Die Wutach ist ein 91 km langer, nördlicher und rechter Nebenfluss des Rheins im südöstlichen Schwarzwald und im Klettgau im südlichen Baden-Württemberg in Deutschland. Sie ist in ihrem Unterlauf auf etwa 6 km Länge Grenzfluss zum Kanton Schaffhausen der Schweiz.

Name Die Wutach wird zwischen 796 und 973 urkundlich erstmals genannt als Wüttach. Die Endung -aha bezeichnete im Althochdeutschen ein Fließgewässer. Das Bestimmungswort leitet sich vom Wort wuot „Raserei, Wahnsinn“ ab.

Geographie Verlauf Der Fluss wechselt zweimal den Namen, ehe er bei Waldshut in den Hochrhein mündet:

Seebach Er entspringt im Südschwarzwald als Seebach in der Hochmulde des Grüble, nur wenige Meter unterhalb des hohen Seebucks am Feldberg.

mini|Feldsee mit Feldsee-Wasserfall Kurz danach stürzt er im dreistufigen, insgesamt 62 Meter hohen Feldsee-Wasserfall in das felsige Kar des kreisrunden Feldsees. In ostnordöstlicher Richtung folgt der Bach dann dem gletschergeformten Bärental durch das Gemeindegebiet von Feldberg bis zum Titisee. Dabei fließt ihm von links der um ein Drittel wasserreichere Sägenbach zu; dieser entspringt am Baldenweger Buck des Feldbergs. Von beiden Bächen wird oberhalb der Mündung mehr als 70 % der mittleren Wasserführung abgeschlagen und über den Hangkanal dem Schluchsee zugeleitet. Daher führt der Seebach am Pegel Bärental oberhalb des knapp 5 Meter hohen Seebachfalls statt natürlicherweise im Mittel 0,8 m³/s nur 0,3 m³/s. Unterhalb der kleinen Gefällestufe tritt der Seebach in ein ebenes Talbecken ein, das den seit der letzten Eiszeit verlandeten oberen Teil des Titisees ausfüllt. Durch seine unter Naturschutz stehenden Moore erreicht der zuletzt stark mäandrierend fließende Seebach den Titisee.

Gutach Ab Titisee heißt der inzwischen träge fließende Wiesenbach Gutach („gute Ach“). Vor Neustadt wird sie im gut zwei Hektar großen Okalsee aufgestaut, danach schwenkt die Gutach plötzlich um 90° nach rechts in die südöstliche Richtung des fast gleich starken Nebenbaches Ordnach.

Unterhalb der Stadt queren zwei große Brücken das Tal, die Gutachtalbrücke der B 31 und die Gutachbrücke der Höllentalbahn. Von hier an rauscht der Fluss durch eine mit dem weiteren Verlauf zunehmend tiefe Schlucht.

Wutach mini|Mit Einmündung der Haslach wird aus der Gutach (links) die Wutach (Obere Wutachschlucht im Granit)

Ab der Einmündung der Haslach, die aus Westen von Lenzkirch heranfließt, nennt man den Fluss passenderweise Wutach („wütende Ach“). Er schneidet in nunmehr vorwiegend östlicher Richtung eine insgesamt etwa 30 Kilometer lange Folge von Schluchten durch die Hochebene zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, die überregional bekannte Wutachschlucht. In der Talweitung von Achdorf knickt der Fluss ein weiteres Mal ab, nun um etwa 100°, und bildet das Wutachknie. In der neuen Richtung nach Südwesten verengt sich das Tal zum untersten Teil der Wutachschluchten, den Wutachflühen.

Wie der Eingang der Wutachschlucht ist auch deren Ausgang bei Grimmelshofen von einer hohen Eisenbahnbrücke überspannt, der Wutachbrücke der äußerst aufwändig trassierten Wutachtalbahn.

Das untere Wutachtal ist geradlinig, breitsohlig und recht dicht besiedelt. Der Fluss ist hier in zwei Abschnitten auf insgesamt etwa 6 km Länge Grenzgewässer zur Schweiz und danach überwiegend kanalisiert. Wichtigste Orte dieses Talabschnitts sind die Stadt Stühlingen sowie Eggingen und Wutöschingen.

mini|Wutachfall in Lauchringen (Restwasser)Vor Lauchringen schwenkt die Wutach wiederum in die Laufrichtung eines Nebenbachs ein, nun in die des in breitem Tal aus dem Klettgau kommenden Klingengrabens. In Unterlauchringen bildete die Wutach einen der größten Flusswasserfälle Deutschlands, wegen dessen Wasserkraft hier die Lauffenmühle entstand, der größte Industriebetrieb an der Wutach. Größte Stadt des Wutachtales ist das benachbarte Tiengen, wo aus dem Schwarzwald die, neben dem Klingengraben, bedeutendsten Nebenflüsse Steina und Schlücht einmünden. Zwischen Küssaberg-Kadelburg und Koblenz mündet die Wutach auf einer Höhe von von rechts in den Hochrhein, wenig unterhalb der Stromschnelle des Kadelburger/Koblenzer Laufen.

