Deutsch-Wagram ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich.

Geografie mini|Deutsch-Wagram und seine Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) Deutsch-Wagram liegt unmittelbar an der nordöstlichen Stadtgrenze Wiens, der Nordbahn, sowie der Außenring Schnellstraße.

Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst 30,61 km². Davon werden 17,62 km² landwirtschaftlich genutzt.Statistisches Jahrbuch 5,7 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung Katastralgemeinden sind: Deutsch-Wagram (mit dem alten Angerdorf und mit Hagerfeld; die KG schreibt man Deutsch Wagram) Helmahof (mit der 3. Siedlung) Stallingerfeld (benannt nach der 1512 verödeten Ortschaft Stallern)

Die Gemeinde bildet eine einzige Ortschaft und hat vier Zählsprengel: Deutsch-Wagram-Zentrum und -Südost für die Stadt selbst und Helmahof-Süd und -Nord.

Deutsch-Wagram gehört zum Gerichtsbezirk Gänserndorf.

Nachbargemeinden

Gewässer Rußbach Mühlbach Seyringer Abzugsgraben (Seyringer Bach) Marchfeldkanal: Seit Jahrzehnten sinkt der Grundwasserspiegel im Marchfeld. Bereits im 19. Jahrhundert fanden Überlegungen statt, wie diesem Problem begegnet werden kann. Ab 1986 wurde mit dem Bau eines Kanales begonnen, der das Grundwasser mit Donauwasser anreichert. 1995 konnte das Hauptgerinne zwischen Langenzersdorf und Deutsch-Wagram fertiggestellt werden. Zum Marchfeldkanalsystem zählen seither der Marchfeldkanal, der Rußbach, der Obersiebenbrunner Kanal und der Stempfelbach. Sitz der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal ist Deutsch-Wagram.

Klima

Geschichte Etymologie Der Name Wagram leitet sich von wac ‚Woge‘ und ram/rain ‚Grenze‘ („Wogengrenze“) ab. Gemeint ist damit wohl jene Geländestufe, welche Richtung Süden entlang der Parbasdorferstraße verläuft und das Ufer eines inzwischen verschwundenen Donauarmes bildete (ähnlich wie der 50 Kilometer entfernte Höhenzug namens Wagram bei Krems). Die erste schriftliche Nennung des Namens stammt aus der Zeit des österreichischen Interregnums unter König Ottokar II. und findet sich in dem 1258 erstellten Rationarium Austriacum, einem Zehentverzeichnis des Landesfürsten. Den Zusatz Deutsch erhielt Wagram um 1560 zur Unterscheidung vom nahe gelegenen Kroatisch-Wagram, einer nach der Türkeninvasion von 1529 entstandenen kroatischen Siedlung, die sich heute Wagram an der Donau nennt und 1971 von Eckartsau eingemeindet wurde.

Ursprung Die Ursprünge von Wagram gehen vermutlich auf die Zeit der Kolonisation im 11. und 12. Jahrhundert zurück. Das einstige Kolonistendorf hatte die typische Form eines Angerdorfes, welche auch heute noch vorhanden ist. Der Anger wird von der heutigen Franz-Mair-Straße und der Rohrergasse eingeschlossen, wurde allerdings im 19. Jahrhundert teilweise verbaut. Die Größe des alten Ortes hat sich über die Jahrhunderte hindurch kaum verändert (1258: 44 Häuser, 1452: 44 Häuser, 1590: 46 Häuser, 1595: 47 Häuser). Bis 1787 stießen zur ursprünglich rein bäuerlichen Bevölkerung einige andere Berufe wie Fleischhauer, Schuster, Bäcker, Weber und Schneider hinzu und die Anzahl der Häuser stieg leicht auf 58.

Durch den Dorfanger floss der Rußbach, der bis zu seiner endgültigen Regulierung ein recht gefährlicher Bach war. Die alten Wagramer fertigten deshalb Wasserbretter an, die in die Türrahmen der Häuser passten und mit Sandsäcken verstärkt wurden. Trotzdem musste man sich häufig auf die höhergelegene Haide flüchten. 1772 wurde der Rußbach umgeleitet und fließt seither südwestlich der Ortschaft. Die Bedrohung für den Ort wurde aber erst durch die Regulierung in den Jahren 1899–90 bzw. 1908/09 beseitigt.

