Die fidschianische Rugby-Union-Nationalmannschaft () repräsentiert Fidschi in der Sportart Rugby Union bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Mit Spitznamen nennen die Fidschianer ihre Nationalmannschaft („fliegende Fidschianer“). Die organisatorische Verantwortung trägt der 1913 gegründete Verband Fiji Rugby Union (FRU). Fidschi wird vom Weltverband World Rugby in die zweite Stärkeklasse (second tier) eingeteilt. Rugby Union gilt in Fidschi als Nationalsport und der Inselstaat ist eines der wenigen Länder, in denen Rugby Union die beliebteste Sportart ist. Bisher wurde ein fidschianischer Nationalspieler in die World Rugby Hall of Fame aufgenommen.
Das erste Test Match fand 1924 gegen Samoa statt. Fidschi qualifizierte sich für neun der bisher zehn ausgetragenen Weltmeisterschaften und verpasste nur das Turnier 1995; bei den Austragungen 1987, 2007 und 2023 erreichte es das Viertelfinale. Seit 2006 nimmt Fidschi am jährlichen Pacific Nations Cup (bis 2005 am Pacific Tri-Nations) teil, wo es gegen Japan, Samoa und Tonga antritt. Vor jedem Spiel tanzen die Fidschianer ihren traditionellen Cibi, um die gegnerische Mannschaft einzuschüchtern und sich selbst zu motivieren. Traditionell spielt Fidschi in weißen Trikots mit schwarzen Farbakzenten, schwarzen Hosen und schwarz-weiß-gestreiften Socken.
Organisation
Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Fidschi ist die Fiji Rugby Union (FRU). Der Verband wurde 1913 gegründet und 1987, kurz vor der ersten Weltmeisterschaft, Vollmitglied des International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby). Die FRU war außerdem im Jahr 2000 Gründungsmitglied des Kontinentalverbandes Federation of Oceania Rugby Unions (FORU; heute Oceania Rugby, OR).
Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die Fiji Rugby Union weitere Auswahlmannschaften zusammen. Die Fiji Warriors bilden die zweite Mannschaft Fidschis und nehmen an der World Rugby Pacific Challenge teil. Wie andere Rugbynationen verfügt Fidschi über eine U-20-Nationalmannschaft, die an den entsprechenden Weltmeisterschaften teilnimmt. Hinzu kommt Fiji Sevens, die Nationalmannschaft für Siebener-Rugby. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt; je nach Interesse und Talent beginnt dann die gezielte Ausbildung.
Im Rahmen der Pacific Islands Rugby Alliance organisierte der Verband ab 2004 sporadisch Spiele der Pacific Islanders, einer gemeinsamen Auswahlmannschaft der drei Pazifikstaaten Fidschi, Samoa und Tonga. 2009 kündete der samoanische Verband die Zusammenarbeit auf, da die Pacific Islanders die von den Mitgliedsverbänden erhofften finanziellen Vorteile nicht erbracht habe. Seit 2022 wird Fidschi in der internationalen Meisterschaft Super Rugby von der professionellen Mannschaft Fijian Drua vertreten, die bei dem Turnier auf Mannschaften aus Australien, Neuseeland und einer im Stillen Ozean (faktisch die Cookinseln, Fidschi, Samoa und Tonga) trifft.
Allgemeine Situation mini|Rugbyspielende Kinder in Fidschi Fidschi ist eines der wenigen Länder, in denen Rugby Union Nationalsport ist. Nur auf den Cookinseln, in Neuseeland, Samoa, Tonga und Wales ist dieser Sport ähnlich beliebt. Von den rund 900.000 Einwohnern sind etwa 80.000 lizenzierte Rugbyspieler, die in über 600 Vereinen tätig sind. Allerdings gehen dem Land zahlreiche Talente verloren, da sie meist in den Profiligen Australiens, Europas, Japans oder Neuseelands spielen und oft vom jeweiligen Zielland eingebürgert werden. Gemäß den Regeln von World Rugby genügt auch ein während fünf Jahren ununterbrochener Wohnsitz, um für die Nationalmannschaft eines anderen Landes spielberechtigt zu sein (bis Ende 2020 waren es sogar nur drei Jahre). Zu den bekanntesten Beispielen solcher Exil-Spieler aus Fidschi gehören Joe Rokocoko und Sitiveni Sivivatu (für Neuseeland) sowie Tevita Kuridrani und Lote Tuqiri (für Australien). Mit einer Bevölkerung von knapp unter 950.000 ist Fidschi eines der kleinsten Länder, das regelmäßig an Rugby-Weltmeisterschaften teilnimmt.
