihrem selbstbewussten ungezwungenen Auftreten deutlich von ihren sittsamer erzogenen Altersgenossinnen unterschied. Nach ihren eigenen, allerdings manchmal etwas übertriebenen Erzählungen zu schließen, muss sie sich offenbar sehr früh der Doppelmoral der viktorianischen Gesellschaft bewusst gewesen sein. Ihre heftige Zuneigung zu einem jungen Mann auf Jersey wurde mit dem Hinweis ihres Vaters beendet, es handele sich bei ihm um seinen illegitimen Sohn.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 39.

Schon früh wurde Langtrys Schönheit augenfällig. Schon mit vierzehn erhielt sie einen Heiratsantrag.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 41.http://www.lillielangtry.com/jersey_1853.htm Die Zeit auf Jersey Als sechzehnjährige Debütantin in London erlebte sie jedoch ihre erste Saison als demütigend. In Begleitung ihrer Mutter besuchte sie mehrere Bälle. Ihren späteren Erinnerungen zufolge sei sie sich dort wie ein Bauerntrampel vorgekommen und habe in ihrem schlichten Kleid (vgl. Abb. oben) den anwesenden Dienstmädchen geglichen. Den Walzer habe sie nie tanzen gelernt. Das Essen sei ihr fremd gewesen, und beim Dinner habe sie das zahlreiche Besteck überfordert, das da links und rechts von ihrem Teller lag. Diese herben Erfahrungen lösten bei ihr den Wunsch aus, sich eines Tages in der Londoner Gesellschaft zu etablieren. Um dies zu erreichen war eine entsprechende Heirat der geeignete Weg.

Heirat mit Edward Langtry mini|hochkant|John Everett Millais: Effie Deans, 1877. Das Gemälde ist eine Szene aus Scotts Roman The Heart of Midlothian. Lillie Langtry stand Millais für die Figur der Effie Deals Modell. Am 9. März 1874 heiratete Lillie nach zögernder Zustimmung ihrer Eltern den irischen Grundbesitzer und Kaufmann Edward Langtry (1848–1897). Sie scherzte später in ihren Memoiren, eines Tages sei eine wundervolle Yacht in den Hafen gesegelt, sie sei dem Besitzer begegnet und habe sich in die Yacht verliebt. Um Herrin der Yacht zu werden, habe sie Edward Langtry geheiratet.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 43. Lillie Langtry war über ihre Ehe sehr schnell desillusioniert.erste Heirat, 1874 Edward Langtry war weniger wohlhabend, als sie vermutet hatte, und sie verbrachten ihre Zeit nicht in London, wie seine Frau gehofft hatte, sondern teils in Jersey, teils auf Edward Langtrys Yacht und teils in ihrem Haus an der Küste von Southampton Water.

Erst nachdem Lillie Langtry in Southampton an Typhus erkrankte, konnte sie ihren Ehemann überreden, mit ihr nach London umzuziehen. Zu Beginn des Jahres 1876 ließen sie sich in einer Wohnung in Eaton Place nieder. Auch der Ortswechsel ging jedoch nicht mit dem Zutritt zur Londoner Gesellschaft einher. Erst nach einem Jahr führte eine Zufallsbegegnung mit Lord Ranelagh, den Langtry aus ihrer Zeit in Jersey kannte, zu einer Einladung zu einem Abendempfang bei Lady Olivia Sebright.Theo Aronson: The King in Love Edward VII’s Mistresses. S. 44. Lady Sebright war eine Gastgeberin, die Wert darauf legte, auch die kulturelle Elite Londons zu ihren Empfängen einzuladen. An dem Abend, an dem Lillie Langtry eingeladen war, waren unter anderem Henry Irving, John Everett Millais, James McNeill Whistler, George Francis Miles und Abraham Hayward eingeladen.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 35.

Für Lillie Langtry erwies sich der Abend als der entscheidende Punkt in ihrer Karriere. Auf Grund ihrer finanziellen Situation trug sie an dem Abend nur ein schlichtes schwarzes Kleid, das von einer Näherin auf Jersey gefertigt worden war, hatte auf jeglichen Schmuck oder Zierrat verzichtet und trug ihr Haar nur zu einem losen Knoten im Nacken geschlungen. Sie unterschied sich damit sehr von den anderen Damen der Abendgesellschaft, die in aufwändiger viktorianischer Abendgarderobe erschienen waren, mit kunstvollen Frisuren und reichlich Schmuck tragend. Beeindruckt von ihrer Schönheit fragte John Everett Millais noch an dem Abend, ob Lillie Langtry bereit wäre, ihm Modell zu stehen. Millais nutzte sie als Modell für sein Gemälde Effie Deans, das eine Szene aus Walter Scotts Roman The Heart of Midlothian darstellt. Wenig später entstand das Porträt, das Langtry in einem schlichten schwarzen Kleid zeigt, dessen Ausschnitt mit Spitze besetzt ist. In ihren Händen trägt sie eine rötliche Guernseylilie, und Millais nannte das Gemälde auch entsprechend A Jersey Lily (dt. Eine Lilie von Jersey). Es wurde von Millais 1878 auf der Ausstellung der Royal Academy ausgestellt und trug erheblich zu Lillie Langtrys zunehmendem Ruhm bei. „Jersey Lily“ war der Name, mit dem häufig auf sie Bezug genommen wurde.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 49. Schon zuvor, in den Monaten unmittelbar nach dem Abend-Empfang bei Lady Sebright, war Langtry mit Einladungen überschüttet worden.

