Dalhausen ist eine südwestliche Ortschaft der Stadt Beverungen im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen. Mit etwa 2000 Einwohnern ist Dalhausen nach der Kernstadt der größte Ortsteil Beverungens. Zur Ortsgemarkung gehört auch der über die Kreisstraße 44 zu erreichende Weiler Bustollen.

Dalhausen ist seit 1403 als Marienwallfahrtsort belegt und damit ältester Marienwallfahrtsort des Bistums Paderborn.Marienwallfahrt in Dalhausen - Geschichte der Wallfahrt PDF-Datei Überregional bekannt wurde der Ort wegen seiner Korbindustrie, die später durch die Möbelindustrie abgelöst wurde.

Geographische Lage Dalhausen liegt ca. 7 km südwestlich der Beverunger Kernstadt im südöstlichen Teil Ostwestfalens. Die Ortsgemarkung von Dalhausen liegt auf etwa im Tal der Bever, einem südwestlichen Nebenfluss der Weser. Die Tallage von Dalhausen war namensgebend („Die Häuser im Tal“). Den landschaftlichen Rahmen des Ortes bilden der nördlich gelegene Schnegelberg (328 m) und der westlich anschließende Spechterberg, südlich der Kreihenberg (301 m) sowie der östlich gelegene Biesberg (331 m).

Rund 10 km (Luftlinie) ostnordöstlich von Dalhausen befindet sich nördlich der Stadt Bad Karlshafen bzw. am Südrand des Sollings das Dreiländereck Hessen–Niedersachsen–Nordrhein-Westfalen (unter anderem bekannt durch den Weser-Skywalk an den Hannoverschen Klippen).

Naturräumliche Gegebenheiten mini|Übersicht vom Krähenberg mini|Ortskern vom Krähenberg

Die den Ort auf seiner gesamten Länge durchfließende Bever bildet einen engen Taleinschnitt in den Muschelkalkbereich des Tertiär, der zahlreiche Versteinerungen aufweist. Nach Osten treten die tieferliegenden Buntsandsteinformationen des Weserberglands in Erscheinung. Die weitgehend unbewaldeten Hanglagen sind entsprechend geprägt durch die charakteristische Vegetationsform des Kalkmagerrasens, der in historischer Zeit lediglich eine Ziegenbeweidung zuließ. Die Vegetation steht damit in deutlichem Gegensatz zu der westlich anschließenden Warburger Börde mit ihrem sehr fruchtbaren Lössboden. Die von Keuperablagerungen beherrschten Höhenlagen sind von einem reichhaltigen Buchenmischwaldbestand bestimmt.

„Die ebene Talaue des gestreckten bis geschwungenen Bachlaufes“ der Bever wird „über pleistozänen Talschottern … von einer holozänen Auenlehmschicht bedeckt. … Am Bachlauf ist fast durchgängig uferstabilisierender Gehölzbewuchs vorhanden, der Erosionsschutzfunktion besitzt und gleichzeitig zur Gliederung und Belebung der Talaue beiträgt.“Landschaftsplan Nr. 2 "Wesertal mit Beverplatten" S. 15–16.

Geschichte mini|Kirche und Ortskern – Ansicht vom Krähenberg mini|Kirche – Ansicht vom Krähenberg mini|Der Ortskern im Jahre 1910 mini|Mariengrotte Der historische Ortskern des Dorfes befand sich in der Ausweitung des Tales durch das „Urental“ mit der Kirche und den ältesten Bauernhöfen. Zum „Straßendorf“ wurde der Ort erst durch die sukzessive Ausdehnung entlang des Talverlaufs.

Ortsgeschichte Da Orte mit der Namensendung auf -hausen für Siedlungsgründungen im Zuge der fränkischen Landnahme charakteristisch sind, die in der Region mit den Sachsenkriegen Karls des Großen im letzten Viertel des 8. Jahrhunderts ihren Abschluss fand, so ist die Gründung des Ortes in diesem Zeitraum anzusetzen.

Seine erste urkundliche Erwähnung findet Dalhausen in einer Schenkungsurkunde des Benediktinerklosters Corvey im Jahr 971, als eine Gräfin Magintillis dem Kloster zusammen mit ihrem Besitz im benachbarten Haddenberg (dem heutigen Jakobsberg) 4 Hufen Landes (=120 Morgen) in Dalenhusen übereignete, 1120 besaß das Kloster Helmarshausen eine Hufe in Dalhausen. 1146 und 1153 erfolgten erste Besitzübertragungen des Bistums Paderborn an das Benediktinerinnenstift Gehrden in Dallessen bzw. DalsenWestfälisches Urkundenbuch II, Nr. 312., 1190 erhielt das Kloster von Hogardis, Äbtissin zu Neuenheerse, eine Mühle zu Dalhausen. Die selbstständige Pfarrei St. Marien Dalhausen wurde 1221 durch die Abpfarrung von der Mutter-Pfarrei Eddessen begründet, die unter dem Paderborner Bischof Bernhard III. von Oesede erfolgte. Dabei musste die Grundherrin der bisherigen Eigenkirche in Dalhausen, eine Witwe F. mit ihren beiden Söhnen Themmo und Alexander, der bisherigen Mutterpfarre und ihrem Patronatsherrn, dem Ministerialen S., den (relativ hohen) Ablösebetrag von zwei Mark (umgerechnet ein Pfund Silber) zahlen.Joseph Feldmann: Dalhausen. 1000 Jahre Dalhausen, 750 Jahre Pfarrei. Dalhausen 1971, S. 8.

