Der Leuchtturm Norderney (offizielle Bezeichnung: Großer Norderneyer Leuchtturm) ist ein unter Denkmalschutz stehendes, aktives, der Schifffahrt als Navigationsfestpunkt, Landmarke und Wegweiser dienendes Seezeichen vor der niedersächsischen Festlandsküste. Er wurde von 1871 bis 1874 auf einer rund hohen Düne etwa in der Mitte der ostfriesischen Insel Norderney erbaut. Der Leuchtturm ist mit seinem im oberen Teil achteckigen Querschnitt (mittlere Dicke 6,45 Meter) ein architektonisch erwähnenswertes und mit seiner Höhe von knapp (ohne Laterne ) gleichzeitig das höchste Bauwerk der Insel. Unterhalb der Laterne befindet sich eine umlaufende Zuschauergalerie, die man über 252 Stufen erreicht.
Der Turm mit der internationalen Ordnungsnummer B 1054 gehört seit Januar 2020 der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung der Bundesrepublik Deutschland (WSV)PM vom 15. Januar 2020 der GDWS. Zum Leuchtturm gehört ein ebenfalls zwischen 1871 und 1874 errichtetes zweigeschossiges, siebenachsiges mit roten Ziegeln gedecktes Wärter- und Maschinenhaus, in dem sich bis in die 1950er Jahre eine Telegrafenstation befand.
Geschichte Situation an der ostfriesischen Küste ab dem 15. Jahrhundert mini|Übersicht der Leuchttürme auf den Ostfriesischen Inseln mini|Übersichtskarte Norderneys mit Leuchtturm in der Inselmitte mini|Der Leuchtturm um 1900 mini|Das ehemalige Wärter- und Maschinenhaus (rechts) vom Sockel des Leuchtturms aus fotografiert. Links die ehemalige Telegrafenstation. Bereits um 1410 wurden an der Ostfriesischen Küste Landmarken in Form von Baken errichtet. Im 17. Jahrhundert wurden diese auch auf markanten Punkten auf den Ostfriesischen Inseln errichtet. Schon 1576 wurde auf der Insel Borkum eine Blüse zur Sicherung des Schiffsverkehrs errichtet. Von 1602 an gab es mit dem Westturm auf der Insel Wangerooge ein Leuchtfeuer und seit 1624 ein Kap als Tagessichtmarke. Da die restliche Küste zwischen den Inseln Juist und Spiekeroog noch 1780 nur unzureichend mit festen Leuchtfeuern versehen war, drängten in erster Linie Emder Kaufleute und die Bremer Kaufmannschaft, die die Sicherheit ihrer eingesetzten Schiffe bedroht sah, auf den Bau eines weiteren Bauwerks auf einer der Ostfriesischen Inseln.
Daraus geht hervor, dass die Schiffe in Richtung Hamburg und Bremen zur Sicherheit den (sicheren) Umweg an Helgoland vorbei wählten. Das 1849 auf Norderney errichtete Kap erfüllte demnach die Anforderungen an die Sicherheit gerade in der Nacht nicht.
Planung, Bau und Inbetriebnahme Erst nach der endgültigen Befreiung Europas und dem Sturz Napoleons kam es in Preußen mit dem Deutschen Bund zur Bildung eines lockeren Bündnisses von Staaten. Unter der Leitung von Peter Beuth auf der „Stelle eines vortragenden Raths bei der General Verwaltung für Gewerbe und Handel“GStA PK I. HA Rep. 120 A I 3 Nr. 2, fol. 3 r wurde eine umfangreiche Befeuerung der preußischen Küste begonnen. Nach der Turmerhöhung Memel (1819) wurden neu erbaut Rixhöft (1822), Arcona (1824), Hela (1826) und Jershöft (1830).Leuchtfeuer und Leuchtapparate. Historisch und konstruktiv dargelegt von L. A. Veitmeyer. M. Geitel [Hrsg.]. Oldenbourg-Verlag, München und Leipzig 1900 (Reprint-Verlag AG Leipzig 2005. Seite 45–47. ISBN 978-3-8262-2202-3). In der nachfolgenden Zeit bis zur Jahrhundertwende sind weit mehr als 20 Seefeuer an der deutschen Küste in Dienst gestellt worden.Die See-Feuer (Leuchtthürme und Leuchtschiffe) der deutschen Küsten und diejenigen Binnen- und Einsegelungsfeuer, welche mit Fresnel’schen Apparaten oder Fresnel’schen Laternen ausgerüstet sind S. 41 (Karte von 1889), auf dibiki.ub.uni-kiel.de
Durch zahlreiche Meldungen und Eingaben bei der 1823 gegründeten Königlichen General-Direktion des Wasserbaus mit Sitz in Hannover wurde dem Bau eines Leuchtturms auf Norderney zugestimmt.
