mini|Colt Paterson „Holster“ Model

1836 erhielt Samuel Colt sein erstes Patent für Perkussionsrevolver, bei denen die hinter dem Lauf liegende Trommel durch Spannen des Hahns gedreht werden konnte. Sie wurden ab 1837 bei der Patent Arms Manufacturing Co. in Paterson (New Jersey) und von 1847/48 bis in die 1870er-Jahre in eigenen Produktionsstätten von Colt in Hartford (Connecticut) hergestellt. Bei Perkussionsrevolvern wurden Treibladung und Geschoss getrennt in die Kammern der Trommel geladen, später konnten Papierpatronen verwendet werden. Die Zündung erfolgte über Zündhütchen, die auf hinten an der Trommel angebrachte Pistons aufgesetzt wurden.

Diese Seite betrachtet ausschließlich die von Colt hergestellten Perkussionsrevolver. Andere Colt-Artikel sind unter Samuel Colt, Colt Paterson Revolver, Colt Conversion Revolver, Colt Open Top, Colt Single Action Army, Colt House 1871 und Liste der Handfeuerwaffen/C beschrieben. Zur Bedienung und Funktionsweise dieser Waffengattung siehe auch Perkussionsrevolver.

Entwicklung Nachdem Samuel Colt 1836 sein erstes Patent für einen funktionalen Revolver erhalten hatte, begann die Produktion einer Reihe von Perkussionsrevolvern und -gewehren bei der Patent Arms Manufacturing Co. in Paterson (New Jersey) für den zivilen Markt. Colts Ziel war die militärische Verwendung der Waffen und es gelangen ihm einige Verkäufe an die US-Armee sowie an die Republik Texas. Die Überlegenheit seiner Revolver zeigte sich, als eine Gruppe von 18 mit Paterson-Revolvern ausgerüsteten Texas Rangern siegreich aus einem Kampf gegen 70 bis 80 Komantschen hervorging. Anführer der Rangers war damals der legendäre Captain John (Jack) Hays.

Mangels Rentabilität wurde die Produktion 1842 in Paterson eingestellt. Erst 1847 erhielt Colt, jetzt in eigener Regie, eine Bestellung der US-Armee für 1000 großkalibrige Revolver, die er zusammen mit dem früheren Texas Ranger Samuel H. Walker zur Serienreife entwickelt hatte. Mangels eigener Produktionsstätten ließ er diese beim Waffenfabrikanten Eli Whitney Jr. in Whitneyville, Connecticut herstellen. Bereits 1848, nach einer Bestellung der US-Armee, wurden in der von Colt gegründeten Colt’s Patent Firearms Manufacturing Company 7000 Dragoon Model 1848 Revolver, eine leichtere Version des Walkers, hergestellt.

Durch den Amerikanischen Bürgerkrieg wurde die Produktion dann erst richtig angekurbelt. Colt war der Hauptausstatter für Revolver der Unionstruppen, allerdings kamen auch auf der Seite des Südens zahlreiche Colt-Produkte aus vorhandenem Privatbesitz oder vom Schwarzmarkt zum Einsatz. Von den Nordstaaten wurden hauptsächlich zwei Linien geordert: Mit 127.000 Exemplaren des Model 1860 Army im Kaliber .44 war Colt der größte Lieferant an großkalibrigen Revolvern, an zweiter Stelle kam mit 106.000 Stück die Remington Arms Co., Ilion, NY mit dem Remington New Model Army. Eine kleinere Anzahl des Colt Model 1851 Navy und 1861 Navy im Kaliber .36 wurde für andere Dienste beschafft.

Die Colt-Revolver funktionierten alle nach dem gleichen Prinzip. Dies erlaubte der Firma Colt, als einer der ersten Waffenproduzenten eine rationelle Serienproduktion einzuführen.

Modellübersicht Paterson Modell von 1836 mini|Colt Paterson „Holster Model“, Patentzeichnung 1839

Der Colt Paterson Revolver war der erste markttaugliche Revolver von Colt. Er wurde in der Stadt Paterson in New Jersey hergestellt. Vom „No. 1 Pocket Model“ im Kaliber .28 wurden 500 Exemplare hergestellt. Vom größeren „No. 2 und No. 3 Belt Model“ (Gurtmodell) wurden etwas über 900 Stück hergestellt. Messungen zeigen ein Kaliber der Trommelkammern zwischen .31 und .32 Zoll und ein Laufkaliber zwischen .33 und .34 Zoll. Das Modell No. 2 hatte einen kürzeren, das Modell No. 3 einen längeren, unten erweiterten Griff. Vom „No. 5 Holster Model“ im Kaliber .36 wurden 1000 Exemplare hergestellt. Von diesem größten in Serie hergestellten Paterson-Revolver ging eine Anzahl an die Texas Rangers. Unter Sammlern wird dieses Modell deshalb auch Texas Model genannt. Das Besondere an den Paterson-Colts war der Abzug: Dieser konnte eingeklappt werden, was den Abzugsbügel zu seinem Schutz erübrigte. Wurde der Hahn gespannt, klappte der Abzug aus. Nach dem Schuss konnte er wieder eingeklappt werden. Diese Mechanik erlaubte es, den Revolver auch ohne Holster im Gürtel zu tragen.