Am 10. Juli 1305 vermachten die Grafen von Everstein, die sich seit 1180 nach dem Sturz Heinrichs des Löwen in der Region etabliert hatten, ihren Grundbesitz in Dalhausen dem Kloster Gehrden. Zusammen mit Dalhausen fiel 1310/13 durch Verkauf bzw. Schenkung der Herren von Amelunxen auch das Dorf „Borstolden“ (Bustollen) an die Abtei Gehrden, das aber wie die beiden östlich des Ortes im Bevertal bzw. Tiefental gelegenen Dörfer Esneberg und Heldersen im Verlaufe des Spätmittelalters zur Wüstung wurde und heute nur noch als Weiler besteht. Die westliche Gemarkungsgrenze markiert der erstmals 1409 erwähnte Kalksinterfelsen des „Witten (Weißen) Steins“.

Zugleich mit der Übereignung der Grundherrschaft wurde die Inkorporation der Pfarrei in das Kloster Gehrden vollzogen. An der Kirche des Ortes wurde 1305 von Gehrden aus durch den Paderborner Bischof Otto von Rietberg eine eigene Propstei, ein Tochterkloster, gegründet, welche jedoch kaum über die Gründungsphase hinaus gedieh.Helmut Richtering: Stifte und Klöster im Weserraum. In: Kunst und Kultur im Weserraum 800–1600, Bd. 3. Achendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1970, S. 385 Die zu dieser Zeit (um 1300) geschaffene Marienfigur wurde bald zum Ziel einer heute noch bestehenden Wallfahrt. Ihr erster geschichtlicher Höhepunkt ist für 1403 belegt, als „eine Herzogin von Braunschweig“ – wohl Anna von Sachsen-Wittenberg († 1426), deren Gatte, Herzog Friedrich von Braunschweig, im Jahre 1400 zum deutschen Gegenkönig nominiert, aber bei seiner Rückreise ermordet worden war – für das Gnadenbild einen gulden Mantel stiftete. Die Ereignisse der vorreformatorischen Wallfahrt finden sich im Hochaltargemälde der Pfarrkirche dargestellt. In der Zeit der Gegenreformation kam es zu einer Wiederbelebung der Wallfahrt. Unter der aus der Borgholzer Gutsherrenfamilie gebürtigen Gehrdener Äbtissin Dorothea von Juden fand in den Jahren 1718–21 der Neubau der Pfarrkirche als einfache Saalkirche mit Dachreiter im Stil des Weserbarock statt. Die Weihe der Kirche vollzog am 19. Oktober 1721 der gleichfalls aus dem benachbarten Borgholz stammende Pantaleon Bruns, Weihbischof zu Paderborn und Abt zu Abdinghof. Zu dem ursprünglichen Wallfahrtstag Mariä Geburt (8. September) trat seit 1721 Mariä Heimsuchung (2. Juli) hinzu. 1779 besaß das Kloster im Ort den Klosterhof (das „Gehrdische Haus“), sowie einen Krug und zwei Mühlen.

„Während des Dreißigjährigen Kriegs erlitt das Dorf durch die durchziehenden kaiserlichen Truppen Schaden“,Albert Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Höxter. (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Bd. 37). Ferdinand Schöningh, Münster 1914, S. 81. was in der örtlichen Sage vom „Blutacker“ Niederschlag gefunden hat. Weitere Truppendurchzüge erfolgten im Siebenjährigen Krieg.

Mit dem Ende des Hochstifts Paderborn fiel Dalhausen 1802 erstmals an Preußen und kam zum Oberwaldischen Kreis. Von 1807 bis 1813 gehörte Dalhausen zum Kanton Beverungen des napoleonischen Königreichs Westphalen. 1813 kam Dalhausen endgültig zu Preußen und 1816 wurde die Gemeinde dem neuen Kreis Höxter zugeordnet.

