Das Augustinus-Gymnasium Weiden (kurz AGW) in Weiden in der Oberpfalz, eine Schule in öffentlicher Trägerschaft, ist ein humanistisches Gymnasium, das zusätzlich einen wirtschaftswissenschaftlichen Zweig und einen neusprachlichen Zweig anbietet. Es wurde im Jahr 1903 als Königliches Humanistisches Gymnasium gegründet, was es zum ältesten Gymnasium der Stadt macht. Seit 1965 trägt es den Namen Augustinus-Gymnasium Weiden.
Geschichte
Vorläuferschulen Von 1530 bis 1627 gab es in Weiden eine königliche Lateinschule mit sechs Klassen, deren Besuch den Eintritt in eine Universität erlaubte. Daran schlossen sich durch Einflüsse von Reformation und Gegenreformation mehrere Lateinschulen verschiedener Konfessionen an. Dies waren von 1627 bis 1648 eine jesuitische Lateinschule, 1648 zur Zeit der Besetzung durch die Schweden eine protestantische Schule und 1653 wiederum die Einrichtung einer katholischen Deutsch- und einer Lateinschule.
Gymnasium Bereits Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es Bemühungen der größeren Oberpfälzer Städte um den Sitz eines dritten Gymnasiums in der Region. Nach mehreren Rückschlägen und Entwicklungen, die das Ziel für Weiden in weite Ferne rücken ließen, gab es 1889 sogar einen Stadtratsbeschluss für das Gymnasium. Allerdings ebbten die Bemühungen durch den Bau der Zentralwerkstätten der bayerischen Eisenbahnen wieder ab.
Erst 1898 durch einen Landtagsbeschluss kam es zu konkreteren Planungen und den Bau des Schulgebäudes.
1903 wurde das Gebäude fertiggestellt und der Schulbetrieb aufgenommen. Allerdings kam es zu Problemen mit dem Namen; eine etwas voreilig angebrachte goldene Inschrift LUITPOLD-GYMNASIUM (Prinzregent-Luitpold-Gymnasium) musste mangels Genehmigung nachträglich durch ein schlichtes Humanistisches Gymnasium ersetzt werden. 1907 wurden die ersten Reifeprüfungen abgelegt.
Während der beiden Weltkriege erging es dem Gymnasium nicht anders als anderen auch, ein geordneter Schulbetrieb wurde durch Lehrermangel, mangelnde Lehrmittel, Unterernährung und eingerückte Schüler immer schwieriger. 1915 konnte lediglich ein Schüler zur Reifeprüfung antreten; weitere legten Notprüfungen ab.
In der Zeit des Nationalsozialismus kam es besonders durch die Zielsetzung humanistischer Bildung zu Anfeindungen seitens des Systems. Allerdings konnte im Gegensatz zu anderen Gymnasien, die überwiegend in Oberschulen umgewandelt wurden, eine Art Sonderform eingenommen werden, was aber nichts an den Einschränkungen und dem Verlust der eigentlichen Aufgabe änderte. 1938 kam es zur Verkürzung der Schulzeit auf acht Klassen, 1944 Kriegsdienst für 15- und 16-Jährige, und letztlich wurde im April 1944 der Schulbetrieb eingestellt.
Nach der Überprüfung und Zuteilung von Lehrkräften durch die Militärregierung konnte im Januar 1946 der Unterricht wieder beginnen. 1953 kam es zu einem Brand und dem Verlust des gesamten Dachgeschosses, was beim Wiederaufbau zur Ergänzung eines dritten Obergeschosses genutzt wurde. 1965 erhielt die Schule auf eigenen Antrag den Namen Augustinus-Gymnasium. 1966/67 wurde eine Doppelturnhalle und 1968–1972 ein Erweiterungsbau nördlich im Anschluss an das bestehende Schulgebäude errichtet, der 2009–2010 aufgestockt wurde. 2007 kam ein Nebengebäude mit Mensa und Räumen für die Nachmittagsbetreuung hinzu und 2019 wurden die Chemieräume generalsaniert.
