Lahr ist ein Ortsteil der Gemeinde Waldbrunn (Westerwald) im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Der Ort liegt am Kerkerbach am südlichen Rand des Oberwesterwalds. Er hat über 1300 Einwohner. Der im Jahr 782 erstmals erwähnte Ort hatte als Kirch- und Marktort lange eine zentrale Bedeutung für die umliegenden Dörfer. Noch heute wird das Ortsbild des ehemaligen Haufendorfs von der romanischen Pfeilerbasilika St. Johannes Enthauptung bestimmt. In den Jahren von 1337 bis 1866 gehörte der Ort, mit Unterbrechungen, zum Machtbereich des Hauses Nassau.
Geographie Geographische Lage mini|Der Kerkerbach nahe der Schlagmühle mini|Der ehemalige Basaltsteinbruch „Füllburg“ zwischen Lahr und Waldernbach
Lahr liegt im südlichen Westerwald, etwa 18 Kilometer nördlich von Limburg an der Lahn, 12 Kilometer westlich von Weilburg und 13 Kilometer östlich von Westerburg. Der Ort liegt in Hessen und ist etwa zwei Kilometer von Rheinland-Pfalz entfernt. Die Gemarkung hat eine Größe von 7,41 km². Der Ort liegt an der Westgrenze innerhalb der Gemarkung. Der größte Teil der Gemarkung erstreckt sich daher östlich des Ortes in Richtung Merenberg und Heckholzhausen. Hier ist die Grenze etwa 2 bis 2,5 km vom Ortsrand entfernt.
Die angrenzenden Orte sind, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn: Waldernbach (Gemeinde Mengerskirchen), Merenberg (Gemeinde Merenberg), Heckholzhausen (Gemeinde Beselich), Hintermeilingen mit Schlagmühle, Ellar, Hausen, Fussingen (Gemeinde Waldbrunn Westerwald), die alle zum Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen gehören.
Lahr liegt in einer ehemals versumpften Mulde des Kerkerbachs, oberhalb von 210 m ü. NN, und ist von bewaldeten Basalthöhenrücken umgeben. Quellen des Kerkerbachs befinden sich im Norden und vor allem bei Fussingen. Die höchste Erhebung ist der Backenscheid mit 390 m ü. NN, gefolgt vom Berg Füllburg mit 358 m ü. NN, beide nördlich von Lahr Richtung Waldernbach. Dieser Rücken setzt sich östlich über den Pilzberg (346 m ü. NN), Steinbühl und Maiberg (290 m ü. NN) bis an den Kerkerbach fort. Nach Süden ist das Tal geöffnet, hier schlängelt sich der Kerkerbach Richtung Heckholzhausen. Südlich des Kerkerbacheinschnitts zwischen Lahr und Hintermeilingen erstreckt sich ein Höhenrücken aus den Bergen Honig (312 m ü. NN), Steinkopf (329 m ü. NN) und Obernholz (331 m ü. NN) Richtung Ellar.
Geologie mini|Geologische Karte der „Lahn/Dill-Region“ und angrenzender Gebiete. Lahr liegt hierauf im Westen im Westerwald zwischen Westerburg und Weilburg
Der Ort liegt im Übergangsbereich zwischen dem Oberwesterwald und dem Limburger Becken im Oberwesterwälder Hügelland. Der Untergrund besteht aus oberdevonischem Schiefer, der am Kerkerbacheinschnitt in Richtung Heckholzhausen hervortritt. Diese Schicht besitzt ein Alter von etwa 300 Millionen Jahren. Über dieser Schicht haben sich tertiäre Ablagerungen, vor allem während der Miozänzeit vor etwa 20 Millionen Jahren, gebildet. Diese bestehen im Wesentlichen aus Basalten und Tonen, aber auch Braunkohle, Phosphorit, Kupfererzen, Pyrit, Eisenerzen und Manganerzen. Der Oberboden ist lösshaltig.
Klima Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 7,5 °C. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 750 Millimeter und ist damit etwas geringer als im Oberwesterwald. Durch die mittlere Höhenlage zwischen dem Lahntal und dem hohen Oberwesterwald gibt es nur wenige Nebeltage.
Geschichte mini|links|Die Karte der Topographische Aufnahmen der Rheinlande von 1819, auf der Lahr verzeichnet ist
Urgeschichte und Ersterwähnung Der Ort wurde wahrscheinlich bereits während einer vorgermanischen Siedlungsperiode gegründet. Von der Dornburg, dem Heidenhäuschen, bei Fussingen und vor allem in der Lahrer Gemarkung sind Funde bekannt. 23 Hügelgräber, zwei keltische Wallanlagen und eine Siedlungslandschaft mit Grubenhaus wurden u. a. entdeckt, die eine keltische Besiedlung während der späten Hallstattzeit und der La-Tène-Zeit belegen. Bei Ausgrabungen 2014 und 2015 wurden 284 keltische Artefakte entdeckt.
