mini|Der damalige Vorstandsvorsitzende Michael Peters im Jahr 2018
Euronews (Eigenschreibweise auch: euronews) ist ein paneuropäischer Fernsehsender mit Sitz in Brüssel.Euronews-Mitarbeitende üben scharfe Kritik an Claus Strunz – abgerufen am 9. Januar 2025 Er ging am 1. Januar 1993 mit einem Nachrichtenprogramm auf Sendung.
Als gemeinschaftliches Eigentum einer Reihe von EBU-Sendern gegründet, hielt seit 2015 Media Globe Networks von Naguib Sawiris den überwiegenden Anteil an dem Sender. Die portugiesische Kapitalgesellschaft Alpac Capital übernahm im Mai 2022 die Anteile Sawiris’, die 88 Prozent der Gesamtanteile des Senders ausmachten.
Programm Euronews wurde ursprünglich mit dem Anspruch gegründet, mit über 30 Büros weltweit die europäische Antwort auf CNN zu sein, konnte diesen Anspruch aber nicht einlösen und hat sein Programm seitdem grundlegend neu strukturiert. Die Nachrichtenplattform Euractiv berichtete im Februar 2026, gestützt auf aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Senders, dass sich dessen Geschäftsmodell trotz EU-Beihilfen zunehmend auf politisch gut vernetzte Investoren, Lobbyisten und Geschäftspartnerschaften stütze und der Sender Beziehungen zu autoritären Regierungen von Serbien bis Aserbaidschan unterhalte.Elisa Braun, Magnus Lund Nielsen: Inside Euronews: How Europe’s broadcaster became an influence network. in: Euractiv, 10. Februar 2026, abgerufen am 11. August 2026.
Programmaufbau Mehrmals pro Stunde werden Nachrichten ausgestrahlt. Die frühere Untergliederung in Blöcke von Nachrichten-, Sport- und Wirtschaftsmeldungen besteht nicht mehr. Zudem gehören Magazinsendungen, Reportagen und Interviews zum Programm.
Ab 2018 wurde eine moderierte Nachrichtensendung ausgestrahlt. Die deutschsprachige Version hieß „Euronews am Abend“ und wurde um 19 Uhr MEZ gesendet und mehrmals wiederholt. Die vorerst letzte Sendung war Mitte Januar 2020.
Das wohl bekannteste Format von Euronews ist No Comment (ohne ‚Kommentar‘), das aktuelle Bilder aus aller Welt ganz ohne gesprochenen Kommentar präsentiert und dem Zuschauer eine eigene Urteilsbildung ermöglicht, wobei aber eine implizite Kommentierung durch Bildauswahl, Perspektive und Schnitt bestehen bleibt. Dieses Format wird als No Comment Live bezeichnet, wenn es live gesendet wird. No Comment ist auch als Video-Podcast verfügbar.
Ergänzt wird das Programm durch Börsenkurse (markets), das Weltwetter kurz vor der halben und das Europawetter (meteo europe) vor der vollen Stunde. Außerdem gibt es das Format meteo airport, das Wetterdaten von internationalen Flughäfen anzeigt. Wichtige Ereignisse wie Wahlen oder Eilmeldungen werden direkt übertragen.
Auf dem englischsprachigen Kanal wurden Nachrichtensendungen mit einem Nachrichtensprecher zugunsten eines Voiceover-Formats bis Ende 2022 eingestellt. Der Sender hat zudem Anfang 2023 einen Live-Ticker mit Meldungen des Kurznachrichtendienstes Twitter in sein Nachrichtenformat integriert, zudem soll die Gestaltung des Kanals Videos im Hochformat, etwa von Smartphones, besser unterstützen. Für kommerzielle Partner bietet Euronews Partnerschaften in verschiedenen Sparten, darunter Reise (Travel), Kultur (culture) und Wirtschaft (Business) an.
Teile des Programms werden über den European Broadcasting Service bezogen.