Schuljahr Schüler Schüler aus Weiden 1911 / 1912 247 122 1947 / 1948 506 217 1964 / 1965 821 1821975 / 1976 1124 431 1989 / 1990 511 257 2000 / 2001 654 310 2020 / 2021 762 360 2024 / 2025 769 408
Augustiner-Seminar Das Augustiner Seminar war ein Klosterkonvent und Studienheim, das Schüler des Augustinus Gymnasiums aufnahm und von der Ordensgemeinschaft der Augustiner getragen wurde. Nachdem das Ordenskapital 1916 die Gründung beschlossen hatte, konnte das Seminar zu Beginn des Schuljahres 1917/18 eröffnen. 1927 konnte mit dem Bau eines neuen Gebäudes begonnen werden. Dieses wurde am 13. Januar 1929 eingeweiht. Die Klosterschule wurde 1941 aufgrund des Nationalsozialismus geschlossen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es als Lazarett genutzt und konnte erst nach diesem im Januar 1946 wieder den Schulbetrieb aufnehmen. Das Seminar wurde zum Schuljahresende 2010 geschlossen. Die Kliniken Nordoberpfalz AG erwarben das Areal und integrierten es in das Klinikum Weiden. Gebäude des Augustinus-Gymnasiums mini|Lageplan der Schule mit den einzelnen Gebäudeteilen Altbau Das als Altbau bezeichnete Gebäude stellt den ältesten Teil des Gymnasiums dar. Die Grundsteinlegung fand am 28. Oktober 1902 und das Richtfest am 15. Mai 1903 statt. Über den Klassenräumen, die sich auf drei Etagen befanden, wohnten Lehrkräfte und der Hausmeister. Deren Wohnungen brannten am 12. August 1953 ab. Anstelle des ausgebauten Dachgeschosses wurde nun ein drittes Obergeschoss mit Klassenzimmern gebaut. Dieses weist einen anderen Stil als die darunterliegenden Geschosse auf. Damit verschwand das Doppeldach und der sich über dem Eingangstrakt befindliche Giebel mit dem bayerischen Wappen. Neubau Das 1903 für rund 400 Schüler ausgelegte Gymnasium wurde im Schuljahr 1969/70 von 1061 Schülern besucht und litt unter Raumnot. Um genügend Platz für den Erweiterungsbau zu schaffen, wurde die Turnhalle verlegt. Der Neubau mit 18 Klassenzimmern wurde von 1968 bis 1972 gebaut. Von 1973 bis 1974 wurde zusätzlich das Untergeschoss ausgebaut. Im Jahr 2010 folgt die Aufstockung um ein weiteres Stockwerk mit 6 Klassenzimmern. In dessen Zentrum befindet sich ein Lichthof sowie im Erdgeschoss die Aula. Auf jeder Seite des Lichthofs richten sich je drei Klassenzimmer auf diesen aus. Im Erdgeschoss und im Untergeschoss sind außerdem einige Fachräume untergebracht. Turnhalle Der Vorgänger der heutigen Turnhalle aus dem Jahr 1903 befand sich an der Stelle des Neubaus. In den Jahren 1966 und 1967 wurde die heutige Doppelturnhalle errichtet. Dabei befinden sich die beiden Turnhallen übereinander. Sie wird neben dem Augustinus-Gymnasium auch von der Wirtschaftsschule benutzt.
Mensagebäude In dem im Jahr 2007 fertiggestellten Gebäude befindet sich neben der Mensa ein Multifunktionsraum, Sanitäranlagen und die Schülerbibliothek.
Pädagogisches Selbstverständnis und Schulprofil Das Augustinus-Gymnasium definiert sich im Schulprofil als „ein sprachliches, humanistisches und wirtschaftswissenschaftliches Gymnasium“. Als Schule mit offenem Ganztagsangebot verfügt das Augustinus-Gymnasium gegenwärtig über ein Kollegium von etwa 85 Lehrerkräften. Die Schülerschaft von knapp 800 Schülern besteht etwa zur Hälfte aus Schülern, die hauptsächlich aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab kommen und zur anderen Hälfte aus Schülern aus dem näheren Umkreise, was die Stadt Weiden darstellt.
Sprachenfolge und Profile Jahrgangsstufe Wahlmöglichkeiten 5 Latein Englisch Ab 6 Latein + Englisch Englisch + Latein Englisch + Französisch Ab 8 Altgriechisch Wirtschaft Französisch Altgriechisch Wirtschaft Französisch Wirtschaft Ab 11 Spanisch oder Latein Spanisch oder Latein Spanisch oder Französisch Die Schüler können in Klasse 5 mit den Fächern Latein oder Englisch beginnen. Während die mit Latein beginnenden Schüler in der Klasse 6 als zweite Fremdsprache Englisch lernen, haben die mit Englisch Beginnenden in der Klasse 6 die Wahl zwischen Latein oder Französisch.
Ende der 7. Klasse erfolgt die Wahl eines der drei individuellen Profile für die nächsten drei Jahre: altsprachliches Profil mit Altgriechisch neusprachliches Profil mit Französisch wirtschaftswissenschaftliches Profil mit Wirtschaft und Recht Diejenigen, die ab der Klasse 6 Französisch belegen, sind automatisch im wirtschaftswissenschaftlichen Zweig. Latein als 1. oder 2. Fremdsprache – bzw. Französisch als 2. Fremdsprache kann ab der Jahrgangsstufe 11 durch spätbeginnendes Spanisch ersetzt werden.
Bläserklasse Schüler in den Klassen 5 und 6 können seit dem Schuljahr 2022/23 in der Bläserklasse ein Blasinstrument erlernen. Dabei hat die Klasse zwei Stunden Musikunterricht am Vormittag, in denen die Schüler sowohl Instrumentalunterricht in Gruppen besuchen als auch als Klasse gemeinsam musizieren. Sportklasse In der Unterstufe besteht zudem die Möglichkeit die Sportklasse zu besuchen. Statt den üblichen drei Wochenstunden Sport nach Lehrplan werden fünf Wochenstunden angeboten. Bei hoher Nachfrage ist ein Aufnahmetest möglich.
