mini|Schlägel und Eisen mini|Reinhold-Forster-Erbstollen, der längste Stollen im Siegerländer Erzrevier mit über 7500 Metern Der Bergbau im Siegerland hat eine etwa 2500 Jahre alte Geschichte. Die Region war lange von der Eisenerzgewinnung und dessen Weiterverarbeitung geprägt. Der aktive Bergbau fand 1965 sein Ende. Noch heute zählt die metallverarbeitende Industrie zu den Stärksten im Siegerland.

Geschichte mini|Pingenzüge am Pfannenberg zeugen vom alten Bergbau mini|Abbau in „Mollkauten“, hier die Grube Ratzenscheid Anfänge in der La-Tène-Zeit und Entwicklung Erste Spuren der Eisenverhüttung reichen bis in die frühe Eisenzeit um das Jahr 600 vor Christus zurück. Die ab 500 vor Christus von Süden kommenden Kelten bauten die an der Oberfläche liegenden Erzgänge in sogenannten „Mollkauten“ (Schürfungen direkt an der Oberfläche) und später Pingen ab. Die Kelten hatten ein umfangreiches Wissen über das Montanwesen. Sie errichteten kleine Öfen (Wind- oder Rennöfen) in der Nähe zum Verhütten. Zeugnis davon liefert der in der frühen La-Tène-Zeit um 500 vor Christus errichtete Ofen in Wilnsdorf-Obersdorf. In den 1940er und 50er Jahren fand der Prähistoriker Otto Krasa vor allem im südlichen und südwestlichen Siegerland über 140 Verhüttungsplätze.

Ab 100 vor Christus ging der Bergbau aufgrund des hohen Holzkohleverbrauchs und darauffolgenden -mangels zurück, denn man kannte noch keine Technik zur Wiederaufforstung der abgeholzten Wälder. Ab dem 7. Jahrhundert wurden die ersten Stollen angelegt, da die oberflächennahen Vorkommen erschöpft waren und der Stollenbau effektiver war. Diese wurden ab 900 nach Christus vermehrt angelegt und lösten im 10. Jahrhundert den oberflächlichen Abbau fast vollständig ab. Sie befanden sich oberhalb des Grundwasserspiegels, da sich auch dort Vorkommen befanden und die Wasserhebung aus größeren Tiefen noch nicht möglich war.

Mittelalter bis 18. Jahrhundert Die älteste neuzeitliche Grube war die Grube Stahlberg in Müsen (Hilchenbach) ab 1079 nach Christus, die urkundlich aber erst am 4. Mai 1313 erwähnt wurde. Urkundlich erwähnt ist mit dem Jahr 1298 die Grube Ratzenscheid zwischen Wilnsdorf und Wilden die älteste Siegerländer Grube. Bereits um 1170 bestand in Siegen eine Münzstätte, Hälblinge mit der Umschrift „Siegensensis Civ“ weisen auf Silberfunde in der Region hin. Frühe Belege durch Ausgrabungen weisen auf eine Bergbausiedlung mit Schachtbau (bis 20 m) im 13. Jahrhundert am Altenberg bei Müsen hin, hier entstand später eines der Zentren des Bergbaus.

Durch die Erfindung des Schießpulvers als Sprengmittel wurde im 15. Jahrhundert zum Anlegen von einfachen Schächten übergegangen, denn diese waren durch den Einsatz des Pulvers leichter anzulegen. Mit Haspeln und Pferdegöpeln wurde ab jetzt das Erz gefördert, das Grundwasser wurde mit „Wasserrädern“ und anderen Hebetechniken wie Eimern aus größeren Teufen geholt. Gesenke wurden anfangs hauptsächlich zur Förderung von NE-Metallen wie Kupfer, Blei und Zink eingesetzt, sie wurden meist blind zwischen zwei Sohlen oder in einem Stollen angelegt und wurden mit wenig bis keiner Technik ausgestattet, da sie meist schräg verliefen. 1417 wurde das erste Mal ein Hauberg erwähnt; dieser wurde zum Herstellen von Holzkohle gebraucht.

mini|links|Aussichtsturm am Altenberg Im 16. Jahrhundert verfiel die Entwicklung des Bergbaus zunehmend. Dies lag an der im Siegerland üblichen „Realteilung“, der Aufteilung des Landes unter allen Nachfahren. Die Bergwerke konnten so nicht wirtschaftlich arbeiten. Dazu kam die zum Teil wirre Rechtsprechung der Regierungen. Der chaotische Zustand änderte sich ab 1559, als Wilhelm der Reiche die „Nassau-Katzenellenbogische Bergordnung“ am 1. September des Jahres in Kraft setzte, durch die der Siegerländer Bergbau von nun an geregelt wurde. Dies führte zu einem enormen Wachstum der regionalen Montanindustrie. Beispielsweise ist für den 4. Oktober 1563 eine Bestellung des Herzogs Wilhelm von Sachsen verzeichnet, bei der dieser in Siegen vier eiserne Öfen für Eisenach orderte.Siegerländer Heimatkalender 1990, S. 24, 65. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur Am 19. April 1575 wurde berichtet, dass alle Bergleute im „Siegener Land“ als zahlende Mitglieder der Bergzunft angehören.Siegerländer Heimatkalender 1990, S. 12, 65. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur

