mini|hochkant=1.2|Penzberg von Südwesten aus der Luft mini|hochkant=1.2|Bahnhofstraße von Norden mini|hochkant=1.2|Stadtzentrum, hier stand bis 2002 unter anderem die Traditionsgaststätte „Staltacher Hof“ Penzberg ist eine Kleinstadt im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau und liegt rund 50 Kilometer südlich von München. Die ehemalige Bergwerksstadt wird heute durch Roche Diagnostics geprägt.

Geografie Lage mini|Luftaufnahme des Stadtzentrums Penzberg liegt in der bayerischen Voralpenlandschaft zwischen Eurasburg und Kochel. Im Süden und im Osten wird der Ort durch die Loisach eingegrenzt, einem linken Nebenlauf der Isar. Nordwestlich befinden sich der Starnberger See und die Osterseen. Im Südwesten erhebt sich der Königbergwald bei Sindelsdorf.

Geologie Die Stadt liegt in einem Bereich, der während der Würm-Kaltzeit vom Isarvorlandgletscher bedeckt war. Durch den Gletscher wurde das Kochelsee-Becken und als Zungenbecken das Wolfratshauser Becken ausgeschürft. Diese Becken sind heute großflächig von Mooren bedeckt. Den Nordrand des Kochelseebeckens bildet eine Schichtrippe aus subalpiner Molasse. Diese wurde im Zuge der Entstehung der Alpen (alpidische Orogenese) in Falten herausgehoben. Unter dem Druck der Auffaltung entstand Pechkohle.Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) der Stadt Penzberg.

Die tertiären Formationen wurden während der Eiszeit mit Sedimenten überdeckt. Diese Moränen findet man hauptsächlich im Bereich der Huber Seen, außerdem entlang des Loisachufers bei Maxkron.

Die Faltenmolasse tritt vorwiegend im Bereich Sankt Johannisrain, Edenhof, rund um die Berghalde, sowie in den Gemeindeteilen Wölfl und Nonnenwald zu Tage. Am westlichen Stadtrand, an der Loisach südlich des Molasseriegels und südlich von Maxkron haben sich Nieder- und Hochmoore herausgebildet.

Die Berghalde und das westlich davon liegende Gewerbegebiet „Grube“ sind künstlich aufgeschüttet und bestehen aus Abraum des Bergbaus.Geologische Karte 1:25 000 8234 Penzberg. Hrsg.: Bayerisches Geologisches Landesamt. München 1991. Abgerufen am 7. Mai 2019.

Gemeindeteile Es gibt 20 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Zuweilen wird der Weiler Glashütte als eigener Ortsteil genannt, der sonst Nantesbuch zugerechnet wird.

Nachbargemeinden Das Stadtgebiet wird, von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn umschlossen von den Gemeinden Münsing, Eurasburg, Königsdorf, Bad Heilbrunn, Bichl, Sindelsdorf, Antdorf und Iffeldorf.

Geschichte Eine wesentliche Sammlung und Ordnung der nachfolgend aufgeführten, geschichtsrelevanten Beschreibungen bis 1983 erfolgte durch den Stadtarchivar Karl Luberger. Sofern nicht explizit gekennzeichnet, beziehen sich alle Einträge des Abschnitts darauf. Auf Grundlage dieser Chronik verfasste der Historiker Reinhard Heydenreuter zum 100-jährigen Stadtjubiläum 2019 eine neue Stadtchronik.

Entstehung 1275 wurde die Schwaige Poennensperch erstmals urkundlich erwähnt, als Albero Freiherr von Pruckberg (oder Albrecht von Bruckberg) diese dem Kloster Benediktbeuern gegen zwei Huben in Weindorf bei Murnau übergab. Auf dem Schlossbichl befand sich wahrscheinlich noch vor dieser Zeit eine kleine befestigte Holz-Erdanlage (Burgstall Schlossbichl).

In einer Urkunde vom 29. August 1291 werden die Gemeindeteile „Haselberg“ und „Siegreichsberg“ genannt. Albrecht von Bruckberg verkauft an das Kloster zu St. Jakob am Anger den äußeren und inneren Haselberg, und den Siegreichsberg mitsamt den Eigenleuten darauf.

In einer weiteren Urkunde vom 17. Februar 1293 beurkundet Abt Otto von Benediktbeuern, dass ein Streit zwischen den Eigenleuten des Klosters Benediktbeuern zu Penzberg und denen des Klosters St. Jakob am Anger von den beiderseitigen Schiedsleuten beigelegt worden ist. Im Einzelnen werden die verschiedenen Weiderechte festgelegt, die Rechte am Klosterweiher zu Benediktbeuern und die Überschwemmung durch denselben sowie das Schlagen von notwendigem Zimmererholz (im heutigen „Zibetholz“).

