Falkenrehde ist ein Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel im Landkreis Havelland im Land Brandenburg. Der Ortsteil umfasst die Gemarkung Falkenrehde. Er hat entsprechend der brandenburgischen KommunalverfassungBrandenburgische Kommunalverfassung - BbgKVerf; Abschnitt 2, Ortsteile In: bravors.brandenburg.de. und der Hauptsatzung einen Ortsbeirat und Ortsvorsteher.
Im Mittelalter entwickelte sich aus dem Westteil von Leest zunächst Falkenrehde, der östliche Teil ging später in Falkenrehde auf. Das ebenfalls mittelalterliche Stolp wurde in der Neuzeit als Neu Falkenrehde neu gegründet.Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands. StBA.Winfried Schich: Das Havelland im Mittelalter. Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-06236-1, Das Verhältnis der frühmittelalterlich-slawischen zur hochmittelalterlichen Siedlung im Havelland. Das Verhältnis zwischen slawischer und hochmittelalterlicher Siedlung. Allgemeine Fragen der Siedlungskontinuität, S. 205–216, Falkenrehde: S. 208–209.Stolp. In: Günter Mangelsdorf: Die Ortswüstungen des Havellandes. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1994, ISBN 3-11-014086-1, 1. Teil. Verzeichnis der Wüstungen. Die Wüstungen. 129, S. 133–135.
Geografie Geografische Lage Von Falkenrehde bis zur Kernstadt Ketzin sind es zirka 5,5 km in Richtung Westen. Unmittelbar südöstlich beginnt bereits die Landeshauptstadt Potsdam. Der Havelkanal markiert im Osten und Süden in etwa die Gemarkungsgrenze.
Ortsgliederung Das Ortsgebiet besteht neben Falkenrehde aus dem:
Wohnplatz/Gemeindeteil Neu Falkenrehde. Das Straßendorf erstreckt sich etwa 2 km westlich des Hauptortes.
Nachbarortschaften
Geologie Die Ortschaft nutzt einen Ausläufer der Nauener Platte entlang der Wublitz-Rinne.Gebhard Falk, Heinz-Dieter Krausch (Erarbeitung): Havelland um Werder, Lehnin und Ketzin. 1. Auflage, Selbstverlag des Instituts für Länderkunde, Leipzig 1992, ISBN 3-86082-014-1, Einzeldarstellung. B 4 Falkenrehde, Kreis Nauen, S. 72–75.
Gewässer Falkenrehde lag ursprünglich an der Wublitz. Der Fluss erweiterte sich hier zum Wublitzsee. Dessen Ufer reichte bis an die Dorfgärten heran. Ein Ölgemälde aus der Zeit um 1680 aus dem Potsdam Museum hielt den Zustand fest. In den 1770er Jahren wurde als Verbindung zum Fahrlander See der Satzkornsche Graben gestochen. Dies bewirkte eine Verlandung des hiesigen Gewässerteils. Durch den Bau des Havelkanals 1952 verschwand der Rest des Wublitzsees weitgehend.Gebhard Falk, Heinz-Dieter Krausch (Erarbeitung): Havelland um Werder, Lehnin und Ketzin. 1. Auflage, Selbstverlag des Instituts für Länderkunde, Leipzig 1992, ISBN 3-86082-014-1, Einzeldarstellung. B 25 Wublitz, S. 100.
Pflanzen- und Tierwelt Die tiefgründigen Lehmböden der Nauener Platte um Falkenrehde bestocken natürlicherweise Linden-Traubeneichen-Wälder. Die dortigen Ackerflächen bieten Lebensraum für Gartenspitzmaus und Feldhamster (Stand 1992). Die Bestände gehen durch die Industrialisierung der Landwirtschaft zurück. Gänzlich andere Biotope bietet die Bruchlandschaft der Falkenrehder Wiesen am Havelkanal.Heinz-Dieter Krausch: Havelland um Werder, Lehnin und Ketzin. 1. Auflage, Selbstverlag des Instituts für Länderkunde, Leipzig 1992, ISBN 3-86082-014-1, Natur. Vegetation, S. 8–11, hier S. 9.
Das Naturschutzgebiet Falkenrehder Wublitz war einst ein Teil des Wublitz-Laufs.
Geschichte Herkunft der Ortsnamen Falkenrehde bedeutete vielleicht ‚Ort, an dem Falken abgerichtet werden‘ von mittelniederdeutsch reden ‚vorbereiten, fertig machen‘.Falkenrehde. In: Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung (= Klaus Neitmann im Auftrag Brandenburgische Historische Kommission (Hrsg.): Brandenburgische Historische Studien. Band 13). Be.Bra Wissenschaft, Berlin 2005, ISBN 3-937233-30-X, Namenbuch, S. 53.
