HaSoreʿa () ist ein Kibbuz im Regionalverband Megiddo des Nordbezirk Israels. Der Kibbuz liegt am westlichen Rand der Jesreʿel-Ebene und ist etwa 22 km von der Hafenstadt Haifa entfernt.Avraham Lewensohn (; 1923–1986), Reiseführer Israel mit Straßenkarten und Stadtplänen ['Israel Tourguide', 21979; dt.], Miriam Magall (Übs.), Tel Aviv-Jaffa: und Tourguide, 1982, S. 158. Gleich nördlich entstand ab den 1950er Jahren Jokne’am als israelische Entwicklungsstadt.
Geschichte Auf der Webseite des Kibbuz HaSoreʿa wird noch heute auf dessen besondere Geschichte und auf seine Verankerung in der deutsch-jüdischen Jugendorganisation der Werkleute (Bund jüdische Jugend) hingewiesen. Die Vorbereitungen zur Gründung begannen schon kurz nach der Machtergreifung mit einer Geldsammlung für den Landerwerb in Palästina und den Vorbereitungen auf das Kibbuzleben im Rahmen einer Hachschara. Die Geldsammlung erbrachte 50.000 Pfund Sterling,Jacob Michaeli: Der Kibbuz Hasorea. S. 143–144. die später dem Jüdischen Nationalfonds halfen, den Landerwerb zu finanzieren.
Von den Anfängen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Noch 1933 trafen bereits die ersten Werkleute in PalästinaDie Geschichte HaSoreʿas ist ausführlich dargestellt in dem Buch von Walter B. Godenschweger und Fritz Vilmar: Die rettende Kraft der Utopie. das auf vielen Gesprächen mit Angehörigen der Gründergeneration basiert. ein und begannen mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung in den schon existierenden Kibbuzim Giv'at Chaim und Mischmar Ha'emek.Walter Laqueur: Geboren in Deutschland. S. 199. 1934 gründeten sie in Chadera eine Gesellschaft für gemeinschaftliche Ansiedlung, der sich nach und nach die neu eintreffenden Werkleute anschlossen. 1936 bestand die Gruppe aus etwa 70 Personen.Jacob Michaeli: Der Kibbuz Hasorea. S. 146.
Der Jüdische Nationalfonds hatte bei Jokne’am südlich des Karmel-Gebirges 3.236 Dunam Land erworben,Dunam = 1000 m². Zum Hintergrund dieses Landerwerbs siehe den Artikel in der englischen Wikipedia: :en:Yokneam Moshava. auf dem sich im Dezember 1935 35 Werkleute niederließen (der Rest der Gruppe hatte sich für andere Kibbuzim entschieden) und dort im April 1936 HaSoreʿa gründeten. Die Wahl dieses Namens stellte nach Schaul Genossar keinen Bezug zur landwirtschaftlichen Arbeit her, sondern hatte symbolischen Charakter. Der Sämann, wie HaSoreʿa auf Deutsch heißt, sollte deutlich machen, „daß wir der Vortrupp des deutschen Judentums waren, das Deutschland verlassen mußte und nach Palästina übersiedelte. Wir sind die ersten, die säen, um nachher die Saat zu ernten, die es den Juden, die nach uns aus Deutschland kommen, ermöglicht, sich hier zu verwurzeln.“Walter B. Godenschweger, Fritz Vilmar: Die rettende Kraft der Utopie. S. 129.
Die Gründer konnten damals bei weitem nicht über die gesamte vom Nationalfonds erworbene Fläche verfügen, da die arabische Bevölkerung nur schleppend die Gegend verließ. In manchen Quellen ist von anfangs nur 70 Dunam die Rede, die ersten Siedler sprechen von einem Landstück von 200 Meter Länge und 60 Meter Breite (12.000 m² = 12 Dunam);Die Berichte der Gründer von Hasorea. In: Walter B. Godenschweger, Fritz Vilmar: Die rettende Kraft der Utopie. S. 84. Laqueur erwähnt 1.400 Dunam, die als Nutzfläche zur Verfügung gestanden hätten, wobei nicht klar ist, auf welches Jahr er sich bezieht.Walter Laqueur: Wanderer wider Willen. S. 198. Auf der Homepage des Kibbuz HaSoreʿa heißt es in dem Zusammenhang, dass die Kibbuz-Mitglieder jahrelang warten mussten, bis das gesamte Land verfügbar war und erst nach dem Unabhängigkeitskrieg mit der Flucht beziehungsweise Umsiedlung der Bewohner zweier arabischer Siedlungen eine endgültige Lösung gefunden worden sei.Kibbutz Hazorea History Diese Nichtverfügbarkeit des Landes hatte aber auch einen bis heute nachwirkenden positiven Nebeneffekt: HaSoreʿa befindet sich heute in direkter Nachbarschaft eines dichten grünen Waldes. Dieser wurde zusammen mit dem gesamten Waldgebiet entlang der Kämme des Karmel-Gebirges von Mitgliedern von HaSoreʿa und anderen Kibbuzim gepflanzt, die für den Jüdischen Nationalfonds arbeiteten, während sie noch daran gehindert waren, das ihnen zugewiesene Land zu bearbeiten.