Am 2. Februar 1295 wird dann der spätere „Nonnenwald“ genannt. Alber von Bruckberg verkauft dem Kloster zu St. Jakob in München die Gerichtsbarkeit im Wald, welche er vom Gericht Antdorf abgetrennt hat. Im gleichen Jahr wird auch das „Gut auf dem Wald“ durch Alber von Bruckberg dem Kloster zu St. Jakob am Anger verkauft.

1300 bis 1803 Fast 500 Jahre wurde im Nonnenwald (am Säubach bzw. Salabach oder Seld und den umliegenden Weihern) Fischzucht betrieben. Nutznießer waren das von Nonnen geführte Angerkloster in München und das Kloster Benediktbeuern. Ein weiterer Wirtschaftsfaktor war die Waldbewirtschaftung. Die Bauern mussten außerdem für die besitzenden Klöster Scharwerksdienste leisten. Die einfache Gerichtsbarkeit für den Bereich lag beim Kloster Benediktbeuern, während das Hochgericht zunächst Wessobrunn, später Weilheim zugeordnet war.

1557 erschienen erste Berichte über den Bergbau. Am Schlossbichl traten damals die Kohlenflöze über Tage aus. Die Abbauarbeiten gingen vom Reichskloster Benediktbeuern aus, das ein in die Zeit vor 1150 datiertes Bergregal besaß. Dieser Abbau wurde jedoch immer kostenintensiver, je tiefer die Pechkohle aus der Erde geholt werden musste. 1692 wurde der Abbau als Folge des Dreißigjährigen Kriegs eingestellt und geriet in Vergessenheit. 1792 erwähnte der bairische Berg- und Münzrat Mathias von Flurl in einem Reisebericht zur Feststellung und zum Auffinden von Bodenschätzen die Pechkohlenvorkommen. Vier Jahre später wurde die Grube Penzberg gegründet, allerdings kurze zeit später wieder eingestellt. Trotzdem waren die Grundlagen zur weiteren Stadtentwicklung gelegt. Rund 170 Jahre bestimmte das Kohlenbergwerk die Entwicklung der entstehenden Stadt.

1803 bis 1900 mini|Schachthügel um 1880 Bis zur Säkularisation im Jahr 1803 gehörte Penzberg dem Kloster Benediktbeuern. 1808 wurden mit der Neuordnung des Staatsgebietes die Höfe dem Distrikt St. Johannisrain zugeteilt. 1818 entstand dann die politische Gemeinde St. Johannisrain mit Penzberg als Gemeindeteil.

In den 1830er-Jahren wurde der Bergbau von der Familie Eichthal wieder aufgenommen. 1842/1843 wurde zwischen den Ortsteilen Daser und Nantesbuch von Simon von Eichthal, einem Bankier aus München und Bruder des Penzberger Kohlezechen-Betreibers Bernhard von Eichthal, eine Glashütte errichtet, die bis 1852 Gebrauchsglas herstellte. Den Quarz bezog die Glashütte aus dem nahegelegenen Quarzbichl, die Kohle zur Verbrennung vom Penzberger Kohlebergwerk. Das Gebäude wurde in späteren Jahren und Jahrzehnten als Gastwirtschaft und Ausflugslokal genutzt und dient heute als Wohnhaus.

