mini|Johannes XXIII. rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image|Unterschrift Johannes’ XXIII. mini|hochkant|Wappen Johannes’ XXIII. mini|hochkant|Reliquien im Dom von Bergamo

Johannes XXIII. (, bürgerlich Angelo Giuseppe Roncalli []; * 25. November 1881 in Sotto il Monte; † 3. Juni 1963 in der Vatikanstadt) war vom 28. Oktober 1958 bis zu seinem Tod vier Jahre und sieben Monate lang der 261. Papst der römisch-katholischen Kirche. Er wird auch „der Konzilspapst“ und wegen seiner Bescheidenheit und Volksnähe im Volksmund il Papa buono („der gute Papst“) genannt.

Am 3. September 2000 wurde Johannes XXIII. von Johannes Paul II. selig- und am 27. April 2014 von Franziskus heiliggesprochen. Sein Gedenktag in der römisch-katholischen Kirche ist der 11. Oktober,Liturgische Feiertage für zwei heilige Päpste. In: radiovaticana.va. Radio Vatikan, abgerufen am 13. September 2014. der Tag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahr 1962. Die evangelisch-lutherische Kirche in Amerika gedenkt seiner am 3. Juni, seinem Todestag.Gail Ramshaw: More Days for Praise: Festivals and Commemorations in Evangelical Lutheran Worship. Augsburg Fortress 2016, S. 129.

Leben bis zum Pontifikat Jugend

Angelo Giuseppe Roncalli wurde in ärmlichen Verhältnissen als Sohn von Marianna Roncalli und Giovanni Battista in Sotto il Monte am Rand der Alpen geboren; sein Vater war ein mezzadro (Halbpächter), ein Bauer, der die Hälfte seiner Ernte an den Gutsherrn abzuliefern hatte.Lawrence Elliott: Johannes XXIII. Das Leben eines großen Papstes. Herder, Freiburg 1974, S. 33. Angelo wuchs als viertes Kind mit zwölf Geschwistern in einer bäuerlichen Großfamilie auf. Ein besonderes Verhältnis hatte der junge Angelo zu seinem Großonkel Zaverio, der für sein Glaubensleben richtungsweisend wurde. Die Begabung des Knaben wurde durch den Gemeindepfarrer Don Rebuzzini erkannt und gefördert. Mit privatem Lateinunterricht förderte der Pfarrer seinen Schüler. Doch Angelos Vater war dagegen, weil er auf dessen Arbeitskraft nicht verzichten konnte. Der Aussicht, dass sein Sohn Priester werden sollte, stand er skeptisch gegenüber. Nur mühsam konnte der Vater überzeugt werden. 1892 wurde Angelo ins Vorbereitungsseminar in Bergamo aufgenommen. Anschließend konnte er das theologische Seminar besuchen. 1901 leistete er seinen einjährigen Wehrdienst in der italienischen Armee ab. Anschließend studierte er an der Universität La Sapienza in Rom, wo er am 18. Dezember 1903 zum Diakon geweiht wurde. Ein Jahr später schloss er sein Studium mit der Promotion zum Dr. theol. ab.

Priester, Professor und Militärkaplan Am 10. August 1904 wurde Roncalli in der Kirche Santa Maria in Montesanto zum Priester geweiht. Anlässlich der Priesterweihe wurde er dem damaligen Papst Pius X. vorgestellt. Früh lernte er auch die späteren Päpste Achille Ratti und Eugenio Pacelli kennen. Von 1905 bis 1914 wirkte Roncalli als Sekretär des Bischofs Graf Radini Tedeschi von Bergamo, den er zeitlebens sehr verehrte. Mit dem Bischof unternahm Roncalli viele Auslandsreisen, u. a. 1906 ins zum Osmanischen Reich gehörende Palästina. Er blieb seinem Seminar in Bergamo als Professor weiterhin verpflichtet und lehrte dort Kirchengeschichte. Mit dem Tod seines Förderers verlor Roncalli sein Sekretärsamt.

Mit der Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn am 23. Mai 1915 wurde Roncalli wie alle seine vier Brüder eingezogen. Er diente erst als Sanitätssoldat, später wurde er Militärseelsorger. 1916 wurde Roncalli zum Leutnant befördert und an die Front versetzt, im Oktober 1917 war er als Feldkaplan bei der Schlacht um Caporetto im Reservelazarett „Ricovero Nuovo“ in Bergamo eingesetzt. Erst im Frühjahr 1919 wurde er aus dem Militärdienst entlassen.Papst im Krieg – Vor einem Unteroffizier kniet man nicht! In: spiegel.de. SPON einestages, 25. April 2014.