Die ersten Siedler „waren ausgestattet mit eigenem LKW und Traktor zum Tiefpflügen und bezogen zunächst einen ehemaligen Han (ein Gasthaus für Karawanen).“Jacob Michaeli: Der Kibbuz Hasorea. S. 147. Sie begannen mit Getreideanbau und Schafzucht und errichteten als erstes Gebäude eine Tischlerei. Ein Teil der Kibbuzmitglieder musste sich Arbeit im Hafen von Haifa suchen, etliche Frauen arbeiteten in wohlhabenderen Haushalten. Über diese schwierige Anfangszeit schrieb Walter Laqueur, der 1939 nach HaSoreʿa kam:
Der Zuzug weiterer Werkleute aus Deutschland überforderte das für etwa 80 Personen konzipierte HaSoreʿa, weshalb bereits im Februar 1937 jüngere Mitglieder von hier zusammen mit einer Jugendgruppe aus dem Kinder- und Jugenddorf Ben Shemen in das weiter südlich gelegene Gan Jawne zogen, wo Zitrusfrüchte angebaut wurden. Die emotionale Bindung an die Gemeinschaft der Werkleute veranlasste jedoch einen Teil dieser Umsiedler zu einer baldigen Rückkehr nach HaSoreʿa.Jacob Michaeli: Der Kibbuz Hasorea. S. 148.
Die schwierige Ausgangslage änderte sich in den nächsten Jahren nicht wesentlich, wie sich Laqueur an seine erste Ankunft in HaSoreʿa im Frühjahr 1939 erinnerte.Walter Laqueur: Wanderer wider Willen. S. 197. Krankheiten wie Malaria und Typhus waren lange ein Problem, allmählich stellten sich auch mentale Probleme ein.
Auch HaSoreʿa schloss sich der Artzi-Bewegung„Artzi heißt zunächst nichts anderes als ›Landesorganisation‹ — der Name steht heute für den (links-)sozialistischen Teil der gesamten Kibbuzbewegung, der etwa ein Drittel aller ca. 250 Kibbuzim umfaßt.“ (Jacob Michaeli: Der Kibbuz Hasorea. S. 224, Anmerkung 10) Jochanan Ben-Jaacov erläutert die Unterschiede zwischen den drei Kibbuz-Organisationen, neben der Artzi-Bewegung noch Kibbuz Ha'meuchad und Chever Ha'kvuzot: „Die Unterschiede waren derartig mikroskopisch, daß man das heute kaum noch erklären kann. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Haschomer Hazair und den anderen war, daß ersterer politisch sehr sozialistisch eingestellt war. Die anderen waren mehr sozialdemokratisch, der Haschomer Hazair war etwas radikaler.“ Hinzu kam als vierte Strömung die der religiösen Kibbuzim. (Die Berichte der Gründer von Hasorea. In: Walter B. Godenschweger, Fritz Vilmar: Die rettende Kraft der Utopie. S. 75 & 100 ff.) 2008 fand in der Knesset die Fotoausstellung Hashomer Hatzair und der Kibbuz Artzi statt, mit der an den 80. Gründungstag der Siedlungsorganisation erinnert wurde. Kibbuz Artzi wurde 1927 während des Pessachfestes von Mitgliedern der vier Kibbuzim Maʿabbarōt, Merchawia, Mischmar haEmek und Ein Shemer in Bat Galim gegründet. (80 years of kibbutz life. Auf dieser Webseite sind viele Fotos aus der Gründerzeit der Kibbuzim zu finden.) an, und Michaelis sieht darin „einen Sieg der sozialistischen Richtung über den Idealismus der Jugendbewegung sowie den endgültigen Bruch mit Martin Buber und der Pflege religiöser Bräuche“.Jacob Michaeli: Der Kibbuz Hasorea. S. 149. Laqueur, der Anfang 1942 zum zweiten Mal nach HaSoreʿa kam, beschreibt diese Veränderungen so: „Die alte Elite, die Führer der Jugendbewegung, war durch neue Männer und Frauen einer stärker praktischen Geisteshaltung abgelöst worden, mehr Macher als Denker und Redner.“ Und er benennt ein weiteres Problem: Frauen nahmen weniger aktiv am Kibbuzleben teil, befanden sich selten in wichtigen Positionen.Walter Laqueur: Wanderer wider Willen. S. 225. Daran hatte sich auch in den 1980er Jahren, vierzig Jahre später, noch kaum etwas geändert, wie Michaeli ausführt.
