mini|Ruinen des Ptah-Tempels
Memphis (altägyptisch Men-nefer, Inbu-hedj, Hut-ka-Ptah; biblisch Noph, Movh; ) war die Hauptstadt des ersten Gaus von Unterägypten. Ihre Ruinen befinden sich in der Nähe der Ortschaften Mit-Rahineh und Helwan etwa 18 km südlich von Kairo und gehören seit 1979 als Teil der Stätte Memphis und seine Nekropole – die Pyramidenfelder von Gizeh bis Dahschur zum UNESCO-Welterbe.
Manetho berichtet, dass Memphis der Legende nach von König Menes 3000 v. Chr. gegründet wurde. Während des Alten Reiches war sie Hauptstadt von Ägypten und blieb eine wichtige Stadt in der ägyptischen Geschichte. Memphis stand unter dem Schutz des Gottes Ptah, des Schutzpatrons der Handwerker, dessen Tempel Hut-Ka-Ptah sich im Zentrum der Stadt befand.Aus dem Namen dieses Tempels leitete sich das griechische Wort Aegyptus (Αἴγυπτος) als Bezeichnung für das Land Ägypten ab.
Die Stadt nahm eine strategische Position am Beginn des Nildeltas ein und beherbergte deshalb viele Werk- und Produktionsstätten, darunter auch für Waffen. Der Aufstieg und das Scheitern von Memphis sind eng mit der Geschichte des gesamten Landes verbunden. Aufgrund des Aufstiegs Alexandrias verlor Memphis seine wirtschaftliche Rolle im Land und wurde nach und nach aufgegeben. Mit dem Edikt Cunctos populos von 380 n. Chr. endete auch seine religiöse Bedeutung.
Lage
Die heutigen Überreste nahe Mit-Rahina stammen aus jüngerer Zeit. 1982 durchgeführte Untersuchungen haben gezeigt, dass die Siedlungsschichten der Stadt nicht übereinander, sondern nebeneinander liegen. Der Standort von Memphis hatte sich im Laufe der Jahrtausende, wahrscheinlich bedingt durch Änderungen im Nilverlauf, verschoben. Der Fluss war im Altertum nicht reguliert und konnte bei hohen Überschwemmungen in ein anderes Bett zurückfließen.David G. Jeffreys: The Survey of Memphis. London 1985.
Die Stadt des Alten Reiches lag, wie Bohrungen im Gelände gezeigt haben, viel weiter im Norden, neben den Mastabas der 1. und 2. Dynastie und dem modernen Ort Abusir. In der Ersten Zwischenzeit verschob sich das Stadtgebiet weiter nach Süden in die Gegend der Pyramiden des Alten Reiches von Sakkara. Im Mittleren Reich lag es dann weiter im Osten, dort, wo heute die wenigen Ruinen zu sehen sind. Dies blieb dann auch der Standort der Stadt bis in die römische Zeit.
Gründung Über die Stadtgründung existieren aus dem textempirischen Material keine gesicherten Fakten. Es gibt einen Bericht von Herodot, der sich angeblich auf die Priester des Ptahtempels beruft. Der Ägyptologe A. Badawi räumt dem Bericht aber eine gewisse Glaubwürdigkeit ein.
Demnach soll die Stadt von Menes gegründet worden sein. Er leitete den Nil um und baute einen Damm zum Schutz des trockengelegten Gebietes, auf dem die Stadt errichtet werden sollte. Der Damm diente auch zum Schutz des Gaus vor einem erneuten Eindringen des Wassers. Danach baute Menes eine Festungsstadt und den Ptah-Tempel mit einem vom Nilwasser gespeisten See.Herodot, Historien 2,99,2. Nach Badawi war dieser Damm noch Anfang des 20. Jahrhunderts nahe dem modernen Ort Koschescheh zu sehen und verschwand erst mit der Modernisierung des ägyptischen Bewässerungssystems. Sicher ist, dass zu Beginn des Alten Reiches bei Memphis ein Damm gebaut werden sollte, der heute als Sadd el-Kafara bekannt ist.Gabriele Höber-Kamel: Die Götterwelt von Memphis. In: Kemet. Heft 2/2002, Berlin 2002, S. 6.
Nach Manetho erbaute „Athotis“ (Aha oder Teti I.) den Königspalast in Memphis.Gerald P. Verbrugghe, John M. Wickersham: Berossos and Manetho, introduced and translated. Native traditions in ancient Mesopotamia and Egypt. University of Michigan Press, Ann Arbor (Michigan) 2000, ISBN 0-472-08687-1, S. 131 und 187.
