mini|St. Andreas St. Andreas ist eine evangelisch-lutherische Saalkirche der Backsteingotik im zur Hansestadt Lübeck gehörenden ehemaligen Fischerdorf Schlutup an der Trave.
Geschichte 1425 wurde im damaligen Ort Vretup eine Kapelle urkundlich erwähnt, die zum Kirchspiel von St. Jakobi in Lübeck gehörte. 1436 bildete Schlutup ein eigenes Kirchspiel. Um diese Zeit wurde der Bau der St.-Andreas-Kirche begonnen, die dem Fischer-Apostel Andreas geweiht wurde. Der oktogonale Saalbau mit einer Länge von 22 Metern und einer Breite von 12,30 Metern im Westen verjüngt sich nach Osten auf 11,30 Meter und erinnert an die Form einer Hansekogge. Der Kirchturm mit quadratischer Grundfläche wurde im späten 16. Jahrhundert angebaut; er wird auf einer Ortsansicht Schlutups von 1601 dargestellt. 1711 wurden während des Nordischen Kriegs gefangengenommene schwedische Soldaten in der Kirche gefangen gehalten. Die Kirche diente Mitte des 18. Jahrhunderts den Schlutuper Fischern auch als Versammlungsraum. 1806, als Schlutup von napoleonischen Truppen eingenommen wurde, hielten diese preußische Soldaten in der Kirche gefangen. Sie verwüsteten die Kirche. Die einst farbigen Wände sowie die Decke wurden 1924 weiß übermalt. Teile der Wandflächen wurden wieder freigelegt.
Ausstattung Der Barockaltar von 1716, vermutlich aus dem Umkreis von Hieronymus Hassenberg, mit dem Gemälde des Abendmahls und der auf Holz gemalten Darstellung des gekreuzigten Jesus mit Maria und Johannes war ein Geschenk des Lübecker Kaufmanns Adolf Brüningk. Der um 1500 entstandene gotische Flügelaltar eines unbekannten Künstlers mit dem Notnamen Meister des Schlutuper Altars, der zur Ausstattung der Kirche gehörte, wurde 1847 entfernt und befindet sich im Museum St.-Annen-Kloster Lübeck.
Ältestes Inventar der Kirche ist die Taufe. Die Kuppa aus gotländischem Sandstein stammt aus dem 13. Jahrhundert. Der Fuß wurde im 15. Jahrhundert erneuert. Asmus Witte, der 63 Jahre lang Küster der Kirche war und 1667 im Alter von 83 Jahren starb, stiftete 1641 den Deckel aus Holz. Ihm ist ein Epitaph gewidmet. Die Taufe wird bis heute benutzt.
Die Kanzel ist ein Werk im Übergang von Renaissance zum Barock des Tischlers Hans Silmann aus Lübeck, der sie 1649/1650 anfertigte. Der Schalldeckel stammt von einer früheren Kanzel; er wurde 1587 gestiftet und 1651 von Silmann überarbeitet. Die Tür zum Aufgang der Kanzel ist mit der Jahresangabe 1649 gekennzeichnet.
Neben dem Epitaph für den Küster Asmus Witte ist die Kirche mit Epitaphien der Pastorenfrau Regina Küsel († 1612) und des Pastors Rudolph Hinrichsen († 1672) ausgestattet. Ein lebensgroßes Porträt zeigt den Pastor Michael Leopold († 1691). Den Renaissance-Kronleuchter im Mittelgang aus dem Jahr 1587 trägt einen Doppeladler und einen Doppellöwenkopf.
mini|Innen (1918) 1905 wurde das Kirchengestühl, das bis dahin in drei Blöcken aufgestellt war, erneuert und in zwei Blöcken mit Mittelgang aufgeteilt. Wangen des alten Gestühls wurden dabei weiter verwendet. Die älteste erhaltene Wange stammt aus dem Jahr 1585. Eine Besonderheit dabei sind eingearbeitete Klappsitze zum Gang, die bis heute erhalten sind, aus Sorge vor Beschädigung aber befestigt wurden und nicht mehr benutzt werden können.
Die Kirche hat sechs farbige Glasfenster des 20. Jahrhunderts mit biblischen Motiven. Das erste mit der Darstellung des Kirchenpatrons Andreas wurde 1928 vom Fischindustriellen Gustav Herbst gestiftet. Weitere folgten 1936: Petri Fischzug, gestiftet von Albert Holst, Der Barmherzige Samariter, gestiftet vom Hawesta-Inhaber Hans Westphal, sowie Der Gute Hirte, gestiftet von Johannes Lenschow; und schließlich 1954 die Fenster links und rechts vom Altar: das Weihnachtsfenster Christi Geburt und das Osterfenster Christi Auferstehung. Die Entwürfe zu den Fenstern von 1936 und 1954 stammen vom Lübecker Maler Curt Stoermer. Alle Fenster wurden in der Lübecker Werkstatt Berkentien hergestellt.