Die Arbeit im Bergbau wurde begehrter, in der Ordnung stand unter anderem: „Es soll denjenigen, so sich der Bergwerck halber unter Uns zu wohnen begehren, aller Dienst, Frohn und Schatzungen, so lang das Bergwerck währet, gänzlich gefreyet sein“. 1489 gab es die erste gräfliche Bergordnung, 1664 die kurtrierische, 1830 die „Hütten- und Hammerordnung für das Land Siegen“ und 1865 das „Allgemeine Preußische Berggesetz“. Zusammenhängende Nachrichten aus dem Bergbau vor dem 19. Jahrhundert fehlen gänzlich, dies änderte sich mit der Gebietseinnahme durch Preußen. Nun wurde ein geregelter Ablauf in die Betriebe des Siegerländer Erzreviers gebracht.Beschreibungen der Bergreviere Siegen I, Siegen II, Burbach & Müsen (Bonn 1887), Daaden-Kirchen (Bonn 1882) und Hamm an der Sieg (Bonn 1885)

Zwischen 1760 und 1850 blühte der Kobaltbergbau auf beiden Seiten der Sieg. Schwerpunkte waren zum Beispiel Siegen, Eiserfeld, Niederschelden oder Kirchen. Namhafte Gruben wie Bunte Kuh und Junkernburg in Niederschelden, Fortuna in Dreisbach, Grüner Löwe in Gosenbach oder Alexander in Kirchen förderten in dieser Zeit hauptsächlich Kobalterze.

Industrialisierung und Blütezeit mini|Die Grube Eisenzecher Zug in Eiserfeld war zu ihrer Zeit die tiefste Spateisensteingrube Europas. mini|Tiefbauanlagen wurden zur weiteren Erschließung der Erzvorkommen angelegt, hier der „Alte Schacht“ am Pfannenberg. mini|Das Wappen von Kreuztal-Littfeld zeigt einen Grubenhunt. Im 19. Jahrhundert wurde im Zuge der Industrialisierung mehr und mehr Erz gebraucht. Das Siegerland entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Zentren des Eisenerzbergbaus und dessen Weiterverarbeitung in Europa. Im Jahr 1853 waren 660 Gruben aktiv. Ab den 1850er Jahren wurden Dampfmaschinen für die stark zunehmende Anzahl und die immer tiefer werdenden Schächte genutzt. Durch die Maschinen konnte in größeren Teufen Erz gefördert werden. Moderne Schächte mit Dampfmaschinen und Förderkörben lösten mehr und mehr den Stollenbau und das Anlegen von Gesenken ab. Stollen wurden ab jetzt meist aus zwei Gründen angelegt: Entweder zur Abführung der Grubenwässer (in einem Erbstollen), oder wenn sich Schachtbau nicht lohnte, weil sich die Vorkommen vergleichsweise oberflächennah befanden oder nicht in ausreichender Menge vorhanden waren. 1884 wurde berichtet, dass im zurückliegenden Vierteljahrhundert der Erzabbau auch dank der Eisenbahn versiebenfacht wurde.Siegerländer Heimatkalender 1990, S. 8, 65. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e. V., Verlag für Heimatliteratur Zu dieser Zeit kamen bereits 80 % der geförderten Eisenerze im Siegerland aus Tiefbaubetrieben.H. D. Gleichmann: Stahlberg, Hollertszug und Eisenzeche – Von Zechen und Gruben des Siegerlandes, Verlag Höppner & Göttert Siegen, 1997 Nachfolgende Tabelle zeigt eine Auswahl an Betrieben und deren Umstellung auf Tiefbau: Jahr Grube Gemarkung Schachtteufe 1852 Landeskrone Oberwilden 94 m 1852 Viktorsfeld Burbach 95 m 1855 Klappertshoffnung Siegen 106 m 1855 Pützhorn Siegen 107 m 1855 Stahlberg Müsen 312 m 1856 Neue Haardt Weidenau 352 m 1859 Storch & Schöneberg Gosenbach 585 m 1864 Eisernhardter Tiefbau Eisern 790 m 1866 Bollnbach Herdorf 477 m 1867 Georg Willroth 968 m 1870 Pfannenberger Einigkeit Salchendorf 450 m 1871 Bautenberg Wilden 403 m 1879 Heinrichsglück Salchendorf 272 m 1881 Eisenzecher Zug Eiserfeld 790 m 1881 San Fernando Herdorf 675 m 1890 Wolf Herdorf 711 m 1893 Hollertszug Herdorf 240 m 1899 Füsseberg Daaden-Biersdorf 1046 m 1912 Marie Wilnsdorf 130 m 1916 Silberwiese Oberlahr 520 m