Einzugsgebiet mini|Einzugsgebiet der Wutach Die Wutach entwässert fast die gesamte südöstliche Abdachung des Schwarzwaldes. Dort durchfließen die Gewässer zunächst glazial geformte Talwannen, die in die kristallinen Gesteine des Hochschwarzwaldes eingesenkt sind. Dort liegen Feldsee und Titisee (Gutach), Windgfällweiher (Haslach), Schluchsee (Schwarza) und Schlüchtsee (Schlücht). Nach teils sehr engen Schluchtstrecken erreichen die Flüsse den Rand des Schwarzwaldes und die leicht südöstlich einfallenden Sand-, Kalk- und Tonsteinserien der süddeutschen Schichtstufenlandschaft. Der nach Südwesten abgeknickte Unterlauf der Wutach verläuft am Fuße der beherrschenden Weißjura-Stufe der Schwäbischen Alb und des Randen quer zur Abdachung und sammelt so noch mehrere Schwarzwaldflüsse ein. Der von der anderen Seite parallel zum Hochrhein von Osten zufließende Klingenbach folgt einer eiszeitlichen Rheinrinne (Klettgaurinne). Die Wutach entwässert also keineswegs nur Gebiete des Schwarzwaldes und ähnelt in dieser Hinsicht der Enz.

Die mittleren jährlichen Abflusshöhen des Einzugsgebietes variieren erheblich; sie reichen von über 1100 mm im Hochschwarzwald bis unter 300 mm im KlettgauWalter Wundt: Die mittleren Abflusshöhen und Abflussspenden des Winters, des Sommers und des Jahres in der Bundesrepublik Deutschland, Remagen, 1958, Kartenbeilage. Der im Flussbett sichtbare Abfluss der Wutach ist durch Wasserableitungen zum Schluchseewerk, die besonders den weitaus größten Nebenfluss Schlücht betreffen, geringer, als es unter natürlichen Umständen bei ihrem 1140 km² umfassenden Einzugsgebiet und bei ihrer Abflusshöhe zu erwarten wäre.

Wegen ihres Sohlgefälles von im Mittel 13 ‰ treten an der Wutach oft kritische Hochwasserspitzen auf; eine bekannte historische Lithographie zeigt den Talboden bei der Stühlinger Zwirnerei zur Gänze von Wasser bedeckt. Ihr Unterlauf wurde daher zum Hochwasserschutz Anfang des 20. Jahrhunderts kanalisiert und eingedeicht. Inzwischen sind sogar einstige Überschwemmungsgebiete als Neubau- und Industriegebiete ausgewiesen worden.

Nebenflüsse mini|Gauchach mini|Mündung der Gauchach in die Wutach Die Nebenbäche im Bereich des Schwarzwaldes sind: Sägenbach (aus dem Feldberggebiet, mündet in den Seebach genannten Wutach-Oberlauf) Ordnach (mündet in den Gutach genannten Wutach-Oberlauf) Mehrere Nebenbäche des Mittellaufs haben auch Anteil an der Bildung des Systems der Wutachschluchten. Bekannt sind neben der wasserreichen Haslach die an Wasserfällen reichen Schluchten von Rötenbach (aus der waldreichen Schwarzwaldostabdachung im Buntsandstein) Reichenbächle (vom Schwarzwald-Ostrand beim Bonndorfer Stadtteil Holzschlag) Lotenbach (vom Schwarzwald-Ostrand bei Bonndorf durch die Lotenbachklamm) Gauchach (mit größter Nebenschlucht Gauchachschlucht) mit Nebenschluchten (Tränkebach, Mauchach) Schleifebach (aus dem verlassenen Talstumpf der Blumberger Pforte) In den Unterlauf der Wutach im Badischen Klettgau münden folgende Bäche: Weilergraben Mühlbach (aus dem Fützener Talbecken mit den Kehren der Wutachtalbahn) Ehrenbach Schleitheimer Bach (aus dem Randental, überwiegend Schweizer Gebiet) Mauchenbach

Erst auf den letzten acht Kilometern der Wutach münden ihre drei größten Nebenflüsse: Gewässername Länge MittlererAbflussGeoportal Baden-Württemberg: , Stand: 8. Juni 2016 Mündungca. bei Mündungshöhe(m ü. NN; ca.) Anteil amEZG (ca.) Klingengraben (Unterlaufname auch Kotbach)23,4 km1,60 m³/skm 7,4350 m165,4 km²14,6 % Steina37,3 km1,58 m³/skm 4,0325 m86,1 km²8,3 % Schlücht28,9 km5,13 m³/sAnm.: Natürlicher Abfluss; der aktuelle Abfluss ist durch die Ableitungen in Stollen des Schluchseewerkes verringert auf 0,48 m³/s.km 1,2316 m234,6 km²21,4 %

Flusssystem Wutach Eine Übersicht über direkte und indirekte Fließgewässer im Flusssystem Wutach findet sich in der Liste der Fließgewässer im Flusssystem Wutach.

