mini|James Swan James Swan (* 1754 in Fifeshire, Schottland; † 31. Juli 1830 in Paris) war eine in Boston beheimatete schillernde Persönlichkeit des 18. und 19. Jahrhunderts. Er soll die gesamte Staatsschuld seines Landes, der noch jungen Vereinigten Staaten, gegenüber Frankreich aus seinem eigenen Vermögen beglichen haben. Aus Prinzipientreue verbrachte er 22 Jahre und damit mehr als ein Viertel seines Lebens in einem Pariser Gefängnis.

Leben

James Swan wurde in der traditionellen schottischen Grafschaft Fifeshire 1754 geboren. Schon um das Jahr 1765 muss er in seinen Jugendjahren nach Amerika gekommen sein. Er war wissensdurstig und investierte seine Freizeit in das Lesen von Büchern. Als Lehrling arbeitete er bei Thaxter & Son in Boston und lernte dort einige andere Angestellte kennen, die hinterher sehr bekannt wurden. Darunter waren Benjamin Thompson, der später vom bayerischen König zum Grafen Rumford geadelt wurde und Henry Knox, ein lebenslanger Freund und späterer General in der Kontinentalarmee.

Danach war Swan Angestellter. Empört über die Unmenschlichkeit an Bord der Sklavenschiffe, veröffentlichte er 1772 eine abratende Schrift „A Dissuasion to Great Britain and the Colonies, from the Slave Trade to Africa“, die ein Jahr später ein zweites Mal gedruckt wurde. In diesem Pamphlet attackierte er Sklaverei und Sklavenhandel aus religiösen, moralischen und wirtschaftlichen Gründen und berief sich dabei auf die Bibel. Die Debatte der Kolonien mit England weckte seine Begeisterung. Als 18-Jähriger machte er sich die Idee eines Aufstands gegen Großbritannien zu eigen und setzte sich für die Sache der Menschenrechte ein. Swan wurde ein Mitglied von ‘The Sons of Liberty’ und nahm an der Boston Tea Party 1773 teil. Er war einer der als Indianer Verkleideten, welche die 342 Teekisten in den Bostoner Hafen warfen.

Karriere beim Militär und in öffentlichen Ämtern

Swan wurde ein paar Monate in der lokalen Miliz ausgebildet. Er trat in die Streitmacht ein, die von General Joseph Warren aufgebaut wurde, der ihn zu seinem Adjutanten machte. Swan war an seiner Seite, als Warren bei Bunker Hill fiel. Swan selbst wurde dort zweimal verwundet. Danach übte er einige fiskalische Ämter als Schatzmeister („treasurer“) und Generaleinnehmer („receiver-general“) aus.

Anschließend trat er im September 1776 in Ebenezer Crafts Artillerie-Regiment wieder in die Armee ein und wurde bald zum Captain befördert. Als solcher bildete er meist Rekruten in Städten nahe Boston aus. Eine Artilleriekompanie in der Kontinentalarmee kommandierend half Swan im März 1776 Kanonen auf die Höhen von Dorchester zu zerren und dadurch am 17. März die britischen Truppen und die Flotte aus Boston für immer zu vertreiben. In diesem Jahr heiratete Swan auch seine Gattin Hepzebah, die Tochter von Barnaby Clark, einem vermögenden Kaufmann und Schiffseigner in Boston.

Swan wurde 1777 zum Sekretär des „Board of War“ von Massachusetts ernannt. In seiner Zeit als Sekretär unterstützte er mit Mitteln aus seinem privaten Vermögen umfangreich die Kontinentalarmee, die dringend auf Kapital angewiesen war, um die Soldaten zu bewaffnen und auszurüsten, die in der Stadt aus allen Teilen Neuenglands ankamen.

James Swan wurde 1778 Mitglied des Provinz-Kongresses und anschließend Generaladjutant des Staates Massachusetts. Während des Revolutionskrieges stieg er in den Rang eines Colonel auf. Während des Revolutionskrieges hatte er Vertrauenspositionen inne, die häufig großen Mut und kühles Urteil erforderten und die bewiesene Pflichttreue wurde ihm mit verliehenen Ehren nach seiner Rückkehr ins Zivilleben honoriert. Er war ein persönlicher Freund von Henry Knox, von Lafayette und von George Washington und kommunizierte regelmäßig mit ihnen. Sie hingen stark von seinen energischen Bemühungen ab, wenn sie Geld und zu rekrutierende Leute brauchten.

