Frauen im Militär haben über die Jahrhunderte hinweg beträchtlich unterschiedliche Rollen im Militär gespielt. In früheren Epochen haben die meisten Kulturen und Staaten den Zugang zu den Streitkräften aus unterschiedlichen Gründen stark beschränkt oder ganz verwehrt. Dennoch finden sich in der Militärgeschichte viele Einzelbeispiele für Frauen, die in verschiedenen Aufgaben in den Streitkräften ihrer Länder dienten oder kämpften. In vielen Fällen war dies den beteiligten Frauen jedoch nur dadurch möglich, dass sie sich als Mann verkleideten.
Heute lassen die meisten Staaten Frauen zu ihren Streitkräften zu. Eine Einschränkung wird jedoch von der Mehrzahl dieser Staaten noch immer für die Beteiligung an Kampfhandlungen gemacht. Eine Wehrpflicht für Frauen besteht in Bolivien, der Elfenbeinküste, Eritrea, CBC News Online, 30. Mai 2006; abgerufen am 12. Dezember 2019 (englisch). Israel, Nordkorea, Norwegen, Schweden,Militärdienst: Schweden führt die Wehrpflicht wieder ein. Zeit Online, 2. März 2017; abgerufen am 12. Dezember 2019. Sudan und Tschad. Ab 2026 gilt dies auch in Dänemark.
mini|Die erste rein weibliche Besatzung einer Lockheed C-130 im Kampfeinsatz (U.S. Air Force 2005) mini|290px| Möglichkeit bzw. Pflicht für Frauen im Militär zu dienen (2024)
Frauen im Krieg vor dem 20. Jahrhundert Abseits von Mythen wird nur in wenigen Fällen vor dem 20. Jahrhundert von der offenen Teilhabe von Frauen in Armeen berichtet. Weniger strikt wurde jedoch oft die Teilnahme von Frauen in Widerstandsbewegungen oder bei Belagerungen gehandhabt – bekannte Beispiele sind etwa die Amerikanerin Margaret Corbin oder die Spanierin Agustina de Aragón, die als Zivilpersonen Geschütze abfeuerten und danach als Soldatinnen anerkannt wurden. Anders gelagert sind die Einzelfälle von „Heldenjungfrauen“ wie Jeanne d’Arc oder die verkleidete Eleonore Prochaska, die nachträglich mythisch aufgeladen wurden. In Fällen wie Philis de La Charce und Jeanne Hachette wurden auch kleine Kampfeinsätze von Zivilistinnen legendär ausgeschmückt und sie zu Heldinnen erklärt. Wurde der Tross oder eine Stadt angegriffen, kam es auch zur Beteiligung von Frauen an Kampfhandlungen. Kriegsrechtliche Trennungen zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten setzten sich erst ab dem späten 17. Jahrhundert durch.
Frauen als Kriegerinnen mini|hochkant|Jeanne d’Arc in einer Ritterrüstung (Miniaturmalerei 15. Jahrhundert)
Das Bild von Kriegerinnen, die gleichberechtigt mit Männern an Kämpfen teilnehmen, findet sich etwa in nordischen und griechischen Mythen (Walküren, Schildmaiden, Amazonen). Die antike Götterwelt kennt zahlreiche bewaffnete Göttinnen (Artemis/Diana oder Athene/Minerva), ebenso wie andere Mythologien (etwa Kali, Durga, Andraste). Der Amazonenmythos wird von Herodot mit den tatsächlich existierenden Sarmaten verknüpft, welche ihm zufolge von Skythen und Amazonen abstammten. Tatsächlich wurden sarmatische Frauengräber mit Waffenbeigaben gefunden, was zumindest eine hohe Stellung dieser Frauen belegt, auch wenn die Beweislage für sarmatische Kriegerinnen wie etwa Amage dünn ist.
