mini|Ambassador Brougham Limousine (1973) mit 6,6 Liter-V8 Der Ambassador war die größte PKW-Baureihe, die die American Motors Corporation (AMC) in den Jahren 1958 bis 1974 herstellte. Der Wagen war bekannt als Rambler Ambassador, Ambassador V8 von Rambler und schließlich AMC Ambassador. Vorher trug diesen Namen der Nash Ambassador, ebenfalls größte Baureihe dieses Herstellers. So wurde der Name Ambassador durchgehend von 1927 bis 1974 gebraucht, von 1927 bis 1931 allerdings lediglich als Bezeichnung einer Ausstattungslinie. Als man den Namen aufgab, war Ambassador die am längsten eingesetzte Fahrzeugbenennung in der Automobilgeschichte. Alle Ambassador wurden in Kenosha, Wisconsin, gebaut.
Prolog Nach dem überraschenden Tod von George Mason im Herbst 1954 übernahm George Romney (den Mason als etwaigen Nachfolger empfohlen hatte) die Führung der neu entstandenen American Motors Corporation. Romney erkannte, dass in den Märkten der Nachkriegszeit der Erfolg des Unternehmens davon abhing, Absatzstückzahlen zu erreichen, die die Amortisation der hohen Werkzeugkosten erlaubte. Sein Ziel war deshalb, mit den Rambler-Modellen den Marktanteil von AMC in einem Segment zu erhöhen, das die Großen Drei (GM, Ford und Chrysler) damals noch nicht bearbeiteten. Als die Entwicklung des überarbeiteten Nash Ambassador von 1958, der auf der verlängerten und neu gestylten Karosserie des Nash Rambler von 1956 basierte, fast fertig war, arbeiteten die AMC-Designer auch an einem neu gestalteten Hudson-Äquivalent namens Rebel, das man den Hudson-Händlern anbieten wollte.
Als jedoch die Verkaufszahlen der großen Nash-Ambassador- und der Hudson-Hornet-Modelle sich verschlechterten, wurde Romney klar, dass das Kundenvertrauen in die Marken Nash und Hudson verschwunden war. So beschloss er 1957, diese Markennamen sterben zu lassen und sich auf die neue Rambler-Modellreihe zu konzentrieren, die im selben Jahr als eigenständige Marke etabliert wurde.
1958–1962 Modelljahr 1958 mini|Ambassador V8 Custom Hardtop (1958) Obwohl die Markennamen Nash und Hudson verschwunden waren, ging die Arbeit am Auto selbst weiter. Es wurde im Herbst 1957 vorgestellt und hatte die verlängerte Rambler-Karosserie mit 2972 mm Radstand, eine bessere Innen- und Außenausstattung, den exklusiven 5,4 Liter – V8-Motor und den „V-Line“-Kühlergrill des Rebel-Prototyps. Darüber hinaus gab es den Wagen in einer exklusiven Ausführung als pfostenlosen Hardtop-Kombi.
Das Management fand heraus, dass die Öffentlichkeit den Namen Rambler mit kleinen, wirtschaftlichen Autos verband, daher wollte man den neuen Ambassador nicht größer auslegen, damit er dem erstrebenswerten wirtschaftlichen Image des Rambler weiterhin verbunden bliebe. So entschloss man sich, den neuen großen Ambassador als Ambassador V8 by Rambler zu vermarkten, um ihn am überbordenden Erfolg des Rambler teilhaben zu lassen, aber doch einen Hauch von Exklusivität anzuzeigen, indem man zeigte, dass es sich um eine andere Art von Fahrzeug handelte. Dennoch trug der Wagen Firmenschilder mit der Aufschrift „Rambler Ambassador“ an den vorderen Kotflügeln.
Der Ambassador von 1958 war wesentlich länger als die Modelle Rambler Six und Rebel V8 mit ihrem Radstand von 2743 mm, obwohl beide Modellreihen sich mit ihm die prinzipiell gleiche Karosserie, das gleiche Styling und den gleichen Chromschmuck teilten. Von dem um 229 mm verlängerten Radstand des Ambassador profitierte allein der Vorderwagen, was bedeutete, dass der Fahrgastraum die gleichen Abmessungen wie beim kleineren Rambler hatte. Auf dem Markt wurde der Ambassador als Konkurrenzmodell zu den großen Modellen anderer Hersteller positioniert.