Empfang
Der Sender strahlte bis zum 10. Mai 2017 sein Programm gleichzeitig auf Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Russisch, Arabisch, Türkisch, Persisch, Ukrainisch, Griechisch und Ungarisch aus und war bis dahin nach eigenen Angaben in rund 350 Millionen Haushalten in 155 Ländern zu empfangen. Ab dem 10. Mai 2017 wurde jedoch das bisherige Multiplexverfahren, das seit der Gründung des Senders 1993 zum Einsatz kam und bedeutete, dass es ein einziges Videosignal in mehreren Sprachen gab, aufgegeben und durch zwölf in eigener Benennung Premium-Ausgaben auf mehreren Plattformen ersetzt. Die Einblendungen sind seither in der jeweiligen Sprache zu sehen. Zu empfangen sind die zwölf unterschiedlichen Versionen auf unterschiedlichen Wegen: Auf Deutsch, Englisch (auch HD), Französisch, Griechisch, Ungarisch, Italienisch und Russisch ist Euronews sowohl via Satellit als auch über IPTV verfügbar. Die portugiesische, spanische und türkische Version wird nur über IPTV verbreitet. Eine arabische und eine persische Ausgabe werden nur online angeboten. Ab 2018 sollte Euronews auch in Nord- und Südamerika über IP-Netze verfügbar sein.Uwe Mantel: „Glokale News“: Neues Konzept für Euronews. In: DWDL.de, 10. Mai 2017.
Der Sender strahlt sein Programm über Antenne (DVB-T2), Kabel (DVB-C), Satellit (DVB-S und DVB-S2), Internet via Livestream sowie über die Plattform Livestation aus. Daneben ist es über Freenet TV connect und andere IPTV-Anbieter als Livestream empfangbar.
Auf Satellit ist die deutsche Version von Euronews auf Astra 1P 11376/V/22000 in SD verfügbar.
Zudem unterhält Euronews mehrere sprachregionale Kanäle bei YouTube, wo regelmäßig Beiträge aus dem laufenden Programm zum Abruf bereitgehalten werden.
Auch im Internetfernsehen kann Euronews über Plattformen wie Zattoo empfangen werden.
Im Jahr 2022 war Euronews in 160 Ländern zu empfangen.
Produktion Büros Euronews unterhielt im Jahr 2022 Büros in Athen, Berlin, Brüssel, Dubai, Johannesburg, London, Luanda, Lyon, Paris und Singapur.Contact us, Euronews; Zugriff am 11. Februar 2022
Eigentümer Der Eigentürmer des Senders, das Unternehmen Euronews SA, war im Juni 2024 zu 97,6 % in den Händen der portugiesischen Kapitalgesellschaft Alpac Capital, die 2022 die Anteile des ägyptischen Unternehmers Naguib Sawiris erworben hatte.
Minderheitseigentümer waren im Juni 2024 der maltesische Sender PBS, die marokkanische Rundfunkgesellschaft SNRT und ein Unternehmen aus Abu Dhabi, ADMIC.
Euronews begann als eine Kooperation verschiedener überwiegend öffentlicher europäischer Rundfunkveranstalter. Bis 2024 verkauften viele der ursprünglichen Partner ihre Anteile, wodurch sich seit Beginn der Privatisierung im Jahr 2015 die ursprünglich multinationale, diverse Teilhaberstruktur zugunsten eines klaren privaten Haupteigentümers verschob.
Kooperation mit der EU Ein Vertrag zwischen der EU-Kommission und Euronews sieht die Ausstrahlung EU-relevanter Beiträge von Ereignissen in den Mitgliedstaaten und EU-Beitrittskandidaten sowie in einigen anderen Ländern vor. Im Gegenzug wird Euronews von der EU jährlich mit 24,5 Millionen Euro unterstützt.Europäischer Rechnungshof: EU-Unterstützung für Euronews – Wie gestaltet die Kommission die Überwachung? (Mai 2019), S. 12 Aus diesem Grunde sieht sich der Sender der Kritik ausgesetzt, er sende nicht neutral, sondern rücke die EU in ein positives Licht und sende seine Beiträge im Sinne der EU.
Geschichte Anfänge als europäischer Nachrichtensender mini|Logo von 1998Stratégies: (1998) bis 2008
1982 schuf die Europäische Rundfunkunion (EBU) zu Testzwecken einen Satellitenfernsehkanal namens Eurikon, an dem auch Deutschland beteiligt war.ard.de: Hieraus ging Europa TV hervor, das von Oktober 1985ard.de: bis November 1986YouTube: Last transmission EUROPA-TV (29 november 1986) über den Satelliten ECS auf Sendung war und von ARD (Deutschland), NOS (Niederlande), RAI (Italien), RTÉ (Irland) und RTP (Portugal) getragen wurde.Saskia Cluistra: Razvan Sibii: EuroNews, in: Encyclopedia of journalism (2009), Bd. 2 S. 552
Einen neuen Anfang machte die EBU mit Euronews, das im Juni 1992 von elf Rundfunkveranstaltern aus zehn Ländern gegründet wurde (siehe Tabelle; France Télévisions war damals noch geteilt in Antenne 2 und FR3). Zum Sitz wurde Écully bei Lyon bestimmt, das mit München und Valencia unter 15 europäischen Bewerbern in die Endausscheidung um den Standort des Nachrichtensenders gekommen war.Susanne Vollberg: Kultur im europäischen Fernsehen (1998), S. 47 ARD und ZDF beteiligten sich wegen Bedenken der Bundesländer nicht an Euronews und waren außerdem bereits in 3sat und Arte involviert; die BBC hatte 1991 das eigene World Service Television gestartet.