Die Verbände der pazifischen Staaten sind zu schwach, um den Abgang von Talenten aufhalten zu können. Bisweilen wird das systematische Abwerben ironisch mit dem Blackbirding im 19. Jahrhundert verglichen. Fidschianer, die für ihr eigenes Land antreten, können zudem nicht immer frei eingesetzt werden, weil vor allem englische Vereine zögerlich bei der Gewährung von Freigaben für Länderspiele sind. Abhilfe schaffen soll die Profimannschaft Fijian Drua, die seit der Saison 2022 in der internationalen Meisterschaft Super Rugby vertreten ist.
Die Fidschianer gehören im Rugby Union konstant zu den fünfzehn besten Mannschaften der Welt. Deutlich erfolgreicher sind sie jedoch im Siebener-Rugby, dessen Regeln auf jenen Rugby Union basieren. So gewannen sie bisher zwei Austragungen der Siebener-Rugby-Weltmeisterschaft sowie 2016 und 2021 die olympische Goldmedaille. Bei beiden olympischen Erfolgen gehörten Spieler zur Mannschaft, die vorher oder nachher auch für die Rugby-Union-Nationalmannschaft im Einsatz standen. Allerdings ist es gemäß den Regularien von World Rugby nicht möglich, zum selben Zeitpunkt beiden Nationalteams gleichzeitig anzugehören; dadurch soll insbesondere eine Überbelastung verhindert werden.
Geschichte Einführung und Verbreitung von Rugby Briten, Neuseeländer und einheimische Polizeikräfte spielten Rugby erstmals 1884 in der Stadt Ba auf der Hauptinsel Viti Levu. In den frühen 1890er Jahren wurden lokale Medien erstmals auf diesen Sport aufmerksam, worauf er sich in der Bevölkerung zu verbreiten begann. Zunächst gab es eine Konkurrenzsituation mit Fußball, doch Rugby setzte sich rasch durch und ist bis heute die dominierende Ballsportart in Fidschi geblieben.Jones: Encyclopedia of Rugby Union Football. S. 37. Robert F. Dewey, Historiker der DePauw University, führt dies darauf zurück, dass Rugby damals eine wichtige Rolle als Ausdruck des dörflichen Stolzes und der kriegerischen Männlichkeit gespielt habe. Da etliche traditionelle Rituale mit der Kolonialisierung verschwunden waren, galt Rugby als geeigneter Ersatz für die Pflege alter Rivalitäten. Außerdem hätten die benötigten athletischen Fähigkeiten hervorragend zu jenen der Einheimischen gepasst. Eine parallele Entwicklung dazu gab es in zwei weiteren Pazifikstaaten, Samoa und Tonga.
Ab 1904 fanden segregierte Meisterschaften statt, bei denen europäischstämmige Siedler und Einheimische unter ihresgleichen antraten; diese Wettbewerbe waren aber eher lose strukturiert. 1913 gründete der neuseeländische Klempner Paddy Sheehan, der am Bau des Grand Pacific Hotel in der Hauptstadt Suva beteiligt war, mit dem Pacific Club den ersten formell organisierten Verein. Unmittelbar darauf erfolgte die Gründung der Fiji Rugby Football Union (FRFU) und Gouverneur Ernest Bickham Sweet-Escott stiftete den Escott Shield als Meistertrophäe. Als erster Verbandspräsident erreichte Sheehan, dass die neuseeländischen All Blacks auf ihrer Rückkehr von einer erfolgreichen Kalifornien-Tour einen Zwischenhalt in Suva einlegten, um dort ein Spiel auszutragen. Es fand am 13. Dezember 1913 statt und endete mit einer 3:67-Niederlage der ausschließlich aus Europäern zusammengesetzten Auswahl. Sheehan, der auch Kapitän und Trainer war, erzielte mit einem Versuch die einzigen Punkte für Fidschi.
Aufgrund der damaligen Rassentrennung war die FRFU in den ersten Jahren Europäern vorbehalten. 1914 organisierte Ratu Epeli Ganilau ein Turnier für „Einheimische“ (natives) mit vier Vereinen, die zusammen die Fiji Native Union bildeten. Dieser Verband war zwar mit der FRFU assoziiert und stellte zunehmend die meisten Nationalspieler, doch die Segregation blieb noch drei Jahrzehnte lang bestehen. Erst 1945 wurde die Fiji Native Union vollständig in die FRFU integriert. Seit 1963 nennt sich der Verband Fiji Rugby Union (FRU). Europäer stellten weiterhin die meisten Trainer, Vorstandsmitglieder und sonstigen Funktionäre, was sich erst mit der Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1970 allmählich zu ändern begann. Weitestgehend ausgeschlossen blieben die indischstämmigen Einwanderer, die Ende des 19. Jahrhunderts von den britischen Kolonialherren hier angesiedelt worden waren. Bis heute spielt dieser Bevölkerungsteil praktisch keine Rolle in der fidschianischen Rugbykultur.