Die Ausstattungslinien waren an Emblemen an den vorderen Kotflügeln und am Kofferraumdeckel ersichtlich. In der Ausstattungslinie Super hatte der Ambassador in zur Karosseriefarbe passend lackierte Zierelemente an den Flanken, Custom-Modelle besaßen silberfarben eloxierte Zierelemente bei den Limousinen und Holzfolie im Falle der Kombis. Vom Ambassador gab es eine viertürige Limousine, eine viertürige Hardtop-Limousine, einen fünftürigen Kombi und den vorher erwähnten Hardtop-Kombi, den es zuallererst 1956 als Nash oder Hudson Rambler gab, auf dem alle weiteren Rambler-Modelle basierten.
Modelljahr 1959 1959 erhielt der Ambassador Änderungen an Kühlergrill und Chromleisten und überarbeitete Fondtürbleche und Heckflossen.
Modelljahr 1960 mini|Ambassador V8 by Rambler, Limousine (1960) 1960 wurde die Karosserie des Ambassador grundlegend überarbeitet: Es gab neue Kotflügel, eine neue Motorhaube, einen neuen Kofferraumdeckel, neue Türbleche, eine neue Dachlinie, neue Heckleuchten, neue Stoßfänger und eine neue Windschutzscheibe. Die Heckflossen waren niedriger und zur Seite gebogen. Der Gesamteindruck war recht frisch, da das neue Dach niedriger und leichter aussah und besser zu den niedrigen Heckflossen und dem niedrigen Kühlergrill passte.
Modelljahr 1961 mini|Rambler Ambassador Custom 1961 1961 erhielt der Ambassador eine ungewöhnliche Frontpartie, die vom AMC-eigenen Styling-Studio unter der Leitung von Edmund Anderson entworfen wurde: Das neue Gesicht bestand aus einem trapezförmigen Kühlergrill und Hauptscheinwerfern, die aus einem in Wagenfarbe lackierten Blech herausragten, während die vorderen Kotflügel nach unten und vorne über die Vorderkante der Motorhaube hinaus gebogen waren. Dieses Aussehen war anders als alles Andere auf dem Markt und wurde von der AMC-Marketingabteilung als „europäisch“ beworben. Obwohl das neue Aussehen den Ambassador vom billigeren Rambler unterscheiden sollte, war es weder bei den Kunden noch bei der Motorpresse gut gelitten. Die Verkaufszahlen fielen aber auch, weil die gesamte Branche eine Rezession hinnehmen musste. Die Hardtop-Limousine und der Hardtop-Kombi wurden 1961 nicht mehr angeboten.
Modelljahr 1962 mini|Rambler Ambassador 1962 1962 war die Karosserie des Ambassador schon im siebten Jahr auf dem Markt. Und obwohl die Verkaufszahlen von Rambler für den dritten Platz in der amerikanischen Industrie (hinter Chevrolet und Ford) gut waren, arbeitete das Management an einem revolutionären und recht kostenintensiven Design für das Modelljahr 1963. Zugleich musste die American Motors Corporation Geld sparen, und da die Verkaufszahlen des Ambassador 1961 gefallen waren, beschloss man, den Ambassador des Jahrgangs 1962 zu verkleinern und ihm Karosserie und Radstand (2743 mm) des Rambler Classic zu geben. Daher bot man den Wagen als Rambler Ambassador an.
Der 1962er Ambassador bekam eine neue Front, die den Classic-Modellen von 1961 und 1962 ähnelte, aber einen Kühlergrill mit Gittermuster und eingezogenem Mittelteil und einen Ambassador-Schriftzug besaß. Das Heck wartete mit neuen, rechteckigen Rücklichtern auf und die Heckflossen verschwanden ganz. Das Außendekor wurde überarbeitet und eine neue zweitürige Limousine angeboten. Eine neue Ausstattungslinie 400 stellte die Spitze der Modellreihe dar; die Linien Super und Custom blieben.
Trotz der Ähnlichkeiten mit dem 1962er Classic gab es beim Ambassador ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal: Er hatte exklusiv den 4,7– oder 5,4-Liter-V8-Motor, denn der Classic V8 war ausgelaufen.
1963–1964 Modelljahr 1963 mini|Rambler Ambassador 990 Sedan (1963) Romney verließ AMC 1962 und bewarb sich um den Posten des Gouverneurs von Michigan, eine Wahl, die er gewann. Inzwischen war eine ganz neue Rambler-Modellpalette erschienen, die Romneys Philosophie folgte, dass Ramblers beste Überlebenschance im Bau kleinerer Modelle mit möglichst vielen Gleichteilen lag, was die Herstellungskosten niedrig und die Produktionsabläufe einfach hielt. Die neue Modellpalette wurde 1963 mit dieser Philosophie im Hinterkopf eingeführt.
