mini|Regimentswappen Das 2. Infanterie-Regiment „Kronprinz“ war ein Verband der Bayerischen Armee, der ursprünglich 1682 unter dem Namen Degenfeld zu Fuß unter Kurfürst Max Emanuel für die Kurbayerische Armee errichtet wurde. Aus diesem entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein Regiment der Bayerischen Armee unter dem Namen 2. Infanterie-Regiment „Kronprinz“.Das Regiment war neben dem 16. Infanterie-Regiment der zweite Verband der 2. Infanterie-Brigade. Es trug in seinem Wappen die Initialen des Gründers M(aximilian), E(manuel), E(lector). Während der kurpfalzbayerischen Zeit ab 1778 wurde das Regiment als 2. Linieninfanterie-Regiment „Kronprinz“ in die neu geschaffene Stammliste aufgenommen. Zur Systematik wurden nachträglich auch folgende Nummerierungen eingeführt: 1682/7,nach Georg Tessin 1986 Band 1: 78. Infanterieregiment No. 2.nach Hans Bleckwenn

Im 17. und 18. Jahrhundert führten die Regimenter nur den Namen des Regimentsinhabers.

Geschichte Aufstellung Das Regiment wurde am 26. Juni 1682 als Regiment zu Fuß „Degenfeld“ urkundlich genannt und am 29. Juni 1682 aus den Stammkompanien „Matthias Renner“, „Tobias Andersi“ und „Dyonisius Wilhelm“ aufgestellt, zu denen die Stammkompanie „Johann Baptist Graf von Arco“ sowie die Kompanien „Wolf Friedrich von Reding-Biberegg“ und „Hptm. von Pfisterer“ traten. Es wurde zuerst in München und Donauwörth stationiert. Der erste Inhaber und zugleich Oberstkommandant (die Bezeichnung Kommandeur wurde erst 1872 gebräuchlich) des Regiments war Generalfeldmarschall-Lieutenant Hannibal Freiherr von Degenfeld (1647 bis 16. Oktober 1691), welcher das Regiment am 27. November 1683 an Obrist Franz Emanuel Graf della Rosa übergab. Es hatte seinerzeit eine Stärke von etwa 1.100 Mann.

Inhaber des Regiments waren neben Vertretern des bayerischen Hochadels die bayerischen Kurprinzen, später bayerischen Kronprinzen, die dem Regiment seinen Namen gaben. Von 1721 bis 1792 gab es sogar zwei Regimentsinhaber. Seit 1862 wurden auch Regimentsführer à la suite ernannt.

Feldzüge gegen die Türken 1683/88 Im Feldzug gegen die Türken trat am 12. September 1683 das Regiment in einer Stärke von 963 Mann vor Wien an. Bis 1. Oktober sind über 200 Mann erkrankt und zwei Mann desertiert. Genaue Angaben über Gefallene und Verwundete fehlen. Das Regiment war am Gefecht bei Gran am 25. Oktober 1683 beteiligt. Während der Belagerung von Ofen vom 14. Juli bis 31. Oktober 1684 erhielt es im Mai/Juni ca. 1.000 Mann Ersatz, am Ende der Belagerung betrug die Gefechtsstärke noch dreizehn Offiziere, sechs Fähnriche, 43 Unteroffiziere und 258 Mann. Das Regiment wurde noch in 1684 in acht Kompanien zu je 125 Mann gegliedert. Bei der Eroberung der Festung Neuhäusel am 11. Juli 1685 fielen ca. 120 Mann und der Oberstkommandant Graf della Rosa wurde so schwer verwundet, dass er am 23. Juni 1685 verstarb. Ihm folgte als Inhaber und Oberstkommandant Jakob Siegmund Freiherr Gall von Gallenfels (8. August 1685). Das Regiment war bei der Erstürmung von Ofen am 2. September 1686 beteiligt und musste etwa 300 Mann Verluste durch Tod, Verwundung und Krankheit hinnehmen (Gefechtsstärke: 674 Mann), die durch 1.257 Mann Ersatz aus Straubing mehr als reichlich wieder aufgefüllt werden konnten. Während der Schlacht bei Mohacz am 12. August 1687 war das Regiment am Rande beteiligt und hatte nur geringe Ausfälle (achtzehn Gefallene, drei Verwundete und zehn Vermisste) zu verkraften. Bei der Erstürmung von Belgrad am 10. August 1688 fielen 28 Mann und 51 Mann wurden verwundet, darunter auch der Oberstkommandant Freiherr von Gallenfels. Am 31. Oktober 1688 war das Regiment auf noch 545 Mann zusammengeschmolzen.