Organisiert war Euronews anfangs über zwei französische Aktiengesellschaften:
die redaktionelle SECEMIE (Société éditrice de la chaîne européenne multilingue d’information Euronews),387 858 046 R.C.S. Lyon deren Inhaber die Rundfunkveranstalter waren, und die operative SOCEMIE (Société opératrice de la chaîne européenne multilingue d’information Euronews),388 234 650 R.C.S. Lyon die zunächst im Alleineigentum der SECEMIE stand.
Anfang 1993 ging Euronews in den fünf Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch auf Sendung.
1995 erwarb das französische Unternehmen Alcatel Alsthom 49 % der Anteile an der SOCEMIE, und 1997 gingen diese Anteile an den britischen Nachrichtenanbieter ITN, bis sie 2003 wieder von der SECEMIE übernommen wurden.
Neustrukturierung und redaktionelle Modernisierung mini|Logo von 4. Juni 2008 bis 17. Mai 2016
2009 wurde die SOCEMIE mit der SECEMIE zusammengelegt; die SECEMIE erhielt den Namen Euronews sowie Vorstand und Aufsichtsrat.
Im Mai 2009 übernahm der Rumäne Lucian Sârb das Amt des Redaktionsleiters und sein Landsmann Peter Barabas im September desselben Jahres den Posten des Chefredakteurs. Seit dem 11. Januar 2011 sendet man im 16:9-Breitbild-Format. Mit der Umstellung erhielt der Sender auch einen neuen On-Air-Auftritt. Im Dezember 2011 wurde Michael Peters neuer Vorstandsvorsitzender und damit Nachfolger von Philippe Cayla, der das Amt seit 2003 ausübte. Cayla übernahm die Leitung von Euronews Development und wurde Mitglied des euronews-Aufsichtsrates.
2011 wurde erstmals eine moderierte Sendung unter dem Namen iTalk gesendet. Es handelte sich dabei um ein interaktives Format, das Zuschauern die Möglichkeit gab, Fragen zu Europa zu stellen. Die Sendung wurde in einem im Europäischen Parlament eingerichteten Studio aufgezeichnet und von Alex Taylor moderiert.
Die Ende 2012 auf Sendung gegangene griechischsprachige Version wird nicht im Hauptsitz in Frankreich, sondern in Athen erstellt. Gleiches gilt für das ungarischsprachige Programm (seit 2013), welches in Budapest produziert wird.
Euronews nutzte in erster Linie Agenturmeldungen der dapd Nachrichtenagentur, die jedoch im April 2013 ihren Dienst einstellte.
Am 8. Oktober 2013 wurde anlässlich des 20-jährigen Bestehens von Euronews ein neues On Air Design eingeführt. Dazu wurden einige Intros überarbeitet sowie die Anzeige der Uhrzeit wieder aufgenommen (jetzt abwechselnd diverse Ortszeiten). Außerdem sollen wichtige Ereignisse nun stärker hervorgehoben werden.
Übernahme durch Naguib Sawiris und Privatisierung mini|Logo seit 2016
2015 erwarb der ägyptische Unternehmer Naguib Sawiris durch seine in Luxemburg ansässige Gesellschaft Media Globe Networks (MGN)Luxembourg Business Registers: RCS B197150 53 % der Anteile an Euronews.Broadband TV News: Sawaris Family gains control of Euronews (9. Juli 2015)
Am 19. März 2015 wurde bekannt, dass Euronews die Sendelizenz in der Ukraine von der ukrainischen Medienaufsicht entzogen wird. Als Grund wurde ein Mangel an Einflussmöglichkeiten der Behörden auf das ukrainischsprachige Programm angegeben. Ab Dezember 2015 sendete Euronews wieder in der Ukraine.
Im Oktober 2015 verließ der Sender seinen bisherigen Hauptsitz in Écully und zog in ein neues Sendegebäude mit einer Fläche von 10 000 m² im Lyoner Stadtteil La Confluence.
Im April 2016 nahm der in Pointe-Noire (Republik Kongo) ansässige Schwestersender Africanews seinen Betrieb auf. Am 17. Mai 2016 führte der Sender ein neues Logo und Design ein.DWDL.de: Nachrichtensender wird renoviert – euronews führt neues On-Air-Design und Logo ein