Der HAL Dhruv ( von ) ist ein Mehrzweckhubschrauber mittlerer Größe der indischen Hindustan Aeronautics Limited (HAL). Er wird in verschiedenen militärischen sowie zivilen Versionen hergestellt.
Beschreibung Die Entwicklung innerhalb Hindustans Advanced Light Helicopter Programmes (ALH) wurde im November 1984 verkündet, kam aber wegen sich ändernder Vorgaben seitens des indischen Militärs und Finanzierungsproblemen (auch in Hinblick auf die Mitarbeit von Messerschmitt-Bölkow-Blohm als Beraterfirma) nur langsam voran. Der erste Prototyp flog im August 1992. 1996 wurde dann eine bewaffnete Version vorgestellt. Weiter verzögert wurde das Programm, als 1998 US-Sanktionen nach indischen Atomtests die Lieferung der vorgesehenen Triebwerke verhinderten.
Varianten Mk. I – Daraufhin wurde die Maschine nach einem entsprechenden Vertragsabschluss auf eine Version des Turbomeca TM 333-2B2 mit 746 kW Leistung umkonstruiert. Die erste Version wurde 2000–2001 an die indische Küstenwache ausgeliefert, gefolgt von Versionen für die der indischen Armee, Marine und Luftwaffe, insgesamt 56 Stück. Daneben gibt es auch zivile Varianten, die, alle mit dem TM333-2B2-Triebwerk ausgerüstet, verschiedene Ausstattungsmerkmale aufweisen. Mk. II – Ab 2003 wurde eine neue Version mit einem Glas-Cockpit israelischer Herkunft aufgelegt, von der 50 nach Israel verkauft werden sollten. Es wurde aber nur eine Maschine dorthin ausgeliefert, eine weitere nach Mauritius, vier nach Nepal und sieben an Ecuador. Das indische Militär erhielt 20 Exemplare. Der Hubschrauber ist auf dem aktuellen Stand der Technik (FADEC für die Triebwerke, Automatisches Flugkontrollsystem (4-Achsen-Steuerung), gelenkloser Rotorkopf, Anti-resonance Vibration Isolation System (ARIS) der Lord Corporation). Mk. III – Diese nochmals verbesserte mit Shakti-Turbinen ausgerüstete Version, neuen Systemen zur elektronischen Kampfführung und zum Selbstschutz sowie verbesserte Vibrationssteuerung. Die Luftstreitkräfte stellten 2012 ihre erste MK.III Staffel auf. Für die Marine und die Küstenwache wurden 2017 ebenfalls je 16 Exemplare Dhruv Mk.III bestelltGareth Jennings: In: Janes.com, IHS Jane’s Defence Weekly, 31. März 2017 (englisch)., die erste Marinestaffel, Indian Naval Air Squadron 323 wurde 2021 aufgestelltIndian Navy commissions first squadron of Dhruv ALH Mk III helicopters, Janes.com, 20. April 2021 (englisch).. Für das Army Aviation Corps der Landstreitkräfte wurden ebenfalls 2021 25 Mk.III bestelltIndia approves procurement of additional Dhruv helicopters, Janes.com, 30. September 2021 (englisch).. Im Jahr 2024 wurden weitere 25 Mk.III für die Army und neun weitere für die Küstenwache bestellt,HAL Bags Big Govt Contract: 34 Dhruv Helicopters for Army, Coast Guard, bharatshakti.in, Bharat Shakti, 14. März 2024 (englisch). für letztere wurden 2026 weitere sechs Exemplare nachbestellt.India Orders Additional Dhruv Maritime Helicopters and VL-Shtil SAM, Naval News, Adithya Krishna Menon, 5. März 2026 (englisch). Mk. III MR – Mk. IV/Rudra – Am 16. August 2007 hatte eine weiterentwickelte Variante ALH-WSI in Bangalore ihren Erstflug. Diese verfügt über einen Waffenträger und Sensoren auf einer Nase am Bug und ist mit leistungsfähigeren (gemeinsam von Turbomeca und Indien) entwickelten Triebwerken Shakti (auch Ardiden 1H genannt) mit 30 % höheren Notleistung ausgerüstet. Die Bewaffnung ist mit jener des LCH identisch. Im Oktober 2007 stellte ein Dhruv mit 9075 Metern einen Höhenflugrekord auf. Im Jahr 2009 bestellte das indische Heer die ersten 16 ALH-WSI. UHM – Utility Helicopter Marine. HAL entwickelt derzeit eine weiterentwickelte Variante des ALH Dhruv, um den spezifischen Anforderungen der indischen Marine gerecht zu werden. Der Hubschrauber soll speziell für den Einsatz auf Schiffen konzipiert werden, unter anderem für allgemeine Aufgaben sowie für die Such- und Rettungsdienste auf See. Am 16. März 2023 genehmigte der Rat für Rüstungsbeschaffung (DAC) das Programm „Utility Helicopter-Maritime“ für die