Schönheitsideal der viktorianischen Gesellschaft mini|hochkant|George Frederic Watts, Porträt der Lillie Langtry, ca. 1879/1880 mini|hochkant|Edward Poynter, Porträt Lillie Langtry, 1877 Theo Aronson weist in seiner Geschichte der Mätressen von Edward VII. darauf hin, dass zu dem Zeitpunkt, zu dem Langtry ihren großen Erfolg auf Lady Sebrights Abendgesellschaft hatte, die britische Gesellschaft sich im Umbruch befand. Der englische Adel war zunehmend kein exklusiver Kreis mehr, dessen Angehörige ausschließlich untereinander verkehrten.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 45. Ein Teil dieser Entwicklung ist unmittelbar auf den Prince of Wales, den zukünftigen Edward VII., zurückzuführen. Nicht nur ein Adelstitel, sondern auch geschäftliches Geschick, Wohlstand, Schönheit und vereinzelt auch Intellekt konnten dazu führen, dass jemand in den Kreis der Personen aufgenommen wurde, in dem der Prince of Wales verkehrte. Parallel dazu heirateten zunehmend Erben großer englischer Adelstitel die Töchter von gesellschaftlichen Aufsteigern, sofern diese nur ausreichend Geld mitbrachten, um den gewohnten Lebensstandard zu finanzieren.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 46. Lillie Langtry war in diesen Kreisen nur teilweise eine Außenseiterin. Nach viktorianischen Maßstäben war sie auf Grund ihres Familienhintergrundes eine Dame, ihr Ehemann ein Gentleman, der seinen Lebensunterhalt nicht durch Arbeit finanzieren musste, sondern von ererbtem Geld lebte, auch wenn dieses nicht für ein Landhaus oder eine eigene Kutsche reichte.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 48. mini|hochkant|Lillie Langtry,Foto: Napoleon Sarony, 1882 Edward Langtry fühlte sich bei den vielen gesellschaftlichen Anlässen, zu denen er seine Frau nun begleiten musste, zwar unwohl, kam aber zumindest zu Beginn seiner Pflicht als Ehemann nach, seine Ehefrau zu diesen Ereignissen zu begleiten. Lillie Langtry erschien bei den Abendveranstaltungen, zu denen sie eingeladen wurde, weiterhin nur in ihrem einfachen schwarzen Abendkleid. Lord Randolph Churchill begegnete Lillie Langtry, als diese ihren gesellschaftlichen Aufstieg begann, und schrieb kurz danach an seine Frau Jenny:

Lillie Langtry zeichnete sich nicht nur dadurch aus, sehr gut auszusehen, sondern in ihrem Aussehen entsprach sie auch dem Schönheitsbild der damaligen Avantgarde. Aronson beschreibt Langtry als die personifizierte präraffaelitische Frau: Mit ihrem eleganten, aber kräftigen Hals, ihrer kantigen Kinnpartie und geraden Nase, ihren wohldefinierten Lippen und den schieferblauen Augen, ihrer hellen Hautfarbe und selbst mit dem im Nacken lose zusammengeschlungenen Haar entsprach sie einem Ideal weiblicher Schönheit, das in seiner Klarheit und Strenge seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend populärer wurde.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 34. Dies erklärt auch, warum eine so große Zahl bekannter und erfolgreicher britischer Maler Langtry porträtierten oder – wie der führende präraffaelitische Maler Edward Burne-Jones – sie als Modell für Figuren ihrer Gemälde wählten.Lillie Langtry stand für zwei Gemälde von Edward Burne-Jones Modell: In seinem berühmten Gemälde The Golden Star ist Langtry einmal im Profil und einmal mit einem dem Betrachter zugewandten Gesicht gezeigt. In The Wheel of Fortune (Schicksalsrad) ist Langtry die in eine graue Robe gekleidete Fortuna.

Der Kunstkritiker George Smalley begegnete ihr, als sie James McNeill Whistler in seinem Studio Modell stand und hielt fest:

Diesen Ausdruck von Lebendigkeit kommentierte auch Daisy Greville, Countess of Warwick, die Langtry später als Mätresse des Prince of Wales ablösen sollte:

Der Prince of Wales Sir Allen Young, ein wohlhabender und diskreter Junggeselle, vor allem bekannt für seinen vergeblichen Versuch, die Nordwest-Passage zu finden, gehörte zum Umkreis des Prince of Wales und stellte sicher, dass der Prinz und Lillie Langtry sich im Mai 1877 bei einem kleinen Abendessen in Youngs Haus am Stratford Place begegneten.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 55. mini|hochkant|Langtry 1885 Der Prinz war für seine zahlreichen außerehelichen Affären bekannt. Seine Ehefrau, Prinzessin Alexandra, übersah die meisten dieser Seitensprünge geflissentlich. Die Mehrzahl der Frauen, mit denen der Prinz Affären hatte, waren verheiratete Ehefrauen, die überwiegend aus der adeligen Oberschicht kamen. Anders als eine Affäre mit einer Prostituierten oder einer der Tänzerinnen aus den Londoner Theatern setzten solche Affären ihn weniger der Gefahr eines Erpressungsversuches aus. Wissen um diese Affären blieb meist auf einen relativ kleinen Kreis von Personen begrenzt.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 58. Bei einer Affäre mit einer Frau aus dieser Schicht war es auch gewöhnlich nicht notwendig, eine zweite Wohnung als „Liebesnest“ anzumieten. Die Affären ließen sich gewöhnlich im Rahmen des normalen sozialen Umgangs miteinander abwickeln. Sogar die Mode entwickelte sich entsprechend: Es kam das Teekleid auf, ein leichtes Hauskleid, in dem eine Dame der Gesellschaft am Nachmittag in ihrem Haus empfangen konnte und das die Durchführung einer Affäre nicht unnötig durch Verschnürungen oder Korsetts erschwerte.Theo Aronson: The King in Love – Edward VII’s Mistresses. S. 61.