hochkant|mini|Märkischer Adler – Wappen Brandenburgs seit 1170 Die Geschichte Brandenburgs umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des deutschen Landes Brandenburg von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.
Der germanischen Frühbesiedlung, die im 5. Jahrhundert im Zuge der Völkerwanderung stark zurückging, folgten ab dem 6. Jahrhundert von Südosten (Lausitz) her slawische Stämme, die sich in dem weitgehend menschenleeren Gebiet niederließen und im späten 7. Jahrhundert den Berliner Raum erreichten (Siedlungsspuren in Marzahn um 700). Dieser slawischen Besiedlungswelle folgten zwei ostfränkische Expansionen: eine erste noch nicht dauerhaft erfolgreiche ab 928 und eine zweite (Ostsiedlung durch ostfränkische Siedler) ab 1157. Die Wiederinbesitznahme der ererbten Burg Brandenburg durch Albrecht den Bären am 11. Juni 1157 gilt als Geburtsstunde der Markgrafschaft Brandenburg. Der Markgrafschaft folgte die Erhebung zum Kurfürstentum Brandenburg im Jahre 1356, später – infolge der Personalunion und später folgenden Realunion mit dem Herzogtum Preußen – war die Mark Brandenburg mit der Hauptstadt Berlin die territoriale Mitte des Staates Preußen. Nach der Umwandlung in eine Provinz im Jahre 1815 wurde Brandenburg schließlich 1947 im Zuge der Auflösung Preußens als Land Brandenburg neu gegründet, jedoch schon 1952 wieder aufgelöst und im Wesentlichen auf die neuen Bezirke Bezirk Potsdam, Bezirk Frankfurt (Oder) und Bezirk Cottbus aufgeteilt.
Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde Brandenburg als Land der Bundesrepublik Deutschland wiedergegründet.
Vorgeschichte mini|Jungsteinzeitlicher hölzerner Schöpflöffel aus Wustermark, Landkreis Havelland (3400-3000 v. Chr.) mini|Darstellung einer slawischen Rundburg in der Niederlausitz im 9.–10. Jahrhundert (Slawenburg Raddusch)
Bodenbefunde bezeugen, dass seit der Steinzeit, genauer gesagt seit dem Mittelpaläolithikum vor ca. 130.000 Jahren, Menschen in diesem Gebiet gesiedelt haben. Rund 50.000 Jahre sind die ältesten Funde im Umfeld des Neandertalers alt. Darüber hinaus wurden in Criewen und Groß Fredenwalde in der Uckermark Funde aus der Mittelsteinzeit entdeckt. Zusätzlich fand sich auf dem Weinberg bei Groß Fredenwalde, einem Ortsteil der Gemeinde Gerswalde im Landkreis Uckermark, das mit einem Alter von ca. 7000 Jahren älteste Gräberfeld Deutschlands (siehe Mesolithischer Bestattungsplatz von Groß Fredenwalde). Das heutige Brandenburg war auch in den nachfolgenden Epochen der Jungsteinzeit – allerdings gilt hier das 5. Jahrtausend v. Chr. als „vermutlich der am schlechtesten untersuchte Abschnitt der brandenburgischen Landesgeschichte“Erwin Cziesla: Zur bandkeramischen Kultur zwischen Elbe und Oder, in: Germania 86,2 (2008) 405–464, hier: S. 406, doi:10.11588/ger.2008.61694. – sowie der Bronze- und Eisenzeit dicht besiedelt.
Im Zuge der Völkerwanderungen verließen die Sueben, der elbgermanische Teilstamm der Semnonen, ab dem 5. Jahrhundert bis auf wenige Restgruppen ihre Heimat an der Havel und Spree in Richtung Oberrhein und Schwaben. Ab dem ausgehenden 7. Jahrhundert zogen in den weitgehend siedlungsleeren Raum Slawen ein (in der Lausitz bereits ab dem 6. Jahrhundert). Für die theoretische Möglichkeit, dass die wenigen verbliebenen Germanen gemeinsam mit den Slawen siedelten, gibt es bisher keinen archäologischen Beleg. Die beiden dominanten Stämme waren die der Heveller und der Sprewanen. Die Sprewanen siedelten östlich der Flüsse Havel-Nuthe. Die Heveller lebten im heutigen Havelland und in der südlich angrenzenden Zauche.
