mini|Pfarrkirche Kaisersteinbruch, Westfassade samt Friedhof mini|Luftaufnahme des Ortes, der Kirche, Anfang 20. Jh. mini|hochkant=1|Bild des Hochaltares mini|Altarraum, histor. Foto von P. Wolfgang Diesner (1924) coloriert mini|hochkant|Andachtsbild der Wallfahrtskirche, 17. Jh.
Die Pfarrkirche Kaisersteinbruch ist eine denkmalgeschützte, 1652 geweihte, römisch-katholische Pfarrkirche in der Katastralgemeinde Kaisersteinbruch der Großgemeinde Bruckneudorf im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland. Sie ist den Pestheiligen Rochus und Sebastian geweiht und die ehemalige Zunftkirche des Handwerks der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch. Sie gehört zum Dekanat Neusiedl am See, Diözese Eisenstadt.
Geschichte Der älteste bekannte Vorgängerbau war eine Kapelle, die wegen Vergrößerung des Kapellenbruches abgerissen wurde. In diesen Jahren wurden die Bewohner seelsorglich von den Nachbarpfarren Winden am See und Sommerein betreut. Daher befanden sich die Epitaphe der Steinmetzmeister Alexius Payos † 1591 und Cyprianus Novoalas † 1595 (derzeit im Stadtmuseum Mannersdorf) an der Pfarrkirche Sommerein.
1617, als im kaiserlichen Steinbruch am Leithaberg und in umliegenden Orten die Pest grassierte, leisteten Steinmetzen das Gelübde, im Überlebensfall eine Kapelle zu errichten. Das Stift Heiligenkreuz als Grundherrschaft stellte das Grundstück zur Verfügung.
Im selben Jahr 1617 erhielt die Bruderschaft der Kaisersteinbrucher Meister den Status einer eigenständigen Viertellade, die der Hauptlade in Wiener Neustadt zugeordnet war. Zur Viertellade gehörte das Steinmetzhandwerk zu Sommerein (bis 1783, dann zu Bruck an der Leitha) und Winden am See und Jois (bis zuletzt). Das kaiserliche Privileg der Handwerksordnung regelte sowohl das weltliche als auch das kirchliche Zusammenleben.
Baubeginn Am 21. November 1618 übergab die Kaisersteinbrucher Bruderschaft im Beisein von Pater Christoff Schwarzböck, Pfarrherr von Winden und zuständig für Steinbruch, dem Maurermeister von Ebenfurth Steffan Friedrich den Spannzettel, den Auftrag für genau bestimmte Bauarbeiten nach ihrem Plan.Archiv Stift Heiligenkreuz: Spanzettel zwischen denen Meistern in Steinbruch und dem Meister Steffan Friderichen, Maurer von Ebenfurt, wegen des Gottshaus in bemeltem Steinbruch. R 51/F II/Nr. 9 (Auszug) .. dass er seinen Zusagen nach die Sacristei und ein Gewelbl außerhalb der Khürchenthüre mache und die Khirchen pflastere, solches alles auf seine Unkosten .. unterfertigt von den Meistern Andre Ruffini und Ulrich Payos aus dem Steinbruch. An dieser Arbeit den 21. November empfangen einhundert Taler.
Wohltäter der Kirche Es gab einige besondere Stifter für das neue Gotteshaus. Der römische Kaiser, auch zu Ungarn und Böhmen König Matthias ließ zum Bau 50 Gulden reichen, den 16. August 1618; die römische Kaiserin Anna 20 Gulden, den 30. August 1618. Die „Hochfürstliche Majestät“, Erzherzog Maximilian zu Österreich (Bruder des Kaisers) desgleichen 20 Gulden, den 26. October 1618 und die königliche Majestät zu Ungarn und Böhmen, Erzherzog Ferdinand II. bewilligte ebenfalls 20 Gulden den 1. Dezember 1618. Nach 1623 stiftete die durchlauchtigste Frau Isabella, Herzogin von Friedland ein weißes, doppeltaftenes Messgewand und ein Alben.Archiv Stift Heiligenkreuz 51/II/13: Verzeichnis der Benefactens und Guttäter... In Mitteilungen Nr. 11, September 1991, S. 10–13.
Die italienisch-schweizerischen Maurer und Steinmetzen wandten sich 1624 an Kaiser Ferdinand II. mit der Bitte um eine eigene Handwerksordnung. Doch die deutschen Handwerker behielten ihre Freiheiten, die Italiener mussten die vorgeschriebene Ordnung akzeptieren. Ein Konflikt entstand, während die deutschen Steinmetze in Wien beim hölzernen Peter und Pauls-Altar zu St. Stephan feierten, war es in Kaisersteinbruch ein Altarbild mit Himmelfahrt Marias, der Dreifaltigkeit und den Pestheiligen Rochus und Sebastian.