1865 wurde die Eisenbahnstrecke Tutzing–Penzberg in Betrieb genommen, was den Absatz der Kohle hin zur Landeshauptstadt München entscheidend erhöhte und die Grube erstmals rentabel machte. Im selben Jahr wurde auch der Postdienst aufgenommen. Im Jahr 1871 wurde das erste Schulhaus an der Straße nach Reindl erbaut, das allerdings nur Kindern von Bergleuten offenstand. Zwei Jahre später entstand aus der Bergarbeitersiedlung der heutige Stadtkern, die sogenannte Penzberger Kolonie, mit den typischen Zechenhäusern, von denen heute nur noch wenige an der Karlstraße und der oberen Friedrich-Ebert-Straße existieren. Der Zuzug von Arbeitskräften erfolgte vor allem aus den österreichischen Kronländern wie Böhmen, Kroatien, Südtirol und der Lombardei, aber auch aus Oberösterreich. Mit den Bergleuten siedelten sich zunehmend Handwerker und Gewerbetreibende an. 1874 wurde als einer der ersten Vereine die Bergknappenkapelle gegründet, im selben Jahr auch der Schützenverein. 1877 entstand das Schulhaus an der Philippstraße für Knaben von Bergleuten und später auch von Nicht-Bergleuten. 1884 ließ die Bergwerksgesellschaft zudem einen Kindergarten errichten und im selben Jahr erhielt Penzberg eine Gendarmeriestation. 1889 begannen Planung und Einrichtung der gemeindlichen Wasserversorgung sowie der elektrischen Straßenbeleuchtung. 1891 wurde die im neugotischen Stil erbaute, katholische Kirche St. Barbara, eingeweiht. 1897/1898 erfolgte die Verlängerung der Eisenbahnlinie nach Kochel (Kochelseebahn). Um das komplizierte Kopfmachen der Züge zu vermeiden, wurde der alte Penzberger Bahnhof fortan nur noch im Güterverkehr genutzt und der Bahnhof Neupenzberg im Süden des Ortes als Durchgangsstation erbaut. 1897–1900 wurde eine Mädchenschule errichtet. 1898 erfolgte die erste Gewerkschaftsbewegung, der Verein zur Wahrung und Förderung bergmännischer Interessen in Oberbayern. 1899 wurde in Penzberg die katholische Pfarrei gebildet.

1901 bis 1933 mini|Das ehemalige Pechkohlenbergwerk in Penzberg (1908) Im Jahre 1901 wurde die Sozialdemokratische Partei ins Leben gerufen und der Evangelische Verein Penzberg gegründet. Im selben Jahr ließ die Maffeische Gutsverwaltung die Wirtschaft Eichberger (später Staltacher Hof) im Zentrum erbauen. 1904 legte man sowohl den Grundstein zur evangelischen Kirche als auch den für das Krankenhaus am Schloßbichl. 1911 wurde der Gemeindename St. Johannisrain amtlich in Penzberg geändert. Im selben Jahr lud Franz Marc den Maler Heinrich Campendonk nach Sindelsdorf ein. Wesentliche Inspiration erhielt Campendonk in Penzberg. Mit Bildern wie Barbara-Zeche (1919) und Penzberger Reiter verewigte er die Arbeiterstadt.

Dem Ersten Weltkrieg fielen 189 Penzberger Bürger zum Opfer. Die Kohleförderung sank von 290.000 auf 208.000 t, während die Belegschaftsstärke nahezu gleich blieb. Lücken durch Einberufungen wurden vor allem durch kriegsgefangene Russen ausgeglichen.Klaus Tenfelde: Die proletarische Provinz: Radikalisierung und Widerstand in Penzberg. Oldenbourg Verlag 1982.

Im Jahre 1919 erhielt Penzberg die Stadtrechte. mini|Das Rathaus in seiner heutigen Form 1921 wurde das Rathaus von Josef Linder erweitert und erhielt sein heutiges Aussehen mit der typischen Fassade und dem Zwiebeltürmchen.

Das neue Postamt wurde 1923 an der Philippstraße erbaut, im Jahr darauf entstand unmittelbar der heutige Personenbahnhof Neupenzberg.

1927/28 wurde die Stadthalle an der heutigen Bürgermeister-Rummer-Straße unter unentgeltlichem Arbeitseinsatz von den Mitgliedern der Penzberger Arbeitervereine erbaut.

1933 bis 1945 Nachdem die NSDAP bei den Reichstagswahlen am 5. März 1933 mit 16,4 % das schlechteste Ergebnis in einem bayerischen Verwaltungsbezirk erreichte, übernahmen am 11. März die Nationalsozialisten mit List und Gewalt die Macht im Rathaus.Luberger, Stadtgeschichte von Penzberg. 3. Auflage S. 297 ff.

Ab 1943 war die Stadthalle durch ein Lager belegt, das ausgebombte Kinder aus München und Umgebung aufnahm. Am 16. November 1944 wurden bei einem alliierten Luftangriff etwa 30 Bomben abgeworfen. Acht Personen kamen dabei ums Leben, 20 wurden verletzt. Vier Wohnhäuser wurden zerstört, neun Gebäude wurden beschädigt. Von der katholischen Barbarakirche stand nach dem Angriff nur noch der Chorraum. Das Bergwerk war von den Luftangriffen nicht betroffen. mini|Die beim Bombenangriff größtenteils zerstörte Barbarakirche