Emporenmalerei mini|Emporenmalerei Der Bilderzyklus an der reich verzierten westlichen Orgelempore wurde 1871 aus drei verschiedenen Emporenbilderzyklen zusammengefügt. Ein Zyklus mit Propheten aus einer ehemaligen Empore im Turmraum von dem nur noch ein einziges Bild existiert. Ein Zyklus mit Darstellungen zum NT aus dem Jahr 1731. Die elf Bilder mit Darstellungen zum Leben Jesu haben Unterschriften mit Bibelstellenangaben und wurden teilweise nach Vorlagen von Merian und Marten de Vos gemalt. Ein dritter Zyklus stammt aus dem Jahr 1735 und zeigt hauptsächlich Szenen aus dem AT. Die sechs Bilder tragen Überschriften mit der Angabe der Bibelstellen und wurden überwiegend nach der Vorlage von Merian gemalt. Das Verbindende Motiv der ausgewählten Szenen an der Orgelempore ist die Musik. Zwei der Bilder wurden 1970 von der Empore entfernt und hängen nun im Turmraum.
Orgel mini|Bruhn-Orgel von 1989 Die älteste Orgel befand sich vermutlich bereits vor 1550 in der Kirche. Die Orgel von 1871, von den Orgelbauern Philipp Furtwängler & Söhne angefertigt, wurde 1989 durch einen Neubau ersetzt, der von der dänischen Orgelbaufirma P. Bruhn & Søn, Årslev-Rødekro, erbaut wurde. Das Schleifladen-Instrument hat 21 Register auf zwei Manualen und Pedal. Das Rückpositiv ist schwellbar. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.Nähere Informationen zur Orgel auf der Chronik
I Hauptwerk C–g3 1. Prinzipal 8′ 2. Spitzflöte 8′ 3. Oktave 4′ 4. Rohrflöte 4′ 5. Octave 2′ 6. Mixtur IV 7. Trompete 8′ II Schwell-Positiv C–g3 8. Gedackt 8′ 9. Prinzipal 4′ 10. Koppelflöte 4′ 11. Nasat ′ 12. Waldflöte 2′ 13. Terz ′ 14. Scharff III 15. Cromorne 8′ Zimbelstern Tremulant Pedal C–f1 16. Subbass 16′ 17. Oktavbass 8′ 18. Choralflöte 4′ 19. Nachthorn 2′ 20. Fagott 16′ 21. Trompete (= Nr. 7) 8′ Koppeln: I/P, II/P
Glocken Im Turm befindet sich ein besonderes Geläut mit hohem Wiedererkennungswert. Es besteht aus drei historischen Läuteglocken und der historischen Beichtglocke am äußeren Turmhelm. Die zwei großen Läuteglocken wurden von Matthias Benningk in den Jahren 1590 und 1597 gegossen und haben fast exakt denselben Schlagton. Die kleine Läuteglocke ist ein Werk von dem Gießer Johann David Kriesche, er goss sie 1772 auf dem Hof des Lübecker Ratsgießhaus. Die größte der drei Glocken ging 1908 an den Vorwerker Friedhof, wo sie bis zum Jahr 1942 zu Beerdigungen läutete. Im Jahr 1908 bekam die Andreaskirche eine neue große Glocke von der Lübecker Glockengießerei M & O Ohlsson, sie hatte einen Durchmesser von 0,91 m. Diese Glocke wurde im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Nach dem Krieg kam die große Benningk-Glocke vom Hamburger Glockenfriedhof zurück nach Schlutup und die Kapelle vom Vorwerker Friedhof bekam eine Eisenhartgussglocke der Firma Weule. +Nr.SchlagtonGussjahrGießerDurchmesser (mm)Gewicht (kg)Inschrift1e11597Matthias Benningk12202338HANS · WISSER · MARKES · HVMBORCH · IVRIEN · NIMAN · VORSTENDER DER · KERKEN · THO · SLVCVP · MATTIAS BENNING ANNO·1597 · IN · LVBECK · LAMBERTVS · RISWICK·PASTOR2e11590Matthias Benningk11201638ANNO.1590 . HEBBEN . DE . ERSAMEN . MENNER . HANS . WISER . MARCVS . HOMBORCH . VND . IVRGEN . NIEMAN + + KARCKSVAREN . THO . SLVCKVP . DVSSE . KLOCKE . DORCH . MATTIAS . BENNINCK . IN . LVBECK . GETEN . LATEN3g11772Johann David Kriesche920874ANNO 1772. IST DIESE GLOCKE DURCH JOHANN DAVID KRIESCHE IN LÜBECK UMGEGOSSEN WORDEN. ZU WELCHER ZEIT THOMAS GOTTHARD NEUMEYER PASTOR UND DIE EHRSAMEN MÄNNER IOCHIM HAGEN. FRANZ WILLCKEN. PAUL LANGLOFF. PETER VAGT. VORSTEHER DER KIRCHEN ZU SLUKUP WAREN. SO OFFT DEIN SCHALL. DURCH UNSRE OHREN BRICHT. SEY UNSER HERTZ AUF GOTT. UND UNSERN TODT GERICHT.4–1559Karsten Middeldorp650–ANO 1559 GOET MI KARSTEN MIDDELDORP VERBVM DONI MANET IN AETERNVM