Raumbezüge Regionen Südschwarzwald und Hochrhein

Raumordnungsregionen Schwarzwald-Baar-Heuberg Südlicher Oberrhein Hochrhein-Bodensee

Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald Schwarzwald-Baar-Kreis Waldshut

Ortschaften An oder etwas abseits der Wutach befinden sich folgende Ortschaften:

Feldberg (südliches Seebachtal) Hinterzarten (nördliches Seebachtal) Titisee-Neustadt Lenzkirch (Haslach-Tal), mit Kappel (Beginn der Wutachschlucht) Friedenweiler (mit Rötenbach am Beginn der Rötenbachschlucht) Bonndorf im Schwarzwald (südlich der Wutachschlucht) Löffingen (nördlich der Wutachschlucht) Ewattingen (Gemeinde Wutach, südlich der Wutachschlucht) Mundelfingen (Stadt Hüfingen, nördlich der Wutachschlucht) Aselfingen (Stadt Blumberg) Achdorf (Stadt Blumberg) Blumberg (östlich der Wutachschlucht), mit Achdorf am Wutachknie Stühlingen, mit Grimmelshofen am Ausgang der Wutachflühen Eberfingen Hallau (östlich der Wutach, in der Schweiz) Schleitheim (östlich der Wutach, in der Schweiz) Eggingen Ofteringen Degernau Wutöschingen Horheim Lauchringen Tiengen Gurtweil Waldshut

Flussgeschichte mini|links|Verlauf der Wutach und die hydrografische Situation an der Donau Die untere Wutach fließt auf der Tallinie der einst wesentlich mächtigeren oberen Urdonau, jedoch dieser entgegen. Noch um die Wende Miozän/Pliozän, mit sich bereits hebendem Schwarzwald, aber damals weniger tief liegendem Rheingraben, entsprang die Donau im Bereich der heutigen oberen Rhone. Dieses Stromsystem zerfiel und wurde schrittweise vor allem dem Flusssystem des Rheins tributär (Weiteres siehe unter Wutachschlucht). Zuletzt bildete der obere und mittlere Lauf der heutigen Wutach als Feldbergdonau den Oberlauf der Donau. Nachdem aber bis zur letzten Eiszeit die Wasserscheide zwischen der aufschotternden Feldbergdonau und der sich einschneidenden Ur-Wutach stark erniedrigt worden war, brach vor etwa 20.000 bis 70.000 Jahren die Feldbergdonau nach Südwesten zum Rheintal aus und bildet seitdem das markante Wutachknie bei Blumberg. Wegen des in der neuen Abflussrichtung zum Rhein hin hohen Gefälles schneidet der Fluss bis heute die etwa 30 Kilometer lange Wutachschlucht in die Hochfläche. Dabei räumte er etwa zwei Kubikkilometer Gestein aus. Die Talhänge neigen zum Rutschen; dies macht die Wutachschlucht noch mehr als ihr stellenweise schroffes Relief zu einem Verkehrshindernis und den Unterhalt von Straßen und Wegen aufwändig, sogar den von Wanderwegen.

Im verlassenen Bett der alten Feldbergdonau vom Anzapfungsbereich (heute augenfällig durch eine künstliche Flussbifurkation und eine Pseudo-Bifurkation) bis zur Mündung in die heutige Donau bei Kirchen-Hausen fließt die Aitrach. In Gegenrichtung zur Wutach hin fließt gefällereich das Schleifebächle. Im dazwischen liegenden, sehr flachen Talabschnitt bei Blumberg entstanden Hochmoore.

In ihrem Oberlauf bildet die Wutach (dort noch als Gutach) ein weiteres Knie aus; sie mündet dort in das einstige Haupttal, das ungefähr am Kandel seinen Anfang nahm, aber bereits seit längerem durch die Wilde Gutach abgeschnitten und umgelenkt worden ist. Ähnliche Knicke im Verlaufe der Nebenflüsse aus dem Schwarzwald zeigen ebenfalls (wesentlich ältere) Ablenkungsereignisse an, am markantesten die Schwarza beim Verlassen des Schluchsees quer zur Muldenrichtung.

Im Unterlauf der Wutach mündet das Wutachtal in die Klettgaurinne, und die Wutach folgt danach der Laufrichtung des Klingenbach. Bis zum Ende der Riß-Eiszeit vor rund 200.000 Jahren floss hier statt des kleinen Klingengrabens und des Klingengrabens der Ur-Rhein westwärts durch den Klettgau. Beim Ettikoner Lauffen traf er auf sein altes Flussbett. Erst gegen Ende der Würmkaltzeit verlegte er seinen Lauf ab Schaffhausen nach Süden und ließ dort den bekannten Rheinfall entstehen. Beim Kloster Rheinau bildeten sich die Mäander oder Rheinschlaufen.

Naturschutzgebiete