Die Baupläne zur Errichtung des Norderneyer Leuchtturms und der Nebengebäude entwarf die Königlich-Preußische Wasser- und Schiffahrtsverwaltung in Norden zusammen mit dem Konstrukteur Ernst Schumacher aus Leer, der den 1879 errichteten neuen Leuchtturm auf der Insel Borkum konstruierte. Der Norderneyer Leuchtturm wurde zwischen 1871 und 1874 durch die Königliche General-Direktion des Wasserbaus in massiver Bauweise aus roten Mauerziegeln gemauert. Die Gesimsabdeckungen am Turmkopf bestehen aus Sandstein. Der Turm steht auf einer hohen Düne in der Inselmitte. Dieser Standort wurde aus logistischen Gründen gewählt, da das Baumaterial bei Ebbe mit Pferdekutschen aus Hilgenriedersiel auf die Insel transportiert werden musste und die Entfernung der Insel zum Festland an dieser Stelle mit rund drei Kilometern gering ist. Der Leuchtturm hat einen hohen Sockel mit quadratischem Querschnitt sowie einen Hauptschaft mit einem Querschnitt in Form eines regelmäßigen Achteckes. Die gesamten Baukosten betrugen 198.000 Goldmark. Seit seiner Errichtung ist der Turm das einzige aktive Seefeuer auf der Insel und dient der Schifffahrt als Orientierungsfeuer. Während der Bauphase war der Turm in keiner Landkarte verzeichnet, was zu Verwechselungen mit den auf Borkum und Wangerooge errichteten Türmen führte.
Der Leuchtturm wurde am 1. Oktober 1874 nach dem Entzünden seiner Lichtquelle, die zunächst aus einer Petroleumlampe mit fünf konzentrischen zueinander stehenden Dochten bestand, offiziell als festes Schifffahrtszeichen der Insel Norderney eingeweiht. Damit wurde die rund 80 Kilometer lange Lücke von Leuchtfeuern auf den Ostfriesischen Inseln und der südlichen Deutschen Bucht geschlossen. Durch die Errichtung und Inbetriebnahme des Norderneyer Leuchtturms wurde der Abstand der Leuchtfeuer verringert, wodurch die Sicherheit des Schiffsverkehrs vor der deutschen Küste erhöht wurde. Der Leuchtturm löste das 1849 errichtete Kap als offizielles Erkennungszeichen der Insel für die Seefahrt ab.
In der Bekanntmachung für Seefahrer, die nach der Fertigstellung des Turms durch den Bauinspektor Adolf Tolle am 4. August 1874 veröffentlicht wurde, wird der Turm folgendermaßen beschrieben:
Der Leuchtturm seit dem 20. Jahrhundert mini|Der Leuchtturm von der Seeseite aus fotografiert Seit seiner Zündung sandte das Leuchtfeuer sechs Blinke in der Minute (Zeitmaß: Blink von zwei Sekunden, acht Sekunden Pause, Wiederkehr nach zehn Sekunden) über . Bei Inbetriebnahme des Feuers 1874 wurde eine fünfdochtige Petroleumlampe mit einer Lichtstärke von 21.500 Hefnerkerzen (HK) verwendet, die täglich 25 Pfund Petroleum verbrauchte. Diese auch Farquhar’sche Lampe genannte Lampenart wurde zu dieser Zeit häufig als Lichtquelle von Leuchttürmen verwendet. Nachdem das Petroleumfeuer 1910 gegen ein Petroleumglühlicht als Lichtquelle getauscht wurde, erhöhte sich die Lichtstärke des Feuers auf 45.000 HK. Bereits 1930 wurde das Petroleumglühlicht gelöscht und die Lichtquelle auf eine elektrische Glühlampe mit einer Leistung von 1000 Watt/220 Volt, 45.000 HK (ab 1938 2000 Watt/220 Volt, 170.000 HK) umgestellt, nachdem der Turm an das Stromnetz der Insel angeschlossen worden war. Bis 1958 diente ein mit Flüssiggas betriebener Glühstrumpf als Ersatzlichtquelle, der auf 49.000 HK kam. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Leuchtfeuer der Leuchttürme und Feuerschiffe vor der deutschen Küste abgeschaltet. Der Norderneyer Leuchtturm wurde von den alliierten Bomberverbänden während der Bombenangriffe auf die Ostfriesischen Inseln nicht zerstört, da er als Tagessichtmarke und Navigationspunkt diente. Vor der Elektrifizierung der Drehmechanik erfolgte die Drehung der Optik bis 1959 durch ein im Turmschacht aufgehängtes Gewicht von 3,5 bis 4 Zentnern (175 bis 200 Kilogramm), welches täglich durch die bis zu drei angestellten Leuchtturmwärter mithilfe einer Winde von Hand aufgezogen werden musste. Der in der Mitte des Turms befindliche Schacht hat eine Breite von rund einem Meter und wird in heutiger Zeit für die Verlegung der nach oben führenden Kabel genutzt. Im Zuge der allgemeinen Modernisierung der Leuchtfeuer an den deutschen Küsten wurde am 19. Juli 1976 die Kennung des Leuchtturms nach dem Einbau einer Halogen-Metalldampflampe geändert. Seitdem wird alle 12 Sekunden eine Gruppe von drei Blitzen ausgesandt. Die Blitzkennung lautet (Blz.(3) 12 s).Leuchtfeuerverzeichnis Südöstliche Nordsee. Abschnitt: Deutsche Küstengewässer – Ostfriesische Inseln. Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie-Nr.: 4003, Hamburg 2026, ISBN 978-3-96490-376-1 Dies ergibt 15 Blitze in der Minute nach dem Zeitmaß von drei Blitzen mit je 0,2 Sekunden Dauer, gefolgt von einer kurzen Pause von je 2,8 Sekunden. Nach dieser Blitzfolge tritt eine längere Pause von 5,8 Sekunden ein. Die Wiederkehr des nächsten Blitzes erfolgt somit nach 12 Sekunden. Seit 1981 wird der Betrieb des Turms nicht mehr von Leuchtturmwärtern sichergestellt. Von der Verkehrszentrale Ems an der Knock bei Emden wird er seitdem vollautomatisch ferngesteuert und überwacht.