Herrschaftszugehörigkeit mini|Schloss Süßenbrunn Das ursprünglich im landesfürstlichen Besitz befindliche Dorf stand im 14. und 15. Jahrhundert im Besitz der Herren von Eckartsau, im 15. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Besitz der Herren von Puchaim. Um 1560 bringt Barbara von Puchaim Wagram als Heiratsgut in die Ehe mit Sigmund Graf von Landau ein, welcher es mit der Herrschaft Süßenbrunn vereinigt. Nachdem sich die Grafen von Landau 1580 zum Protestantismus bekannten, folgt eine kurze evangelische Periode in Wagram. Als Georg und Erasmus von Landau so weit gingen, Kaiser Ferdinand II. die Erbhuldigung zu verweigern, wurden sie in weiterer Folge geächtet, ihre Güter konfisziert und der Verwaltung der Hofkammer unterstellt und sie selbst des Landes verwiesen. Von 1667 bis 1802 übten die Grafen Grundemann von Falkenberg die Grundherrschaft über Deutsch Wagram aus.

Koalitionskriege Historische Bedeutung gewann der Ort im Jahre 1809 als Schauplatz der Schlacht bei Wagram. 180.000 Soldaten kämpften hier auf französischer Seite unter Napoleon und 120.000 auf österreichischer Seite unter dem Generalissimus Erzherzog Karl, der sein Hauptquartier im heutigen Erzherzog Carl-Haus nahm.

Eisenbahn Im Jahre 1835 bestand Wagram noch aus 73 Häusern. Dies änderte sich mit dem Bau der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, der ersten dampfbetriebenen Eisenbahnstrecke Österreichs, rasant. Einerseits wurden 1.500 Eisenbahnarbeiter in zahlreichen Baracken bei Wagram untergebracht, andererseits erschloss die Bahnlinie das Dorf für die Großstadt und Wagram wurde beliebtes Ausflugsziel der Wiener. Innerhalb weniger Monate fuhren 176.000 Personen auf dem neuen am 23. November 1837 eröffneten ersten Teilstück zwischen Floridsdorf und Deutsch-Wagram.

19. und 20. Jahrhundert Im Jahre 1929 war Wagram mit 4000 Einwohnern die größte Ortschaft des Marchfeldes und wurde in den Rang einer Marktgemeinde erhoben. Im selben Jahr wurde ein Strandbad eröffnet, welches allerdings wenige Jahre später aufgrund des gesunkenen Grundwasserspiegels wieder geschlossen werden musste.

Im Mai 1945 wurde wegen des nahen Militärflugplatzes ein großes Kontingent sowjetischer Besatzungstruppen in Deutsch-Wagram stationiert. Die Nachkriegszeit war bestimmt vom Zusammenleben mit den Russen.

Die weitere Nachkriegszeit ist geprägt von starkem Bevölkerungswachstum. Im Jahre 1962 ging die Wiener Schnellbahn als Zubringer in die Hauptstadt in Betrieb. Dadurch wurde die Attraktivität für Pendler weiter gesteigert. Mit dem weiteren Bevölkerungswachstum wurde Deutsch-Wagram 1984 zur Stadt erhoben.

Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungsentwicklung von Deutsch-Wagram ist geprägt von einem starken Wachstum, welches auf eine positive Zuwanderungsbilanz zurückzuführen ist. Die Geburtenbilanz war bis zum Jahre 2005 negativ und ist seit 2006 leicht positiv (0,1 %). Der Zuzug ist auf die gute verkehrsmäßige Anbindung an Wien zurückzuführen (Speckgürtel).

Die Wagramer Bevölkerung ist geprägt durch den Zuzug junger Familien. Daher ist der Anteil an über 60-Jährigen mit 18,8 % deutlich niedriger als in Wien. Dementsprechend ist der Anteil an unter 15-Jährigen mit 18,6 % höher (vgl. Wien 14,7 %). Die Akademikerquote liegt mit 5,6 % deutlich unter der von Wien (10,4 %).

Herkunft und Sprache In Deutsch-Wagram leben zu 92,9 % Österreicher. Die größte Gruppe der Ausländer stellen Staatsbürger von Serbien und Montenegro mit 2,5 %, gefolgt von Türken (0,9 %) und Deutschen (0,7 %). Umgangssprache ist zu 89,2 % Deutsch, gefolgt von Serbisch (2,7 %) und Türkisch (1,3 %).

Religionen Größte Religionsgemeinschaft ist die Römisch-katholische Kirche, der 66,1 % der Einwohner angehören. 3,0 % sind evangelisch, jeweils 2,8 % bekennen sich zur Orthodoxen Kirche bzw. zum Islam. Ohne religiöses Bekenntnis sind 21,8 % der Einwohner.

