Die portugiesische Rugby-Union-Nationalmannschaft () ist die Nationalmannschaft Portugals in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die Mannschaft trägt den Spitznamen („die Wölfe“), nach dem Iberischen Wolf. Die organisatorische Verantwortung trägt der 1926 gegründete Verband Federação Portuguesa de Rugby (FPR). Vom Weltverband World Rugby wird die portugiesische Nationalmannschaft in die zweite Stärkeklasse () eingeteilt. Damit gehört sie zu den stärkeren europäischen Teams außerhalb der Six Nations.
Das erste Test Match fand 1935 gegen Spanien statt. Portugal nahm bisher an zwei Weltmeisterschaften teil und erreichte bei der WM 2023 mit dem vierten Gruppenplatz sein bestes Ergebnis. Die Mannschaft errang bisher zwei Titel bei Europameisterschaften und klassierte sich zweimal auf dem zweiten sowie viermal auf dem dritten Platz. Traditionell spielt Portugal in roten Trikots mit weißen Hosen und roten Socken.
Organisation
Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Portugal ist die Federação Portuguesa de Rugby (FPR). Der Verband wurde 1926 gegründet und trat 1988 dem International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby) bei. Die Federação Portuguesa de Rugby war außerdem im Jahr 1934 Gründungsmitglied des Kontinentalverbandes Fédération internationale de rugby amateur (FIRA; heute Rugby Europe, RE).
Die höchste Rugby-Union-Liga in Portugal ist die halbprofessionelle Campeonato Português de Rugby mit zwölf Mannschaften. Allerdings ziehen es zahlreiche Spieler wegen der besseren finanziellen Möglichkeiten vor, als Profisportler für Vereine in Frankreich oder anderen westeuropäischen Ländern zu spielen. In Portugal tätige Nationalspieler gehören meist der professionellen Mannschaft Lusitanos XV an, die seit 2021 am Rugby Europe Super Cup teilnimmt. Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die FPR weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Portugal über eine U-20-Nationalmannschaft, die an den entsprechenden Europa- und Weltmeisterschaften teilnimmt. Hinzu kommt die Siebener-Rugby-Nationalmannschaft.
Geschichte Einführung und langsame Verbreitung von Rugby Britische Händler brachten Rugby zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Portugal und riefen dort verschiedene Mannschaften ins Leben. Das erste dokumentierte Rugbyspiel fand am 11. Dezember 1903 in Cruz Quebrada statt, einem Vorort der Hauptstadt Lissabon. Es trafen zwei Mannschaften aufeinander, deren Spieler ausschließlich Briten waren, die sich aus beruflichen Gründen in der Hauptstadt aufhielten. Die Sportart konnte sich zunächst aber nicht durchsetzen. Gründe dafür waren die wirtschaftlichen und sozialen Probleme nach der Gründung der Ersten Portugiesischen Republik, der Erste Weltkrieg und insbesondere die Dominanz des Fußballs. Erst ab 1922 konnten regelmäßig Partien mit Beteiligung einheimischer Spieler durchgeführt werden. Neben Briten hatten nun insbesondere Franzosen eine führende Rolle bei der Verbreitung des Rugbysports inne. Bis heute wird die portugiesische Rugbykultur stark vom französischen Einfluss geprägt, beispielsweise bei Fachausdrücken wie für Versuch (abgleitet von ).
Der elitäre Charakter des Rugbysports hemmte die Popularisierung, sodass es häufig Schwierigkeiten gab, genügend Spieler, Fans oder sogar Schiedsrichter zu finden. Hinzu kam die Tatsache, dass Rugby in Portugal seit jeher ein typischer Hochschulsport ist und die führenden Vereine auf die Universitätsstädte Lissabon, Porto und Coimbra konzentriert sind. Außerdem war der Zugang zu den wenigen Universitäten lange Zeit eingeschränkt, weshalb Rugby in der breiten Öffentlichkeit auf wenig Interesse stieß. Während der Ära des autoritär-diktatorischen Estado Novo wurde Rugby selbst von der Elite nicht einhellig akzeptiert, im Gegensatz etwa zum faschistischen Italien. Beispielsweise hielt der Autor Henrique Galvão Rugby für „unvereinbar mit der portugiesischen Rasse“, denn sie könne „nicht die notwendige Gelassenheit und Loyalität bewahren, die notwendig ist, um ein Rugbyspiel nicht in eine Reihe von Boxkämpfen verfallen zu lassen“.