Namen
Die heutige Bezeichnung „Memphis“ (nach dem griechischen Μέμφις) geht auf das altägyptische Wort „Men-nefer“ zurück und bedeutet in etwa dauerhaft ist die Vollkommenheit. Der Begriff wurde mit ziemlicher Sicherheit vom Namen der Pyramidenstadt des Königs Pepi I. im Süden von Sakkara abgeleitet.Gabriele Höber-Kamel: Die Götterwelt von Memphis. In: Kemet. Heft 2/2002, Berlin 2002, S. 5. In ihrer vollständigen Form hieß die Stadt „Nut men-nefer-Pepi-meri-Ra“ („Dauerhaft ist die Vollkommenheit Pepis, geliebt von Re“-Stadt). Die offizielle Bezeichnung „Men-nefer“ erscheint jedoch erst in den Inschriften des Neuen Reiches.
Ursprünglich wurde die Stadt „Inebu-Hedj“ (Weiße Mauern) genannt und ist in dieser Form seit den Königen Chasechemui (2. Dynastie) und Djoser (3. Dynastie) belegt. Gebräuchlicher wurde die Singularform „Ineb-Hedj“ (Weiße Mauer), die zum ersten Mal auf dem Palermostein der 5. Dynastie erscheint und noch von den antiken Historikern Herodot und Diodor parallel zu „Men-nefer“ verwendet wurde. Herodot führt den Namen auf einen Stadtteil zurück, dessen Gebäude komplett aus weißem Kalkstein bestanden. Aufgrund der Wortbedeutung wird jedoch davon ausgegangen, dass Memphis zunächst als Festungsstadt errichtet wurde, die von einer weißen Mauer umgeben war.
Zeitweise wurden Memphis oder Bezirke der Stadt auch nach anderen Pyramidenstädten benannt. So diente im Mittleren Reich der Name des Pyramidenkomplexes des Teti „Djed-sut-Teti“ (Ewig sind die Stätten des Teti) aus der 6. Dynastie als Bezeichnung für die gesamte Stadt, im Neuen Reich hingegen nur noch für einen bestimmten Bezirk.
Seit dem Neuen Reich verwendete man den Namen des zentralen Ptah-Tempels „Hut-ka-Ptah“ (Tempel des Kas von Ptah). Bekannt ist auch die Metapher „Mechat taui“ (Waage der Beiden Länder), da sich die Stadt genau an der Grenze zwischen Oberägypten und dem nördlichen Nildelta befand.
Weitere Bezeichnungen sind „Nut-Ptah“ (Stadt des Ptah) und „Nut-Ta-tenen“ (Stadt des Ta-tenen) nach den beiden Stadtgöttern Ptah und Tatenen. Der Begriff Anch-taui (Leben der Beiden Länder) war zunächst ein Toponym für die Katzengöttin Bastet, ab dem Mittleren Reich auch für Ptah und konnte als Bezeichnung für Memphis oder die Nekropole der Stadt verwendet werden.
Geschichte Frühzeit Memphis spielte bereits seit der Reichseinigung eine bedeutende Rolle im Land, vor allem in Kunst, Wissenschaft, Religion und Militär. Die Herrscher der Frühdynastischen Periode, die auch kleinere Gräber in Abydos besaßen, legten in Sakkara-Nord eine erste Königsnekropole an. Ungeklärt ist, welche Gräber davon echt und bei welchen es sich nur um Kenotaphe handelt. Nach Barry J. Kemp gehören die Grabbauten in Memphis zu hohen Würdenträgern aus dieser Zeit und nach Jean-Philippe Lauer ließen sich erst die letzten drei Könige der 2. Dynastie in Memphis begraben, was darauf hinweist, dass die Stadt zu dieser Zeit begann, eine besondere Rolle als Reichshauptstadt einzunehmen.
Die Stadt galt schon sehr früh als religiöses Zentrum. Seit dem Beginn der ägyptischen Geschichte 3000 v. Chr. sind typische memphitische Kulthandlungen wie das Königsritual „Vereinigung der Beiden Länder“ und der Kultlauf des Königs um die Mauer belegt.Belegt auf dem Palermostein. Ebenso geht der Kult des Stadtgottes Ptah und des heiligen Apis-Stieres bis auf die 1. Dynastie zurück.Gabriele Höber-Kamel: Die Götterwelt von Memphis. In: Kemet. Heft 2/2002, Berlin 2002, S. 7.