Deutsch-Wagram ist Sitz der römisch-katholischen Pfarre Deutsch-Wagram, die auch die benachbarten Orte Parbasdorf und Aderklaa umfasst und dem Dekanat Gänserndorf zugeordnet ist. Deutsch-Wagram war schon vor dem 16. Jahrhundert eine Pfarrgemeinde, zunächst als Filiale von Kagran. Aufgrund der großen Entfernung kam sie im Jahre 1640 zur Pfarre Gerasdorf. Am 22. März 1784 wurde Deutsch-Wagram zu einer eigenständigen Pfarre erhoben. Mit der Erhebung von Deutsch-Wagram zur Stadt im Jahre 1984 wurde die Kirche zur Stadtpfarrkirche erhoben. Schutzpatron ist Johannes der Täufer.

Hauptort der Gemeinde: Stadt Deutsch-Wagram

GemeindehauptortNominell ist der Gemeindehauptort eine Ortschaft, also hier die Gesamtgemeinde. ist die Stadt Deutsch-Wagram, die auch eine Katastralgemeinde der Stadtgemeinde bildet.

Der Ort befindet sich etwa 15 Kilometer nordöstlich des Zentrums von Wien, 3½ Kilometer außerhalb der Stadtgrenze bei Süßenbrunn. Die Stadt liegt südlich der Nordbahn vom Russbach ostwärts auf um die Höhe. Sie umfasst um die 1200 Gebäude mit gut 3000 Einwohnern (45 % der Gemeindebevölkerung), die Siedlung Helmahof ist also inzwischen größer. Historisch hat sich der Ort vom Russbachufer weg ausgedehnt.vergl. Gradkartenblatt Zone 12 Colonne XV Section c4 (später 4657-3d). Marchfeld: Süssenbrunn, Gerasdorf, Deutsch Wagram, Breitenlee, Aderklaa. Franzisco-josephinische (3.) Landesaufnahme der österreichisch-ungarischen Monarchie. Aufnahmeblatt 1:12.500. Aufgenommen 1873 (Datei auf Commons, dort rechts oben).

Zur Katastralgemeinde Deutsch Wagram mit 1.724,7 Hektar (rund der Gemeindefläche) gehören auch die Fluren im Nordwesten, Süden und Osten der Gemeinde.

mini|hochkant=1.4|Altes Zentrum von Deutsch Wagram, 1873

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Deutsch-Wagram mini|Monumentalkapelle 1809, erstes Denkmal der Schlacht bei Wagram im Dr.-Sahulka-Park, gestiftet und errichtet von Hugo Freiherr von Tkalcsevich im Jahr 1859 mini|Denkmal der Schlacht bei Wagram 1809, entworfen und errichtet von Franz Seifert auf Initiative von Anton Pfalz mini|Eisenbahnmuseum Deutsch-Wagram, im ehem. Arbeiterwartesaal, errichtet 1908 mini|Aufnahmsgebäude und Wasserstation des Bahnhofs Deutsch-Wagram Bauwerke

Katholische Pfarrkirche Deutsch-Wagram hl. Johannes der Täufer: Die Kirche wurde als Wehrkirche auf einer Anhöhe des alten Angerdorfes errichtet. Sie ist umgeben von einer Wehrmauer, deren Abschluss nicht mehr erhalten ist. Noch heute sind die Bastionen aus dem Jahre 1671 sichtbar. Das ursprüngliche romanische Langhaus mit Chorquadrat wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet, gotischer Chor und Langhaus entstanden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. 1671 wurde die Kirche barockisiert und nach Westen erweitert. In den Jahren 1956–1958 wurde die Kirche nach Plänen von Architekt Hans Petermair und den hiesigen Baumeistern Johann Christen und Kommerzialrat Michael Vogl wesentlich erweitert und auf ein Fassungsvermögen von 1000 Personen ausgebaut. Die Achse der neuen Kirche steht im rechten Winkel zur Achse der alten Kirche, wobei das Querschiff der neuen Kirche dem abgetragenen Langhaus der alten Kirche entspricht.Bundesdenkmalamt (Hrsg.): DEHIO-Handbuch Die Kunstdenkmäler Österreichs – Niederösterreich nördlich der Donau, Wien 1990, S. 92 Monumentalkapelle 1809: Am ehemaligen Friedhof, dem heutigen Dr.-Sahulka-Park (benannt nach Johann Sahulka), befindet sich die erste Gedenkstätte an die Schlacht bei Wagram. Sie wurde von Hugo Freiherr von Tkalcsevich gestiftet, dient als Familiengruft und steht unter Denkmalschutz.