Rheinfeldzüge 1689/97 Das Regiment befand sich am 16. Juli 1689 vor der Festung Kehl, die vom Militärarchitekten Vauban gebaut wurde, wobei es bei unbekannten Auftrag zumindest keine Verluste verzeichnen musste. 1690 für ein Jahr auf zehn Kompanien aufgerüstet, wurde das Regiment wieder auf acht Kompanien reduziert (Gefechtsstärke am 21. Oktober 1692: 24 Offiziere, 61 Unteroffiziere und 651 Mannschaften). Es war auf die Standorte Andernach, Erpel und Deutz verteilt. Während des Erbfolgekrieges kam es zu einigen Scharmützeln mit den französischen Truppen, wo dem Regiment größere Verluste erspart blieben. Am 10. Januar 1694 wurde das Regiment in „Leibregiment des Kurprinzen Joseph Ferdinand“ umbenannt, welcher trotz seines zarten Alters von zwei Jahren zugleich Inhaber wurde, und nahm im selben Jahr die Reste der Kompanien „Grießenbeck“ und „Murach“ auf. Das Regiment wurde zudem mit neuen Fahnen ausgestattet (Weiß mit blauen Streifen, die Fahne der Leib-Kompanie war aus weißer Seide gefertigt mit dem Muttergottesbild in der Mitte). Nach dem Gefecht bei St. Leon am 10. Juli 1695 kehrte das Regiment mit 1.076 Mann nach Bayern zurück. Im selben Jahr wurde der 1. Grenadierkompanie errichtet. Am 15. Juni 1696 marschierte das Regiment in Richtung Niederlande ab und erreichte am 7. Juli Roermond. Dort empfing es 1.100 neue Gewehre und richtete sich mit 1252 Mann in Alost und Termonde ins Winterquartier ein. Am 1. Juni 1697 wurde die Kompanie „Wolf Heinrich Gemmel von Flischbach“ aufgenommen, im selben Jahr die 2. Grenadierkompanie aufgestellt und das Regiment in zwei Bataillone zu je fünf Kompanien gegliedert. Das Regiment war in diesem Jahr in Geldern, Roermond und Venlo einquartiert.

Am 5. September 1699 wurde es nach dem plötzlichen Tod des Kurprinzen Joseph Ferdinand in „Leibregiment des Kurprinzen Karl Albrecht“ umbenannt, dessen Inhaber er zugleich bis zum 28. März 1727 war. Oberstkommandant wurde am 1. Dezember 1700 Emanuel Graf von Arco.

Spanischer Erbfolgekrieg 1702/14 Juni 1702 nahm das Regiment die Freikompanien „Johann Jakob Frankenreither von Frankenegg“ und „Johann Gottlieb von Grimming“ auf und nunmehr in drei Bataillone zu je fünf Kompanien gegliedert. Im Gefecht bei Schärdenberg-Eisenbirn am 11. März 1703 kämpfte das Regiment mit geringen Verlusten und brachte 448 Gefangene ein.

Am Feldzug in Tirol nahm es in Stärke 949 Mann und 97 Pferden teil. In der Schlacht auf dem Schellenberg am 2. Juli 1704 musste das Regiment schmerzliche Verluste hinnehmen, der Oberstkommandant Graf Arco ertrank während des Gefechts und 72 Mann gerieten in Gefangenschaft. An der Schlacht bei Höchstädt am 13. August 1704 war das Regiment mit sieben Kompanien beteiligt, wo nach dieser entscheidenden Niederlage alle Fahnen in die Hände des Feindes fielen und es nur 313 Köpfe zählte. Danach wurde das Regiment bis auf Bataillonsstärke abgerüstet. Bei der Wiederherstellung des Regiments im Jahre 1705 wurde das französische Fremdenbataillon „Boismorel“ unter Oberstleutnant Francois de La Colonie als Kompanie angegliedert und wieder die Gliederung von zwei Bataillonen zu je einer Grenadierkompanie und acht Füsilierkompanien eingenommen.

Der Feldzug in den Niederlanden begann am 4. Juni 1705 im Gefecht bei Huy erfreulich für das Regiment, bei eigenen knapp dreißig Mann Verlusten brachte es 132 Offiziere und 1.300 Mann als Gefangene ein. Für die Einnahme von Lüttich stellte das Regiment am 18. Juni 1705 ein Bataillon ab. Nach dem Gefecht an der Dyle scheint das Regiment aus den Kampfhandlungen herausgezogen zu sein, da 350 Mann Stammtruppe offenbar 236 Rekruten aus Luxemburg und 296 Rekruten aus Straßburg sowie 1706 nochmals 241 Rekruten aus Straßburg ausbildete. Anfang 1706 war das Regiment auf 1.536 Mann angewachsen und wieder in drei Bataillone gegliedert. Nach der Schlacht bei Ramillies am 23. Mai 1706 desertierte eine beachtliche Anzahl von Regimentssoldaten. Es nahm an der blutigen Schlacht bei Malplaquet am 11. September 1709 teil. Am 22. Juni 1710 erfolgte eine Reduzierung des Regiments auf eine Grenadierkompanie und acht Füsilierkompanien. 1711 wurde der Franzose Francois de La Colonie zum Oberstkommandant ernannt. An den Rückeroberungen verlustiger Gebiete im Jahre 1712 war das Regiment beteiligt. Während der Belagerung von Landau vom 23. Juni bis 19. August 1713 stellte es ein Kontingent bei der Beobachtungsarmee.

