mini|Werbelogo Das Rennquintett (Eigenschreibweise RennQuintett) war eine Pferdewette, die vom Deutschen Lotto- und Totoblock angeboten wurde.
Begriffserklärung Der Name RennQuintett erklärt sich aus der anfänglichen Spielformel „5 aus 16“, nach der aus den jeweiligen Rennen mit sechzehn Teilnehmern die fünf Ersten, also ein Quintett, des Einlaufs ausgewählt werden sollten.
Werbewirkung Nach Etablierung der Pferdewette wurde der Werbeslogan Lotto-Toto-RennQuintett eingeführt und war nun Erkennungsmerkmal der meisten Annahmestellen. Eventuell hat dieser Werbespruch zum langen Überleben des RennQuintetts beigetragen, hätten andernfalls die Schriftzüge an den Annahmestellen geändert werden müssen.
Spielregeln Die Wettannahme erfolgte von Montag bis Freitag zunächst über die rund 4.000 Lottoannahmestellen des Landes NRW. War der Freitag ein Feiertag (z. B. Karfreitag) war bereits am Donnerstag Annahmeschluss. RennQuintett-Rennen fanden einmal wöchentlich am Wochenende statt.
50 % der eingesetzten Gelder wurden hierbei wieder an die Gewinner ausgeschüttet. Die anderen 50 % kamen dem Pferderennsport zugute. Das RennQuintett wurde immer auf einer der deutschen Galopprennbahnen oder Trabrennbahnen ausgetragen.
Im Laufe der Jahre wurden die Spielregeln mehrfach geändert oder angepasst. Nachfolgend eine Zusammenfassung der wichtigsten Regeln und Änderungen.
Ursprüngliches Regelwerk 5 aus 16 Im ursprünglichen Regelwerk ging es darum, aus den 16 startenden Pferden des RennQuintett-Rennens die ersten fünf Pferde vorherzusagen. Hierbei wurden dem Spieler zwei Gewinnchancen geboten, der Pferdetoto und das Pferdelotto. Zu den 16 genannten Pferden wurden drei Pferde als Ersatzpferde angegeben, welche bei Nichtteilnahme eines Pferdes an dessen Stelle gesetzt wurden. Der Wetteinsatz betrug pro Tipp 2 DM für beide Gewinnchancen. Zusätzlich wurde eine Bearbeitungsgebühr erhoben. Im Pferdetoto mussten aus den 16 startenden Pferden des RennQuintett-Rennens die ersten fünf Pferde in der richtigen Reihenfolge vorhergesagt werden. Im Pferdelotto wurden den 16 startenden Pferden des RennQuintett-Rennens vor dem Start auf der Rennbahn Nummern (Lottonummern) zugelost, die dem Spieler bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt gewesen waren. Diese Lottonummern wurden vom Jockey bzw. Fahrer als Armbinde getragen, die regulären Startnummern auf der Satteldecke des Pferdes bzw. am Kammdeckel.
Der auszuschüttende Gewinnanteil wurde je zur Hälfte auf den Pferdetoto und das Pferdelotto verteilt und hier zu gleichen Teilen in den Gewinnrängen auf die Anzahl der gewinnenden Spieler ausgezahlt.
Gewinnverteilung im Pferdetoto: Gewinnrang 1: wenn alle fünf Pferde in der korrekten Reihenfolge vorhergesagt wurden. Gewinnrang 2: wenn vier der ersten fünf Pferde an korrekter Stelle angegeben waren. Gewinnrang 3: wenn drei der ersten fünf Pferde an korrekter Stelle angegeben waren.
Gewinnverteilung im Pferdelotto: Gewinnrang 1: wenn alle fünf Lottonummern an richtiger Platzierung getroffen wurden. Gewinnrang 2: wenn vier der fünf Lottonummern an richtiger Platzierung getroffen wurden. Gewinnrang 3: wenn drei der fünf Lottonummern an richtiger Platzierung getroffen wurden.
Zusätzlich nahm jeder Spielschein automatisch an der Auslosung der Olympia-Lotterie teil.
Ab der dritten Ausspielung wurden die Beträge aus nicht getroffenen Gewinnrängen nicht mehr auf die darunterliegenden Gewinnränge verteilt, sondern Jackpots gebildet.
Ab Mai 1971 wurden Prämienverlosungen eingeführt, an denen alle abgegebenen Spielscheine teilnahmen. Zu gewinnen gab es Bargeld oder Sachgüter (z. B. Autos).
Im Juni 1971 wurden in den Lottoannahmestellen die ersten Systemscheine ausgelegt. Hierbei konnten Pferde an festen Stellen (1., 2., 3., 4. oder 5. Platz) als Bankzahlen (Bankpferde) gesetzt werden. Die Systemzahlen waren Pferde, welche auf den freien Plätzen an beliebigen Stellen einlaufen konnten. Die Anzahl der Tipps (Anzahl der Wetten) konnte anhand der Systemnummer aus einer Tabelle abgelesen werden. Hierbei ergab die Anzahl der Bankzahlen und die Anzahl der Systemzahlen die Nummer des Spielsystems (Beispiel: 2 Bankzahlen kombiniert mit 5 Systemzahlen = System 25).