Nach dem Krieg wirkte er als Jugend- und Studentenpfarrer. Von Papst Benedikt XV. 1921 nach Rom versetzt, wurde er zum Präsidenten des Zentralrates des Päpstlichen Missionswerkes in Italien und zum Monsignore erhoben. In dieser Eigenschaft besuchte er am 23. Dezember 1921 den Franziskus-Xaverius-Verein in AachenAm Sonntag heiliggesprochener Papst Johannes XXIII. besuchte 1921 missio-Zentrale in Aachen. In: missio-hilft.de. missio Aachen, 28. April 2014. (heute: Missio Aachen), und anschließend Köln, wo er am 27. Dezember 1921 im Dom die Heilige Messe feierte.Poschenker: Nachruf auf Johannes XXIII. Von Kardinal Joseph Frings, Köln, 1963. In: poschenker.wordpress.com. 26. Februar 2015, abgerufen am 13. Januar 2017.

Diplomat des Heiligen Stuhls Am 3. März 1925 wurde Roncalli zum Apostolischen Visitator für Bulgarien, wo er den Weg zum regionalen Dialog zwischen der katholischen und orthodoxen Kirche ebnete, und Titularerzbischof von Areopolis ernannt. Für diese Aufgabe bedurfte es der Bischofsweihe, die er am 19. März 1925 durch Giovanni Tacci Porcelli, Sekretär der Kongregation für die orientalische Kirche, empfing. Mitkonsekratoren waren Giuseppe Palica, Vizegerent des Bistums Roms, und Francesco Marchetti Selvaggiani, Sekretär der Kongregation für die Verbreitung des Glaubens. Sein Wahlspruch lautete Oboedientia et pax („Gehorsam und Friede“). 1931 erfolgte die Erhebung zum Apostolischen Delegaten von Bulgarien.

mini|Roncalli als Kardinalpatriarch von Venedig

Am 30. November 1934 folgte die Ernennung Roncallis zum Apostolischen Delegaten und Vikar für die Türkei und Griechenland. Gleichzeitig wurde ihm das Titularerzbistum Mesembria zugeordnet. In der Türkei Atatürks war Roncalli als Bischof von Konstantinopel für die kleine katholische Gemeinde als Seelsorger tätig. Atatürk schaffte den Islam als Staatsreligion ab.Wilhelm Baum: Die Türkei und ihre christlichen Minderheiten. Kitab-Verlag, Klagenfurt, 2006. Es war verboten, in der Öffentlichkeit geistliche Tracht zu tragen. Hier wurde Roncalli vom Zweiten Weltkrieg überrascht. Während des Krieges verhalf er Juden zur Flucht aus dem von der deutschen Wehrmacht (seit März 1944) besetzten Ungarn. Roncalli versuchte, eine größere jüdische Flüchtlingsgruppe, die ohne Verpflegung in der Türkei festgesetzt worden war, zu befreien. Als diplomatische Verhandlungen mit Franz von Papen erfolglos waren, erbat er von den deutschen Bischöfen ein Schreiben, aus dem hervorgehen sollte, dass es sich bei der Gruppe um deutsche Katholiken handele, die zum Geburtsort des hl. Paulus von Tarsus pilgern wollten. Dieses Schreiben wurde als echt anerkannt und ebnete den vermeintlichen Katholiken den weiteren Weg. Diese Rettungsmission von lebensbedrohten Juden hat den Namen Operation Taufe erhalten. Nach Unterlagen des Nürnberger Prozesses wurden so 24.000 Juden gerettet, während katholische Quellen sogar von 80.000 ausgestellten Taufzertifikaten sprechen.

Am 22. Dezember 1944 wurde er von Papst Pius XII. als Apostolischer Nuntius nach Frankreich versetzt. Diese Aufgabe war nicht einfach und erforderte diplomatisches Geschick, da sein Vorgänger im Amt mit dem Regime unter Philippe Pétain zusammengearbeitet hatte. Durch seine freundliche Art konnte Roncalli die Franzosen schnell für sich gewinnen, und es gelang ihm auch, einen Großteil der Bischöfe, die der neuen französischen Regierung (unter Charles de Gaulle) nicht genehm waren, im Amt zu halten.

Kardinalat

Am 12. Januar 1953 wurde Roncalli von Papst Pius XII. zum Kardinal kreiert (Titelkirche S. Prisca) und drei Tage darauf zum Patriarchen von Venedig erhoben. Das relativ gute Einvernehmen mit der französischen Regierung zeigte sich darin, dass der Präsident der Französischen Republik, Vincent Auriol, einer alten Gepflogenheit gemäß dem neu ernannten Kardinal das Kardinalsbirett aufsetzte. Pius XII. entsandte den Kardinal im September 1954 als Päpstlichen Legaten zum Nationalen Eucharistischen Kongress des Libanon nach Beirut.

