Die Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz ist eine eingleisige Hauptbahn in Brandenburg und Sachsen, welche ursprünglich von der Berlin-Görlitzer Eisenbahn-Gesellschaft erbaut und betrieben wurde. Sie zweigt in Lübbenau von der Bahnstrecke Berlin–Görlitz ab und führt über Calau und Senftenberg ins sächsische Kamenz. Dort besteht Anschluss an die Bahnstrecke Kamenz–Pirna.

Geschichte mini|links|Streckenführung der Bahnlinie um 1927 im Bereich von Senftenberg / Sedlitz vor dem Aufschluss des Tagebau Sedlitz mini|links|Haltepunkt Wiednitz mini|links|Ursprüngliche Gleisführung vor dem Aufschluss des Tagebau Niemtsch zwischen Hosena und Senftenberg um 1940 mini|links|Bahnhof Straßgräbchen-Bernsdorf

Die Strecke von Lübbenau über Großräschen, Senftenberg nach Kamenz wurde 1874 eröffnet. 1882 wurde die Berlin-Görlitzer Eisenbahngesellschaft verstaatlicht und Teil der Preußischen Staatseisenbahnen. Während der Zeit des Braunkohlebau hatte die Bahnlinie Bedeutung für die Abfuhr der gewonnenen Braunkohle, und es wurde der Verlauf der Bahnstrecke im Bereich Senftenberg mehrmals umgeleitet. Besonders zu DDR-Zeiten hatte der Streckenabschnitt Lübbenau–Senftenberg große Bedeutung für die hier ansässige Braunkohleindustrie samt benachbarten Braunkohle-Tagebauen. Zuerst musste die ursprüngliche Streckenführung von Hosena nach Senftenberg, der durch den 1941 aufgeschlossenen Tagebau Niemtsch ging, verlegt werden. Bedingt durch die nördlichere Verlegung des Tagebaues in den 1950er Jahren musste die Strecke im Bereich des Bahnhof Hosena umgeplant werden. Der ehemalige Turmbahnhof mit der Bahnstrecke Węgliniec–Roßlau wurde in eine niveaugleiche Gleisführung umgebaut. Die am 22. April 1955 in Betrieb genommene Neutrassierung führte danach um den Tagebau Niemtsch und späteren Senftenberger See sowie der Ortschaft Peickwitz vorbei weiter bis Brieske. Lediglich der an der alten Trassierung gelegene Bahnhof Hohenbocka Nord (heute Hosena Nord) blieb in Betrieb.Internetseite über die Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz auf sachsenschiene.netInternetseite über den Bahnhof Hosena auf sachsenschiene.net Mit dem Vorrücken des Tagebau Meuro Richtung Großräschen wurde die Strecke ein zweites Mal umgebaut und führte nun um den Tagebau herum hinter Sedlitz Richtung Großräschen.

Zum 23. Mai 1998 wurde der Schienenpersonennahverkehr auf dem Abschnitt Hosena–Kamenz von der damals noch zuständigen Landesverkehrsgesellschaft Sachsen abbestellt. Güterverkehr sowie gelegentlicher, eigenwirtschaftlicher Personenverkehr finden in diesem Abschnitt nach wie vor statt.

Von 2014 bis 2016 gab es mit der Lausitzer Seenlandbahn von Dresden ausgehend touristische Fahrten auf dieser Strecke, die am Zielort mit einem organisierten Tagesprogramm verbunden waren. Pro Jahr konnten mehr als 200 Fahrgäste verzeichnet werden. Der Zustieg in den Triebwagen der DR-Baureihe VT 2.09 des Vereins Ostsächsische Eisenbahnfreunde war in Kamenz und Straßgräbchen-Bernsdorf möglich. Bereits für 2017 und 2018 war die Bestellung von je einem Zugpaar ins Lausitzer Seenland an den Wochenenden der sächsischen Sommerferien geplant. Aus rechtlichen Gründen war die Nutzung der Bahnsteige in Bernsdorf und Wiednitz nicht möglich, so dass die Züge nicht verkehren konnten.

Im Jahr 2019 waren in den sächsischen Sommerferien samstags je zwei Zugpaare zwischen Dresden und Senftenberg geplant, die zum normalen VVO-Tarif genutzt werden können. Als EVU war vom Verkehrsverbund Oberelbe die Städtebahn Sachsen beauftragt, die dafür zwei der regulären Zugpaare Dresden–Kamenz bis Senftenberg verlängerte. Die Fahrten endeten aufgrund der Insolvenz der Städtebahn.„Die Seenlandbahn nimmt wieder Fahrt auf“ auf sächsische.de Infolge der Insolvenz der Städtebahn verkehrten die Züge nur an den ersten drei Wochenenden.