Diese beiden Stämme lagen gelegentlich untereinander und mit angrenzenden Slawenstämmen in kriegerischem Streit um das jeweils beste Siedlungsland. Die Sprewanen und Heveller betrieben Ackerbau, daneben auch Jagd und Fischerei. Die Zahl der Einwohner blieb gering, und somit blieb das Land dünn besiedelt. Allgemein war das Land kulturell wenig erschlossen und galt mehr als Durchgangsland. So wurde das Gebiet nur von einer bedeutenden Straße, der von Magdeburg nach Lebus, durchzogen. Diese verhältnismäßig ruhige Zeit währte bis zum Jahr 928.
Erste Ostexpansion und Errichtung von Grenzmarken (928 bis 1157) mini|Die Nordmark (Pink) in der territorialen Ausdehnung der Jahre 965 bis 983
In der nun folgenden, so genannten ersten Phase der deutschen Ostexpansion (Ostsiedlung) drang im Jahr 928 das erste Heer des Ostfränkischen Königs Heinrich I. in das Gebiet Brandenburgs ein, um die ansässigen Heveller zu besiegen und zu unterwerfen. Er eroberte die Brandenburg im Winter 928/929, als die Havel zugefroren war. Nach mehreren Schlachten wurden die Slawen bis zur Oder dem deutschen König als Lehnsherr tributpflichtig.
Unter König Otto I. folgte 936 die Einrichtung von Marken, deutschen Grenzregionen im Slawenland. So entstanden zwei Markgrafschaften in den Ostgebieten zwischen Elbe und Oder. Die nördliche (Mark der Billunger) reichte von der Unterelbe bis zur Peene und wurde von Hermann Billung regiert. Die südliche (Sächsische Ostmark) reichte von der Mittelelbe bis zur Saale und wurde von Gero regiert. Dieser schob die Grenzen seiner Mark bis zur Oder vor. Das Bistum Brandenburg und das Bistum Havelberg wurden gegründet und dem Erzbistum Magdeburg unterstellt, dessen Aufgabe die Christianisierung der zwischen Elbe und Oder lebenden slawischen Völkerschaften war. Nach dem Tode des Markgrafen Gero 965 trennte sich die Nordmark von der sächsischen Ostmark.
Im großen Slawenaufstand von 983 verbündeten sich viele slawische Stämme zum Lutizenbund und befreiten sich noch einmal für 150 Jahre von deutscher Herrschaft und Christianisierung. Der Aufstand begann mit dem Überfall auf den Bischofssitz von Havelberg am 29. Juni 983, bei dem der Bischof Dudo getötet wurde. Es folgten die Zerstörung der Burg und des Bischofssitzes Brandenburg und der Altmark. Es gelang unter Führung des Magdeburger Erzbischofs Giselher lediglich, die aufständischen Slawen aus den Gebieten westlich der Elbe fernzuhalten.
Damit endete die erste deutsche Expansionswelle bis zum Zerfall des Lutizenbundes in der Mitte des 11. Jahrhunderts. Die slawischen Stämme blieben zersplittert, sie verfolgten keine einheitlichen Ziele und bekämpften sich weiterhin gegeneinander. In den folgenden eineinhalb Jahrhunderten wurde die spätere Mark Brandenburg allerdings wiederholt von Kriegszügen heimgesucht, die von deutscher und polnischer Seite teils gemeinsam, teils in Konkurrenz zueinander ausgeführt wurden. Ein einheitliches slawisches Staatsgebilde entstand unter diesen Umständen nur vorübergehend, als sich das Reich der Obotriten von der Ostseeküste bis ins Havelland erstreckte.
Im Jahr 1127 kam in der Burg Brandenburg der Hevellerfürst Pribislaw an die Macht. Dieser Fürst erkannte, dass die ständigen Kämpfe sein Volk aufreiben würde. Da er enge Verbindungen zum deutschen Adel pflegte und vom Kaiser offenbar die Krone eines Unterkönigs erlangt hatte, gelang es dem deutschen König, das Heveller-Gebiet, das von der Stadt Brandenburg an der Havel bis Spandau reichte, locker an das Reich zu binden. Die neue Ostgrenze verlief damit zwischen den Stämmen der Heveller und Sprewanen, entlang der Flüsse Havel-Nuthe. Auf der östlichen Seite in Köpenick residierte der Sprewanenfürst Jaxa von Köpenick (Jaxa de Copnic). Da jener polnischer Lehenshoheit unterstand, lag Spandau damals an der Grenze von deutschem und polnischem Einflussbereich.
mini|Siedlungsgebiete der großen slawischen Stämme in der Nordmark um 1150
Mit der zweiten Phase der Ostsiedlung trieb Albrecht der Bär die expansionistische Ostpolitik der Askanier entscheidend voran. Dabei erwies er sich als geschickter Diplomat. Seit 1123 pflegte Albrecht gleichberechtigte Beziehungen zu dem zum Christentum übergetretenen Hevellerfürsten Pribislaw-Heinrich. Im Jahr 1134 wurde Albrecht der Bär durch Kaiser Lothar zum Markgrafen der Nordmark ernannt. Der kinderlose Hevellerfürst Pribislaw vererbte sein Land an Albrecht. So konnte Albrecht nach dem Tod des Hevellerfürsten im Jahre 1150 die Residenz der Heveller, die Burg Brandenburg, weitgehend unblutig übernehmen.
