mini|Stammwappen der Grafen von Schwarzburg Die Schwarzburger gehörten zum alten Thüringer Hochadel.Immo Eberl: Die frühe Geschichte des Hauses Schwarzburg und die Ausbildung seiner Territorialherrschaft. In: Thüringen im Mittelalter: Die Schwarzburger. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt 1995, S. 81 Der Stammsitz „Swartzinburg“ liegt im Tal an der Schwarza westlich von Saalfeld im Thüringer Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und wurde 1071 erstmals urkundlich erwähnt.Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 7., vollständig überarbeitete Auflage. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-54986-1, S. 647 (). Im Jahr 1599 entstanden die beiden Grafschaften und späteren Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen. Günther Victor von Schwarzburg-Rudolstadt legte 1918 für beide zuletzt in Personalunion regierten Fürstentümer infolge der Novemberrevolution die Regierungsgeschäfte nieder und erklärte seinen Thronverzicht. Gemäß dem historischen Adelsrecht erlosch das Geschlecht der Schwarzburger mit dem Tod von Friedrich Günther von Schwarzburg 1971 im Mannesstamm.
Vorgeschichte mini|Blick auf die Stadt Schwarzburg um 1900 mit dem gleichnamigen Schloss mini|Schloss Schwarzburg, der Stammsitz der Familie, um das Jahr 1890 mini|Sizzo III. stiftete um 1142 das Kloster Georgenthal, wo eine Gedenkplatte an den Grafen erinnert mini|Karte Thüringens aus dem Jahr 1910: mini|Käfernburger Gemälde mit Gundar, Sigerius und Sizzo mini|hochkant|König Günther XXI. von Schwarzburg-Blankenburg
→ zur Vorgeschichte siehe Sizzonen
Die gesicherte Geschichte beginnt ab der Mitte des 12. Jahrhunderts. Frühere Gelehrte versuchten, eine fränkische Herkunft der Schwarzburger herzuleiten. Ein im 8. Jahrhundert lebender Gundar sei ein Ahn der Familie und ein Sohn eines fränkischen Königs gewesen. Papst Gregor II. erwähnte GundhareoPhilipp Jaffé Monumenta Moguntina, Berlin 1866, S. 80: 20. Gregorius II Papa Thuringis christianis Bonifatium commendat. (S 119, WG 8) 722 Dec. Viris magnificis, filiis Asulfo, Godolavo, Wilareo, Gundhareo, Avoldo et omnibus Deo dilectis Thuringis, fidelibus christianis, Gregorius papa. (Gundar) im Jahr 722 in einem Schreiben.Immo Eberl: Die frühe Geschichte des Hauses Schwarzburg und die Ausbildung seiner Territorialherrschaft. In: Thüringen im Mittelalter: Die Schwarzburger. Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, Rudolstadt 1995, S. 80 Auf dem Käfernburger GemäldeArnold Boie: Das Käfernburger Gemälde, S. 279 werde dieser Gundar neben seinem Sohn Sigerius und seinem Enkel Sizzo dargestellt. Gundar soll der Erbauer der Käfernburg bei Arnstadt gewesen sein. Sigerius sei nach der Reinhardsbrunner Chronik sein Sohn gewesen und Sizzo habe um 1000 gelebt. Das Geschlecht soll von den Sizzonen abstammen, die am Anfang des 11. Jahrhunderts in Thüringen in Erscheinung traten.
Unter Historikern unbestritten ist die gemeinsame Abstammung der Schwarzburger und Kevernburger. Als Allodialbesitz verfügte die Familie über Ilmenau, Remda und Plaue. Unter der Herrschaft der Schwarzburger standen auch die Reichslehen Schwarzburg, Ehrenstein und Königsee. Lehen waren von Böhmen Rudolstadt, von Kurmainz Sondershausen, von Kursachsen Frankenhausen, von Sachsen-Weimar Arnstadt und von Sachsen-Gotha Ilm und Paulinzella.Brockhaus’ Konversationslexikon, 14. Auflage, 1894–1896 Hinzu kamen weitere Lehen von Fulda und Hessen-Kassel.
Sizzo III. (* um 1080, † 1160) war das erste sicher nachweisbare Familienmitglied. Er wurde in Urkunden Graf von Kevernburg genannt (1141, 1143 und 1144). Auch wurde Sizzo III. als Graf in Thüringen, Graf im Längwitzgau und Graf von Schwarzburg bezeichnet. Der Graf stiftete um 1142 das südlich von Gotha gelegene Kloster Georgenthal und war Vogt von Paulinzella. Im Schrifttum wird oftmals als dessen Vorfahre Gunther der Eremit (* um 955; † 1045) angeführt. Die Verwandtschaft ist nicht zu belegen, obschon Gunther auf der Grabplatte des Königs Günther XXI. von Schwarzburg-Blankenburg (* 1304; † 1349) abgebildet ist. In der Zeit nach Sizzo III. bildeten sich die getrennten Grafschaften Kevernburg und Schwarzburg heraus. Die Schwarzburger konnten ihren Besitz vergrößern, die Kevernburger wurden bedeutungslos.