Modernisierung und Sanierung mini|hochkant|Während der Sanierung (2005) mini|Sockel (Juni 2005) Aufgrund der vorherrschenden Witterungsbedingungen wurde der Turm 1936, 1951 und 1957 durch Außenanstriche neu imprägniert, bevor 1975 eine erste gründliche Restaurierung erforderlich wurde. Nachdem der Turm 1930 an das örtliche Stromnetz angeschlossen wurde, um die Petroleumlampe durch eine Glühlampe zu ersetzen, wurde 1958 ein Notstromaggregat eingebaut.
Instandsetzungsarbeiten von 2003 bis 2006 Bei einer weiteren Bauwerksprüfung Anfang des 21. Jahrhunderts wurden gravierende Schäden festgestellt, die auf Feuchtigkeit zurückzuführen waren. Ursache war die Lagerung der für den Bau des Turms verwendeten Backsteine. Diese wurden im Watt abgelegt und bei Flut von Salzwasser überspült, so dass auch nach über 100 Jahren noch Salpeter in Form von Calciumnitrat kristallin ausblühte, der das Mauerwerk nachhaltig schädigte. Die Schäden waren so stark, dass sie eine grundsätzliche Bausubstanzerhaltung nach sich zogen. 2003 wurde der Leuchtturm daraufhin jeweils in den Monaten März bis Oktober mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von über 600.000 Euro bis 2006 aufwendig in fünf Stadien restauriert. Zunächst wurde damit begonnen, das äußere, aus Ziegeln und hartem Mörtel bestehende Mauerwerk, das nach 129 Jahren durch Wind und Wetter verwittert und durch Risse zerstört war, vor allem im Bereich des Sockels großflächig zu sanieren und gegen aufkommende Feuchtigkeitsschäden zu imprägnieren. Die weiteren Stadien waren das anschließende Verfugen des äußeren Mauerwerks mit neuem Mörtel, die Sanierung der Fenster und der Eingangstür sowie die Sanierung und Verfugung des inneren Mauerwerks. Weiterhin wurde das Mauerwerk getrocknet, um die Bildung von weiterem Saltpeter zu verhindern. Insgesamt wurden 12.000 Ziegelsteine im Mauerwerk getauscht. Weiterhin wurden das Dach und der Turmkopf restauriert und die Brandschutzmaßnahmen auf den Stand der Technik gebracht.
Der Leuchtapparat wurde im Zuge der allgemeinen Sanierung und Modernisierung am 23. März 2004 mit einer 400 Watt starken Halogen-Metalldampflampe versehen. Diese Metalldampflampe vergrößert unter anderem durch ihre längere Lebensdauer die Wartungsintervalle der Lichtanlage. Darüber hinaus sind gleich zwei von ihnen in einem automatischen Lampenwechsler verbaut., abgerufen am 1. April 2026.
Fällt eine Lampe aus, so schaltet sich die zweite automatisch ein. Die gebündelte Lichtstärke der Metalldampflampe beträgt 496.000 cd, der Lichtstrahl ist weit auszumachen.
Instandsetzungsarbeiten 2019 Im Oktober und November 2019 wurden in einem Zeitraum von fünf Wochen die angebrachten Antennen einer Modernisierung unterzogen. Der Turm war hierfür bis in eine Höhe von 30 Metern eingerüstet, um parallel Ausbesserungen am Mauerwerk vorzunehmen.
Technische Ausstattung mini|hochkant|Nachts sind die 18 Lichtstrahlen weithin sichtbar
Laterne und Optik