Der Sprewanenfürst Jaxa von Köpenick, der mit dem verstorbenen Hevellerfürst Pribislaw-Heinrich möglicherweise verwandt war, erhob nach dessen Tod 1150 ebenfalls Anspruch auf Brandenburg. Schließlich gelang es ihm im Frühjahr 1157 die Burg Brandenburg zu besetzen und die Macht im Hevellerland an sich zu reißen.
Die Mark Brandenburg (1157–1815)
Gründung und Herrschaft der Askanier (1157–1320) mini|Die Mark Brandenburg unter den Askaniern um 1320
Am 11. Juni 1157 konnte Albrecht der Bär mit blutigen Kämpfen die Burg Brandenburg endgültig wieder in seinen Besitz bringen, Jaxa von Köpenick vertreiben und seine Herrschaft sichern. Vom 3. Oktober 1157 an nannte er sich offiziell Markgraf von Brandenburg (Adelbertus Dei gratia marchio in Brandenborch). Die Altmark, die Prignitz und das Havelland hatten nun einen Mittelpunkt, aus der Nordmark wurde die Mark Brandenburg.
Die territoriale Ausdehnung dieser ersten Mark Brandenburg entsprach nicht der Ausdehnung des heutigen Flächenstaates. Lediglich das Havelland und die Zauche zählten dazu. Erst in den folgenden 150 Jahren gelang es den Askaniern, die Mark Brandenburg bis zur Oder auszudehnen.
mini|„Die Wiege der Mark“ – St. Peter und Paul (Brandenburg an der Havel). Die Grundsteinlegung erfolgte am 11. Oktober 1165.
In der Folgezeit holten Albrecht der Bär und seine Nachfolger, auf einem höheren technologischen Stand stehende Handwerker und Bauern in die neue Mark, die insbesondere aus der Altmark, dem östlichen Harzvorland, Flandern (daher der Begriff Fläming) und den Rheingebieten in das Land kamen. So führten diese Siedler an neuen Techniken, insbesondere die Dreifelderwirtschaft, den Eisenpflug und die Steinbautechnik im Bauwesen ein. Eine wichtige Rolle bei der Besiedlung spielten Holländer, die nach verheerenden Sturmfluten im eigenen Land gerne neue Siedlungsgebiete annahmen und mit ihrer Erfahrung im Deichbau zu den Eindeichungen von Elbe und Havel beitrugen, die in den 1160er Jahren in Angriff genommen wurden. Ihnen wurden dafür Vergünstigungen gewährt, so hatten sie für eine gewisse Zeit keine Abgaben zu zahlen, mussten keine Frondienste leisten und die Gemeinden erhielten Selbstverwaltungsrechte.
In die Mark gerufenen Adligen mitsamt ihrem bewaffneten Gefolge wurde die Aufsicht über Burgen und neugeschaffene Siedlungen anvertraut. Unter der Herrschaft der Askanier kam es zudem zu planmäßigen Anlegungen neuer Dörfer und Städte. Die Orte Angermünde, Eberswalde, Frankfurt an der Oder, Perleberg, Prenzlau, Spandau und Berlin erhielten unter den Askaniern das Stadtrecht verliehen. Auch die Produktivität der Landwirtschaft erhöhte sich und im Allgemeinen wurden kulturelle Fortschritte erreicht. Dennoch hinkte die Mark um 1170 den besser entwickelten Gebieten westlich der Elbe hinterher. Das Verhältnis zwischen Deutschen und Slawen blieb kein gleichberechtigtes. Die herablassend als Wenden bezeichneten Slawen galten anfangs nicht als vollwertige Einwohner, aber man duldete sie und allmählich begann eine Assimilation der Slawen. mini|Südseite der Burg Goldbeck.Von 1300 bis 1325 als Wasserburg erbaut, diente sie in den folgenden Herrenlosen Jahren Raubrittern als Aufenthaltsort.