Frauen als Befehlshaberinnen in der Antike Auch die Rolle der Frau als Heerführerin ist selten belegt, selbst in dem Fall, dass sie die Regentschaft über ihr Land ausübte. In zahlreichen Fällen wurde die Rolle dieser Frauen zudem entweder ins Heroische übersteigert oder aber durch Gegner herabgewürdigt, zudem sind die Zeugnisse zu fragmentarisch für gesicherte Angaben. In Ägypten waren auch weibliche Pharaonen die Oberbefehlshaber der Streitkräfte: So führte Ahhotep I. im 17. Jahrhundert v. Chr. den Befreiungskampf gegen die Hyksos, und Hatschepsut ließ im 15. Jahrhundert v. Chr. fast 22 Jahre lang militärische Feldzüge durchführen. Dies belegt jedoch keine persönliche Teilnahme im Feld. In China soll im 13. Jahrhundert v. Chr. die Königin Fu Hao die Streitmacht ihres Mannes übernommen und siegreich in mehrere Schlachten geführt haben. Im 2. Jahrhundert war Huang Guigu eine Armeeführerin unter Qin Shihuangdi. Im Nahen Osten gab es mehrere durch ihre Kriegsführung bekannte Herrscherinnen wie die Assyrerin Šammuramat (9. Jahrhundert v. Chr.), die Massagetenkönigin Tomyris (6. Jahrhundert v. Chr.) und die Herrscherin Palmyras Zenobia (2. Jahrhundert). Aus Japan ist Jingū als legendäre Herrscherin überliefert, die eine Invasion Koreas leitete. Aus Griechenland sind etwa die Stadtgründerin Messene und die Flottenbefehlshaberin Artemisia I. als Befehlshaberinnen überliefert. Aus Großbritannien berichtete Geoffrey von Monmouth von den Sagenköniginnen Gwendolen und Cordelia, die zu unterschiedlichen Zeiten jeweils gegen Männer zogen und siegten. Historisch bezeugt ist hingegen Boudicca, die im Jahr 60 den britischen Stamm der Icener gegen das römische Heer führte. Aus Vietnam ist Triệu Thị Trinh als Heerführerin in der Rebellion des Jahrs 248 gegen das chinesische Kaiserreich bekannt.
Dahomey Ein prominentes Beispiel einer weiblichen, vormodernen Armee (Agojie) gab es im westafrikanischen Königreich Dahomey, welches vom 17. bis zu seinem Untergang im 19. Jahrhundert über eine Frauenarmee verfügte. Diese Truppe wurde von Offizierinnen, und streng getrennt von der männlichen Armee geführt.
Zur Entstehungsgeschichte dieser Frauenarmee existieren unterschiedliche und ungesicherte Angaben. Das Elitekorps der Frauen bildete vor allem die Palastgarde. Da Männern der Zutritt zum Palast untersagt war, wird vermutet, dass die Frauenarmee ursprünglich für den Schutz des königlichen Harems gebildet worden war.Ulf Hagemann: Das Königreich Dahomey zwischen Sklavenhandel und französischer Kolonie, Erstveröffentlichung: 1. Oktober 2002 bei geschichte.uni-hannover.de (abgerufen am 29. Juli 2016) Eine andere populäre Theorie besagt, dass sich eine weibliche Scheintruppe (aufgestellt zur Täuschung des Gegners) entgegen den Erwartungen in einer Schlacht bewährte.Damals, Ausgabe Oktober 2002 „Frauen im Krieg“
Bezeugt wurde die Beteiligung der königlichen Elitetruppe an der Einnahme von Ouidah 1730. Hundert Jahre später soll König Gezo erstmals die Frauenregimenter in regulären Schlachten eingesetzt haben, vermutlich um seine Palastgarde in innenpolitischen Auseinandersetzungen zu stärken. Von insgesamt 12.000 Soldaten gab es 5000 Kriegerinnen, die in der westlichen Rezeption als „Amazonen“ bezeichnet wurden.
Hakka-Kultur und Taiping-Aufstand In der südchinesischen Kultur der Hakka waren Kämpferinnen und ein Aufstieg bis in Offiziersränge nicht unüblich. Während des maßgeblich durch Hakka gestützten Taiping-Aufstandes lagerten weibliche Kämpfer getrennt von den Männern, entsprechend der christlichen Ideologie des Führers Hong Xiuquan. Da Soldatinnen in dieser Zeit weltweit und nicht zuletzt gerade in China als Besonderheit galten, legten zahlreiche Berichterstatter auf diesen Umstand einen Fokus. Eine tatsächliche Emanzipationsleistung wird dem Taiping-Aufstand allerdings heute nicht mehr zugesprochen.Dagmar Hemm: Wege und Irrwege der Frauenbefreiung in China Edition global München, 1996. ISBN 3-922667-33-3. S. 23.
