mini|Banner des Großherzogtums Toskana unter den Medici (1562–1737) mini|Flagge des Großherzogtums Toskana von 1765 bis 1800, 1840 bis 1848 und von 1849 bis 1860

Das Großherzogtum Toskana (, oder Etruriae) war ein in dieser Form seit dem 16. Jahrhundert bestehendes historisches Territorium auf der Apenninhalbinsel im heutigen Italien. Es war Lehen des Römisch-deutschen Kaisers als Teil Reichsitaliens. Hervorgegangen ist der Staat aus dem wirtschaftlich prosperierenden Stadtstaat Florenz, der bereits im Spätmittelalter begann, die umliegenden Kommunen zu erwerben. Im Laufe der Zeit umfasste das Land fast die gesamte heutige Toskana. In der Stadt Florenz entwickelte sich im Mittelalter eine republikanische Verfassung. In deren Rahmen stiegen die Medici zu den zunächst informellen Herrschern und schließlich zu formellen Herrschern der Stadt und der Toskana auf. Nachdem ihre Herrschaft zeitweise durch eine republikanische Bewegung beendet worden war, restaurierte Karl V. ihre Herrschaft und erhob das Land 1530 zum Herzogtum. Damit geriet es aber gleichzeitig in Abhängigkeit vom Haus Habsburg. Versuche der Annäherung an den Papst führten 1569 zur Erhebung zum Großherzogtum. Nach der Anerkennung der Lehnsabhängigkeit vom Reich erkannte Kaiser Maximilian II. den neuen und ungewöhnlichen Titel an. Cosimo I. de’ Medici war der eigentliche Schöpfer des toskanischen Staates durch die Ausweitung des Florentiner Bürgerrechts auf die gesamte Toskana einerseits und den Aufbau einer absolutistischen Herrschaftsorganisation andererseits.

Bei seiner Heirat mit Maria Theresia von Österreich im Jahr 1736 musste Herzog Franz Stephan von Lothringen, der spätere römisch-deutsche Kaiser Franz I., seine Stammlande gegen die Anwartschaft auf das Großherzogtum tauschen, das ihm sein Schwiegervater Kaiser Karl VI. beim Aussterben der Medici 1737 verlieh. Sein Sohn Kaiser Joseph II. überließ die Regierung der Toskana 1765 seinem Bruder Peter Leopold, der sie zu einem Musterstaat im Sinn der Aufklärung umgestaltete. Als er 1790 als Leopold II. Kaiser wurde, machte er sie zu einer Sekundogenitur des Hauses Österreich-Lothringen. Mit Unterbrechungen während der Revolutionszeit und der napoleonischen Ära blieb das Großherzogtum bis zum Aufgehen im Königreich Italien im Jahr 1861 habsburgisch.

Geschichte Stadtrepublik und Expansion

mini|Karte des Großherzogtums Ende des 16. Jhd.

Wie die anderen oberitalienischen Städte entwickelte auch Florenz im 12. Jahrhundert Selbstverwaltungseinrichtungen. Aber ein unabhängiges Handeln wurde von den Markgrafen der Toskana eng beschränkt. Erst nach dem Tod Heinrichs VI. begann sich dies zu ändern. Die Stadt war im 13. Jahrhundert gespalten in die Parteien der Ghibellinen und Guelfen. Die Begriffe machten in der Folge verschiedene Bedeutungswandlungen durch. Im 13. Jahrhundert kam ein sozialer Konflikt zwischen den Magnaten und wohlhabenden Händlern und Handwerkern, die sich selbst als popolo bezeichneten, hinzu. Zwischen 1250 und 1260 herrschte die Partei des Popolo. Dann lösten sich Ghibellinnen und Guelfen ab, ehe 1282 die Vorsteher der Zünfte begannen, die Macht zu übernehmen. Im Jahr 1293 wurden harte Gesetze gegen die Magnaten erlassen.Thomas Frenz: Italien im Mittelalter. In: Wolfgang Altgeld, Rudolf Lill: Kleine Italienische Geschichte. Stuttgart 2004, S. 105.

Nachdem Bonifatius VIII. zum Papst gewählt worden war, kam es zur Spaltung der Guelfen in die schwarzen und weißen Guelfen. Die Schwarzen waren für die Zusammenarbeit mit Rom, die Weißen dagegen. Im Jahr 1301 setzten sich die Schwarzen durch und zwangen ihre Gegner, darunter auch Dante, ins Exil zu gehen. Im Gegensatz zu anderen Stadtstaaten gelang es in der Folge, auch wegen der demokratischen Verfassung, in Florenz zunächst keiner Familie, übermächtig zu werden. Allerdings wurde die Verfassung durch Sonderbehörden oder Kommissionen mit besonderen Kompetenzen teilweise eingeschränkt. Auch begannen vermögende Familien, ein Klientelsystem aufzubauen. Mit Hilfe ihrer Anhänger konnten diese die städtischen Gremien zu ihren Gunsten beeinflussen.Thomas Frenz: Italien im Mittelalter. In: Wolfgang Altgeld, Rudolf Lill: Kleine Italienische Geschichte. Stuttgart 2004, S. 106.