Leest kam aus dem Slawischen und ließ sich mit ,Gebüsch aus Haselsträuchern‘ übersetzen.Leest. In: Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung (= Klaus Neitmann im Auftrag Brandenburgische Historische Kommission (Hrsg.): Brandenburgische Historische Studien. Band 13). Be.Bra Wissenschaft, Berlin 2005, ISBN 3-937233-30-X, Namenbuch, S. 102
Mit Stolp(e) wurden mehrere Ortschaften in Brandenburg-Berlin und darüber hinaus benannt. Abgeleitet vom slawischen Wort für ‚Pfahl, Pfosten‘ stand der Ortsname meist für eine ‚mit Pfählen befestigte Siedlung‘.Stolp. In: Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung (= Klaus Neitmann im Auftrag Brandenburgische Historische Kommission (Hrsg.): Brandenburgische Historische Studien. Band 13). Be.Bra Wissenschaft, Berlin 2005, ISBN 978-3-937233-30-7, Namenbuch, S. 164. Eine andere Deutung sprach von Stecken im Sinn von Fischfangeinrichtung.
Von der Steinzeit bis zur Neuzeit mini|Dorfkirche Falkenrehde
Archäologische Funde lagen seit der Mittelsteinzeit vor, darunter eine Tasse der Trichterbecherkultur (um 3000 v. u. Z.) und germanische Urnengräber (3./4. Jahrhundert).Werner Vogel, Gerd Heinrich: Falkenrehde (Kr. Osthavelland/Nauen). In: Gerd Heinrich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Berlin und Brandenburg. 3. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-520-31103-8, S. 172–173. Während der slawischen Zeit bestanden ab dem 9./10. Jahrhundert zwei Siedlungen. Sie lagen nah beieinander, lediglich getrennt durch einen Wublitz-Arm. Zumindest die östliche davon hieß Leest, eher sogar beide.
Die Phase des hochmittelalterlichen Landesausbaus währte im Havelland etwa ein Jahrhundert lang von 1150 bis 1250. Im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung schufen angestammte Elbslawen und deutsche Einwanderer gemeinsam das im Wesentlichen bis heute bestehende Siedlungsnetz. Dabei wurde (West-)Leest in ein Dorf mit Gewannflur ausgebaut und erhielt den Namen Falkenrehde.Günter Mangelsdorf: Die Ortswüstungen des Havellandes. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1994, ISBN 3-11-014086-1, 2. Teil. Untersuchungen zum Wüstungsprozess. Zu den Wüstungsursachen, S. 275–294, Landesausbau im Havelland: S. 277.Cornelius C. Goeters: Das Havelland im Mittelalter. Duncker & Humblot, Berlin 1987, ISBN 3-428-06236-1, Formen ländlicher Siedlung im Havelland. Die Gewannflur-Siedlungen, S. 283–285, hier S. 283. Im Osten verließ der alte Weg nach Uetz die Gemarkung, heute durch den Havelkanal unterbrochen. An dieser Stelle verwies der Flurname Schanzdamm auf eine kleine Warte aus der Zeit der deutschen Landnahme. Der Turmhügel wurde für den Wegebau abgetragen. Womöglich in derselben Phase erhielt das Kloster Jerichow das Patronat über die Dorfkirche Falkenrehde.
Das heutige Neu Falkenrehde hinterließ 1197 die erste schriftliche Nachricht. In diesem Jahr schenkte Otto II., Markgraf von Brandenburg (1184–1205) dem Domkapitel Brandenburg u. a. Stulp. Das Dorf Stolp wurde 1260 noch einmal erwähnt. Im weiteren Verlauf des 13. Jahrhunderts fiel es vermutlich wüst.
Als Personennamen erschienen 1240 ein Arnoldi de Valkenrede und 1282 dominus… de Valkenrede. Die erste urkundliche Erwähnung von Valkenrede selbst datierte auf 1370 (CDB, Hauptteil A, Band VIII, Urkunde CCLXXXI, S. 291).Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Havelland. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972, Falkenrehde ssö Nauen. 4. Erste schriftliche Erwähnung, S. 93. In jenem Jahr verzichtete Matthias von Bredow auf seinen hiesigen Besitz.Adolph Friedrich Riedel: Novus Codex diplomaticus Brandenburgensis. 1. Haupttheil. 8. Band. In: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. 41 Bände, F. H. Morin, Berlin 1847, 2. Abtheilung. Die Mittelmark. Urkunden. CCLXXXI. Der Markgraf Otto bestätigt den Besitz des Dorfes Zachow an das Domkapitel, am 28. Juni 1370. Die Ortschronisten legten die Gründung kurzerhand auf 1180. Das willkürliche Festlegen eines Datums für das Ortsjubiläum kam auch Anderswo vor, beispielsweise in Bergholz-Rehbrücke (1228 statt 1375) oder Neuenhagen bei Berlin (1230 statt 1367).Lutz Partenheimer: Die Entstehung der Mark Brandenburg. Mit einem lateinisch-deutschen Quellenanhang. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien 2007, ISBN 978-3-412-17106-3, Vorwort: 850 Jahre Mark Brandenburg – Landes- und Ortsjubiläen, S. 9–15.
