Bergbau und Erzverhüttung auf der Insel Thasos weisen eine sehr lange und bemerkenswerte Geschichte auf. Diese reicht mit langzeitigen Unterbrechungen von der Jungsteinzeit bis in das 2. Jahrtausend unserer Zeitrechnung. Beginnend mit der Rotocker-Gewinnung im ältesten Untertagebergbau Europas, setzte sie sich ab etwa dem 8. Jahrtausend v. Chr. bis in byzantinische Zeit fort mit dem Abbau und der Verhüttung von Bunt- und Edelmetallerzen und der Gewinnung von Marmor. Im 20. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde der Abbau von Zinkerzen, Eisenerzen und Marmor wiederaufgenommen, wobei allein die Gewinnung von Marmor bis heute andauert.

Tektonik und Geologie mini|Großtektonik um die Insel Thasos mini|links|Einordnung der Erzvorkommen in die stratigraphisch-petrographische Gliederung der Insel Die Insel stellt den südlichsten Teil der Griechischen Rhodopen dar. Sie ist rings umgeben von großen, steilen Störungen und mehrere tausend Meter tiefen kristallinen Grundgebirgsbecken: Das bedeutendste, nordwestlich der Insel gelegene Nestos-Prinos-Becken, das westlich und südwestlich gelegene West-Thasos-Apollonia-Becken oder Orphanos-Becken mit Fortsetzung zum Strymon-Becken, sowie das östlich der Insel gelegene Ost-Thasos-Becken mit Übergang zum Komotini-Becken. Aus diesen randlichen Becken ragt der kristalline Inselkörper horstförmig aus 4.000 bis 6.000 m Meerestiefe an die Oberfläche der Ägäis und weitere über 1.200 m bis zu den Gipfeln des Ipsarion-Massivs. Die tiefen Grundgebirgsbecken wurden im Neogen mit mächtigen Sedimentfolgen aufgefüllt und beinhalten die seit 1972 in Förderung stehenden sowie weitere noch nicht aufgeschlossene Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten.

Auf der Insel Thasos besteht die Rhodope-Serie aus metamorphen kristallinen Gesteinen, also Glimmerschiefern, Quarziten, Gneisen und grobkristallinem Marmor. Der stratigraphisch-petrographische Aufbau dieser Serien wird in nebenstehender Säulengrafik nach dem Stand von 1988 dargestellt.

mini|Geologische und metallogene Karte der Insel Thasos Die reiche Erzmineralisation im Grundgebirge der Insel geht in den meisten Vorkommen zurück auf synsedimentäre Einlagerungen in die Ais-Matis- bzw. Kastrou-Marmorserie. Für wenige, aber sehr bedeutende Erzlagerstätten sind syngenetisch aufsteigende, hydrothermale Lösungen in die Bruch- und Kluftzonen des Faltengebirges verantwortlich. Im Oberflächenbereich wurden die primären Erzminerale infolge Verkarstung einer Umlagerung, mineralischen Metamorphose und Oxidation ausgesetzt. Sie finden sich überwiegend in Spalten und Klüften und wurden in den bisher erkundeten Bergwerken gewonnen.

Seit der griechischen Frühzeit, vor allem aber in der Antike und bis in die Byzantinische Zeit waren die Bodenschätze der Insel Grundlage für ihren besonderen Reichtum und für ihre Bedeutung in der Nordägäis: Gold, Silber, Blei, Kupfer und Eisen wurden abgebaut und verhüttet. Zinkerz- und Eisenerzabbau fand in der Neuzeit statt, die Marmorgewinnung ab dem 10. Jahrhundert v. Chr. bis in die heutige Zeit.

Bergbau Der Buntmetall-, Silber- und Eisenerzbergbau fand nahezu ausschließlich im Westteil der Insel, der Goldabbau fast ausschließlich nahe der Ostküste und die Marmorgewinnung bis heute in der Osthälfte von Thasos statt.

Rotocker mini|Rotocker-Mundloch Tzines T1 im Chondrodymos-Tagebau Im Südwesten der Insel, fünf Kilometer nordöstlich von Limenaria, entdeckte der deutsche Geologe Herrmann Jung im Jahre 1956 im Konzessionsbereich des Eisenerztagebaues Mavrolakka der Firma Chondrodimos S. A. die untertägigen Rotocker-Abbaue von Tzines. Kundige Einheimische führten die Archäologen zu zwei weiteren Ocker-Abbauen, denen von Vaftochili bei Kalivia/Limenaria und von Boyes bei Skala Rachoni. Der Griechische Antikendienst, die 18. Ephorie Kavala, nahm 25 Jahre später mit dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, die Untersuchungen auf und veröffentlichte 1988 erste Ergebnisse. Die Details liegen seit 1995 vor.