Wahl zum Papst

Nach dem Tod Pius’ XII. wurde Roncalli am 28. Oktober 1958, dem vierten Tag des Konklaves, im 11. Wahlgang durch die 51 Mitglieder des Kardinalskollegiums zum Papst gewählt; dem Vernehmen nach erhielt Roncalli 38 Stimmen, die zweitmeisten Stimmen entfielen demnach auf Kardinal Grégoire-Pierre Agagianian.

Die Krönung des neuen Papstes am 4. November 1958, dem Fest des hl. Karl Borromäus, beeindruckte die Weltöffentlichkeit, als der Papst sich mit Bezug auf seinen Taufnamen Giuseppe mit „Ich bin Josef, euer Bruder“ vorstellte.

Namenswahl Hinsichtlich der Päpste mit Namen Johannes herrschte schon seit dem Mittelalter erhebliche Verwirrung aufgrund von Fehlern in der Zählung und der ungeklärten Legitimität einiger Träger dieses Papstnamen. Insbesondere der für lange Zeit letzte Namensträger, Johannes XXIII., wurde zwar lange Zeit von der römischen Kirche als legitimer Papst anerkannt,Georg Schwaiger: Papsttum und Päpste im 20. Jahrhundert von Leo XIII. zu Johannes Paul II. Beck: München 1999, ISBN 978-3-406-44892-8, S. 510. aber insbesondere um 1900 wurde seine Legitimität teilweise in Zweifel gezogen. Ab 1947 wurde er nicht mehr in der offiziösen Liste der Päpste im Annuario Pontificio geführt. Anders als bei Alexander V., der 1947 ebenfalls gestrichen wurde, hatte es bei Johannes seit seinem Tod keine unstrittig legitimen Päpste gegeben, die seinen Namen aufgegriffen hätten. Erst der Roncalli-Papst tat dies und wusste, dass dies auch als Aussage über den Pisaner Papst verstanden werden würde. Unmittelbar nach seiner Wahl hatte er daher den Kardinälen erklärt, mit seiner Namenswahl nicht die offene Frage der Legitimität des Pisaner Papsttums entscheiden zu wollen: Sunt enim enumerati Summi Pontifices, quibus nomen Joannes, extra legitimitatis discussiones, viginti duo. Man zählt, ungeachtet der Frage nach der Legitimität, 22 Päpste mit Namen Johannes. Er zählte also auch die in ihrer Legitimität umstrittenen Namensträger mit und verzichtete auf eine Entscheidung in dieser Frage. Diese Erklärung zum Papstnamen wurde allerdings nur teilweise publiziert. Die Ansprache wurde zwar im Osservatore Romano vollständig wiedergegeben, in den Acta Apostolicae Sedis hingegen nur unter Auslassung der entscheidenden Passage extra legitimitatis discussiones.Karl August Fink: Zur Beurteilung des Großen Abendländischen Schismas. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte, Band 73, 1962, S. 335–343, hier S. 336. Digitalisat.Francis Oakley: The Conciliar Heritage and the Politics of Oblivion. In: Christopher M. Bellitto / Gerald Christianson / Thomas M. Izbicki (Hrsg.): The Church, the Councils, and Reform. The Legacy of the Fifteenth Century. Washington: Catholic University of America Press 2008, S. 82–97, hier S. 89. Daher wurde die Entscheidung für den Namen Johannes und vor allem die Ordnungszahl „XXIII“ später gerade entgegen der ursprünglichen Absicht als gleichsam lehramtlichen Entscheidung gegen die Legitimität der Pisaner Päpste interpretiert.

Pontifikat mini|Johannes XXIII. bei den Olympischen Spielen in Rom (1960) mini|Audienz Johannes’ XXIII. (1962)

Johannes XXIII. stellte sein Pontifikat u. a. unter den Schutz des hl. Franz von Sales. Nach seiner Wahl wurde Roncalli wegen seines hohen Alters und seiner konservativen Frömmigkeit in der Presse als Übergangspapst und Kompromisslösung bezeichnet, erwies sich jedoch bald als einer, der Mut zu historischen Veränderungen hatte.

Organisation des Vatikans Zudem reorganisierte Johannes die Kurie. Mit Domenico Tardini ernannte er 1958 erstmals seit dem Tod Luigi Magliones 1944 wieder einen Kardinalstaatssekretär. Seit 1952 hatten sich Tardini sowie sein späterer Nachfolger Giovanni Battista Montini (bis 1954) als Pro-Staatssekretäre ohne Kardinalsrang die Aufgaben geteilt. Auch das Amt des Camerlengos, seit dem Tod Lorenzo Lauris 1941 vakant, besetzte er wieder. Zur Stärkung der Ökumene gründete der Papst am 5. Juni 1960 den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und benannte Augustin Bea zum ersten Präsidenten.