Das Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 enthielt alle drei Siedlungen direkt hintereinander. Zu Falkenrehde hieß es:Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, (Obule et Merice). Falkenreyde, S. 166–167.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, (Obule et Merice). Leyst, S. 167.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, (Obule et Merice). Stolp, S. 167.
In Falkenrehde sind 38 Hufen, davon hat der Pfarrer 5 (Wedemhof) und der Lehnschulze 4. Hennig Seefeld hat 3 Hufen zu seinem Ritterhof. An Pacht zahlt jede [abgabenpflichtige Hufe] Wispel Roggen, Wispel Hafer und keine Gerste. Zins wird nicht gezahlt. Für die Bede sind 5 Schilling an Pfennig, je Scheffel Roggen, Gerste und Hafer zu geben, ausgenommen 3 Hufen, die aber Pacht geben.
Kossäten sind 8, jeweils 1 von ihnen zahlt 13, 10, 20, 15 oder 20 Hühner, die anderen 13 Hühner. Diereke sagt, er hat im Wesentlichen die Bede, aber Vogt Kothe sagt – es gehört dem Markgrafen.
Der Krug gibt 1 Pfennig und 15 Hühner dem Dorfschulzen. Diereke hat an Pacht 8 Zählstücke und 6 Scheffel, Merten Karcho, Bürger in Spandau hat 1 Wispel Roggen als Pfand vom Sohn Johannes Barts. Die Ehefrau Buschows hat 1 Wispel Roggen, 1 Wispel Hafer und 15 Schilling, wovon der Vogt sagt – es ist seinem Markgrafen, sowie 1 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Gerste und 3 Scheffel Hafer als Wittum vom Markgrafen als Lehen.
Die Dorfkirche hat je 3 Scheffel Roggen und Hafer sowie 6 Pfennig und 6 Pfund Bienenwachs. Die Witwe von Koppe Litzen hat 2 Wispel Roggen, 1 Wispel Hafer vom Markgrafen. Hermann und Fritz von Bardeleben haben 1 Wispel Rogen und Wispel Hafer, die Bede über 5 Hufen. Klaus von Schlabrendorff hat Wispel Hafer. Ein anderer von Schlabrendorff hat 6 Scheffel und von Ribbeck 6 Scheffel. Das Obergericht, den Wagendienst und die Bede über 6 Hufen hat der Markgraf. 2 Schöffen, genanntLandschöffen, dienen dem Markgrafen.Herr Nolte: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Orts- und Personen-Verzeichnis, S. 412–457.
(Ost-)Leest kam im Dorfverzeichnis und -register (siehe im Kapitel Ein Kietz in Falkenrehde?) das erste und letzte Mal urkundlich vor. Nach 1375 verschwand der Ortsname Leest aus den Schriftquellen. Zu einem unbekannten Zeitpunkt siedelten die Einwohner in den Nachbarort über. Bis ins 17. Jahrhundert beschrieb der Flurname auf dem Leest Falkenrehder Höfe.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Nomina villarum terre Obule et merἱce, S. 72–73.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Havelland. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972, Leest s Nauen, S. 207–208.Leest. In: Günter Mangelsdorf: Die Ortswüstungen des Havellandes. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1994, ISBN 3-11-014086-1, 1. Teil. Verzeichnis der Wüstungen. Die Wüstungen. 88. S. 92–93.
Der knappe Eintrag für das spätere Neu Falkenrehde lautete:
Stolp ist ein Hof, [er] gibt nach alter Gewohnheit 17 Zählstücke, ist aber wüst, [Bart ist] zum Dienst verpflichtet.
Eine Urkunde von 1429 schrieb dem Hof zu Stalp 10 Hufen zu. Vermutlich wurden sie nicht bestellt und entsprachen dem ursprünglichen Hufenland. 1513 bewirtschafteten von Diereke und Vollbauern die Felder von Falkenrehde aus. Laut dem Protokoll der Generalvisitation von 1541 erhielt der Ketziner Pfarrer dafür 40 Scheffel Roggen und Gerste.
mini|Gutshaus Falkenrehde