Das Bergbaurevier von Tzines weist an den Hängen des gleichnamigen Hügels etwa 20 Abbaustellen mit klaren Anzeichen des Abbaus von Hämatitausbissen in Bingen, Schürfen und Stollenmundlöchern auf. Nach Aufschluss der Mundlöcher wurden zwei unverbrochene Stollen und Abbauräume erkundet.

Bei dem Abbau T1 handelt es sich um den größten und bestens untersuchten Untertageabbau, einem söhligen, geweiteten Stollenbau, sieben Meter lang, drei Meter breit und 0,7 bis einen Meter hoch, sowie einem anschließenden kurzen Stollen von 1,4 Meter Länge und einer Höhe von 0,3 bis 0,6 Metern. Ausgegraben wurden an den Streckenstößen in den Abbauen T1 und T2 etwa 500 Abbauwerkzeuge wie Geröllsteine als Schlagwerkzeuge, Flintklingen, Geweihsprossen und Knochen von Rindern und Antilopen sowie Knochenspaten. Die steinzeitlichen Werkzeuge sind im Detail aufgenommen und fotografisch erfasst worden.

Die Werkzeugfunde, insbesondere die Knochenfunde, erbrachten eine Datierung in die zweite Hälfte der Altsteinzeit, in das Jungpaläolithikum (nach dem 20. Jahrtausend v. Chr.). Der Abbau T1 wurde bei klar erkennbaren Unterbrechungen über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Die späteste Datierung liegt im Altneolithikum, bei etwa 6400 v. Chr., allerdings ist ein Abbau bis ins Mittelneolithikum nicht unwahrscheinlich. Der Untertage-Ockerabbau auf Thasos ist damit wesentlich älter als die Ockergräber-Kultur, und sicher viel älter als die ältesten bekannten Untertagebergbaue in Europa, die Flintstein-Minen der Kupfer- und der Frühen Bronzezeit. Es handelt sich in Tzines demnach um den ältesten Untertage-Bergbau Europas.

Am Hang über T1 liegt die untertägige Kammer des Abbaus T2 mit drei mal vier Meter Weite, ein bis eineinhalb Meter Höhe und drei kurzen Stollenabgängen. Da hier fast ausschließlich Steinwerkzeuge gefunden wurden, ist der Betrieb dieses Abbaus einer späteren, der prähistorischen Periode zuzuordnen.

Der Stollen T3 ist im vorderen Bereich verbrochen. Der hintere Teil ist nicht erkundet. Auf der Sohle fanden sich Steinwerkzeuge in besonders großer Zahl. Am Mundloch von Stollen T6, der nicht zugänglich ist, fanden sich nur wenige Steinwerkzeuge und Schieferplatten.

Der antike Ockerbergbau Vaftochili liegt 500 Meter nördlich von Kalivia/Limenaria. Er umfasst ein weitverzweigtes Stollensystem mit einer Gesamtlänge von mehreren hundert Metern. Der Abbau erfolgte bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Dies trifft auch zu für die übertägigen Schürfbaue und das ausgedehnte Stollensystem von Boyes.Chaido Koukouli-Chrysanthaki, G. Weisgerber: Prehistoric Ochre Mines on Thasos. In: Actes du Colloque International, Limenaria/Thasos, 26.–29. Sept. 1995. ISBN 2-86958-141-6, S. 129–144.

Marmor → Heutiger Abbau: Thassos-Marmor

mini|Marmor- und Schieferabbau auf Thasos Die prähistorische Marmorgewinnung war auf die Küstenregion von Thasos beschränkt. Die bekanntesten Steinbrüche waren Fanari, Saliara, Vathi und Pyrgos im Nordosten und Aliki und Archangelos im Südosten der Insel. Abgebaut wurden damals der weiße dolomitische Marmor in der Region Saliara und der kalzitische Marmor im Bereich Aliki.P. Tsompos, K. Laskaridis: Η εξόρυξη μάρμαρου στη Θάσος, S. 39.

Besonderes Interesse an den Marmorvorkommen der Insel zeigten die Parier nach ihrer Ansiedlung. Sie begannen im 7. Jahrhundert v. Chr. mit dem Abbau im Gipfelbereich der Akropolis, am Kap Fanari, in Vathi und Aliki, wobei sie die Erfahrung in der Gewinnung von Marmorblöcken, die sie auf Paros gewonnen hatten, nutzen konnten. In archaischer Zeit wurden Fanari und Vathi weiter betrieben, hinzu kamen die Steinbrüche von Pyrgos und Pholia, Vathi und Saliara. In der klassischen Periode produzierten vor allem Aliki, Thymonia und auch Fanari und Vathi 3, in der hellenistischen Zeit wurde der neue Abbau in Marmaromandra aufgeschlossen. Die Gewinnung in römischer Zeit ist in Saliara nachgewiesen. Besonders aufgeblüht war der Marmorabbau in der byzantinischen Periode. Im Mittelalter wurde die Gewinnung stark reduziert, im 14. Jahrhundert wurden neue Steinbrüche eröffnet und die Produktion stieg wieder.