Seit 2020 verkehrt jeweils an den Wochenenden in den sächsischen Sommerferien ein Zugpaar zwischen Dresden, Kamenz und Senftenberg. Die Züge halten auch in Straßgräbchen-Bernsdorf, Wiednitz und Hosena.Pressemitteilung des VVO vom 18. Juni 2020

Es gab Forderungen sowohl seitens der Politik als auch der Wirtschaft, eine regelmäßige Verbindung von Dresden über Kamenz nach Senftenberg einzurichten. Dies soll vor allem die Fahrtzeit nach Berlin sowie zu den Flughäfen erheblich senken, aber auch innerhalb der Westlausitz. Zurzeit dauert eine Fahrt von Kamenz nach Senftenberg mehr als zwei Stunden.

Am 17. August 2021 gab Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig bekannt, dass die Verbindung Hosena–Kamenz eine von fünf Strecken in Sachsen ist, die das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr „intensiv und detailliert auf eine Aktivierungsmöglichkeit“ für den Schienenpersonennahverkehr untersuchen wolle. Bei einer Durchbindung der Regionalbahn-Linie RB 34 von Dresden nach Hoyerswerda wird zwischen Hosena und Kamenz täglich mit 600 Fahrgästen gerechnet.„Sechs stillgelegte Bahnstrecken in Sachsen vielleicht bald wiederbelebt“ auf mdr.de

Bereits in den 1980er Jahren kam es im Abschnitt Großräschen – Senftenberg infolge des heranrückenden Braunkohlentagebau Meuro zu einer Streckenverlegung nach Osten. Der Haltepunkt Großräschen-Süd und Reppist entfiel damit. Der komplette Streckenabschnitt, einschließlich seiner Liegenschaften und Gebäude, so auch das ehemalige Bahnhofsgebäude vom bereits im Jahr 1963 stillgelegten Halt Sedlitz West wurden vom Tagebau erfasst.

Der Haltepunkt Sedlitz Ost ging bereits am 15. Mai 1930 an der Bahnstrecke Großenhain–Cottbus als Bahnhof Sedlitz in Betrieb. Er wurde im Jahr 1936 mit der Umbenennung des Bahnhofs Grube Anna-Mathilde in Sedlitz West zur besseren Unterschreitung in Sedlitz Ost umbenannt. Mit der Verlegung der Bahnstrecke aus Lübbenau wurde dieser einige Meter nach Nordosten verlegt und bedient seitdem beide Strecken. Sein einstöckiges hölzernes Empfangsgebäude wurde damit abgerissen und durch den heute bekannten Steinbau ersetzt. Im Jahr 1987 erfolgte die Elektrifizierung der Strecke nach Cottbus und im Jahr 1990, die der Strecke nach Lübbenau.

Streckenbeschreibung Betriebsstellen Großräschen Süd

Der Haltepunkt Großräschen Süd trug bis 1946 den Namen Bückgen. Aufgrund der Verlegung der Strecke ging er 1988 außer Betrieb.

Sedlitz West

Der Haltepunkt Sedlitz West trug bis 1930 die Bezeichnung Sedlitz (b. Senftenberg). Im Jahr 1934 wurde die Station geschlossen.Berlin-Görlitzer Eisenbahn auf bahnstrecken.de, abgerufen am 22. November 2025.

Großräschen B11

Der Übergabebahnhof Großräschen B11 für die Anschlussbahn zum Kraftwerk und Brikettfabrik Sonne wurde im Jahr 1988 Rahmen der Streckenverlegung im Abschnitt Großräschen – Senftenberg in Betrieb genommen. Bis dahin erfolgte der Anschluss direkt über den Bahnhof Großräschen. Am früheren Stellwerk erfolgten im Herbst/Winter der Jahre 2023/24 Sanierungs- und Umbauarbeiten. Er wird seit dem Jahr 2024 vom VTG Güterwaggon-Instandhaltungswerk Großräschen und der Waggonbau Brühl GmbH genutzt.

Siehe auch Liste von Eisenbahnstrecken in Deutschland

Weblinks

Akten und Pläne im Bestand der Reichsbahndirektion Halle im Landesarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau

Darstellung der Eisenbahnstrecken im Raum Senftenberg mit der Darstellung der Umverlegung der Bahnlinie auf openrailwaymap.org

Einzelnachweise

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