Die Steinmetzbruderschaft forderte das Recht auf das Kirchengebäude und den Pfarrer ihrer Wahl zu bestellen, gegenüber dem Stift Heiligenkreuz ein. Ihr Argument war, dass sie mit ihrem gegebenen Geld und ihrer geleisteten Arbeitskraft die Bauherren seien. Sie hatten den Wiener Advokaten Dr. Rosei mit dieser Sache betraut – das Dokument ist erhalten. Die Zechrechnungen dieser Zeit sind allesamt verloren. Die Bruderschaft beschloss 1647, .. die Kirche und den Friedhof völlig zu verfertigen und auf eigene Kosten ohne Zutun und Willen Ihro Gnaden (Herr Abt), damit sie Jus patronus (Pfarreibesetzungsrecht)Johann Gottfried Sommer: Neuestes wort- und sacherklärendes Verteutschungs-Wörterbuch. Ein Handbuch für alle gebildeten Menschen überhaupt. Prag-Calve’sche Buchhandlung, 1825. selbst behalten, benedicieren zu lassen.
Kirchweihe Die Kirchweihe erfolgte am 30. Juli 1652 durch Abt Michael Schnabel vom Stift Heiligenkreuz. Die Bruderschaft hatte ursprünglich Heinrich Wolter von Streversdorf, Weihbischof in Köln, Kurmainzer Rat und Rat des Erzherzogs Leopold von Österreich, darum gebeten. Seit 1645 sind Wallfahrten zur Kirche in den kaiserlichen Steinbruch bekannt.Sepp Gmasz: „Dem bauckhentrager geben 10 Kreuzer.“ Materialien zur älteren Prozessionsmusik im Burgenland. Sonderdruck aus Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes. Band 44, 1995.
Der Richter im Steinbruch, Hofbildhauer Pietro Maino Maderno, weitete das Recht, den Salva Guardia-Adler an den Häusern und in der Dorfmitte auf einer Holzsäule anzubringen, auf den Kirchturm aus und ließ dort den schwarzen Doppeladler aufmalen. Daraus entstand der „Adler-Streit“, der die gesamte Geschichte Kaisersteinbruchs prägte.
Zerstörung durch Krieg Während der Zweiten Türkenbelagerung im Juli 1683 wurden wie in anderen Orten der Umgebung alle Häuser samt den Kirchen in Brand gesetzt. Zwei Seitenaltäre, von Giorgio Regondi und Antonius Pery blieben erhalten und wurden von Sebastian Regondi und Johann Paul Schilck restauriert.
Neuer Hochaltar mini|hochkant|Siegel von Joh. Georg Aichner, Bildhauer zu Gumpoldskirchen
Elisabeth Cremserin, verwitwete Fleischhackerin, stiftete 1692 in ihrem Testament 400 fl für einen neuen Altar in der Kirche. Am 9. Mai 1692 erhielten Richter Ambrosius Ferrethi und Reichardt Fux den Betrag ausgehändigt. Der Altar wurde nicht neu erstellt, sondern kam von der Kirche zu Trumau. Er bestand aus Holz und wurde für die Kirche Kaisersteinbruchs künstlerisch ausgestaltet. Verträge wurden geschlossen: mit Johann Georg Aichner, Bildhauer von Gumpoldskirchen, neben der Tischler- und Bildhauerarbeit kamen zwei Statuen des Hl. Matthäus und der Hl. Elisabeth hinzu; mit Adrian Bloem, Wiener Maler, wegen eines Altarblattes und mit Heinrich Wildernt, Wiener Vergolder, wegen Fassung des Altares.
Pfarrer Thomas Stocker von Wilfleinsdorf Am 4. März 1708 verfasste der Wilfleinsdorfer Pfarrer Stocker ein umfangreiches, von ihm eigenhändig geschriebenes Testament. Darin bat er .. er will im Gottshaus S.S.Rochi und Sebastiani im Heil. Kreuzer Steinbruch begraben werden. Hierfür stiftete er auch 20 Gulden.Diözesanarchiv, Pfarrakten Wilfleinsdorf, Fasc. 1542–1689Robert Wögerer: Wilfleinsdorf, Geschichte des Ortes und der Kirche, 1996. S. 73.
Barockisierung Nach dem endgültigen Sieg im Großen Türkenkrieg brach im Land eine noch nie dagewesene Bautätigkeit aus. Die Zeit der Belagerung und Zerstörung wurde abgelöst von einer Lebensfreude, die sich in einer völlig anderen Lebensweise ausdrückte. Wien wurde eine Stadt der barocken Architektur und übte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation eine starke Sogwirkung auf Baufachleute aus. Johann Bernhard Fischer von Erlach verwirklichte all das im Gesamtkunstwerk der Wiener Karlskirche. Einer seiner Mitarbeiter, der im kaiserlichen Steinbruch tätige, aus dem Frankenland zugewanderte Steinmetz Elias Hügel verarbeitete diesen Geist und die Formen in seinen Steinaltären. Die Erweiterung und Barockisierung der nunmehr zweitürmigen Kirche nach den Plänen von Elias Hügel war 1745 abgeschlossen. Der Hochaltar wurde 1720 von der Steinmetzbruderschaft, die Seitenkapelle mit Kreuzaltar 1738 von Elias Hügel errichtet.
