Gustav Entz (* 14. September 1884 in Wien; † 15. Oktober 1957 ebenda) war ein österreichischer evangelischer Pfarrer und Professor für Praktische Theologie.

Leben Nach dem Gymnasiumsbesuch in Wien studierte Entz evangelische Theologie und Philosophie in Wien, Berlin und Marburg/Lahn. In Berlin besuchte er das Seminar von Adolf von Harnack, von dessen Denken er sich begeisterte. 1908 ging er in den Schuldienst und hatte die Leitung des Theologenheims in Wien inne. 1911 schloss er seine Studien mit einer philosophischen Dissertation über Platon ab. 1917 folgte noch eine theologische Lizentiatenarbeit.Kirchenlexikon, Sp. 312.

1912 wurde Entz ordiniert. Von 1914 bis 1922 war er Pfarrer der Gemeinde Wien-Hietzing. An Samstagen lud er Schüler zum gemeinsamen Lesen griechischer Philosophen ins Pfarrhaus ein. Im Gasthaus Hullesch in Hadersdorf (heute Wien XIV., Mauerbacher Straße) wurde 1919 ein „Verein der evangelischen Glaubensgenossen von Hadersdorf Weidlingau“ ins Leben gerufen, dem bald darauf auch in Purkersdorf und Pressbaum Vereine gleicher Art folgten. Der erste Gottesdienst wurde von Pfarrer Entz am 27. Juli im Hause Hartmeyer in Hadersdorf, Viktor-Hagel-Gasse 2, gefeiert, die erste Predigtstation am 1. November 1919 im Hause des Oberingenieurs Bade in Weidlingau eröffnet. In Purkersdorf fand zwei Wochen später eine Luther-Feier im Hause Konsul Meyer, Fürstenberggasse 2, statt. In Pressbaum wurde der erste Gottesdienst am 6. Juni 1920 in der Volksschule gefeiert. Hier wie auch in Purkersdorf entstanden eigene Predigtstationen. Es wurde alle 4 bis 6 Wochen durch Pfarrer Entz und Vikar Hans Huebmer Gottesdienst gehalten. Erstmals wurde an die Gründung einer eigenen Pfarr- oder Filialgemeinde von Wien-Hietzing für die Westbahngemeinden gedacht.

Ab 1922 wurde Entz Pfarrer der Teilgemeinde Wien-Innere Stadt in der Lutherischen Stadtkirche. Im Jahre 1922 erhielt er den Lehrstuhl für Praktische Theologie in der Wiener Universität, der Homiletik, Poimenik, Katechetik, Religions-, Missions-, Diakoniewissenschaft sowie Ökumenik und Diasporakunde umfasste, und den er bis 1955 innehatte. Zwischen 1938 und 1949 wirkte er als Dekan.Kirchenlexikon, Sp. 313.

Seine völkisch-nationale und antisemitische Grundeinstellung erleichterte es Entz, nach dem Anschluss Österreichs 1938 einen Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP zu stellen, die ihm jedoch wegen früherer Zugehörigkeit zu einer Freimaurerloge verweigert wurde. Ende 1941 wurde er auf einer Liste Neuer Mitarbeiter des deutschchristlichen Eisenacher Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben aufgeführt.Neue Mitarbeiter, in: Verbandsmitteilungen Nr. 5/6, 15. Dezember 1941, S. 133 Im Wintersemester 1944/45 wurde von Berlin aus die Stilllegung der Fakultät verfügt, was aber durch Entz rückgängig gemacht werden konnte.

Nach 1945 kam Entz der gescheiterte Beitrittsversuch zur NSDAP zugute. Er setzte sich für die Entnazifizierung Belasteter ein.Kirchenlexikon, Sp. 314. Er blieb weiter Ordinarius und wurde 1950 Prodekan. Zu seinen Schülern zählten u. a. der Praktische Theologe Fritz Zerbst und der Theologe und Diakoniewissenschaftler Herbert Krimm.