Die florentinische Republik begann bereits im Spätmittelalter, andere Städte zu erwerben. Darunter waren Prato (1351), Volterra (1361), Arezzo (1384) und Pisa (1405). Teilweise schlossen sich umliegende Gebiete freiwillig an. Dabei spielte die Furcht vor der Expansion der Visconti eine Rolle. So begab sich Pistoia unter den Schutz von Florenz. Von besonderer strategischer Bedeutung war der Erwerb von Arezzo, das die Straße in Richtung Süden beherrschte. Diese Stadt – wie auch Pisa – wurde durch Kauf erworben. Allerdings wehrten sich die Einwohner Pisas und mussten erst in einer langen Belagerung besiegt werden. Ein erster Abschluss des Aufbaus eines Territoriums war 1441 erreicht, als Florenz ein Bündnis mit Lucca für fünfzig Jahre abschloss. Ein großer Teil der Toskana, mit Ausnahme vor allem von Siena, unterstand damit Florenz.Rudolf Lill: Das Italien der Hoch- und Spätrenaissance. In: Wolfgang Altgeld, Rudolf Lill: Kleine Italienische Geschichte. Stuttgart 2004, S. 133.Reinhold Schumann: Geschichte Italiens. Stuttgart u. a. 1983, S. 107f.

Militärisch bediente sich die Stadt bereits früh Söldnern, auch weil die militärische Neigung der wohlhabenden Einwohner gering war, und die zugehörigen Gebiete für die Stellung von Truppen zu klein. In Krisenzeiten unterstellte man sich notgedrungen dem Schutz etwa des Königreichs Neapel.Giuliano Procacci: Geschichte Italiens und der Italiener. München 1989, S. 70.

Die Stadt Florenz zählte zu Beginn des 14. Jahrhunderts etwa 100.000 Einwohner. Das beherrschte Land hatte im 15. Jahrhundert etwa 1 Million Einwohner. Es war vor allem durch die Textilproduktion reich geworden. Die Florentiner Banken suchten ihresgleichen in Europa, und auch der Fernhandel blühte. Das Schulwesen war für zeitgenössische Verhältnisse vorbildlich.Giuliano Procacci: Geschichte Italiens und der Italiener. München 1989, S. 69.

Aufstieg der Medici mini|Lorenzo il Magnifico

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts standen sich vor allem die Anhänger der Familien Albizzi und die der Medici gegenüber. Die Medici, die durch Bankgeschäfte reich geworden waren, setzten sich durch. Auch wenn die demokratischen Institutionen bestehen blieben, beherrschten Cosimo de’ Medici und seine Nachfolger de facto die Stadt. Ihnen gelang es mit einer ausgeprägten Sozialpolitik, die Masse der Bevölkerung hinter sich zu bringen. Allmählich entwickelte sich daraus eine offene Herrschaft. Lorenzo il Magnifico heiratete eine Frau aus dem Adelsgeschlecht der Orsini, und die Bankgeschäfte wurden vernachlässigt. Der Abstand zwischen der Familie und ihren Klienten wuchs. Im April 1478 kam es dann zu einem Mordanschlag auf Giuliano di Piero de’ Medici und Lorenzo il Magnifico, hinter dem die konkurrierende Familie Pazzi (Pazzi-Verschwörung) und hochrangige kirchliche Kreise steckten. Selbst Papst Sixtus IV. war darin verwickelt. Der Anschlag wurde als Tyrannenmord stilisiert und sollte einen Aufstand gegen die Medici auslösen. Als bekannt wurde, dass Lorenzo den Anschlag überlebt hatte, wandte sich die Menge gegen die Verschwörer, und einige von ihnen, darunter auch Erzbischof Francesco Salviati von Pisa, wurden getötet. Der Papst exkommunizierte Lorenzo wegen angeblichen Bischofsmords, über die Stadt wurde das Interdikt verhängt und es kam sogar zum Krieg, ohne dass der Papst Erfolg gehabt hätte. Die Medici hatten sich an der Macht behauptet. Lorenzo fuhr eine Politik des außenpolitischen Ausgleichs.Thomas Frenz: Italien im Mittelalter. In: Wolfgang Altgeld, Rudolf Lill: Kleine Italienische Geschichte. Stuttgart 2004, S. 106–109.