Swan betätigte sich ferner als Autor und es erschienen On the Fisheries (1784) und Fisheries of Massachusetts (1786). Ferner publizierte er 1786 National Arithmetic, eine Argumentation für einen engeren Zusammenschluss auf Bundesebene.

Handelsgeschäfte und Bodenspekulationen

Nach seiner Geldheirat kaufte Swan eine Anzahl der von englandfreundlichen Loyalisten konfiszierten Liegenschaften auf und war in Bodenspekulationen verwickelt.

Am Anfang der Revolution habe Swan, so wurde gesagt, 2,5 Millionen Acres Land in Mingo (Wyoming), den McDowal Counties in West Virginia, im Pike county in Kentucky und im Tazwell county, Virginia, besessen. Er verkaufte, was er konnte, von diesem Grundbesitz und opferte die Erlöse für die Förderung der Sache der amerikanischen Unabhängigkeit. Im Gegenzug für diesen Dienst ersetzte ihm der Staat Virginia seine Vermögensansprüche und gab ihm viel mehr, westlich der Alleghenies gelegen.

Nach der Revolution stieg Swan groß ins Unternehmertum ein. 1784 erwarb er eine Gruppe von Inseln vor der Küste von Maine, deren größte seinen Namen führt. Auf Swan’s Island gründete Swan Sägewerke und errichtete eine Kolonialvilla für sich selbst.

Später geriet James Swan in hohe Schulden infolge von Fehlspekulationen. Davor wurde er als einer der wohlhabendsten Leute von Boston angesehen. Er suchte nun Wege, sein Unglück umzudrehen. Um sich neues Vermögen zurückzuholen, ging der erfahrene Händler und Finanzier 1787 nach Frankreich.

Ausweichen nach Frankreich

Nach Beendigung des Unabhängigkeitskrieges hatte er zu Zeiten des Ancien Régime Handelsgeschäfte mit Frankreich angefangen. Dort standen ihm seine alten Freunde aus Kriegszeiten bei, dem Handel mit Amerika vorteilhafte Bedingungen zu verschaffen. Er trat ins Geschäftsleben von Paris ein, ausgerüstet mit Empfehlungsschreiben seiner Bekannten. Durch den Einfluss von Lafayette und von anderen Leuten mit Steuerungsfunktion in Staatsangelegenheiten machte er ein Vermögen durch Regierungsaufträge zur Belieferung ihrer Armee.

Seine Frau begleitete ihn einige Zeit, kehrte aber später wieder heim.

Während der Teuerung im Jahr 1789 schickte er große Weizenlieferungen nach Frankreich. Kurz darauf gründete er eine Rumbrennerei in Passy, direkt außerhalb von Paris, denn Rum war ein Gut, das bisher aus England importiert worden war. Er hatte in Paris einen Partner, anscheinend einen Franzosen namens Dallard.

Swan verfasste im Lande die Publikation „Causes qui sont opposees au progres du commerce entre la France et les Etats-Unis de l’Amerique“ (1790).

Kriegsschuld der USA

Im Jahr 1787 gewann Swan, unterstützt durch Lafayette, Einfluss auf die US-Kriegsschuld gegenüber Frankreich. Sie summierte sich auf $ 2.024.899,93 und bestand in Forderungen aus Geldvorschüssen während der amerikanischen Revolution. „Swan entschied, sie zu liquidieren. Seine Entscheidung war atemberaubend uneigennützig. Er zahlte sie aus eigener Tasche. Am 9. Juli 1795 berichtete er an die Regierung der Vereinigten Staaten, dass ‚die gesamte amerikanische Schuld bezahlt wurde und nicht mehr irgendwie besteht’“, so Cheer, a Monthly Publication (Anmerkung ihres Herausgebers: Wir haben versucht, eine zusätzliche Bestätigung über die Schuldenablösung zu erhalten, konnten dies aber unmöglich erreichen. Wir wiederholen die Geschichte mit einiger Unruhe.)

Indessen werden Kopien über den Schriftverkehr zur Regelung der US-Auslandsschuld zwischen James Swan und Oliver Wolcott im U. S. Department of State aufbewahrt.

Revolutionszeit in Frankreich

Swan scheint seine Position in der französischen Hauptstadt während der Jahre des Umbruchs behalten zu haben. Während der Zeit der Verfolgungen reifte in Swan der Plan, den geächteten, ihm aber vertrauten Adel auf seinen Ländereien in Amerika anzusiedeln. Er hatte eine Anzahl von Immigranten für dieses Vorhaben interessiert und an Bord seiner Schiffe beträchtliche Mengen kostbarer Möbel, Gemälde, Wandteppiche und persönlicher Gegenstände erhalten. Doch bevor die Eigentümer ihrem Gut auf seine Schiffe folgen konnten, waren sie Opfer der Guillotine geworden.