Kritik und Auseinandersetzung Karl W. Schwarz beschreibt Entz folgendermaßen: „Von Haus aus deutschnational, wurde Gustav Entz ein glühender Anhänger des Nationalsozialismus und ein entschiedener Gegner des katholischen Ständestaates, den er in Wort und Schrift bekämpfte. Nach dem ‚Anschluss‘ mit dem Dekanat betraut, spürte er die Chancen seiner Fakultät und versuchte, diese für größere Aufgaben ins Gespräch zu bringen. Aus dem Briefwechsel mit den Reichsstellen in Berlin ist zu erkennen, dass er seine Gesprächspartner in Wien und Berlin geschickt ausspielte, um so das ihm anvertraute Haus durch die Wirrnisse der NS-Zeit hindurchzulavieren.“Wiener Theologische Fakultäten stellen sich ihren „Altlasten“. 20 Wissenschaftler präsentieren in der Dokumentation „Zukunft mit Altlasten“ die Entwicklung an der Universität Wien und an der Akademie der Wissenschaften in den Jahren 1945 bis 1955. (Seitenaufruf am 1. Februar 2024).

Entz wurde am 1. April 1938 förderndes Mitglied der SS. In seinem Gau-Akt wird „Wehrdienst“ verneint, und Entz als „tauglich ohne Waffe“ bezeichnet. Franz Graf-Stuhlhofer: Wiener Evangelische Professoren der Theologie im Spiegel der Gau-Akten. Dokumentation zu Beth, Egli, Entz, Hajek, Hoffmann, Koch, Kühnert, Opitz, Schneider und Wilke, in: Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich 116 (2000/01) 191-225, dort 197.

Noch 1954 kam die antisemitische Grundeinstellung von Entz in Vorträgen zum Ausdruck. Eine Auseinandersetzung mit seiner ,politischen Theologie‘ wurde von seinen ihn verehrenden Studenten (sie bezeichneten ihn als „Papa Entz“) blockiert.Karl W. Schwarz: Einsichten eines Visionärs; Rezension über den Entz-Kritiker Ulrich Trinks: Herausgesagt (Seitenaufruf am 1. Februar 2024).

2001 wurde die ehemals errichtete Gustav-Entz-Stiftung in Wilhelm-Dantine-Stiftung umbenannt.

Auszeichnungen 1923: Dr. theol. h. c. KönigsbergKirchenlexikon, Sp. 314. 1954: Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik ÖsterreichAufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB) Ehrenritter des JohanniterordensRoman Pfefferle, Hans Pfefferle: Glimpflich entnazifiziert. Die Professorenschaft der Universität Wien von 1944 in den Nachkriegsjahren. V&R unipress, Wien 2014, S. 345

Schriften (Auswahl) Pessimismus und Weltflucht bei Platon; Tübingen: Mohr, 1911 400 Jahre Protestantismus in Österreich; im Eigenverlag: Wien, Prof. D. Dr. G. Entz, 6 Gustav Entz, Fritz Brand, Robert Kauer: Die Übertrittsbewegung, Wien, Evangelischer Zentralverein für innere Mission in Österreich; Schriften des Evangelischen Zentralvereines für Innere Mission in Österreich 22; Wien: Evangelischer Zentralverein für Innere Mission in Österreich, 1938 Erinnerungen an 50 Jahre kirchlicher und theologischer Arbeit (maschinenschriftlich im Archiv der Fakultätsbibliothek Wien)

Literatur Karl W. Schwarz: Entz, Gustav. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. 35, Nordhausen: Bautz 2014, Sp. 312-315. Karl Schwarz, Falk Wagner (Hrsg.): Zeitenwechsel und Beständigkeit. Beiträge zur Geschichte der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Wien 1821-1996 (Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien; 10). WUV, Wien 1997; über Entz als Dekan S. 156–204, über Entz als Prof. für Praktische Theologie S. 501–512. Karl Schwarz (Hrsg.): Gustav Entz – ein Theologe in den Wirrnissen des 20. Jahrhunderts (= Studien und Texte zur Kirchengeschichte und Geschichte, 4. Reihe: Zeitzeugen, Bd. 6). Evangelischer Presseverband, Wien 2012, 160 Seiten.

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Einzelnachweise

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