Mit der Auflösung des Klosters Gehrden im Jahre 1803 gelangte dessen Besitz in Dalhausen durch Kauf am 15. Oktober 1810 zunächst an den Grafen Wilhelm von Bocholtz und 1829 an den Grafen Kaspar Heinrich von Sierstorpff, von dessen Nachfahren ihn 1875 die Gemeinde um 16.000 Taler erwerben konnte.Alexandra Rüther: Vor 150 Jahren kaufte sich Dalhausen seinen Wald zurück. Westfalen Blatt vom 20. Dezember 2023 digitalisat Die Grenzsteine „GvS“ sind noch in der Gemarkung erhalten.Joseph Feldmann: Dalhausen. 1000 Jahre Dalhausen, 750 Jahre Pfarrei. Dalhausen 1971, S. 65. Die (noch bestehende) staatliche Kirchenbaulast für die Dalhäuser Pfarrkirche wurde 1862/63 durch den Pastor Karl Schomberg gerichtlich durchgesetzt. 1877 erhielt die Kirche daraufhin durch die preußische Staatsbauverwaltung einen neuen Turmbau. Auf seine Initiative hin wurde um 1870 auch südlich der Kirche die Pastorat als ein traufständiger repräsentativer Massivbau mit seitlicher Scheuneneinfahrt errichtet. 1949–53 wurde unter Pastor Joseph Feldmann die barocke Kirche in den heutigen Kirchenneubau nach Plänen des Architekten Regierungsbaurat Friedrich Steinbiß (Paderborn) unter beratender Mitwirkung von Alois Fuchs integriert.Joseph Feldmann: Dalhausen. 1000 Jahre Dalhausen, 750 Jahre Pfarrei. Dalhausen 1971, S. 112.

Für das 19. Jahrhundert sind mehrere Unglücksfälle überliefert. Zu Überschwemmungskatastrophen der Bever nach plötzlich einsetzendem Tauwetter kam es am 23. Februar 1839 und 20. Januar 1840. „Eine Wasserkatastrophe großen Ausmaßes war am 31. Mai 1867. Zwei Gewitter entluden sich über dem oberen Dorf und entfesselten einen furchtbaren Wolkenbruch. Die Fluten wurden 20 Fuß hoch und rissen mit, was möglich war. Sechs Leute – zwei Erwachsene und vier Kinder – fanden in den Fluten den Tod.“Joseph Feldmann: Dalhausen. 1000 Jahre Dalhausen, 750 Jahre Pfarrei. Dalhausen 1971, S. 110. Seit 1835 war es aufgrund der hygienischen Bedingungen immer wieder zu Ausbrüchen von Typhus und Cholera gekommen, so zuletzt 1868 infolge der im Deutschen Krieg (1866) im preußischen Heer ausgebrochenen Cholera-Pandemie, bei der im Ort 57 Todesfälle zu verzeichnen waren. Aus diesem Anlass wurde seitens der Gemeinde das Gelübde abgelegt, für alle Zukunft auf das Feiern des Karnevals zu verzichten.Gelübde: In Dalhausen wird seit 1870 kein Karneval mehr gefeiert newsline Westdeutsche Zeitung

1844–47 wurde die Straße durch das Bevertal mit Hand- und Spanndiensten der Bevölkerung gebaut. 1906 erfolgte der Bau der „Neuen Straße“ nach Brakel, die anstelle des älteren „Hellwegs“ – einer Abzweigung des Westfälischen Hellwegs – durch das Urental und hangparallel über den Spechterberg geführt wurde. 1876 erhielt Dalhausen mit der Eröffnung der (1882 in die Preußische Staatseisenbahnen übernommenen) Bahnstrecke Holzminden–Scherfede einen (1984 stillgelegten) Bahnanschluss.

mini|Notgeldschein von 1921, mit Bauinschrift der Kirche von 1718 Als eine besonders engagierte Persönlichkeit erwies sich der von 1909 bis 1919 in Dalhausen tätige Pastor Dr. Anton Meyer, der 1913 in einem Bericht über Die öffentlichen Zustände in Dalhausen an das Preußische Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten ein wenig erfreuliches Bild des Ortes am Vorabend des Ersten Weltkriegs zeichnete.Manfred Dierkes: Die öffentlichen Zustände in Dalhausen Anno 1913/1914. digitalisat Bürgermeister in der wirtschaftlichen Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg waren bis 1928 Karl Böker, unter dem 1921 Notgeldscheine herausgegeben wurden, und bis 1933 (wieder 1956–68) Karl Tewes. Unter ihm erfolgte 1937 auf Initiative des Pastors Ferdinand Remmel der Bau des von Vinzentinerinnen aus Hildesheim betreuten Kindergartens sowie 1962 der Neubau der Volksschule in exponierter Lage oberhalb des Dorfes. Langjährige Leiterin der Schule war von 1940 bis 1975 Gabriele Gräfin von Looz-Corswarem. In der Nachkriegszeit wurde als private Stiftung oberhalb des Ortes eine Mariengrotte errichtet.