Medaillenspiegel Platz Land G S B Ges. 1 7 5 9 21 2 4 3 1 8 3 3 4 3 10 4 3 3 – 6 5 3 2 2 7 6 2 3 3 8 7 2 1 1 4 8 2 – – 2 9 1 2 3 6 10 1 – 2 3 Vollständiger Medaillenspiegel

Die Olympischen Winterspiele 1960 (auch VIII. Olympische Winterspiele genannt) wurden vom 18. bis 28. Februar 1960 in Squaw Valley in den Vereinigten Staaten ausgetragen.

Wahl des Austragungsortes Squaw Valley setzte sich bei der 50. IOC-Session am 17. Juni 1955 in ParisDie Olympischen Winterspiele 1960 an Squaw Valley vergeben in Engadiner Post Band 64, 18. Juni 1955, S. 2. in zwei Wahlgängen gegen Innsbruck, St. Moritz und Garmisch-Partenkirchen durch.

Ergebnisse der Wahlgänge: Ort Land Wahlgang 1 Wahlgang 2 Squaw Valley 30 32 Innsbruck 24 30 Garmisch-Partenkirchen 4 – St. Moritz 3 –

Herausragende Sportler Die Eisschnellläuferin Helga Haase gewann über 500 Meter die Goldmedaille – das erste Eisschnelllaufgold der Damen bei den Olympischen Spielen – und über 1000 Meter eine Silbermedaille. Lidija Pawlowna Skoblikowa aus der UdSSR gewann zwei der vier neuen Eisschnelllaufwettbewerbe. Georg Thoma aus Hinterzarten, Onkel von Skispringer Dieter Thoma, konnte als erster Nichtskandinavier eine Goldmedaille in der Nordischen Kombination gewinnen. Heidi Biebl aus Oberstaufen gewann die Goldmedaille im Abfahrtslauf und war mit 19 Jahren die jüngste Goldmedaillengewinnerin bei diesen Olympischen Spielen. Helmut Recknagel gewann olympisches Gold im Skispringen. Der Sieg von Recknagel überraschte aber die Jury so sehr, dass man anlässlich der Siegerehrung nicht einmal eine Landesfahne hatte. Die deutschen Sportler starteten für die gesamtdeutsche Mannschaft.

Gesamtdeutsche Mannschaft Am 23. Januar 1960 hatten sich in Ost-Berlin die Nationalen Olympischen Komitees der Bundesrepublik Deutschland und der DDR auf die Zusammensetzung der gesamtdeutschen Mannschaft für die Spiele in Squaw Valley geeinigt. Viele Sorgen gab es auch um eine gemeinsame Flagge. Trotz energischer Proteste von Seiten der Bundesregierung beschloss die Vollversammlung des NOK am 6. Dezember 1959 in Hannover, dass die gesamtdeutsche Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1960 unter einer schwarz-rot-goldenen Fahne mit den fünf olympischen Ringen im mittleren roten Feld antritt, worauf sich auch die Sportbünde der Bundesrepublik Deutschland und der DDR am 6. Januar 1960 einigten. Die deutsche Bundesregierung hatte ab 23. November 1959 den zwischen den Olympischen Komitees der Bundesrepublik und der DDR am 19. November vereinbarten Kompromiss über die Flagge einer gesamtdeutschen Mannschaft bei den nächsten Olympischen Spielen abgelehnt. Es sei mit der nationalen Würde nicht vereinbar, wenn die deutsche Olympiamannschaft ein anderes Emblem als die Bundesfahne zeige.

Ausschluss von Nationalchina und Rückzug von Indien Nationalchina (Taiwan) wurde am 17. Februar von der Teilnahme ausgeschlossen, da es sich nicht rechtzeitig um die Mitgliedschaft bei der FIS bemüht hatte. Wie es in Kommentaren hieß, „habe die FIS bewiesen, dass sie die klargefaßten Vorschriften vor politische Überlegungen zu stellen weiß, mit denen man in amerikanischen Kreisen ein Hintertürchen zu öffnen hoffte“.

Indien, das auch noch nicht der FIS angehörte, hatte unterdessen seinen Skiläufer freiwillig zurückgezogen.«Nationalchina definitiv nicht an den Olympischen Spielen»; «Sport Zürich» Nr. 21 vom 19. Februar 1960, S. 12, Spalte 5

Elektronischer Rechner Mitte August 1959 wurde mit der Errichtung einer Auswertungszentrale begonnen, in der sich ein elektronischer Rechner mit dem Namen „Ramac 305“ befand, der noch während des jeweiligen Wettbewerbes sowohl die Zuseher als auch die Nachrichtenagenturen mit den Resultaten versorgen sollte.