Trotz aller Widrigkeiten wurde 1926 der Rugbyverband Federação Portuguesa de Rugby (FPR) gegründet, der ein Jahr darauf erstmals eine Meisterschaft organisierte. 1934 gehörte die FPR zu den Gründungsmitgliedern der Fédération internationale de rugby amateur (FIRA; heute Rugby Europe, RE), die als Konkurrentin zum angelsächsisch dominierten International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby) auftrat. Dennoch blieben internationale Begegnungen eine Seltenheit. Am 13. April 1935 begann die bis heute andauernde Rivalität mit Nachbar Spanien mit einer 5:6-Heimniederlage in Lissabon; für Portugal war dies das erste Länderspiel überhaupt.Richards: A Game for Hooligans: The History of Rugby Union. S. 129. Ein Jahr später folgte das erste Auswärtsspiel in Madrid, das ebenfalls verloren ging. Fehlendes Interesse hatte zur Folge, dass das nächste Länderspiel erst 1954 ausgetragen werden konnte, gefolgt von einer weiteren, über zehnjährigen Pause.
Regelmäßige internationale Kontakte mini|Die portugiesische Nationalmannschaft von 1966 Erst ab Mitte der 1960er Jahre gab es regelmäßig internationale Begegnungen, als Portugal in der zweiten Division des FIRA-Nationenpokals 1965/66 antrat und somit erstmals an einer Europameisterschaft teilnahm. Dabei gelang am 27. März 1966 in Madrid der erste Sieg über Spanien. Vier Wochen später sicherten sich die Portugiesen mit einem Unentschieden gegen Belgien den Aufstieg in die erste Division. Beim FIRA-Nationenpokal 1966/67 verloren die Portugiesen alle drei Partien gegen Italien, Rumänien und die zweite französische Nationalmannschaft, worauf sie wieder abstiegen. Ein Jahr später, in der zweiten Division des FIRA-Nationenpokals 1967/68, gelangen ein Sieg über Belgien und ein Unentschieden gegen Marokko. Auch in den folgenden Jahren verpasste Portugal den angestrebten Wiederaufstieg, wobei sich zu den bisherigen Gegnern auch die Niederlande gesellten. Knapp verpasst wurde der Aufstieg beim FIRA-Nationenpokal 1972/73, als die Portugiesen in der Vorrunde Italien schlugen und gegen Jugoslawien unentschieden spielten, aber im Finale an Polen scheiterten. Nach zwei Niederlagen gegen Italien und Deutschland zum Auftakt des FIRA-Pokal 1973/74 zog sich die portugiesische Nationalmannschaft als Folge der Nelkenrevolution vom 25. April 1974 aus dem Wettbewerb zurück.
Mit Ausnahme eines Freundschaftsspiels gegen die Schweiz im März 1979 ruhte der internationale Spielbetrieb bis Februar 1981. In der dritten Division des FIRA-Pokals 1980/81 blieb Portugal gegen die Schweiz, Belgien, Dänemark und Schweden ungeschlagen. Die nächsten Jahre waren von einer allmählichen Verbesserung in der zweiten Division geprägt. Von Mai 1983 bis Oktober 1985 blieben die Portugiesen in acht von neun Spielen unbesiegt. Im FIRA-Pokal 1983/84 verpassten sie den Aufstieg in die erste Division lediglich wegen eines Unentschiedens gegen Spanien, das am Ende eine bessere Punktedifferenz aufwies. Der Aufstieg gelang ein Jahr später beim FIRA-Pokal 1984/85, als sie die Tschechoslowakei, Polen und Marokko hinter sich ließen. Die Division 1 des FIRA-Pokals 1985–1987 erwies sich dann als zu anspruchsvoll für die Portugiesen, denn sie verloren alle zehn Partien gegen die zweite französischen Nationalmannschaft, die Sowjetunion, Rumänien, Italien und Tunesien. Erwartungsgemäß erhielt die Mannschaft 1987 vom IRFB keine Einladung für die erste Weltmeisterschaft. Allerdings wurde der portugiesische Verband ein Jahr später in den IRFB aufgenommen.Bath: Complete Book of Rugby. S. 73.