James Swan besaß unter anderem ein berühmtes Schiff mit dem Namen „Sally“. Es wurde 1791 gebaut und im Handel mit Salz und Ersatzmaterialien eingesetzt zwischen Wiscasset und Le Havre. Der Kapitän des Schiffs hieß Stephan Clough und er segelte einmal im Jahr 1793 das Schiff nach Frankreich, um eine Ladung Bauholz zu liefern. Als Kapitän Clough in Paris ankam, wurde er von Swan angewiesen, eine Ladung Möbel, Wandteppiche, Familiensilber und wertvolle Gemälde an Bord zu nehmen, die Marie-Antoinette und andere Mitgliedern der königlichen Familie gehörten. Eine lokale Legende will wissen, dass Marie-Antoinette an Bord des Schiffes von Kapitän Clough gehen sollte, um der Guillotine zu entkommen.

Die beladenen Schiffe stachen in See mit ihren Schätzen und kamen sicher in Boston an, wo die Einrichtungsgegenstände die Villa von Mrs. Swan schmückten. Einiges davon gelangte später in die Villa von General Henry Knox, als Swans Sohn dessen jüngste Tochter heiratete und seinen Wohnsitz in Thomaston (Maine) nahm.

Rückkehr in die USA

Nachdem James Swan in der Fremde erneut ein Vermögen erworben hatte, kam er 1794 in die Vereinigten Staaten zurück. Er tilgte alle seine Schulden und wurde für seine Wohltätigkeit und Freigiebigkeit geachtet. Er betätigte sich als Handelsagent für die Französische Republik, die in den Wirren ihrer Revolutionszeit auf Nachschub von Gütern aller Art aus Amerika angewiesen war. Mit europäischen Mächten befand sich Frankreich im Krieg.

1796 war Swan in Boston, wo er die unter Not leidenden französischen Garnisonen versorgte, die von Martinique und von Guadeloupe angekommen waren.

Ein zweites Mal in Frankreich

1798 ging Swan wieder nach Europa und engagierte sich mit seinen Verbindungen und seinem Wissen in Handelsgeschäften großen Stils.

Swan verlagerte ein paar Jahre später sein Eigentum von Paris zu seiner Frau nach Boston und beabsichtigte nach 10 Jahren wohl auch, wieder heimzukehren, als Rechtsstreitigkeiten dazwischenkamen.

Streitsache

James Swan hatte eine langwierige Auseinandersetzung mit einem Hamburger Unternehmen, Lubbert & Dumas, mit dem er seit 1792 Geschäfte machte. Im Jahr 1803 erkannten Dallard, Swan & Company eine Schuld von 235.000 Francs an, mit Lubbert darin übereinstimmend, dass die Zahlung nach einer Regelung von Ansprüchen, die Swan gegen die französische Regierung habe, erfolgen sollte. 1807 fand eine Schlichtung statt, welche ergab, dass Swan erklärter Schuldner einer Summe von 625.000 Francs sei.

Es gibt aber auch Quellen mit Behauptungen, dass er angeblich eine Summe von zwei Millionen Francs schuldig gewesen soll, deren Höhe er bestritt.

In Schuldhaft

Im Jahr 1807 war ein Gesetz verabschiedet worden, wonach nicht dauernd in Frankreich wohnende Ausländer für Schulden eingesperrt und auch bei bereits schwebender Klage festgenommen werden konnten, wenn sie nicht genug Vermögen in Frankreich hatten, um den Anspruch abzudecken oder wenn sie keine Sicherheiten stellten. Die Schuldhaft war zwar seit 1793 abgeschafft, doch dieses neue Gesetz basierte auf der Annahme, dass Ausländer ihre französischen Gläubiger bei einer Niederlage vor Gericht durch Verschwinden im Stich lassen könnten, was man verhindern wollte. 1808 wurde Swan auf dieser Rechtsgrundlage in Arrest genommen. Er hatte Wechsel für 600.000 Francs angenommen, von denen einige im Wert von 58.000 Francs von der Pariser Bank Audinet & Slingerland diskontiert (Anm.: und offenbar von ihm bei Fälligkeit nicht eingelöst) worden waren. (Anm.: Die Bank wird sich in der Folge mutmaßlich am Aussteller Lubbert schadlos gehalten haben.)