indische Marine. Stand 11. Mai 2025 ist die Konstruktion des Hubschraubers nahezu abgeschlossen; der Erstflug sowie die Auslieferungen werden für Anfang 2026 bzw. 2027 erwartet. Dhruv(C) – Auch bekannt als ALH-Civil, ein mit einem Turbomeca TM333-2B2 Triebwerk ausgestatteter 12-sitziger Hubschrauber mit einziehbarem Fahrwerk. Die Musterzulassung wurde am 31. Oktober 2003 erteilt. Dhruv(CFW) – Ein mit einem Turbomeca TM333-2B2 Triebwerk ausgestatteter 12-sitziger Hubschrauber mit Rädern, dessen Musterzulassung am 20. April 2005 erteilt wurde. Dhrub(CS) – Ein mit einem Turbomeca TM333-2B2 Triebwerk ausgestatteter 12-sitziger Hubschrauber mit Kufen, Typenzertifikat ausgestellt am 30. Juli 2004. Dhruv NG – 14-sitzige zivile Variante des Dhruv Mk-3, ausgestattet mit zwei Shakti-1H1C Triebwerken und einem für den zivilen Einsatz zertifizierten Glascockpit sowie umfangreichen Verbesserungen im Bereich der Flugsicherheit. Erstflug: 30. Dezember 2025. Das Hubschraubermodell ist für den VIP-Transport, den allgemeinen Passagierverkehr, HEMS-Einsätze (Luftrettung) sowie für spezielle Aufgaben wie operative Unterstützung, Strafverfolgung und Katastrophenhilfe (Suche und Rettung) konzipiert. Garuda Vasudha – Ein Dhruv, ausgestattet mit einem geophysikalischen Vermessungssystem für den Hubschraubereinsatz (HGSS) von Pico Envirotec Inc. aus Kanada.
Technische Daten mini|300px|HAL Dhruv auf der Aero India 2023
Kenngröße Daten Typ Leichter Mehrzweckhubschrauber Besatzung 1 bis 2 Piloten 4 bis 12 Passagiere Gesamtlänge 15,87 m Rotordurchmesser 13,20 m Höhe 4,05 m Kabinenvolumen 7,33 m³ Leermasse 2.502 kg max. Startmasse 5.500 kg Nutzlast 2.600 kg Treibstoffkapazität 1.100 kg Turbinen zwei TM 333-2B2 mit je 825 kW (AEO, take off) In: Turbomeca.com, Safran S.A. (englisch). oder zwei Ardiden 1H/Shakti mit je 895 kW von Turbomeca Höchstgeschwindigkeit 270 km/h Marschgeschwindigkeit 250 km/h Steigrate 10,3 m/s Dienstgipfelhöhe 4.500 m Einsatzreichweite 320 km (oder 3,5 h) Überführungsreichweite 660 km
Bewaffnung 8× Panzerabwehrraketen 4× Luft-Luft-Raketen 4× FZ231-Raketen-Rohrstartbehälter für je 12× ungelenkte Forges-de-Zeebrugge-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 70 mm (Luftwaffe und Armee) 2× Torpedo-, Wasserbomben oder Antischiff Flugkörper
Nutzer Militärische Nutzer
Indisches Heer: Die indische Armee alleine betreibt 145 Dhruv. Davon sind 75 bewaffnete Rudra. Indische Luftwaffe: 95 Indische Marine: 17 Küstenwache/Indian Coast Guard: 24 (4 Mk1; 20 Mk3) Grenzschutz/Border Security Force: 8 Verteidigungsministerium: 1 geleast (2007)
Luftstreitkräfte/Air Wing: 2 Polizei von Mauritius: 3Nepalesische Luftwaffe: 1
Ehemalige Nutzer Fuerza Aérea Ecuatoriana: 7 wurden ausgeliefert, 4 stürzten zwischen Oktober 2009 und Januar 2015 ab. Wurden 2015 aus dem Dienst genommen. Ecuador zahlte 45 Millionen US Dollar (39 Millionen Euro) pro Maschine.
Zivile Nutzer Oil and Natural Gas Corporation (ONGC): 3
Regierung des Bundesstaates Chhattisgarh: 1
Regierung des Bundesstaates Jharkhand: 2
Regierung des Bundesstaates Karnataka: 1 geleast
Geological Survey of India: 1 (Garuda Vasudha)
Pawan Hans: 10 Dhruv NG sind bestellt, die Auslieferung soll bis 2027 erfolgen. Über 28 sind geplant. Vier davon sollen 10 Jahre lang im Auftrag der ONGC betrieben werden.Türkischer Gesundheitsdienst: 3Peruanischer Gesundheitsdienst: 2
Zwischenfälle Wie die indische Regierung am 8. März 2016 dem Parlament mitteilte, gab es 16 Unfälle mit HAL Dhruv Hubschraubern. „Von den 16 Unfällen ereigneten sich 12 aufgrund menschlicher Fehler und äußerer Einflüsse, die übrigen vier hatten technische Ursachen“Erklärte der Staatsminister für Verteidigung, Rao Inderjit Singh, vor dem Rajya Sabha. An den Abstürzen waren zwei zivile, neun vom indischen Militär betriebene und fünf von ausländischen Betreibern genutzte Hubschrauber beteiligt. Was die vier Abstürze ecuadorianischer Dhruv Hubschrauber betrifft, so waren zwei auf menschliches Versagen und einer auf einen mechanischen Fehler zurückzuführen.