mini|Colt Paterson 2nd Belt Model

Der Paterson hatte eine Trommel mit fünf Kammern. Zum Laden musste der Lauf abgenommen werden. Um die Ladezeit zu verkürzen, existierten spezielle Pulverflaschen mit fünf Hälsen, mit denen alle Kammern gleichzeitig mit Pulver gefüllt werden konnten; am Boden hatten diese Flaschen fünf Öffnungen, um die Kugeln zu laden. Eine als Zubehörteil gelieferte Laderamme diente zum Setzen der Kugeln. Als Widerlager diente die Einfräsung in der Trommelachse, durch die auch der Keil zur Befestigung des Laufes geschoben wurde (Patentzeichnung Fig. 16). Erst gegen Ende der Produktion erhielt der Revolver eine hinten am Lauf angelenkte Laderamme.

Die Gesamtproduktion der Patent Arms Manufacturing Co. belief sich auf etwas über 3.000 Revolver und etwa 1.800 Revolvergewehre. Die Firma, in der Colt nur Partner war, ging 1842 Konkurs und die verbleibenden Maschinen, Teile und Revolver wurden von einem Hauptaktionär (John Ehlers) übernommen und weiter vermarktet.

mini|Colt Walker 1847

Colt Walker Modell von 1847 mini|Captain Samuel Walker

Der Colt Walker, von der Armee offiziell Model of 1847 Army Pistol genannt, wurde gemeinsam von Samuel Colt und Captain Samuel Walker, einem Offizier der First United States Mounted Rifles entwickelt. Er wurde in Whitneyville in Ely Whitneys Fabrik hergestellt, da Colt noch keine eigene Fertigungsstätte hatte. Basis war der Texas-Paterson, dem neuen Kaliber .44 angepasst und konstruktiv vereinfacht. Beim nicht mehr einklappbaren Abzug der Waffe wurde ein Abzugsbügel angebracht um eine unbeabsichtigte Schussauslösung zu vermeiden. Um das Nachladen zu vereinfachen, wurde unter dem Lauf eine Laderamme angebracht. Im Gegensatz zum Paterson hatte der Walker eine 6-schüssige Trommel. Die Waffe ist – mit einem Gewicht von über 2,5 kg – auch heute noch der schwerste je serienmäßig hergestellte Colt-Revolver; die Lauflänge beträgt 9 Zoll. Ursprünglich war diese Waffe auch als Ersatz für die einschüssigen Sattel-Perkussionspistolen gedacht. Sie wurde nicht am Gürtel des Soldaten im Holster getragen, sondern im Doppelholster am Sattel des Pferdes.

mini|Colt Model 1848 Holster Pistol (First Model Dragoon) mini|Colt Dragoon 1848 2nd Model

Der Auftrag der US-Armee umfasste 1000 Walker-Colts, die zu gleichen Teilen auf die Kompanien A, B, C, D und E der First United States Mounted Rifles ausgegeben wurden. Die Waffen wurden bereits in der Fabrik mit den Kompaniestempeln versehen. Jeder Dragoner wurde mit 2 Revolvern, einer Pulverflasche, einer Kugelgießzange und einem Schraubenzieher ausgerüstet. Captain Walker wurde als Kompaniekommandant der C-Kompanie eingesetzt.

Für den zivilen Markt fertigte Colt 100 Stück an, so dass eine Gesamtstückzahl von 1100 Revolvern hergestellt wurde.

Die Waffe hatte aufgrund der großen Pulverladung einen starken Rückstoß, sie schlug nach oben was dazu führen konnte, dass die nur von einer schwachen Federklammer gehaltene Laderamme nach unten klappte, was die Trommel blockierte. Ein deswegen später bei den Nachfolgern des Walkers eingeführter Federkeil hielt den Hebel der Laderamme zuverlässig fest.

Die Leistung des Walker-Colts entsprach einem heutigen .357 Magnum-Revolver. Die Waffe war technisch jedoch noch nicht ausgereift; es kam zu Trommelsprengungen, und deshalb blieb es bei den 1100 Exemplaren. Das Prinzip war jedoch gut, und die Armee interessierte sich für weitere 1000 allerdings modifizierte Waffen. Colt bot ein verbessertes und leichteres Nachfolgemodell an, das unter dem Namen Colt Dragoon Mod. 1848 bekannt wurde.