Obwohl die Gründung von HaSoreʿa zusammenfällt mit dem Ausbruch des arabischen Aufstands gegen die palästinensischen Juden, ist darüber weder auf der offiziellen Webseite des Kibbuz noch bei Michaeli etwas zu erfahren.Mehr dazu findet sich in dem Hazorea-Artikel in der englischen WIKIPEDIA. Allerdings wird sich dort auf Quellen bezogen, die nur auf Hebräisch vorliegen und deshalb nicht ausgewertet werden konnten: (1987) & Perez Levinger: THE ACQUISITION OF LAND IN THE AREA OF YOQNE'AM Aus den Zeitzeugenberichten geht jedoch sehr wohl hervor, dass sich Hasera trotz seiner isolierten Lage bemühte, sich auf Angriffe vorzubereiten. Die Tischlerei wurde schusssicher ausgebaut, da das Leben in Zelten oder Baracken zu gefährlich geworden war, und mit Lichtzeichen wurde nachts Verbindung zu anderen Siedlungen aufgenommen.Die Berichte der Gründer von Hasorea. In: Walter B. Godenschweger, Fritz Vilmar: Die rettende Kraft der Utopie. S. 85 ff. Eine ernsthafte Bedrohung für HaSoreʿa scheint aber nicht bestanden zu haben.
Während bei Michaeli auf die Gründungsphase sofort der Sprung in die Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs folgt, finden sich bei Laqueur auch Hinweise auf die frühen 1940er Jahre. Er beschrieb das Ringen zwischen jenen, die sich für eine verstärkte Kollektivierung aller Lebensbereiche im Kibbuz einsetzten, und jenen, „die davon überzeugt waren, daß der privaten Sphäre, der Familie, die größte Bedeutung im Kibbuzleben zukomme“.Walter Laqueur: Wanderer wider Willen. S. 226. Ebenso sei das Thema Privatbesitz an Alltagsgegenständen – Radio, Grammophon oder Kaffeemaschine – ein ständiger Anlass für Auseinandersetzungen gewesen, und natürlich die Kindererziehung im Spannungsfeld zwischen kollektiver und familiärer Betreuung. 1942 hätten etwa 40 bis 50 Kinder in HaSoreʿa gelebt, doch die Generalversammlung des Kibbuz habe nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine Resolution verabschiedet „gegen ein zweites Kind in den Familien, teils wegen der sich rapide verschlechternden wirtschaftlichen Lage, teils aber auch, weil viele Mitglieder fühlten, daß Familienvergößerung während des Krieges unverantwortlich sei“.Walter Laqueur: Wanderer wider Willen. S. 227–228. Auch die Frage, ob der Kibbuz Eltern von Mitgliedern Zuflucht gewähren könne, sei lange Zeit sehr kontrovers diskutiert, dann aber positiv entschieden worden.
Nach Michaeli erlitt HaSoreʿa durch den Zweiten Weltkrieg keine direkten Verluste, wenngleich viele Männer in der Jüdischen Brigade gedient hätten.Jacob Michaeli: Der Kibbuz Hasorea. S. 149–150.
HaSoreʿa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Bis zum Kriegsende lebten in HaSoreʿa 35 Familien. Deren Zahl wuchs nun stetig auf 60 Familien. Ursache hierfür war die Aufnahme von vereinzelt lebenden Werkleuten oder von solchen, die sich zuvor in Europa noch hatten verstecken können. Der Unabhängigkeitskrieg brachte zunächst jedoch noch einmal eine Verlangsamung der Entwicklung. Weltkriegsteilnehmer wurden Offiziere und Trainer, zunächst in der Hagana, danach in der neuen israelischen Armee. 1948 verschwanden zwei Kibbuzmitglieder mit ihrem Auto auf dem Weg von Mischmar Ha'emek nach HaSoreʿa; deren Leichen wurden erst Jahre später gefunden. Offenbar aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen floh die arabische Bevölkerung aus der Umgebung, wodurch HaSoreʿa später weiteres Land erwerben konnte. Zudem führte der Unabhängigkeitskrieg zu einer großen demographischen Veränderung in HaSoreʿa.
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