Organisationskomitee – Absage der Bobrennen Laut „Sport Zürich“ Nr. 21 vom 19. Februar 1960, S. 1 und 2: „Die Methode, wie die Spiele Squaw Valley zugeschanzt wurde, habe zahlreiche kritische und verurteilende Stimmen hervorgerufen“. „Die raffinierten Propagandisten aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten hätten Potemkinsche Dörfer aufgebaut, sie hätten mit den harten Dollars geklimpert, womit deren Klang die Herzen der alten Herren des IOC erweicht habe und kein Auge trocken blieb. Auch die vielen personellen Umbesetzungen im großen Organisationsstab, die nie verstummenden mehr oder weniger seriösen Meldungen über finanzielle Schwierigkeiten, schwarz gefärbte Expertenberichte und vor allem der Skandal um die versprochene und nie gebaute Bobbahn (ein Bluff) seien nicht dazu angetan gewesen, das Prestige der Organisation in der Weltöffentlichkeit aufzuwerten“.

Offiziell wurde die Nichterrichtung der Bobbahn damit begründet, dass nur neun Länder ihre Teilnahme in dieser Disziplin angekündigt hatten. Damit sind die Winterspiele von 1960 die einzigen, bei denen keine Bobwettbewerbe ausgetragen wurden.

Verlangen der Pressefreiheit bei der 56. IOC-Session Bei der 56. Session des IOC, die am 15. und 16. Februar im Bohemian-Club in San Francisco abgehalten wurde und an der nur 25 von 66 Mitgliedern teilnahmen (damit war die Beschlussfähigkeit gerade noch knapp gegeben) wurde ein Vorwurf an das Außenministerium der Vereinigten Staaten erhoben, das einigen DDR-Journalisten die Einreise verweigert hatte. Die Versammlung stimmte einer Motion für die Freiheit der Presse bei den Spielen zu und es müsse allen ausgewiesenen Journalisten die Einreise gestattet werden. Hinsichtlich der Frage von DDR-Trainern, die in Berlin zurückbleiben mussten, wurde festgestellt, dass auch die DDR eine Delegation im Rahmen der zugestandenen Quote zu halten habe und auf zusätzliche Ansprüche nicht eingegangen werden könne.»IOK stimmt für die Freiheit der Presse«; »Sport-Zürich« Nr. 20 vom 17. Februar 1960, S. 3, Spalte 4

Weitere Informationen Die Abhaltung der Spiele war kurzfristig wegen anhaltender Regenfälle in Gefahr geraten. Erst am 9. Februar kam der ersehnte Schneefall. Verantwortlich für die Eröffnungs- und Schlussfeier, welche jeweils in der Blyth Arena durchgeführt wurden, war Walt Disney. Einige Tage vor der Eröffnung waren die Embleme von Griechenland, Argentinien, Australien und Österreich von „Souvenirjägern“ gestohlen worden, doch konnten diese wenige Stunden vor den Feiern ersetzt werden.Quelle: „Arbeiterzeitung Wien“ vom 20. Februar 1960. Für die drei Alpin-Skiläufer Liechtensteins war die Reise in den Westen der USA die erste große Reise überhaupt; bislang hatten sie sich nie weiter als 200 Kilometer von ihrer Heimat entfernt.»Die Liechtensteiner sehen die Welt«; »Sport-Zürich« Nr. 20 vom 17. Februar 1960, S. 3, Spalte 1 vierte Überschrift Biathlon war zum ersten Mal eine olympische Disziplin. Eisschnelllaufwettbewerbe für Frauen feierten ihr olympisches Debüt. Für das gesamtdeutsche Team wurde statt einer Hymne der Schlusschor (Ode an die Freude) aus Beethovens Neunter Sinfonie gespielt. Die Zeitmessung, die auf Tausendstel Sekunden exakt war, oblag der Schweizer Firma Longines; das Unternehmen hatte 16 Spezialisten entsandt. Für die Alpinrennen waren auch Uhren entlang der Strecken angebracht, auf denen die Zwischenzeiten verfolgt werden konnten.»Olympia-Allerlei«; »Sport-Zürich« Nr. 20 vom 17. Februar 1960, S. 2, Spalte 5, fünfter Beitrag Die sechs alpinen Einzelbewerbe wurden von sechs verschiedenen Damen bzw. Herren gewonnen, lediglich Penny Pitou (jeweils Silber in Abfahrt und Riesenslalom) und Ernst Hinterseer (Slalom-Gold, Riesenslalom-Bronze) gelangen zwei Medaillen. Hinsichtlich der auch als Weltmeisterschaften geltenden Rennen gab es unter Hinzurechnung der Kombinationen allerdings eine zweite Goldmedaille für Anne Heggtveit und eine zweite Bronzemedaille für Barbara Henneberger bzw. für Guy Périllat (nebst Bronze in der Abfahrt noch Gold in der Kombination), und Slalom-Bronzemedaillengewinner Charles Bozon konnte eine zweite Bronzemedaille erringen. Ein offenes Geheimnis bei den Spielen war das „Naheverhältnis“ des österreichischen Alpinskiläufers Egon Zimmermann mit der US-Alpinläuferin Penny Pitou, die später auch heirateten.