Nach einer Urkunde vom 10. Juni 782 schenkte ein gewisser Frechkolf dem Kloster Lorsch Ländereien „in Pago Logenehe in villa Lara“. Bei dieser Urkunde könnte es sich um die älteste Erwähnung des Ortes Lahr handeln. Die Zuordnung der Urkunde ist jedoch umstritten, da sie sich auch auf Lohra bei Marburg beziehen könnte.
Die älteste bekannte eindeutige urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1213. Lahr war der Zentralort der Zent Lahr und Sitz der Pfarrei des gleichnamigen Kirchspiels. Die Zent Lahr war Teil des Amtes Ellar. Das Kirchspiel stand unter dem Patronat des Stifts Gemünden und geht daher vermutlich auf das frühe 9. Jahrhundert zurück. Zur Zent und zum Kirchspiel gehörten 14 Ortschaften. Neben den heute zur Gemeinde Waldbrunn gehörenden Orten Ellar, Hausen, Fussingen, Lahr und Hintermeilingen waren dies der Ort Waldernbach und die Wüstungen Oberlahr, Bortelbach, Brechelbach, Breitenbach, Winnau, Renderode, Graleshofen und Oberndorf.
Die Wüstungen Oberlahr (zwischen Lahr, Waldernbach und Fussingen) und Gralshofen (etwa ein Kilometer östlich von Lahr) lagen im Bereich der heutigen Gemarkung. Oberlahr ist wie Lahr 1213 erstmals urkundlich erwähnt wordenWalter Rudersdorf: Aus dem Historischen Kalender 2000 in Waldbrunner Nachrichten Nr. 1/2/200 S. 19. Oberndorf lag etwa ein Kilometer südlich von Ellar, Brechelbach zwischen Hausen und Neunkirchen am Lasterbach, Breitenbach östlich von Waldernbach, die übrigen im heutigen Wald zwischen Waldernbach, Elsoff und Neunkirchen. An Oberndorf erinnert der Oberndorfer Hof, der sich am ehemaligen Standort befindet.
Verwaltungsgeschichte Gegen Ende der Karolingerzeit gehörte das Amt Ellar mit den vier Zenten zum Niederlahngau des Herzogtums Franken. In Lahr bestand ein Gericht der Herren von Molsberg, das aber bereits im 13. Jahrhundert an die Grafschaft Diez überging. Die Grafen von Diez verlegten das Gericht nach Ellar. Dieser Schritt war gegen die Herren von Westerburg gerichtet, die als Vögte des Stifts St. Severus in Gemünden auch die Vogteirechte über das Kirchspiel Lahr besaßen.
Ab dem Jahr 1315 war die Zent Lahr an die Herrschaft Merenberg verpfändet. Die Einlösung erfolgte vor 1333. Im Jahr 1337 verpfändete die Grafschaft Diez die Gebiete erneut, diesmal an das Haus Nassau-Hadamar. Die Einlösung erfolgte in den Jahren 1356 bis 1362.
Im Jahr 1367 trat die Grafschaft Diez das Amt Ellar mit der Zent Lahr als Mitgift an die Grafschaft Katzenelnbogen ab. Nach dem Ende des Erbfolgestreits der Grafschaft Nassau-Hadamar erhielt 1408 das Haus Nassau-Dillenburg ein Drittel des Amtes Ellar, der Rest verblieb bei der Grafschaft Katzenelnbogen.
Mit dem Tod von Philipp von Katzenelnbogen 1479 starben die Grafen von Katzenelnbogen im Mannesstamm aus. Es kam zu einem lang anhaltenden Streit zwischen den Grafen von Nassau-Dillenburg und der Landgrafschaft Hessen um das reiche Erbe. Als nächster Verwandter Philipps ergriff Heinrich III. von Hessen-Marburg Besitz des Katzenelnbogener Erbes. Die hessischen Landgrafen verkauften 1534 die Hälfte ihres Anteils an Kurtrier. Mit dem Vergleich im Katzenelnbogener Erbfolgestreit 1555 kam das Amt Ellar komplett an Nassau-Dillenburg.
mini|hochkant|Grenzstein 113 der Grenze zwischen Oranien-Nassau und Nassau-Weilburg Bei der Erbteilung des Hauses Nassau-Dillenburg im Jahr 1607 wurde das Amt Ellar der neu gegründete Grafschaft Nassau-Hadamar unter Graf Johann Ludwig zugewiesen. Im Jahr 1650 wurde die Grafschaft zum Fürstentum erhoben. Nach dem Aussterben des Hauses Nassau-Hadamar 1711 wurde das Fürstentum mehrfach zwischen den übrigen Ottonischen Linien des Hauses Nassau geteilt. Lahr fiel 1717 an das Haus Nassau-Dillenburg, 1739 an Haus Nassau-Diez, 1742/43 an das Haus Nassau-Siegen (Katholisch), 1743 wieder an Nassau-Diez als letzte ottonische Linie.