Die Industrialisierung hatte auch andere Vorteile: ab den 1930er Jahren wurde beim Bohren Wasser zur Staubverminderung eingesetzt. Zahlreiche Maschinen, Wasserhaltungsanlagen und Antriebe sowie später Elektro- oder Benzinmotoren wurden erfunden oder konnten verbessert eingesetzt werden. Ab 1900 wurden Pressluftbohrer eingesetzt. Auch die Ausstattung der Bergleute wurde verbessert. Die flackernden Öllampen wurden im 20. Jahrhundert durch Karbidlampen ersetzt. Noch in den 1920ern wurden Helme aus Leder getragen. In den 50er Jahren wurden sie durch Helme aus Plastik ersetzt.

Ab den 1860ern wurden die Pferdetransporte durch Eisenbahnen ersetzt, ab 1879 wurden Drahtseilbahnen angelegt und ab 1903 Benzinloks eingesetzt. Zahlreiche Neben- und Kleinbahnen verbanden die Gruben mit Bahnhöfen in der Umgebung. Dazu kam die 1861 gebaute Bahnverbindung über die Ruhr-Sieg-Strecke ins Ruhrgebiet, ohne die der Bergbau im Siegerland rund 100 Jahre früher zu Ende gewesen wäre. Seine Blütezeit hatte der Siegerländer Bergbau um 1900.

1816 wurde das Bergamt Siegen im Unteren Schloss gegründet. Unter ihm standen sechs Bergreviere. Das Bergamt wurde 1861 aufgelöst. Von 1818 bis 1967 bestand in Siegen eine Bergschule. Die Grube Schleifmühlchen wurde nach ihrer eigentlichen Stilllegung als „Übungsgrube“ eingesetzt.

Um 1900 arbeiteten über 15.000 Bergleute in der Region.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Fördermengen erhöht, mit der Weltwirtschaftskrise sank die Förderung wieder. Dies bedeutete für viele Gruben das Aus, bei anderen Gruben konnte man noch die Wasserhaltung aufrechterhalten. Die Jahresförderungen lagen bei folgenden Mengen:

Rückgang und Ende des Bergbaus 1965 mini|links|Die Grube Georg hat den einzigen Siegerländer Förderturm, der nach der Stilllegung nicht abgerissen wurde. 1880 waren noch rund 35 % der geförderten Erze im Deutschen Reich aus Bergwerken im Siegerland. Die manganreichen und qualitativ hochwertigen Eisenerze waren gefragt. Bis 1909 ging diese Zahl jedoch auf knapp 10 % zurück. Neue Verhüttungsverfahren machten die phosphorarmen und manganreichen siegerländer Erze für weiterweg liegende Hütten unbrauchbar, zudem konnten durch Gebietsgewinne große Mengen von lothringischen Minette-Erzen gewonnen werden, deren Nachfrage stetig anwuchs. Die hohen Transportkosten durch die schlechte Lage im Siegerland brachten dem Bergbau zusätzliche Schwierigkeiten. Guter Abnehmer der heimischen Erze blieben jedoch auch weiterhin die örtlichen Hütten.Kim Christian Priemel: Flick – Eine Konzerngeschichte vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik, Verlag Wallstein, Göttingen 2007; S. 43/44

Mit der Zeit, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem viel Raubbau betrieben wurde, wurden die Gruben zunehmend unrentabel. Im März 1953 wurde deshalb die „Erzbergbau Siegerland AG“ in Betzdorf gegründet. Sie enthielt mit elf Verbundanlagen die letzten großen Gruben im Siegerland sowie etliche in Reserve gehaltene oder stillgelegte Gruben. Diese Gemeinschaft konnte die Schließung der Bergwerke jedoch nicht verhindern. Schon 1955 schloss die erste von ihnen. Ab 1959 fanden umfangreiche Mechanisierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen statt, die den Erzpreis drücken sollten. Doch die erzabnehmenden Ruhrhütten reduzierten Stück für Stück die Verhüttung von Siegerländer Erzen, da Auslandserze billiger waren und durch neue Techniken der früher so begehrte hohe Mangangehalt von Siegerländer Erzen nicht mehr gefragt war. Mit der Schließung der Gruben Georg in Willroth und Füsseberg in Biersdorf bei Daaden endeten am 31. März 1965 über 2500 Jahre Erzbergbau im Siegerländer Erzrevier.

mini|Henner und Frieder, Wahrzeichen und Gedenken an Berg- und Hüttenmann im Siegerland Gegenwart Heute ist der Beruf des Bergmanns im Siegerland ausgestorben. 1962 wurden mit dem Pfannenberg und 1965 mit dem Füsseberg die letzten Gruben stillgelegt, da sich die Förderung im Siegerland nicht mehr lohnte.

mini|Ruine der Brecheranlage der Peterszeche bei Burbach