Klagen über Organisationsmängel Unmittelbar vor Beginn der Spiele wurde über viele organisatorische Mängel und darüber berichtet, dass der für «public relations» zuständige Betreuer sich als „Ignorant des Pressedienstes für dieses Großereignis erweise“. So würde bei den Trainings beim Eisschnelllauf Chaos herrschen, das Parksystem sei zusammengebrochen, im Speisesaal ziehe sich jede Mahlzeit über Stunden hin und in seiner Unsicherheit erlasse die Organisationsleitung immer wieder neue Vorschriften, die nur ungenügend bekannt gemacht würden.

Hinsichtlich des Sektors Presse habe den Organisatoren schließlich das Geld gefehlt. So habe ein vorgesehenes Radio-Gebäude nicht gebaut werden können, so dass nun auf viel zu kleinem Raum sowohl die Radio- als auch Zeitungsreporter arbeiten müssten. Der Pressessaal weise nicht einmal 200 Sitzplätze auf, welche derart verteilt würden, dass nur diejenigen Zeitungen einen Platz erhielten, die durch zwei Reporter vertreten sind, dabei gäbe es aber Reporter, die zwei oder mehrere große Zeitungen repräsentieren würden. Erst nach Protesten wurden diese Regelungen zurückgenommen. Weitere Aufregung gab es, als der Zutritt zum olympischen Dorf nicht einmal mehr mit einer Spezialbewilligung erlaubt war. Es war für die 800 Journalisten ein einziger kleiner Schalter von 1,5 Meter Breite eingerichtet, an dem man nicht nur gewisse Auskünfte, sondern all die Sonderbewilligungen für einen Platz im Stadion und den übrigen Wettkampfanlagen erhielt – und das rief lange Warteschlangen hervor. Die Leitung des ganzen Pressedienstes liege in der Hand eines Mannes, der zwar mit „public relations“, nicht aber mit der Arbeitsweise von Sportreportern vertraut sei.«Die Organisation schwimmt» und «Haarsträubende Arbeitsverhältnisse für die Presse»; «Sport-Zürich» Nr. 21 vom 19. Februar 1960, S. 12, Spalten 3 und 4

Zu den Organisationsmängeln zählte auch, dass sich sowohl Besucher als auch Medienvertreter selbst darum kümmern mussten, zu den Wettkampfstätten zu gelangen; die Verantwortlichen rührten keinen Finger zur Einrichtung offizieller Transporte.»Die peinlichste Überraschung für Norwegen«; »Sport Zürich« Nr. 24 vom 26. Februar 1960, S. 3, Spalte 4

Eröffnungszeremonie 5000 Unterhaltungskünstler (Entertainer, Artisten) waren aufgeboten. Die Feierlichkeiten vor ca. 5000 Besuchern, die für ein Ticket 25 US-Dollar hatten bezahlen müssen, fanden inmitten eines Blizzards statt. Es herrschten durch den heftigen Schneefall angespannte Verkehrsprobleme (Autos waren stecken geblieben, lagen sogar zum Teil im Straßengraben). Selbst US-Vizepräsident Richard Nixon, der das letzte Stück seiner Reise nicht mit dem Hubschrauber, sondern in einem Auto zurücklegen musste, war Opfer der Straßenverhältnisse und verspätete sich deutlich. Für die 160 Kilometer lange Anfahrt von Sacramento hatte der Konvoi vier Stunden gebraucht. So begann die um 13:30 Uhr Ortszeit angesetzte Zeremonie mit einstündiger Verspätung. Nixon hätte auch das neue Eisstadion eröffnen sollen, dieser für 11:00 bis 11:30 Uhr angesetzte Programmteil fand ohne ihn statt. Als Nixon in die Arena zur Ehrentribüne geleitet wurde, intonierte ein von 1285 Mitgliedern kalifornischer Mittelschulen gebildetes Orchester, begleitet von Mittelschulchören mit 2545 Sängern, die amerikanische Hymne.