Im Jahr 1806 wurde Lahr in das Großherzogtum Berg eingegliedert. Der Ort war ab 1807 der Hauptort der Mairie Lahr im Canton Hadamar. Dieser gehört zum Arrondissement Dillenburg und damit zum Département Sieg. Nach der Niederlage Napoléon Bonapartes in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde die oranisch-nassauische Landeshoheit wiederhergestellt. Das Haus Oranien-Nassau tauschte seinen Besitz im Westerwald jedoch schon auf dem Wiener Kongress mit dem Königreich Preußen gegen Luxemburg. Das Königreich Preußen übergab noch am selben Tag das Gebiet an das Herzogtum Nassau.
mini|hochkant|Karte von 1828 des Amt Hadamar im Herzogtum Nassau
Bei der Neugliederung der Ämter im Herzogtum Nassau im Jahr 1816 wurde Lahr dem Amt Hadamar zugeschlagen. Nach der Annexion des Herzogtums Nassau gehörte Lahr ab 1866 wieder zum Königreich Preußen. Dort gehörte es der Provinz Hessen-Nassau und dem Regierungsbezirk Wiesbaden an. Im Jahr 1866 wurde durch die preußische Kreis- und Provinzialordnung die nassauische Ämterteilung aufgehoben. Lahr gehörte zum Oberlahnkreis und ab 1886 zum neugegründeten Kreis Limburg.
Im Jahr 1945 wurde der Ort der US-amerikanischen Besatzungszone zugeteilt und somit Teil Hessens. Lahr gehörte zum Regierungsbezirk Wiesbaden. Mit dessen Auflösung 1968 wurde Lahr Teil des Regierungsbezirks Darmstadt und 1981 Teil des Regierungsbezirks Gießen. Zum 1. Juli 1974 wurde der Ort Teil des neu geschaffenen Landkreises Limburg-Weilburg.
Zum 1. April 1972 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Lahr, Fussingen und Hausen freiwillig zur neuen Gemeinde Waldbrunn. Der Name war ein Kompromiss der beteiligten Orte. Am 1. Juli 1974 wurde die alte Gemeinde Waldbrunn mit der Gemeinde Ellar kraft Landesgesetz zur neuen Gemeinde Waldbrunn zusammengeschlossen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Waldbrunn wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Bereits mit Schreiben vom 28. Februar 1973 sprach sich der hessische Innenminister gegen den Namen Waldbrunn als farblos und ortsfremd aus. Zur Unterscheidung von Waldbrunn (Unterfranken) schlug er den Namen Waldbrunn (Hessen) vor. Die Gemeinde trat für den Namen Waldbrunn (Westerwald) ein. Diesen Namen erhielt sie schließlich am 1. Januar 1977.
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Lahr angehört(e):
Im Früh- und Hochmittelalter: Herrschaft Ellar. Die Herrschaft Ellar bestand im Früh- und Hochmittelalter aus den Zenten Lahr, Elsoff (Westerwaldkreis, Rheinland-Pfalz), Niederzeuzheim und Frickhofen (Bleseberg), weshalb die Herrschaft auch als die „Vier Zehnten“ bezeichnet wurde. bis 1367: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Diez (1337–1405 als Pfand zur Grafschaft Hadamar) 1367–1405: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, „Vier Zehnten“ 1405–1479: Heiliges Römisches Reich, „Vier Zehnten“ (1/3 im Besitz von Nassau-Dillenburg und 2/3 im Besitz der Grafschaft Katzenelnbogen) 1479–1534: Heiliges Römisches Reich, „Vier Zehnten“ (2/3 der Landgrafschaft Hessen und 1/3 den Grafen von Nassau-Dillenburg) 1534–1557: Heiliges Römisches Reich, „Vier Zehnten“ (Landgrafschaft Hessen, die Grafen von Nassau-Dillenburg und Kurtrier je 1/3) 1557–1606: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Sayn, „Vier Zenten“ 1606–1650: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Nassau-Hadamar, „Vier Zehnten“ 1650–1711: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Hadamar, Amt Mengerskirchen 1717–1743: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Dillenburg, Amt Mengerskirchen 1743–1806: Heiliges Römisches Reich, Grafen von Nassau-Diez als Teil des Fürstentums Nassau-Oranien, Amt Mengerskirchen 1806–1813: Großherzogtum Berg, Département Sieg, Arrondissement Dillenburg, Kanton Hadamar 1813–1815: Fürstentum Nassau-Oranien, Amt Mengerskirchen ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Hadamar ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HadamarAbtrennung der Justiz (Justizamt Hadamar) bis 1854.