miniatur|Wolfgang Haber (links) mit Umweltminister Klaus Töpfer, 1990 Wolfgang Haber (* 13. September 1925 in Datteln; † 13. August 2026 in Freising) war ein deutscher Biologe und Hochschullehrer und gilt als einer der „Väter der Landschaftsökologie“ in Deutschland.

Leben Wolfgang Haber studierte Botanik, Zoologie, Chemie und Geographie an den Universitäten Münster, München, Basel, Stuttgart und Hohenheim. 1957 folgte die Promotion an der Universität Münster über Ökologische Untersuchungen des Bakterienbesatzes und der Atmung von verschiedenen Naturböden Mitteleuropas. 1957 bis 1962 war er Wissenschaftlicher Assistent bei Heinrich Walter in Hohenheim, 1962 bis 1966 Kustos und stellvertretender Direktor des Landesmuseums für Naturkunde in Münster. Von 1966 an war er Leiter des neu gegründeten Instituts für Landschaftspflege der TU München in Freising-Weihenstephan, das er später in Lehrstuhl für Landschaftsökologie umbenannte. Er war Inhaber dieses Lehrstuhls bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1993. 2026 starb er im Gemeindeteil Untergartelshausen der Großen Kreisstadt Freising.

Seine Forschungsgebiete waren Grundfragen der allgemeinen und theoretischen Ökologie; Anwendung der Ökologie in der Landnutzung, insbesondere im Naturschutz, in der landwirtschaftlichen Nutzung und in der Flurbereinigung; Entwicklung, Planung und Betreuung von Naturschutzgebieten, schutzwürdigen Biotopen, Natur- und Nationalparken; Ökosystemforschung und ‑modellierung; ökologisch orientierte Planung.

Haber prägte die wissenschaftliche und umweltpolitische Entwicklung des Naturschutzes in Deutschland und im internationalen Bereich entscheidend mit. Er war an der Begründung der Biotopkartierung und der Errichtung der ersten deutschen Nationalparke (Nationalpark Bayerischer Wald, Nationalpark Berchtesgaden) an führender Stelle beteiligt. Mit seiner Lehr- und Forschungstätigkeit seit den 1960er Jahren leistete er Pionierarbeit zu ökologischen Grundlagen des Naturschutzes, der Landes- und Landschaftspflege sowie Landschaftsplanung.

Wolfgang Haber war unter anderem Mitglied des Beirates für Naturschutz und Landschaftspflege beim Bundeslandwirtschaftsministerium und ab 1986 beim Bundesumweltministerium; 1970 Gründungsmitglied und 1979 bis 1990 Präsident der Gesellschaft für Ökologie (GfÖ); 1985 Vorsitzender des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen der Bundesregierung (SRU), und 1990 bis 1996 Präsident der International Association of Ecology (Intecol), des Dachverbandes der nationalen Fachverbände der Wissenschaft Ökologie. Er war ab 1980 Mitglied des Deutschen Rates für Landespflege und von 1991 bis 2003 auch dessen Sprecher. Er war ehrenamtlich in der Kommission Reinhaltung der Luft tätig.

Auszeichnungen Haber wurde 1993 als Erstem der Umweltpreis der Bundesstiftung Umwelt verliehen. Die Auszeichnung wurde vor allem mit seinem weit über die Lehr- und Forschungstätigkeit hinausgehenden Engagement für den Naturschutz begründet. , 20. September 2007. Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er zahlreiche weitere Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1986), den Bayerischen Verdienstorden (1973), den Maximiliansorden (1993), die Ehrenpromotion zum Dr. sc. agr. h.c. durch die Universität Hohenheim (1989) und den Reinhold-Tüxen-Preis (2024).

Thesen Haber hat sich im Verlauf seiner jahrzehntelangen Arbeit immer wieder mit dem Stand der Ökologie in der Gesellschaft und der Forschung beschäftigt.

In seinem 2011 erschienenen Alterswerk Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie – Eine Nachhaltigkeitsperspektive für das 21. Jahrhundert vertritt er die These „Nachhaltigkeit kann nur gelingen, wenn wir die Ökologie nicht verklären.“ Haber erteilt darin mystifizierenden Bildern vom Wesen des Menschen und der Natur eine klare Absage: Der Weg in eine nachhaltige Zukunft kann nach seiner Ansicht nur gelingen, wenn wir uns auf die Wirklichkeit besinnen und unseren Blick auf die Schlüsselprobleme des 21. Jahrhunderts richten. Diese sieht er in der Endlichkeit der Ressourcen und dem immensen Bevölkerungswachstum. Er fordert die Menschen auf, diese faktischen Prozesse als menschliches Handeln zu begreifen und zu akzeptieren. Damit knüpft er an einen Teil der human-ökologischen Perspektiven von Carl von Carlowitz an.

Publikationen Mit Leidenschaft kommt man heute nicht weit. Interview mit Wolfgang Haber in: nodium, Zeitschrift des Alumni-Clubs Landschaft der TU München 2013 Die unbequemen Wahrheiten der Ökologie. oekom Verlag 2010. ISBN 9783865812179 (auch in englischer Sprache erschienen) mit Konstanze Schönthaler: Concept for integrated environmental monitoring. Umweltbundesamt, Berlin 1998. Nachhaltiger Umgang mit Böden. Initiative für eine internationale Bodenkonvention. Süddeutsche Zeitung, München 1999. Quantifizierung raumspezifischer Entwicklungsziele des Naturschutzes. Verl. der ARL, Hannover 1993 Ökologische Grundlagen des Umweltschutzes. Economica-Verlag, Bonn 1993. mit Jürgen Salzwedel (Hrsg.): Umweltprobleme der Landwirtschaft. Sachbuch Ökologie. Hrsg. vom Rat von Sachverständigen für Umweltfragen. J. B. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1993. Ökosystemforschung Berchtesgaden. Forschungsbericht 101 04 040/04, UBA-FB 86–114. Berlin 1990. Naturschutz und Landesentwicklung, Forderungen der Ökologie. Mit e. Einf. v. Carl Friedrich von Weizsäcker. 2. Aufl. Callwey, München 1974. Naturschutz und Landesentwicklung – Forderungen der Ökologie. DP-System Andernach 1972.

Weblinks

CV von Wolfgang Haber beim Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie

Tagungsbeitrag zur IALE-D Jahrestagung 2024: Zehn Landschaften und ihre Geschichten - Prof. Habers Reflektionen zu ausgewählten Bildern aus seinem persönlichen Bilderarchiv - Beobachtungen, Erkenntnisse und persönliche Erinnerungen Radiointerview: Wolfgang Haber, Biologe und Landschaftsökologe: 100 Jahre Leben (Eins zu Eins. Der Talk) Interview mit Wolfgang Haber anlässlich seines 100. Geburtstags von Beatrice Voigt

Einzelnachweise

Kategorie:Träger des Deutschen Umweltpreises Kategorie:Ökologe Kategorie:Naturschützer Kategorie:Landschaftsökologe Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität München, Standort Weihenstephan) Kategorie:Wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Museums in Nordrhein-Westfalen Kategorie:LWL-Museum für Naturkunde Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Träger des Bayerischen Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst Kategorie:Hundertjähriger Kategorie:Deutscher Kategorie:Preuße Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2026 Kategorie:Mann