Ab Juli wurden zwei zusätzliche Prämienränge eingeführt. Für 5 Pferde in beliebiger Reihenfolge wurden 50 DM und für vier Pferde in beliebiger Reihenfolge 2,50 DM ausgeschüttet.
Regelwerk 5 aus 18 Die Regeln entsprachen der ursprünglichen Spielformel 5 aus 16, mit der Änderung, dass nun 18 Pferde an den Start kamen. Zusätzlich änderten sich die Systemzahlen, die nun dreistellig waren. Die erste Zahl gab immer noch die Anzahl der Bankpferde an. Die beiden folgenden Zahlen die Anzahl der kombinierten Pferde. Mit Einführung des Spiels 5 aus 18 wurden erstmals Monatsscheine angeboten.
Ab 1975 konnte man mit jedem Spielschein zusätzlich an der Lotterie Spiel 77 teilnehmen.
Regelwerk 6 aus 18 Im neuen Regelwerk mussten nun im Pferdetoto und im Pferdelotto jeweils die ersten sechs Pferde eines RennQuintett-Rennens vorhergesagt werden. Der Spieleinsatz wurde von 2 DM auf 1 DM pro Tippreihe gesenkt. Die Auszahlungen im Pferdetoto und im Pferdelotto wurden in eine gemeinsame Auszahlungsquote zusammengeführt, zusätzlich wurde ein 4. Gewinnrang eingeführt.
Somit ergab sich folgende Gewinnverteilung:
Gewinnrang 1: wenn alle sechs Pferde in korrekter Reihenfolge vorhergesagt wurden oder alle sechs Lottonummern getroffen wurden. Gewinnrang 2: wenn fünf der ersten sechs Pferde an korrekter Stelle vorhergesagt wurden oder fünf Lottonummern getroffen wurden. Gewinnrang 3: wenn vier der ersten sechs Pferde an korrekter Stelle vorhergesagt wurden oder vier Lottonummern getroffen wurden. Gewinnrang 4: wenn drei der ersten sechs Pferde an korrekter Stelle vorhergesagt wurden oder drei Lottonummern getroffen wurden.
Zusätzlich gab es nach wie vor die Prämienausschüttung der Klassen A und B, in welchen nun diejenigen Spieler gewannen, die alle sechs Pferde in beliebiger (vertauschter) Reihenfolge vorhergesagt (Klasse A) bzw. die fünf der ersten sechs Pferde in beliebiger Reihenfolge vorhergesagt hatten (Klasse B).
Regelwerk 3+4 aus 18 Im erneut geänderten Regelwerk musste der Spieler im Pferdetoto die ersten drei Pferde des RennQuintett-Rennens in richtiger Reihenfolge vorhersagen. Im Pferdelotto waren die ersten vier Pferde in beliebiger Reihenfolge vorherzusagen. Die Gewinnausschüttung erfolgte nun im Pferdetoto und im Pferdelotto jetzt wieder in getrennten Gewinnklassen. Zusätzlich waren Kombigewinne möglich. Der Einsatz je Tippreihe von 1 DM wurde beibehalten.
So gewann man im Pferdetoto: Gewinnrang 1: wenn alle drei Pferde in der korrekten Reihenfolge vorhergesagt wurden. Gewinnrang 2: wenn die ersten drei Pferde in beliebiger Reihenfolge vorhergesagt wurden.
und im Pferdelotto: Gewinnrang 1: wenn alle vier Pferde vorhergesagt wurden. Gewinnrang 2: wenn drei von vier Pferden vorhergesagt wurden.
Zusätzlich erfolgten Auszahlungen von Kombigewinnen in vier Gewinnklassen:
Gewinnklasse A: Gewinnrang 1 im Pferdetoto und Gewinnrang 1 im Pferdelotto. Gewinnklasse B: Gewinnrang 2 im Pferdetoto und Gewinnrang 1 im Pferdelotto. Gewinnklasse C: Gewinnrang 1 im Pferdetoto und Gewinnrang 2 im Pferdelotto. Gewinnklasse D: Gewinnrang 2 im Pferdetoto und Gewinnrang 2 im Pferdelotto.
Mittwochsturf 2 mal 5 aus 15 Der Mittwochsturf war der Versuch, eine dem RennQuintett angelehnte Spielmöglichkeit in der Mitte der Woche durchzuführen. Hierbei mussten jeweils die ersten fünf Pferde zweier Mittwochsturf Rennen (Rennen A + B) in beliebiger Reihenfolge vorhergesagt werden. Hierbei trugen die Pferde im Rennen A die Programmnummern 1 – 15, im Rennen B zusätzlich zu den Programmnummern noch die Mittwochsturf Nummern 21 – 35. Die Annahme der Spielscheine erfolgte ebenfalls über die Lottoannahmestellen (eventuell nur in NRW zu spielen). In Normalfall wurde ein Rennen auf einer Galopprennbahn und ein Rennen auf einer Trabrennbahn ausgetragen. Es kam jedoch auch vor, dass beide Rennen auf einer Rennbahn stattfanden (z. B. in Düsseldorf).