Obwohl Cosimo und Lorenzo in ihrer Persönlichkeit sehr unterschiedlich waren, wurden sie doch beide zu Förderern der Kunst und Wissenschaft. Die Medici waren Mäzene großen Stils und machten Florenz zu einer der Metropolen der Renaissance. Zu den von ihnen Geförderten gehörten unter anderem Verrocchio, Botticelli und Michelangelo. Durch die platonische Akademie und die Biblioteca Medicea Laurenziana machten sie Florenz auch zu einem Zentrum des Humanismus.Rudolf Lill: Das Italien der Hoch- und Spätrenaissance. In: Wolfgang Altgeld, Rudolf Lill: Kleine Italienische Geschichte. Stuttgart 2004, S. 134.

Entstehung des Herzogtums Toskana mini|Alessandro de’ Medici war erster Herzog der Toskana

Nach dem Tod Lorenzos 1492 übernahm sein Sohn Piero die Regierung. Sowohl nach innen gegenüber erstarkenden konkurrierenden Familien, aber auch nach außen gegenüber Frankreich, das seine Position in Italien auszubauen begann, verhielt er sich wenig geschickt. Weil er der Armee des französischen Königs 1494 Livorno und Pisa überließ, wurde er von der Opposition in Florenz gestürzt. Durch die Niederlage Frankreichs wurde auch Florenz geschwächt und verlor Pisa, das es erst 1509 zurückgewann. Im Inneren gab es Streit zwischen verschiedenen Parteien; Savonarola versuchte eine Theokratie aufzubauen. Seine Gegner setzten sich schließlich durch und er wurde 1498 hingerichtet.Rudolf Lill: Das Italien der Hoch- und Spätrenaissance. In: Wolfgang Altgeld, Rudolf Lill: Kleine Italienische Geschichte. Stuttgart 2004, S. 142–144.

Erst 1512/1513 setzten die Spanier die Restauration der Medici durch. Offiziell wurde die Regierung von Giuliano geleitet. Hinter ihm stand jedoch der Kardinal Giovanni, bis dieser 1513 zum Papst Leo X. gewählt wurde. An seine Stelle trat in Florenz Lorenzo di Piero de’ Medici. Dieser setzte eine Verfassungsreform um und regierte ab 1519 als Capitano generale della Republica.Rudolf Lill: Das Italien der Hoch- und Spätrenaissance. In: Wolfgang Altgeld, Rudolf Lill: Kleine Italienische Geschichte. Stuttgart 2004, S. 148.

Im Jahr 1526 trat Florenz der Heiligen Liga von Cognac gegen Karl V. bei. Nach dem Sacco di Roma kam es zum Aufstande der Gegner der Medici. An die Stelle ihrer Herrschaft trat erneut die Republik. Um den Papst Clemens VII. aus dem Haus Medici auf seine Seite zu ziehen, versprach ihm der Kaiser unter anderem die Wiederherstellung der Herrschaft der Medici. Allerdings erwies sich dies als nicht so einfach. Der Kaiser stieß in Florenz auf harten Widerstand. Erst nach langen Kämpfen gelang es kaiserlichen und päpstlichen Truppen 1530, die Stadt einzunehmen.

Die Herrschaft übernahm Alessandro de’ Medici. Dieser wurde zum Herzog der Toskana erhoben und heiratete 1536 eine Tochter des Kaisers. Aus der Republik war endgültig eine Monarchie geworden, die zudem unter dem Einfluss des Hauses Habsburg stand. Ein von Frankreich unterstützter Aufstand gegen die Medici im Jahr 1536 hatte keinen langfristigen Erfolg. Dem ermordeten Herzog Alessandro folgte Cosimo. Dieser wurde vom Kaiser zum erblichen Herzog erklärt und näherte sich den Oberschichten an.Rudolf Lill: Das Italien der Hoch- und Spätrenaissance. In: Wolfgang Altgeld, Rudolf Lill: Kleine Italienische Geschichte. Stuttgart 2004, S. 154–158.

mini|Reiterstatue des Cosimo I. de’ Medici Im Zuge der Kriege um die Vorherrschaft in Italien zwischen Karl V. und Frankreich gelang es Cosimo, das Staatsgebiet so zu erweitern, dass es fast die gesamte heutige Toskana umfasste. Insbesondere gelang es, Siena und dessen zugehöriges Gebiet zu erwerben.Giuliano Procacci: Geschichte Italiens und der Italiener. München 1989, S. 140.

Der Papst erhob 1569 das Herzogtum zum Großherzogtum. Ein Grund war, dass Cosimo ein Angebot der Einwohner von Korsika ausschlug, ihr König zu werden, befand sich die Insel doch zumindest theoretisch noch in Lehnsabhängigkeit vom Papst. Der Großherzogstitel war bislang nicht gebräuchlich.Reinhold Schumann: Geschichte Italiens. Stuttgart u. a. 1983, S. 139.