Der Thasos-Marmor wurde bereits seit frühester Zeit nur teilweise auf der Insel bearbeitet, größtenteils jedoch in Blöcken exportiert. Beliefert wurden in der späten archaischen Zeit Mazedonien, die Peloponnes, Türkei, Süditalien und der Nahe Osten. Ende der hellenistischen Periode gelangte Thasos-Marmor nach ganz Italien. In römischer Zeit wurde Vathi-Marmor in großen Mengen auch in entfernte mediterrane Bereiche exportiert. Im zweiten Jahrhundert war Italien der Hauptabsatzmarkt. Daneben wurden Süd-Griechenland, die Ägäischen Inseln, die ägäische Türkei, Jordanien, Ägypten, Tunesien und das Rhonetal in Frankreich beliefert.

Der fein- bis mittelkörnige, hellweiße Dolomit-Marmor aus Vathi wurde bevorzugt verwendet für die Fertigung von Statuen, Porträt-Büsten, Köpfen, Grabstelen, Reliefs, Türrahmen und Sarkophagen. Letztere gingen unter anderem vorgefertigt in großer Zahl von Vathi nach Rom. Es wird angenommen, dass die meisten von der Antike bis in die römische Zeit gefertigten Dolomitmarmor-Skulpturen aus Vathi-Marmor gefertigt worden sind.

Die ausgedehntesten und bedeutendsten Marmorbrüche wurden jedoch im Südosten der Insel, vor allem auf der Halbinsel Aliki, ab dem siebten Jahrhundert ohne große Unterbrechungen bis in die byzantinische Zeit betrieben. Hier wurde ein unverwechselbar grobkörniger und homogener Calcit-Marmor von damals hohem Wert abgebaut.

Thasos wurde mit dem Vathi-, insbesondere aber mit dem Aliki-Marmor, zu einem der bedeutenden Marmorexporteure für das antike Griechenland: Nachgewiesen wurde Aliki-Marmor im Tempel von Pergamon, im Apollo-Tempel von Didyma, im Mausoleum von Halikarnassos und im Heiligtum der Kabyren auf der Insel Samothraki.

In Zeiten des Römischen Reiches zählte der Aliki-Marmor zu den besten im Reich. Vitruvius, Seneca, Plinius und Plutarch gaben Zeugnis ab für die Bekanntheit des thasischen Marmors, der in Ephesos im vierten Jahrhundert v. Chr., in Thrakien und bei zahlreichen Bauwerken in Rom verwendet wurde.

Der gegenwärtige Marmorabbau findet in denselben Regionen statt, in denen in prähistorischer Zeit abgebaut worden war, also in den Kastania- und den Livadakia-Bergen über der Agios-Ioannis-Bucht (Typ Saliara) und im Raum Theologos (Typ Aliki). Der Marmorabbau stellt die letzte und einzig verbliebene Bergbauaktivität auf der Insel dar. Sie ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung für Thasos.

Schiefer Neben dem auf der Insel vorkommenden Marmor stellt der Gneis den dominierenden Gesteinstyp und wichtigsten lokalen Baustoff dar. Beim Schiefer handelt es sich um einen feinkörnigen Gneis, der einen feinlagigen Aufbau und eine plattige Ausbildung aufweist. Die leicht zu trennenden Platten zeigen eine nahezu ebene Oberfläche.

Aus dem Schichtprofil sind zwei metamorphe Schieferserien unterschiedlicher mineralischer Zusammensetzung ersichtlich, die obere Maries- und die tiefere Kinyra/Potamia-Serie.

Die als Plattenschiefer verwertbaren Vorkommen waren auf Thasos bei jeweils begrenzten Mengen in nur wenigen Vorkommen vorhanden. Die Schieferbrüche, so genannte „Plakarias“, wurden meist in Verbindung mit der Errichtung und der Instandhaltung von Siedlungen aufgeschlossen. Bekannt sind die Schieferbrüche „Kalivi Liapi“ bei Krini/Kinyra, „Moni Karakallou“ im oberen Maries-Tal, „S-chidia“ und „Kalami“, im Süden der Insel.

Schiefer wurde bereits in prähistorischen Zeiten, in der späten Kupfer- bis in die frühe Eisenzeit, verbaut. In den Gräberfeldern um Kastri sind die Seitenwände der Kistengräber aus trocken geschichtetem Schiefer oder hochkant gestellten Platten errichtet und mit großen Platten abgedeckt worden.