Kirchhof mini|Fischerboot von 1965 auf dem Kirchhof Auf dem Kirchhof ist ein Fischerboot aufgestellt, das 1965 gebaut wurde und der letzte seiner Art in Schlutup hergestellte Kahn war, mit dem Schlutuper Fischer in der Trave Fisch fingen. Das Boot wurde bis 1986 eingesetzt und der Kirche im Juli 1988 vom Gemeinnützigen Verein Lübeck-Schlutup gestiftet.Aufschrift der Tafel am Fischerboot: Letzter hier in Schlutup für einen Schlutuper Fischer gebauter Kahn. Bis 1986 zum Fang auf der Trave benutzt. Gemeinnütziger Verein Lübeck Schlutup e. V. Juli 1988
Pastoren Christian BonneNach Jacob von Melle: Gründliche Nachricht von der Kaiserl. freyen und des H. R. Reichs Stadt Lübeck, Lübeck 1787, S. 415 ff. Hinrich Fredeland (Vredelant?), wurde 1562 Prediger an der Jakobikirche (Saliger-Streit) Tidemann Provesting Diderich NN Christian Sprenger († 1572) Lambert Risewick, vorher Pastor an St. Servatius in Selent, 1573–1599 Johann Oerling, vorher Pastor an der Marienkirche in Bergen, erwählt 1600; † 1611 in der Burg in Lübeck Johann Küsel, vorher an St. Lorenz (Travemünde) und ab 1610 zur Unterstützung Oerlings in Schlutup, ging 1626 nach Travemünde zurück Magister Christoph Bostel, 1626–1629, dann Prediger an der Lübecker Marienkirche Hermann Rodberg, 1629–1654 Magister Rudolph Hinrichsen, Sohn des Lübecker Ratssekretärs Johannes Heinrichs (Jurist), 1654–1672 Johann Köhn, 1673–1676 Michael Leopoldi, vorher Prediger in Hamberge, 1677–1691 Meno Müller, 1691–1714 Hinrich Christoph Steinfeld, 1714–1727 Otto Albert Blank, 1728–1758 Thomas Gotthard Neumeyer, 1755–Jan. 1793 (†)Kirchenbuch Schlutup Christian Ludwig Rüdinger (* 1749 in Mummendorf; † 1840 in Lübeck), 1793–? Gottfried Andreas Sartori, 1825–1828, dann Pastor an der Kirche Nusse Marcus Jochim Carl Klug, 1828–1839 Christian Diederich Bonaventira von Großheim 1840–1877 Heinrich Wilhelm Gerhard Fischer 1877–1916 Siegfried Christian Eberhard Hafermann 1917–1929 Richard Karl Gustav Walter Fischer 1930–1947 Martin Hesekiel 1947–
Organisten Joachim Maaß (Heimatforscher)
Literatur Ursula Hannemann: Die Kirchenfenster von St. Andreas in Schlutup. In: Der Wagen 2006, S. 110–120. Kirchenvorstand St. Andreas (Hrsg.): St. Andreas Schlutup (Broschüre, o. J.). Ulrike Scholz: St. Andreas Schlutup, Hansestadt Lübeck, Bereich Denkmalpflege (Hrsg.), Faltblatt herausgegeben zum Tag des Offenen Denkmals 2007.
Weblinks
Offizielle Website der St.Andreas-Kirche: Kirche, Chronik, Pastoren, Kirchenrundgang
Siehe auch Emporenmalerei in Schleswig-Holstein
Einzelnachweise
Andreas Andreas Kategorie:Kirchengebäude der Backsteingotik Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Andreaskirche (Patrozinium) Kategorie:Kirchengebäude des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg Andreas Kategorie:Disposition einer Orgel