Die ersten Jahre der Nationalmannschaft mini|Gruppenfoto von 1924 mini|Gruppenfoto von 1939 1924 stellten die FRFU und die assoziierte Fiji Native Union erstmals eine fidschianische Nationalmannschaft zusammen. Sie bestand ausschließlich aus Spielern der fünf existierenden „einheimischen“ Vereine und hatte keine Europäer in ihren Reihen. Das erste Test Match fand am 15. August in der samoanischen Hauptstadt Apia gegen Samoa statt und konnte mit 6:0 gewonnen werden. Der Legende nach soll sich auf der Mittellinie des Spielfelds ein großer Baum befunden haben, doch zeitgenössische Zeitungsberichte bestätigen nichts dergleichen. Anpfiff war um sieben Uhr morgens, damit die Samoaner rechtzeitig zur Arbeit erscheinen konnten. Die Fidschianer trugen damals vollständig schwarze Kleidung (nach neuseeländischem Vorbild) und traten barfuß an. Anschließend unternahmen sie eine neun Spiele umfassende Tour nach Tonga. Das erste Test Match in Nukuʻalofa endete mit einer 6:9-Niederlage gegen die Tongaer, das zweite mit einem 14:3-Sieg und das dritte mit einem punktelosen Unentschieden. Auf dem Nachhauseweg musste Fidschi gegen Samoa eine 3:9-Niederlage hinnehmen.
Mit Ausnahme des Jahres 1930 trugen Fidschi und Tonga von 1924 bis 1934 jedes zweite Jahr eine drei Test Matches umfassende Serie aus. Als die Tongaer 1926 erstmals zu Gast waren, begannen die fidschianischen Spieler weiße Trikots mit aufgesticktem Palmen-Emblem zu tragen; zusammen mit den schwarzen Hosen bildet dies bis heute die übliche Spielbekleidung. 1928 führte der Verband erstmals einen Schülerwettbewerb durch. Bis zu diesem Zeitpunkt fanden praktisch alle Rugby-Aktivitäten in der Gegend um Suva und Nausori statt. Eine Mitteilung des Verbandes nannte den Grund dafür: „Es ist sehr schwierig, das Spiel außerhalb von Suva zu etablieren, da fast jede geeignete Fläche bereits ein betoniertes Cricketfeld in der Mitte hat.“ Die New Zealand Māori (die Auswahl der neuseeländischen Ureinwohner) tourten im August 1938 erstmals nach Fidschi. Die Gastgeber trugen zwar erstmals Schuhe, neigten aber dazu, diese während des Spiels auszuziehen und über die Seitenlinie zu werfen. Zu den fünf Spielen der Tour gehörte eine Serie von drei Test Matches. Das erste endete 3:3 unentschieden, Fidschi gewann das zweite mit 11:5 und die Māori das dritte mit 6:3; dadurch endete die Serie ausgeglichen.
Die Fidschianer wiederum unternahmen 1939 ihre erste Reise nach Neuseeland. Der Mannschaftskapitän auf der acht Spiele umfassenden Tour, Ratu George Cakobau, war der Meinung, dass seine Mannschaft einen Kriegstanz als Antwort auf den Haka der Neuseeländer präsentieren müsse. Seitdem wird der Cibi vor jedem Spiel der Nationalmannschaft aufgeführt. Die Fidschianer traten unbekümmert auf und begeisterten die Zuschauer mit ihrem unberechenbaren Laufspiel. Sie waren die erste Mannschaft überhaupt, die während einer Neuseelandtour unbesiegt blieb – ein Erfolg, den seither kein Team wiederholen konnte. In den ersten sieben Partien gegen die Auswahlteams verschiedener Provinzverbände resultierten sechs Siege und ein Unentschieden. Zum Abschluss traten die Fidschianer in Hamilton gegen die New Zealand Māori an und setzten sich mit 14:4 durch. Begegnungen mit den All Blacks standen hingegen nicht auf dem Programm.
Nachkriegsjahre mini|Gruppenfoto von 1948 mini|Gruppenfoto von 1957 mini|Gruppenfoto von 1961