Frauen als Motivationsstifter in der Schlacht Von verschiedenen Kampfverbänden ist überliefert, dass Frauen am Rand des Schlachtfelds die Kämpfenden anfeuerten. Entsprechende Berichte finden sich über die Germanen in Tacitus Germania, laut der der ganze Familienverband an Kämpfen teilnahm. In der vor- und frühislamischen, arabischen Tradition war es üblich, dass Priesterinnen die Kämpfenden begleiteten und in der Schlacht mit Musik und Geschrei anfeuerten. Auch in der Schlacht von Maiwand soll die junge Frau Malalai durch ihren Gesang zum Sieg der afghanischen Truppen beigetragen haben. Sie wird heute als Nationalheldin geehrt.
Von der frühen Neuzeit bis zur Moderne Im Zuge der Bildung von Berufsarmeen wurden Frauen im europäischen Militärwesen ab dem 17. Jahrhundert immer weniger geduldet.
Frauen im Tross Frauen, ebenso wie zivile Lieferanten, Händler und Handwerker waren im Europa des 16. bis 18. Jahrhunderts fester Bestandteil des Trosses, und spielten damit eine maßgebliche, wenn auch indirekte Rolle während des Kriegsgeschehens. Von etwa dem Jahr 1500 bis zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs 1648 waren Söldnerheere an der Tagesordnung, die speziell für Kriege angeheuert wurden. Ehefrauen von Offizieren, Söldnern oder Handwerkern begleiteten diese, bereiteten das Essen zu, übernahmen Lagerdienste oder sogar Schanzarbeiten und betätigten sich gemeinhin als Dienstleister im Lager. Somit gab es im Söldnertross Mägde, Köchinnen, Krankenpflegerinnen, Krämerinnen und Marketenderinnen, Prostituierte und Tagelöhnerinnen, die häufig auch mitsamt Kindern den Söldnern folgten, diese versorgten sowie an der gemachten Beute partizipierten. Zur Organisation des Trosses gab es spezielle Offiziere, etwa den sogenannten Hurenweibel.
Nach den Auswüchsen des Dreißigjährigen Kriegs kam es zur Bildung von stehenden Heeren und der Professionalisierung der Armeen. Mit dem Aufkommen von Heereslogistik und Quartiermeistern sollte der Tross verschlankt werden, der zuvor bis zur anderthalbfachen Größe der kämpfenden Truppe angewachsen war und mit seinem entsprechenden Materialverbrauch und der notwendigen Versorgung mehr denn je die Schwachstelle des Heeres darstellte. Im Kriegsfall stießen die sorgfältigen Planungen dennoch häufig an strukturelle Grenzen: Die Preußische Armee sah etwa Plätze für Soldatenfrauen in den Kasernen vor und brachte diese noch im Siebenjährigen Krieg auch mit ins Feld. Der offiziell klein gehaltene Tross wurde nach wie vor durch zusätzlich angeheuertes oder angelocktes (auch weibliches) Personal ergänzt.
Frauen und Kinder im Gefolge des Heers galten den Befehlshabern allerdings zunehmend als Hauptgrund für Disziplinlosigkeit in der Truppe und Kriminalität im Lager. Prostitution, uneheliche Beziehungen und schließlich die Anwesenheit von Frauen wurden durch Vorschriften immer weiter unterbunden, bis Frauen zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollständig aus dem Selbstverständnis moderner europäischer Heere verbannt wurden.
Hilfsdienste bei der Artillerie Bei der Artillerie wurden Frauen für Hilfsdienste eingesetzt, namentlich als Wasserträgerinnen: Die Kanonenrohre mussten nach dem Feuern ausgewaschen werden, um Funken zu löschen und Rückstände von Schießpulver zu entfernen. Erst danach konnte das Geschütz erneut abgefeuert werden. Die Aufgabe, Wasser für diesen Zweck herbeizutragen, wurde oft Frauen übertragen. Hierin liegt der historische Kern der Legende von Molly Pitcher, einer angeblichen Heldin des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, die 1778 in der Schlacht von Monmouth die Kanone ihres Mannes weiterbedient haben soll, als dieser ausgefallen war.Thomas Cardoza, Karen Hagemann: History and Memory of Army Women and Female Soldiers, 1770s–1870s. In: Karen Hagemann, Stefan Dudink, Sonya O. Rose (Hrsg.): The Oxford Handbook of Gender, War, and the Western World since 1600. Oxford University Press, Oxford 2020, S. 177–195, hier: S. 181.
Als Männer verkleidet