Colt Dragoon von 1848 Im Dezember 1847 erhielt Samuel Colt eine Bestellung der US-Armee für weitere 1000 verbesserte Revolver. Die von Colt Improved Holster Pistol, von der Armee offiziell Model of 1848 Holster-Pistol genannte Waffe war die Verbesserung des Walkers. Die Trommel war kürzer; damit wurde Gewicht gespart und ausgeschlossen, dass sie überladen werden konnte. Beim 7,5 Zoll-Lauf wurde die hintere Laufpartie zwischen Lauf und Trommel verlängert, um Gasreflexionen und dadurch ausgelöste Doppelzündungen zu vermeiden. Die Laderamme wurde verbessert, der Ladehebel wurde neu am vorderen Ende des Ladehebels am Lauf fixiert, was zum Standard bei den Colt-Vorderladern wurde. Die Waffe hatte wie der Walker Kaliber .44 und war ähnlich stark wie dieser – jedoch besser beherrschbar. mini|Colt Dragoon 3rd Model Der Dragoon-Colt wurde im Laufe der Zeit verbessert; heute unterscheiden die Sammler drei Varianten: Das erste Modell hatte einen hinten eckigen Abzugsbügel und ovale, später runde Einfräsungen zur Blockierung der Trommel. Die Schlagfeder war V-förmig, erst im Laufe der zweiten Variante wurde sie durch eine Blattfeder ersetzt. Bei der zweiten Variante waren die Trommeleinkerbungen rechteckig (wie bei allen späteren Colt-Modellen). Die dritte Variante bekam dann einen runden Abzugsbügel. Nach 1860 wurden auch Dragoon-Revolver mit Anschlagskolben hergestellt. Diese hatten ein am hinteren Laufende angebrachtes Visier und wurden mit 7-1/2- und 8-Zoll-Läufen hergestellt.

mini|Oben Colt 1848 Baby Dragoon, unten Pocket 1849 (siehe Differenz der Distanz zwischen Laufblock und Trommel) mini|Colt Model 1849 Pocket Revolver

Oft wird der Dragoon nach seinem Herstellungsort als Hartford Dragoon bezeichnet. Die Gesamtzahl der in Hartford hergestellten Dragoons liegt bei rund 20.000 Stück, davon wurden etwas mehr als 7000 Stück an die Armee verkauft.

Pocket Model of 1848 Dieser heute Baby Dragoon genannte Revolver war für den zivilen Markt bestimmt. Er war eine verkleinerte Version des Dragoon im Kaliber .31 mit Achtkantlauf und hatte anfangs keine Laderamme. Seine auffallendsten Merkmale sind der hinten gerade Abzugsbügel sowie der kürzere Rahmen, sichtbar an der kleineren Distanz zwischen dem Laufblock und der Trommel (siehe Bild). Er wurde in der ersten Colt-Fabrik in Hartford hergestellt und mit Erfolg in Kalifornien an die Goldgräber im Gold Rush verkauft. Insgesamt wurden etwa 14.500 dieser Waffen hergestellt, etwa ab Seriennummer 12.000 mit Laderamme.

Pocket Modell von 1849 Dieser Revolver war eine Weiterentwicklung des ersten kleinen Modells im Kaliber .31. Serienmäßig war er mit einer Laderamme ausgestattet und der Abzugsbügel war rund. Die Lauflängen waren 3, 4, 5, oder 6 Zoll und die Trommel war ursprünglich 5-schüssig, später wurde sie 6-schüssig. In der Nummernreihe seines Vorgängers, mit ab Seriennummer ~ 14.500 bis 331.000 hergestellten Exemplaren war er der meistgebaute Colt-Vorderlader. Eine Anzahl des Pocket 1849 wurde ohne Laderamme hergestellt, dieses Modell gilt heute unter Sammlern als Wells Fargo Modell.

Navy-Modell von 1851 mini|Colt Navy Mod 1851mini|Colt Navy Mod 1851, Seriennummer 2 mini|Colt Navy 51, Gustav Young engraving

Der Navy Model 1851 wurde von Colt als Belt-Model (Gurtmodell) bezeichnet und kam 1850 auf den Markt. In der Größe liegt der Navy zwischen dem Pocket und dem Dragoon. Colt Navy wird er wegen der auf der Trommel aufgerollten Seeschlacht genannt. Der Navy hatte einen achtkantigen 7,5-Zoll-Lauf (selten 6-Zoll) und wurde im Kaliber .36 (selten .40) produziert. Wie der Dragoon und der Pocket hatte er eine am Lauf angebrachte Laderamme. Zwischen 1850 und 1872 wurden in Hartford über 215.000 Stück dieser sechsschüssigen Waffe hergestellt. Eine nicht bekannte Stückzahl ging im Sezessionskrieg an die US-Armee und die US-Marine. Auch andere Länder verwendeten Navy-Colts. So ist bekannt, dass die Lieferung einer Anzahl dieser Revolver an Russland von Preußen abgefangen wurde und mit der Bezeichnung KM von der Marine eingesetzt wurde.