Regelwerk 2 mal 3 aus 15 In der zuletzt gewählten Spielvariante wurde komplett auf das Pferdelotto verzichtet. Nun wurden an jedem Wochenende zwei RennQuintett-Rennen ausgetragen, bei welchen die ersten drei Pferde in richtiger Reihenfolge (wie bei der Dreierwette) vorhergesagt werden mussten. Die Pferdenummern waren wie im Mittwochsturf im Rennen A die Programmnummern 1 – 15, im Rennen B die RennQuintett-Nummern 21 – 35. Es gab für jedes RennQuintett-Rennen separate Gewinnränge sowie einen Kombigewinn. Der Spieleinsatz pro Einzelwette wurde wieder auf 2 DM angehoben. Die Quotenermittlung erfolgte nach folgender Festlegung:
Rennen A 1. Gewinnrang: wenn die ersten drei Pferde im Rennen A in korrekter Reihenfolge vorhergesagt wurden. Rennen A 2. Gewinnrang: wenn die ersten drei Pferde im Rennen A in beliebiger Reihenfolge vorhergesagt wurden. Rennen B 1. Gewinnrang: wenn die ersten drei Pferde im Rennen B in korrekter Reihenfolge vorhergesagt wurden. Rennen B 2. Gewinnrang: wenn die ersten drei Pferde im Rennen B in beliebiger Reihenfolge vorhergesagt wurden.
Kombinationsgewinn: wenn die ersten drei Pferde der Rennen A und B in richtiger Reihenfolge vorhergesagt wurden.
Ein jeweiliger Gewinn im 1. Gewinnrang schloss den Gewinn im 2. Gewinnrang aus. Der Kombigewinn wurde zusätzlich erzielt.
Ersatzstarter In jedem RennQuintett-Rennen wurden zu den startenden Teilnehmern im Rennprogramm drei Ersatzstarter benannt. Diese waren mit den Rennnummern E1, E2 und E3 gekennzeichnet. Startete einer der regulären Teilnehmer nicht, trat der Ersatzstarter an dessen Stelle und trug dessen Nummer auf der Satteldecke, bzw. am Kammdeckel.
Regelwerk für den ausführenden Rennverein Die Bestimmungen zur Durchführung eines RennQuintett-Rennens waren in der Rennordnung des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen in der Anlage 10 definiert. Hier wurde unter anderem auf die besondere Bedeutung des RennQuintetts in der Öffentlichkeit und die strikte Einhaltung des Regelwerks durch alle Beteiligten hingewiesen. Die Startzeiten waren an Samstagen zwischen 15 und 17 Uhr, an Sonntagen nicht später als 16 Uhr anzusetzen. Die Durchführung von Totalisator-Dreierwetten war (vermutlich 1975–1983) nur mit Zustimmung des Vereins zur Förderung von Vollblutzucht und Traberzucht, sowie der Lotto-Gesellschaften statthaft. Wurde ein oder mehrere Ersatzstarter eingesetzt, liefen diese im Totalisator auf der Rennbahn Ohne Wetten und waren im Endresultat zu streichen.
Berichterstattung Eine Liste mit den startenden Pferden wurde in der Fachpresse (z. B. Sport-Welt, Deutsche Traber Zeitung, Heat, Herold u. a.) oder in der Tagespresse veröffentlicht. Zusätzlich erfolgte die Berichterstattung über diverse Magazine und Informationsbroschüren. Ergebnisse wurden schon am Abend des RennQuintetts in der Sportschau veröffentlicht. Durch Fach- und Tagespresse bzw. Aushang an den Annahmestellen erfolgte die Bekanntgabe der Gewinnquoten.
Gegen Ende der 1970er Jahre wurde über die Deutsche Bundespost eine Telefonansage unter der Nummer 1152 geschaltet, um Rennergebnisse und Quoten abzuhören.
Geschichte Ein Vorläufer des RennQuintetts war in den 1950er Jahren das Pferdetoto.
Zu Beginn der 1970er Jahre entschloss man sich zur Einführung einer von Nordwestlotto durchgeführten Großwette für Pferderennen. Diese sollte vor allem dem Pferderennsport zu weiterer Popularität verhelfen und durch einen Teil des Umsatzes die deutsche Vollblut- und Traberzucht unterstützen. Hierzu konstituierte sich am 18. Januar 1971 in Köln unter dem Vorsitz von Uwe Scherping und Stellvertreter Josef Effertz der Verein zur Förderung von Vollblutzucht und Traberzucht, welcher mit der Durchführung der neuen Großwette beauftragt wurde. Besonders durch das Pferdelotto wollte man diejenigen Spieler für den Rennsport gewinnen, welche über keine besonderen Fachkenntnisse verfügten.