C.I. Basic Green 1, Trivialname Brillantgrün () ist ein kationischer Farbstoff aus der Gruppe der Triphenylmethanfarbstoffe. Es ist in Wasser und Alkohol löslich, die Lösungen haben eine grüne Farbe. Im pH-Bereich zwischen 0,0 und 2,6 wechselt die Farbe von gelb zu grün.

Eigenschaften Brillantgrün ist ein brennbarer grüner Feststoff mit schwachem Geruch, der leicht löslich in Wasser ist. Er zersetzt sich ab einer Temperatur über 210 °C. Seine wässrige Lösung reagiert sauer. Die grüne Farbe ist darauf zurückzuführen, dass mehrere mesomere Grenzstrukturen existieren, in denen die delokalisierten π-Elektronen leicht anregbar sind und im sichtbaren Bereich der elektromagnetischen Strahlung Wellenlängen im roten Bereich absorbieren können.

550px|rahmenlos|zentriert|Mesomere Grenzstrukturen

Darstellung Man synthetisiert die farblose Leukobase des Brillantgrün aus N,N-Diethylanilin und Benzaldehyd in Gegenwart von Zinkchlorid oder konzentrierter Schwefelsäure. Anschließend wird mit Blei(IV)-, Mangan(VII)- oder Chrom(VI)-oxid in saurer Lösung oxidiert. Die so erhaltene Carbinolbase wird durch Erhitzen dehydratisiert und mit Schwefel- oder Oxalsäure neutralisiert. Als Antiseptikum ist das Oxalat (CAS 23664-66-6) üblich. 650px|rahmenlos|zentriert|Synthese

Verwendung Brillantgrün kann zum Färben und Bedrucken von Textilien, Leder und Papier sowie in Druckfarben, Tinten, Farbbändern und Kugelschreiberpasten verwendet werden.

Brillantgrün verfügt als Oxidationsmittel über eine breite biozide Wirkung gegen Parasiten, Pilzbefall und bakterielle Infektionen. In der Veterinärmedizin war das Altarzneimittel (ohne moderne Zulassung) schon lange im Einsatz. Es wurde auch in der Teichwirtschaft und Aquaristik eingesetzt.

Mit der Ergänzungslieferung 1996 wurde Brillantgrün aus dem NRF gestrichen. Prüfzertifikate nach DAC fehlten. Bedingt durch die Synthese kann der Grünfarbstoff mit Schwermetallen verunreinigt sein. Die pharmakologisch-toxikologische Nutzen/Risiko-Abwägung fiel aufgrund lang anhaltender Probleme negativ aus.Rezepturhinweise: Farbstoffe. Neues Rezeptur-Formularium. ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Pharmazeutisches Laboratorium / Govi-Verlag Pharmazeutischer Verlag GmbH. 13. Juli 2009. (PDF)

Brillantgrün wurde auch in der Biochemie verwendet. Friedrich Loeffler verwendete die Verbindung zur Anreicherung von Typhus- und Paratyphuserregern. Das Brillantgrün-Galle-Medium dient zur selektiven Anreicherung und Zählung von coliformen Bakterien in Milch, Wasser und anderen Proben.Brillantgrün-Galle-Medium – Zur selektiven Anreicherung und Zählung von coliformen Bakterien in Milch, Wasser und anderen Proben Es ist ein mesomeriestabilisiertes quartäres Ammoniumsalz.

Seljonka

mini|links|hochkant|„Seljonka“-Fläschchen

In Osteuropa und den Ländern der ehemaligen UdSSR wird die alkoholische Lösung von Basic Green 1 (Solutio viridis nitentis spirituosa 1 %) als Antiseptikum verwendet. In der Umgangssprache heißt der Stoff „seljonka“.M. Balabanova, L. Popova, R. Tchipeva, Disease-a-Month, 50(6), 2004, S. 270–279. doi:10.1016/j.disamonth.2004.05.002.

Unter einer Seljonka-Attacke versteht man eine Form von Protest, Provokation oder gewalttätigem Angriff auf eine Person, die vorwiegend im Gesicht mit der grünen Farblösung übergossen wird. In den 2010er Jahren war dies in Russland und der Ukraine weit verbreitet. In der Folge wurde die Seljonka – und die grüne Farbe im Allgemeinen – zum Symbol des politischen Protestes in Russland.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Triphenylmethan Kategorie:N-Alkylaminobenzol Kategorie:Sulfat Kategorie:Kationischer Farbstoff Kategorie:Triphenylmethanfarbstoff Kategorie:Antiseptikum