Feldzüge gegen die Türken 1717/18 und 1738/39 Das Regiment trat am 3. Juli 1717 mit 1.439 Mann zur Schlacht um Belgrad an, die mit der Eroberung der Stadt am 18. August 1717 endete. Der Verlust von ca. achtzig Mann wurde durch 495 Mann Ersatz im Mai 1718 wieder aufgefüllt.

Mit dem 6. November 1721 bekam das Regiment den ersten 2. Inhaber, Feldmarschall-Lieutenant Heinrich Vambès de Florimond, der die Ehre bis zu seinem Tode 1752 innehatte. Am 4. Juli 1722 gab das Regiment das III. Bataillon zur Aufstellung des Regiments „Seyboltstorff“ ab. Außerdem wurden aus dessen Personal das Regiment „Prinz Joseph Ludwig“ (1732) und das Kreisregiment (1734) errichtet. Am 24. September 1734 wurde das III. Bataillon zu fünf Füsilierkompanien neu aufgestellt. Nachdem 1735 das Regiment auf mehrere kleine Garnisonen in Niederbayern verteilt wurde, verlegt es im Herbst in die Winterquartiere in Donauwörth, Rain, Neuburg an der Donau und Lauingen. 1736 war das ganze Regiment in Ingolstadt stationiert.

Im Jahre 1738 stellte das Regiment das II. Bataillon (eine Grenadierkompanie, fünf Füsilierkompanien) in Stärke achtzehn Offiziere und 745 Mann ab. In der Schlacht von Grotzka am 13. Juni 1739 fielen achtzig Mann durch Tod oder Verwundung aus, bis zum April 1740 verlor es einschließlich Krankheit insgesamt 360 Mann.

Österreichischer Erbfolgekrieg 1741/45 Das Regiment nahm mit dem III. Bataillon und zwei Grenadierkompanien an der Besetzung Passaus am 31. Juli 1741 teil. Am 12. Februar 1742 wurde das Regiment in „Infanterie-Regiment Kronprinz“ umbenannt. Beim Kampf um Straubing vom 8. bis 11. April 1742 hatte das Regiment, das hierfür zwei Bataillone abgestellt hatte, ca. neunzig Tote zu beklagen. Bei den Gefechten um Cham (Oberpfalz) am 9. September 1742 hatte ein Bataillon schwere Kämpfe mit österreichischen Panduren zu bestehen. Das Regiment hatte nachher nur noch eine Gefechtsstärke von sechzehn Offizieren und 316 Mann. Während des Kampfes um Rosenheim am 27. Mai 1743 sind zwölf Mann gefallen sowie drei Offiziere und 130 Mann gerieten in Gefangenschaft. In der Schlacht bei Weißenburg (Elsass) am 5. Juli 1744 wurde der Oberstkommandant Johann Martin de La Colonie schwer verwundet und verschied kurz darauf. Sein Nachfolger Johann Albrecht von Krays wurde ebenfalls verwundet und starb daran am 6. August 1744.

Danach wurde das Regiment auf zwei Bataillone abgerüstet. Im März 1745 hatte es jedoch wieder eine Stärke von 1.316 Mann. Mit dem 20. August 1745 wurde es „Infanterie-Regiment Kurprinz“ genannt. Am 30. November 1747 nahm es drei Kompanien des wieder aufgelösten Kreisregiments auf und gliederte sich wieder in drei Bataillone. Am 28. Juli 1753 wurden zwei Grenadier- und acht Füsilierkompanien zum Regiment „Graf Holnstein“ abgegeben.

Siebenjähriger Krieg 1757/58 Das Regiment stellte das II. Bataillon mit fünf Kompanien (Gefechtsstärke: ca. 650 Mann) zum Auxiliarkorps von Generalfeldwachtmeister Johannes Claudius Graf Seyssel d'Aix ab. Im Oktober und November 1757 war es bei der Inbesitznahme von Schweidnitz am 12. November durch die österreichische Armee beteiligt. Bei Leuthen am 5. Dezember 1757 wurden die habsburgischen Kräfte und deren Verbündete durch den preußischen König Friedrich II. entscheidend geschlagen. Das Regiment verlor dabei drei Offiziere und ca. achtzig Mann durch Tod, Verwundung oder Gefangenschaft sowie sämtliche Zelte und die gesamte Bagage. In den Gefechten bei Olmütz vom 21. Mai bis 2. Juli 1758 nahm es mit neun Offizieren und 315 Mann teil, wobei es dort 119 Mann Verluste hinnehmen musste. Bevor das Bataillon am 2. August 1758 vorzeitig nach Bayern zurückbeordert wurde, hatte es noch fünfzehn Unteroffiziere an die vier verbleibenden Regimenter abzustellen.

Ab 1. Januar 1790 wurde das Regiment in „2. Grenadier-Regiment Kurprinz“ umbenannt.

Koalitionskriege Erster Koalitionskrieg 1792/97