Schulleben Ganztagsangebote (Auswahl) Neben dem regulären Unterricht werden am Gymnasium auch Ganztagsaktivitäten (GTA) angeboten:
Schülerzeitung Auch wenn die Schülerzeitung bereits zuvor erschienen ist, so erscheint sie erst seit dem Schuljahr 2008/2009 regelmäßig. Im Jahr 2012 hat die Schülerzeitung Augustinchenden den Schülerzeitungswettbewerb der Süddeutschen Zeitung gewonnen.https://www.augustinus-gymnasium.de/?page_id=3454
Veranstaltungen Viele traditionelle Veranstaltungen finden schon seit mehreren Jahren und teilweise seit Jahrzehnten statt: Fasching Klassenaktionstage Langlauftag Sportfest Schulfest Schülertriathlon Weihnachtsmarkt
Musik Für die Unterstufe (Klasse 5–7) existiert ein gleichstimmiger Chor, für die Mittel- und Oberstufe ein gemischter Chor. Weiterhin gibt es ein Orchester, ein Vokalensemble, ein Instrumentalensemble, eine Schulband und eine Big Band. Es wird Unterricht in Sologesang und Instrumentalunterricht angeboten. Jährlich werden zwei große Konzerte veranstaltet: Das Weihnachtskonzert in der Herz-Jesu-Kirche Weiden und das Sommerkonzert in der Max-Reger-Halle in Weiden. Zudem gibt es seit dem Schuljahr 2023/2024 ein Kammerkonzert, das sich eher auf klassische Konzertbeiträge fokussiert.
Fahrtenprogramm Jahrgangsstufe Thema Ort 5 Schullandheim Nürnberg 6 Skikurs Mitterfirmiansreut (ab 2027 Oberwiesenthal) 7 Skikurs Flachau 8 Tage der Alltagskompetenz Waldmünchen 8 oder 9 Schüleraustausch mit Frankreich Vichy/Aiguesperse 9 Tage der Orientierung Ensdorf 10 Sprachreise Eastbourne (England) 11 Tage der Orientierung (P-Seminar) Ensdorf 12 Studienfahrten 13 Abifahrt jahrgangsstufenübergreifend SMV-Seminar Blockhütte jahrgangsstufenübergreifend Chor- und Orchestertage Ensdorf Partnerschulen und Schüleraustausch Collège Jules Ferry in Vichy, seit 1994 Liceo Galileo Galilei in Macerata, aus bereits seit 1954 zwischen Macerata und Weiden stattfindenden Jugendbegegnungen entwickelte sich ein Austauschprogramm zwischen den Schulen. Perry Meridian High School in Indianapolis (Schüleraustausch von 1992 bis 2001) Giovanni Curmi Higher Secondary School Naxxar auf Malta (Schüleraustausch 2005 und 2008)
Außerdem gibt es seit 1995 ein Projekt zum Schüleraustausch mit verschiedenen Gymnasien aus Pilsen in Tschechien und seit 2006 ein Programm Gastschuljahr für Gymnasiasten aus EU-Ländern.
Organisation Sachaufwandsträger des Gymnasiums ist die Stadt Weiden in der Oberpfalz. Das AGW verfügt über Elternbeirat, SMV sowie einen Förderverein. Der „Förderverein der Freunde des Augustinus-Gymnasiums Weiden“ wurde 1993 gegründet und unterstützt Gemeinschaftsprojekte und Veranstaltungen.
Persönlichkeiten Schulleiter Franz Ehrlich, Direktor 1903–1911 Josef Brandl, Direktor 1911–1918 Franz Lell, Direktor 1918–1924 / Oberstudiendirektor (seit 1920) Augustin Hafner, Oberstudiendirektor 1924–1934 Franz Baumgartner, Oberstudiendirektor 1934–1945 Peter Huggle, Oberstudiendirektor 1972–1993 Hans Ries, Oberstudiendirektor 1946–1951 Gustav Ohnhaus, Oberstudiendirektor 1951–1965 Josef Duschl, Oberstudiendirektor 1965–1970 Hans Wenninger, Oberstudiendirektor 1970–1979 Erwin Spitz, Oberstudiendirektor 1979–1992 Günther Merwald, Oberstudiendirektor 1992–2001 Michael Mahr, Oberstudiendirektor 2001– Klaus-Peter Wolf, Oberstudiendirektor –2012 Helmut Matejka, Oberstudiendirektor 2012–2018 Ulrich Winter, Oberstudiendirektor 2018–2021 Thomas Kreuzer, Oberstudiendirektor, seit 2021 Ehemalige Lehrer Karl Heinz Malzer (* 1945), Musikpädagoge und Chorleiter