Endgültiger Hochaltar Auf einer Steintafel sind die Namen der Constructores eingemeisselt: Elias Hügel, Johann Paul Schilck, Johann Baptist Kral, Simon Sasslaber, Franz Trumler und Joseph Winkler. Für diese Wohltäter wurde bis ins 20. Jahrhundert in Gottesdiensten gebetet.
„St. Maria“-Glocke Am 22. April 1726 beschloss das Steinmetzhandwerk die Anschaffung einer größeren Glocke zu dem Geläute der Kirche. Beim Glockengießer Franz Scheichel in Wien beauftragten sie eine Glocke mit elf Centnern und bezahlten 627 Gulden. Die Bruderschaft übernahm davon freiwillig 267 fl. Die noch fehlenden 360 fl finanzierten die Meister Elias Hügel, Simon Sasslaber, Johann Baptist Kral, Joseph Winkler, Franz Trumler und Johann Baptist Regondi unter der Bedingung, dass die Glocke nur den Steinmetzmeistern und Gesellen geläutet werden solle, alle anderen müssen der Kirche 1 fl 45 kr bezahlen.
Zu Ehren der Allerheiligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria weihte Abt Gerhard vom Stift Heiligenkreuz als Grundherr am 27. Mai 1726 die St. Maria-Glocke. Erstmals ertönte das Geläute für Felix Freywiller.
Inschrift von Elias Hügel Die Kirchenrechnungen vieler Jahre sind im Heiligenkreuzer Archiv erhalten und geben Auskünfte, die besonders wichtigen Jahrgänge von 1738 bis 1745 sind verschwunden, die Eigenleistung der Steinmetzbruderschaft kann nicht nachvollzogen werden. Elias Hügel ließ auf seinem Epitaph die Worte einmeisseln … DAS GOTTESHAUS VON SEINEM RUHM AUCH SPRECHEN – WO VON IHM ZWEY ALTÄR ZEICHNET UND ERBAUT …
Kirchvater Der Kirchvater, auch Kirchenvater, war ein gewählter oder bestellter Vertreter der Pfarrgemeinde, der mit dem Pfarrer gemeinsam das Materielle verwaltete, so die Kontrolle des Pfarrvermögens.
Sohn Michael
Einige Beispiele: 1672 Mathias Cremser, Fleischhauermeister, 1682 Jonas Fückhler, Fleischhauermeister, 1691 Reichardt Fux, 1738 Franz Abt, 1756 Andreas Kowalt, 1792 Bernhard Gehberger, Tischlermeister, 1825 Balthasar Arnt, Herrschaft Königshof, 1869 Joseph Amelin, 1932 Ludwig Markowitsch. Ohne Berufsangabe ist es ein Steinmetzmeister.Index: Kirchenvater. In Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. Band 1 A–H, Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch, Bruckneudorf-Kaisersteinbruch 2002.Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. Band 2. I–Z. Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch, Bruckneudorf-Kaisersteinbruch 2004.
Wallfahrtskirche Die Gottesdienstordnung des 18. Jahrhunderts, und sicher auch einiger Jahrzehnte davor, zeigt eine häufige Abfolge von ankommenden und ausgehenden Prozessionen. Nach Kaisersteinbruch kamen die Pilger von Winden am See, Breitenbrunn am Neusiedler See, Höflein, Wilfleinsdorf, Sommerein, Göttlesbrunn, Reisenberg, Trautmannsdorf, Rohrau, Bruck an der Leitha, Purbach und Wien.
Neusiedler Wallfahrt Die Wallfahrt von Neusiedl am See nach Kaisersteinbruch erfolgte am 17. August. Es war ein „Pestversprechen“, seit 1645.Hinweis von Hans Kietaibl. Josef Rittsteuer: Neusiedl am See: ein Beitrag zur Orts- und Kirchengeschichte des Burgenlandes. Selbstverlag, [Klein-Frauenhaid, Bgld u. a.] 1949. :.. so musste man die Zustimmung der Bruderschaft in Neusiedl einholen, als man daran ging, die Wallfahrt nach Kaisersteinbruch vom Rochustage auf den nachfolgenden Sonntag zu verlegen. Nachdem die Gemeindevertretung und die Bruderschaft zugestimmt hatten, ging man erst am Sonntag nach dem Rochustag (17. August). Demnach war Kaisersteinbruch ein wichtiger Wallfahrtsort wegen der Pest, Rochus war Pestpatron. Der Andrang am Rochustag war so groß, dass die Neusiedler die Wallfahrt um eine Woche verschoben.In dem Buch von Josef Rittsteuer Neusiedl am See auf Seite 144 zu lesen. Rittsteuer schreibt von der Neusiedler Rosenkranzbruderschaft, die sich 1673 an der Prozession nach Kaisersteinbruch beteiligte und mitzog.
Wallfahrt der Herrschaft Rohrau