Die Grafen von Schwarzburg mini|Schloss Heidecksburg in Rudolstadt, die Residenz der Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt Sizzo III. von Kevernburg wurde 1103 erstmals erwähnt und nannte sich ab 1123 Graf von Schwarzburg. Er war der gemeinsame Stammvater des Hauses Kevernburg-Schwarzburg. Nach der Erstnennung des Stammsitzes Schwarzburg 1071 dauerte es noch über hundert Jahre, bis die Familienmitglieder dauerhaft den Namen Schwarzburg führten. In der Mitte des 12. Jahrhunderts bestand der Besitz der Schwarzburger aus der Käfernburg mit dem Gebiet um Arnstadt, der Schwarzburg mit dem Thüringer Wald und aus der Burg Rabenswalde bei Wiehe mit dem Gebiet der unteren Unstrut und der Finne.
Heinrich I., der älteste Sohn Sizzos III., besaß die Schwarzburg mit den dazugehörigen Ortschaften und die Hälfte der Stadt Ilm. Sein Bruder Günther II. verfügte über die Käfernburg und erbte nach dem Tod Heinrichs I. die Grafschaft Schwarzburg. Die Schwarzburger sahen erst in der Generation nach Günther II. den Beginn ihrer Eigenständigkeit. Sein Sohn Heinrich II. war der Erbe der Schwarzburg und gilt als Stammvater der Grafen und Fürsten von Schwarzburg. Er unterstützte den späteren König Philipp von Schwaben aus dem Geschlecht der Staufer bei seinen Bemühungen, im Heiligen Römischen Reich die Vormacht zu erlangen. Er stand ab 1228 auch an der Seite des Stauferkaisers Friedrich II. bei dessen Kreuzzug nach Palästina. Heinrich II. wurde zum Dank für seine Dienste mit Saalfeld und Ranis belehnt, die bis 1389 im Eigentum der Familie blieben. Der Graf hatte die drei Söhne Heinrich III. († 1259), Günther VII. († 1274) und Albrecht II. († 1278). Heinrich III. bekam nach dem Tode des Vaters die Schwarzburg und Kranichfeld, Günther VII. erhielt Blankenburg und Albrecht II. wurde finanziell abgefunden.
Günther II. war der Stifter des Hauses Kevernburg. 1191 fiel die Grafschaft Hallermund an den Grafen, wodurch mit seinem Sohn Ludolf II. die Käfernburger Nebenlinie Hallermund entstehen konnte. Mit dem Tode Ottos III. von Hallermund erlosch die Linie im Jahre 1412. Die Linie Kevernburg existierte lediglich bis 1385. Nach einer Interimsphase bei den Landgrafen von Thüringen gelangte die Käfernburg 1446 an die Schwarzburger Verwandten. Die Käfernburg blieb bei den Schwarzburgern, allerdings zerfiel das Gebäude nach dem Dreißigjährigen Krieg. Albert I. († 1236), ein Sohn von Günther III., begründete die Käfernburger Nebenlinie Rabenswalde. Die Besitzungen Alberts I. bestanden aus der Burg Rabenswalde, der Burg und der Stadt Wiehe und diversen Gebieten. Er regierte von Burg Rabenswalde aus und nannte sich Graf von Rabenswalde und Graf von Wiehe. Der Graf wurde 1249 in einer Urkunde genannt, in der er sich mit anderen Edlen der Herrschaft des Markgrafen Heinrich von Meißen unterwarf. Die Linie Rabenswalde hatte nur kurzen Bestand und erlosch mit Friedrich 1312.