Die Ambassador-Form von 1963 wurde von Edmund Anderson und Richard Teague entworfen. Sie war viel straffer, sauberer und weicher, und fast alle Teile waren mit dem neuen Classic austauschbar. Der Radstand wuchs auf 2845 mm, wobei die Gesamtlänge gleich blieb. Der neue Wagen war sehr innovativ, da die Firma neue Methoden beim Pressen der Blechteile anwandte, dank derer die Türen aus zwei Teilen hergestellt werden konnten und nicht mehr aus mehreren miteinander verschweißten Teilen bestanden, wie es damals üblich war. Die neue Art, Türen zu fertigen, verringerte die Komplexität der Fertigung sehr, sicherte genauere Passungen und eine höhere Qualität und sorgte dafür, dass die Karosserien weniger zum Klappern und zu Undichtigkeiten neigten.
Gebogene Seitenscheiben und Türgriffe mit Druckknöpfen waren kostspielige Neuerungen, betonten aber das gutaussehende, elegante und moderne Styling des neuen Rambler nach Mercedes-Art; das war Eleganz im Detail. Die neue Fahrzeugfront führte zu leichten Kontroversen aufgrund des konkav geformten „Rasierapparat“-Kühlergrills. Der Kühlergrill des Ambassador unterschied sich von dem des Classic durch den Ambassador-Schriftzug in dem schmalen Streifen zwischen oberer und unterer Kühlergrillbegrenzung. Die runden Hauptscheinwerfer waren leicht in Chromrahmen zurückversetzt und saßen nebeneinander an den Rändern des Kühlergrills.
Der Ambassador wurde wiederum als zwei- und viertürige Limousine und fünftüriger Kombi ausgeliefert, aber es gab neue Ausstattungslinien: 880 war die Grundausstattung, die den bisherigen Super ersetzte, und der besser ausgestattete 990 ersetzte den Custom und den 400.
Anfangs hatte nur der Ambassador V8-Motoren, bis der Chef von AMC, Roy Abernethy, anordnete, dass der kleinere 4,7-Liter-V8 ab Mitte des Jahres auch im Classic angeboten werden solle, damit der AMC-Mittelklassewagen mit seinen Rivalen von GM und Ford besser mithielt, die alle seit 1961 oder 1962 V8-Motoren hatten.
Die Verkaufszahlen waren ordentlich und die Neuauflage wurde als Erfolg verbucht. Das Magazin Motor Trend verlieh der gesamten 1963er Rambler-Modellpalette – einschließlich Ambassador – den Titel Car of the Year.
Modelljahr 1964 Im Modelljahr 1964 wurden nur kleine Ausstattungsänderungen und zusätzlich Modelle eingeführt. Der „Rasierapparat-Kühlergrill“ des 1963er Modells wurde durch eine einfachere Ausführung ersetzt und das Angebot an Motoren und Getrieben wurde erweitert. Es gab zum ersten Mal seit 1957 wieder eine zweitürige Hardtop-Limousine, den 990-H. Die 880er Basismodelle fielen weg, und der Ambassador bekam als Grundausstattung wieder den zuverlässigen 5,4-Liter-V8-Motor.
1965–1966 Modelljahr 1965 mini|Der Ambassador von 1965 hatte übereinander angeordnete Hauptscheinwerfer (hier ein 990 Hardtop) So unerwartet groß der Erfolg des neuen Rambler auch war, so war Roy Abernathy doch nicht vollkommen zufrieden. Mit seiner Erfahrung als hervorragender Verkäufer schaute Abernathy genau, wohin die Konkurrenz der American Motors Corporation sich bewegte, und kam zu dem Schluss, dass die Firma noch erfolgreicher wäre, wenn sie Modell für Modell mit den Großen Drei (Chevrolet, Ford, Plymouth) konkurrieren würde. Daher beabsichtigte er, alle AMC-Fahrzeuge in den jeweiligen Segmenten höher zu positionieren, das Billigauto-Image der Marke abzustreifen und wieder in allen drei Hauptklassen des amerikanischen Automobilmarktes – große Modelle, Mittelklassemodelle und Kompaktmodelle – Fahrzeuge anzubieten. Der American und der Classic waren bereits starke Wettbewerber in den beiden kleineren Klassen, daher richtete er 1965 sein Augenmerk darauf, den Ambassador auf echtes Full-size-Format zu vergrößern, indem er Karosserie und Fahrgestell des Classic verlängerte und ihm ein ganz anderes Styling verpasste. Die damaligen Größenklassen definierten sich eher über Radstände als durch Passagier- und Kofferraumvolumina.