Den FIRA-Pokal 1987–1989 der zweiten Division beendete Portugal auf dem dritten Platz. Daran anschließend beteiligte sich die Mannschaft im Oktober 1989 an der Qualifikation für die WM 1991, wobei sie zuerst die Tschechoslowakei bezwang und daraufhin gegen die Niederlande ausschied. Beim FIRA-Pokal 1989/90 belegte die Mannschaft den ersten Platz in der Gruppe A der zweiten Division, das Finale in Sevilla gegen Spanien (Erstplatzierter der Gruppe B) verlor sie hingegen mit 6:29 und verpasste somit den Aufstieg. Aufgrund einer Modusänderung rutschten die Portugiesen automatisch in die erweiterte erste Division des FIRA-Pokals 1990–1992, verpassten aber deutlich den Einzug in die Finalrunde. Beim FIRA-Pokal 1992–1994 schieden sie in der zweiten Phase aus. Einzelne Spiele zählten auch als zweite Runde der Qualifikation für die WM 1995. Hinter den erstplatzierten Spaniern zogen die Portugiesen in die dritte Runde ein, in der sie sowohl Wales als auch Spanien unterlagen. Die nächste Europameisterschaft erstreckte sich über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren. Zunächst qualifizierten sich die Portugiesen 1994/95 als Zweitplatzierte der Vorrundengruppe B für die zweite Phase, die 1995/96 ausgetragen wurde. In dieser belegten sie mit einer ausgeglichenen Bilanz von je zwei Siegen und Niederlagen den dritten Platz.
Der Weg zum Europameistertitel Die Jahre 1997 bis 1999 waren eine Ära des Umbruchs im europäischen Rugby, da sich die FIRA einerseits dem IRFB als Kontinentalverband unterordnete und sich gleichzeitig von den außereuropäischen Mitgliedern trennte. Außerdem nahmen mit Frankreich und Italien die beiden stärksten Teams nicht mehr an Europameisterschaften teil. Aus diesen Gründen fanden stattdessen Ersatzturniere statt, die nicht den Status von Kontinentalmeisterschaften hatten. In der ersten Runde des FIRA-Turniers 1996/97 setzte sich Portugal zunächst gegen die Niederlande und Tunesien durch, in der zweiten Runde auch gegen Georgien. Das Finale um den Turniersieg gegen Spanien endete mit einer 18:25-Niederlage. Die Finalteilnahme bedeutete jedoch, dass Portugal die erste Runde der Qualifikation für die WM 1999 überspringen konnte. In der zweiten Qualifikationsrunde belegte Portugal erneut den zweiten Platz hinter Spanien und stieß dadurch in die dritte Runde vor, deren Spiele alle im November 1998 im Murrayfield Stadium in Edinburgh stattfanden. Dort verlor man mit 11:85 gegen Schottland und mit 17:21 gegen Spanien. Sowohl Schottland als auch Spanien qualifizierten sich für die WM-Endrunde, während die Portugiesen im abschließenden Playoff gegen Uruguay um einen der beiden letzten Startplätze antreten mussten. Das Hinspiel am 13. März 1999 in Montevideo ging mit 6:49 verloren, das Rückspiel am 3. April in Lissabon mit 24:33; somit lautete das Gesamtergebnis 79:33 zugunsten Uruguays. Nach Abschluss der Umstrukturierung des europäischen Rugbysports spielten die Portugiesen in der ersten Division des European Nations Cup 1999/2000, wobei sie den letzten Platz belegten. Sie entgingen dem Abstieg nur deshalb, weil das besser platzierte Marokko zur Afrikameisterschaft wechseln musste.
Im September 2001 übernahm Tomaz Morais das Amt des Nationaltrainers. Während seiner neunjährigen Tätigkeit gelang es ihm, die spielerische Qualität der Nationalmannschaft markant anzuheben und das portugiesische Rugby in eine „goldene Ära“ zu führen. Einerseits setzte er auf besonders talentierte Schlüsselspieler wie die Brüder Gonçalo und Vasco Uva oder António Aguilar. Andererseits kamen diese oftmals auch in der ebenfalls von ihm betreuten Siebener-Rugby-Nationalmannschaft zum Einsatz, die einige beachtliche Erfolge feierte. Da eine relativ kleine Gruppe sehr oft miteinander spielte, entwickelte sich über die Jahre ein taktisch sehr gut eingespieltes Team. Beim European Nations Cup 2001/02 belegte Portugal den vierten Platz, was jedoch ausreichend war, um in die dritte Runde der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2003 einzuziehen. Diese fand im Frühjahr 2002 statt und verlief äußerst ausgeglichen, da am Ende alle drei Teilnehmer je einen Sieg und eine Niederlage aufwiesen: Während Spanien mit einer Gesamtpunktzahl von 49:48 in die vierte Runde einzog, schieden Portugal (60:60) und Polen (53:54) sehr knapp aus.