Mit Günther VII. († 1274) begann erstmals die historisch bedeutende Linie Schwarzburg-Blankenburg. Nachdem sein Bruder Heinrich III. von Schwarzburg 1259 erbenlos gestorben war, fiel die Linie Schwarzburg-Blankenburg wieder mit der Linie Schwarzburg zusammen. Heinrich V. († 1285), der Sohn von Günther VII., begründete dann erneut die Linie Schwarzburg-Blankenburg. Günther IX. († 1289), der Bruder Heinrichs V., stiftete im Jahr 1274 die Linie Schwarzburg-Schwarzburg, die bis 1397 bestand. Die von der Linie Schwarzburg-Schwarzburg abgespaltenen Nebenlinien Schwarzburg-Wachsenburg (1327) und Schwarzburg-Leutenberg (1362) existierten weiter. Günther X. (XVIII.) († 1354) war Begründer der Linie Schwarzburg-Wachsenburg und residierte auf der Veste Wachsenburg bei Arnstadt. Er erhielt zusammen mit seinem Bruder Heinrich IX. um 1310 die Leuchtenburg als Pfand und 1333 als Eigentum. Die Grafen hatten neben Wachsenburg diverse Wohnsitze, darunter auch Kranichfeld. Die Familie war aus finanziellen Gründen gezwungen, die Wachsenburg 1369 an die Thüringer Landgrafen zu verkaufen. Die Seitenlinie Wachsenburg wurde 1450 nicht mehr fortgeführt. Heinrich XI. (XV.) († 1402) stiftete die Linie Schwarzburg-Leutenberg. Das Schloss und die Stadt Leutenberg wurden durch Kauf erworben, und Leutenberg wurde dauerhaft Residenz. Im Jahr 1564 erlosch die Linie Leutenberg und der Besitz ging an die daraufhin bestehende Linie Schwarzburg-Rudolstadt.
Am Anfang des 14. Jahrhunderts bauten die Schwarzburger im Flussgebiet der Gera nach Norden und entlang der Saale nach Nordosten Besitzungen auf. Auch konnte im nördlichen Thüringen Besitz erlangt werden. Die Familie erwarb in diesem Gebiet 1338 Schlotheim und 1340 Frankenhausen, ergänzt durch eine Erbschaft. Am Ende des 14. Jahrhunderts entstanden so im nördlichen Thüringen bereits nahezu die Territorien, die später den schwarzburgischen Unterherrschaften Sondershausen und Frankenhausen entsprachen. Die Gebiete der unteren Unstrut und der mittleren Saale gingen hingegen bald wieder verloren.Ernst Devrient: Der Kampf der Schwarzburger um die Herrschaft im Saaletal, in: Festschrift für Berthold Rein, Jena 1935, S. 1–44 Rudolstadt gelangte 1334 endgültig in den Besitz der Schwarzburger.
Die Grafen von Schwarzburg hatten auch Ambitionen im Heiligen Römischen Reich. Zu den Wittelsbachern hatten sie ein äußerst gutes Verhältnis. Günther XXI. von Schwarzburg-Blankenburg, ein Enkel von Heinrich V., wirkte ab 1330 als Befehlshaber und Diplomat für Kaiser Ludwig IV. den Bayern. Als Eigenbesitz verfügte er nach einer Erbteilung lediglich über Blankenburg und ein Viertel von Saalfeld. Später kamen Arnstadt sowie im nördlichen Thüringen Schlotheim und Frankenhausen hinzu. Nach Ludwigs Tod im Oktober 1347 ließ sich Günther XXI. am 30. Januar 1349 in Frankfurt am Main als Vertreter der bayerischen Partei zum Gegenkönig zu Karl IV. aus dem Haus Luxemburg wählen. Am 6. Februar des gleichen Jahres fand die Krönung in Frankfurt statt. Günther XXI. konnte seinen Anspruch jedoch nicht durchsetzen und verzichtete am 26. Mai 1349 im Vertrag von Eltville auf die Königsrechte. Er erhielt eine finanzielle Kompensation und eine Amnestie für seine Anhänger. Kurze Zeit später erkrankte er schwer und starb am 14. Juni 1349 im Johanniterkloster in Frankfurt, vermutlich an der Pest. Seine Ruhestätte fand der Graf als einziger deutscher König im Kaiserdom St. Bartholomäus zu Frankfurt.
Die Schwarzburger waren auch Akteure im Thüringer Grafenkrieg zwischen 1342 und 1346. Als Ergebnis der Thüringer Grafenfehde wurde Thüringen territorial umgegliedert und blieb daraufhin bis 1918 im Wesentlichen unverändert. Bei den einzelnen Fürstentümern waren die Veränderungen durch Landesteilungen allerdings signifikant. Hegemonialmacht waren nach dem Krieg die Wettiner, deren Hauptgegner die Grafen von Orlamünde und die Grafen von Schwarzburg. 1389 waren die Schwarzburger gezwungen, Saalfeld an die Wettiner zu verkaufen. Die Herrschaft Ranis mit Kamsdorf und Goßwitz ging ebenfalls an die Wettiner. Wenngleich dem Machtstreben der Schwarzburger eine Grenze gesetzt wurde, blieben sie wie auch die Reußen historisch präsent.