Altes Reich und Erste Zwischenzeit mini|Djoser-Pyramide auf der memphitischen Nekropole
Seit Beginn des Alten Reiches und bis zum Ende der 6. Dynastie stieg Memphis zur Residenzstadt und zentralen Verwaltungsstadt Ägyptens auf. Das ägyptische Königreich wurde zum ersten Mal von einer straff und hierarchisch organisierten Zentralregierung verwaltet, mit einem direkt dem Pharao unterstellten Wesir an der Spitze. Alle wichtigen, das Land betreffenden, Entscheidungen wurden von der dritten bis zur sechsten Dynastie in Memphis getroffen. Im Laufe des Alten Reiches kam es zur Anlage von ausgedehnten Königs- und Beamtennekropolen im nahegelegenen Sakkara, Dahschur, Gizeh und Abu Roasch. Die architektonische Gestaltung und künstlerische Ausschmückung mit Reliefs und Grabstatuen zeugen von einem hohen Standard der memphitischen Kunst.
Nach dem Untergang des Alten Reiches zum Ende der sechsten Dynastie verlor Memphis seine zentrale Bedeutung als Landeshauptstadt. In der 7. Dynastie und 8. Dynastie residierten nur noch machtlose und unbedeutende Könige in der Stadt, bis Gaufürsten aus Herakleopolis Magna ab der 10. Dynastie die Macht im Land übernahmen.
Mittleres Reich und Zweite Zwischenzeit mini|Gruppenstatue zweier Hohepriester des Ptah aus der 12. Dynastie
Mentuhotep II., der das Land in der 11. Dynastie erneut einigen konnte, regierte von nun an in Theben. Da der Ruf der memphitischen Kunst immer noch sehr gut war, holte er Künstler aus Memphis wie zum Beispiel den Bildhauer Antefnacht nach Oberägypten. Den memphitischen Künstlern ist es zu verdanken, dass die thebanische Kunst im Mittleren Reich einen enormen Aufschwung erhielt.Gabriele Höber-Kamel: Die Götterwelt von Memphis. In: Kemet. Heft 2/2002, Berlin 2002, S. 7–8. Der Begründer der nachfolgenden 12. Dynastie Amenemhet I. grenzte sich von seinen Vorgängern ab und setzte die memphitische Tradition des Pyramidengrabes dreißig Kilometer von Memphis entfernt in Lischt fort. Die Könige der zwölften Dynastie verehrten wieder den Gott Ptah, indem sie für die Vergrößerung und den Ausbau des Haupttempels sorgten, reiche Opferstiftungen einrichteten und Statuen aufstellen ließen. Amenemhet II. stellte im Ptahtempel eine Gedenkstele auf, die von seinen wirtschaftlichen und militärischen Aktivitäten im Vorderen Orient berichtet.
In der von Krisen geprägten 13. Dynastie ließen sich zwei Könige in Gräbern neben der Mastabat al-Firʿaun in Sakkara bestatten und versuchten damit erneut an die Traditionen des Alten Reiches anzuknüpfen. In der darauffolgenden Zeit drangen die Hyksos in Unterägypten ein und eroberten die Stadt Memphis. Flavius Josephus, der sich auf Manetho bezieht, berichtet in seinem Werk Über die Ursprünglichkeit des Judentums über den Hyksos-König Salitis:
In Auaris, der Hykos-Hauptstadt, wurden viele Statuen gefunden, die aus Memphis stammen und mit dem Namen der Hyksos-Herrscher versehen waren.
Neues Reich 18. Dynastie Nach Vertreibung der Hyksos und Gründung des Neuen Reiches stieg Theben als neue Reichshauptstadt auf. Memphis begann hingegen den Großteil seiner einstigen militärischen, wirtschaftlichen und administrativen Stellung zurückzuerlangen. Die Stadt diente vor allem als Hauptquartier für die Armee und als Ausgangspunkt für militärische Expeditionen in den Vorderen Orient. Ahmose I. nahm die Kalksteinbrüche von Tura in Betrieb und ordnete Verschönerungen am Tempel des Ptah und am Amuntempel in Theben an, womit er die Gleichwertigkeit beider Gottheiten betonte. Zudem sorgte er dafür, dass die Hauptgötter der religiösen Zentren in Unterägypten, Memphis und Heliopolis gleichwertig behandelt wurden. Auf einer Felsstele in Tura berücksichtigte er in seinen Titeln gleichermaßen Atum als Hauptgott von Heliopolis und Ptah aus Memphis.Gabriele Höber-Kamel: Die Götterwelt von Memphis. In: Kemet. Heft 2/2002, Berlin 2002, S. 9–11.
mini|links|Pharao als Bogenschütze auf seinem Streitwagen