Zudem gingen zwischen März 2017 und Dezember 2021 vier Dhruv und zwei Rudra Hubschrauber verloren.
Bis Januar 2025 gingen in 23 Dienstjahren 20 bis 23 Hubschrauber verloren, was zum Tod von 17 Piloten (ohne Passagiere) führte. Insgesamt wurden rund 410 Exemplare produziert. Während die indische Armee und die Luftwaffe 16 bzw. sechs Hubschrauber verloren haben, hat die Küstenwache bis heute (Stand: Januar 2025) drei verloren.
Stilllegungen 2006 Im Januar 2006 wurde die gesamte Flotte von 46 ALH-Hubschraubern aufgrund von Berichten über technische Probleme stillgelegt. Vertreter der HAL besuchten alle Luftwaffenstützpunkte, an denen die Hubschrauber stationiert waren, um deren Lufttüchtigkeit zu bestätigen. Zwei Maschinen wurden bereits wieder für den Betrieb freigegeben.
Die gesamte Flotte der Border Security Force (BSF) unter dem Innenministerium (MHA), bestehend aus sechs Hubschraubern, wurde stillgelegt. Nachdem einer ihrer Hubschrauber im Oktober 2012 nach dem Start in Ranchi abgestürzt war. Die Flotte wurde von der Central Reserve Police Force (CRPF) zur Unterstützung der Operationen gegen die Naxaliten eingesetzt. Die CRPF hatte sowohl den Hersteller HAL als auch den Betreiber Pawan Hans befragt. Im Oktober 2011 berichtete „The Telegraph“, dass eine Reihe von Hubschrauberabstürzen, darunter auch der des Dhruv, angeblich auf mangelhafte Wartungsarbeiten durch Pawan Hans Helicopters Ltd. zurückzuführen seien. Die Wartung durch Pawan Hans stand in der Kritik, da dies bereits der sechste Hubschrauber und der zweite Hubschrauber der BSF war, der 2011 unter dem Betrieb des Unternehmens abstürzte. Der erste der BSF war ein HAL Chetak, der am 31. Mai abgestürzt war. Das Innenministerium (MHA) war jedoch aufgrund der ansonsten sehr kostspieligen Pilotenausbildung auf das Unternehmen angewiesen.
2023 Ein Hubschrauber vom Typ Dhruv Mk 3 (CG 863) der indischen Küstenwache, der zum 835. Geschwader gehört, führte in der Nacht vom 2. September 2024 eine Notlandung im Arabischen Meer durch. Als er zur medizinischen Evakuierung eines schwer verletzten Besatzungsmitglieds an Bord des unter indischer Flagge fahrenden Motortankers „Hari Leela“ etwa 45 km vor Porbandar im Einsatz war. Der Hubschrauber startete gegen 23:00 Uhr IST und stürzte um 23:15 Uhr bei der Annäherung an den Motortanker ab. Die verletzte Besatzungsmitglied wurde anschließend von einem Schiff der indischen Küstenwache gerettet. Derselbe Hubschrauber hatte kürzlich bei einem Zyklon in Gujarat 67 Menschen gerettet. Von den zwei Piloten und zwei Tauchern an Bord des Hubschraubers wurde ein Taucher, Gautam Kumar, von einem Such- und Rettungsteam gerettet. Die Suche nach den anderen dauerte an. Auch das Wrack wurde gefunden. Das eingesetzte Such- und Rettungsteam umfasste vier Schiffe und zwei Flugzeuge der ICG sowie zwei Spezialschiffe und Tauchschiffe der Marine. Später wurden zwei Leichen geborgen. Es handelte sich dabei um den Piloten Vipin Babu und den Taucher Karan Singh. Nach dem Vorfall stellte die ICG die Dhruv Flotte zur Überprüfung außer Dienst. Am 6. September dauerten die Suche nach dem Kapitän sowie die Bergungsarbeiten am Hubschrauber an. Die durchschnittliche Tiefe der Such- und Rettungsmaßnahmen betrug 55 m. Am 10. Oktober wurden die sterblichen Überreste von Kommandant Rakesh Kumar Rana, dem Kapitän des Hubschraubers, etwa 55 km südwestlich von Porbandar geborgen, nachdem die ICG und die indische Marine insgesamt mehr als 70 Flugeinsätze und 82 Schiffstage lang Suchmaßnahmen durchgeführt hatten. Am nächsten Tag wurde er mit allen militärischen Ehren eingeäschert. Damit fand die groß angelegte Suchaktion ihren Abschluss.
2025