mini|Karte der Staaten und Divisionen Myanmars

Bewaffnete Konflikte in Myanmar bestehen seit der Erlangung der Unabhängigkeit von Myanmar (Birma bzw. Burma) 1948 bis heute. Hierbei kämpften und kämpfen Rebellengruppen aus ethnischen Minderheiten in verschiedenen Landesteilen für mehr Autonomie oder Unabhängigkeit gegen die Zentralregierung und deren Armee.

Heute kämpfen vor allem Organisationen aus den Volksgruppen der Karen und Shan im Osten des Landes weiter gegen die Regierung, während andere Organisationen Waffenstillstandsabkommen geschlossen haben. Auch in anderen Regionen gibt es sporadische Kämpfe. Als Folge der Konflikte leben etwa 160.000 myanmarische Flüchtlinge im angrenzenden Thailand und weitere in anderen Staaten der Region, innerhalb Myanmars gibt es Hunderttausende Binnenvertriebene.

2021 kam es zu einer Eskalation der Konflikte im Land nach einem Putsch des Militärs. Bis 2023 wurden dadurch weitere 1,6 Millionen Menschen zu Binnenvertriebenen.

Hintergrund Volksgruppen des Landes Von den Einwohnern des heutigen Myanmar gehören etwa 68 % der Volksgruppe der Birmanen (Bamar) an. Die übrigen 32 % verteilen sich auf Minderheiten wie die Shan (9 %), Karen (inkl. Kayah/Karenni; 7 %), Arakanesen/Rakhaing (4 %), Mon (2 %) und weitere wie die Chin, Kachin und Rohingya.Zahlen aus Die buddhistischen Birmanen sind überall im Land, vor allem aber im Zentrum im Tal des Irrawaddy ansässig, während die – zum Teil christlichen, animistischen oder muslimischen – Minderheiten in den Randgebieten im Norden, Osten und Westen die Bevölkerungsmehrheit stellen.

Geschichte und Politik In der vorkolonialen Zeit wurde das heutige Myanmar weder geographisch noch politisch als Einheit betrachtet. Es gab keine festen Grenzen, sondern Übergangsgebiete mit Herrschaften, welche Burma nominal Tribut zahlten, aber sonst unabhängig waren. Solche unfixierten territorialen Grenzen waren überall in Südostasien verbreitet. Zwischen den Birmanen und den umliegenden Völkern sowie zwischen den nichtbirmanischen Völkern untereinander gab es immer wieder Konflikte, besonders die Beziehungen zwischen Birmanen und Karen waren gespannt.Dying Alive, 7.1: Pre-colonial experience Im Laufe des 19. Jahrhunderts eroberte Großbritannien das Gebiet, das als Burma 1886 Teil Britisch-Indiens und 1937 eigenständige Kronkolonie wurde. Als die Briten Burma eroberten, befragten sie die alten Beamten, welche Gebiete zum Königreich Burma gehört hatten. Die Beamten gaben alle Gebiete an, welche jemals Tribut an den König bezahlt hatten. Die Briten schlossen darüber hinaus Gebiete wie die Shan-Staaten in ihre Kolonie ein, die nie wirklich Bestandteil von Burma gewesen waren oder sogar Tribut an China und Siam bezahlt hatten.Thomas E. McGrath, Ohio Academy of History Following annexation, British territorial claims were based on information provided by officials of the former Burmese kingdom. The territories identified by these Burmese officials included states that had previously only paid nominal tribute to Burmese kings. So bezeichnen die Shan selbst sich als „Thai Yai“ und sind kulturell und sprachlich eher den Thai zugehörig. Die Wa dagegen tendierten eher zu China, wenn überhaupt. Sie waren in ihren einsamen Bergregionen unabhängig und wurden weder von den Briten noch von China kontrolliert.The Irrawaddy The Much Misunderstood Wa of Myanmar and China ... The Wa in Myanmar have never been controlled by any central authority. During the British time, colonial presence consisted of little more than a few field officers on the outskirts of the hills, and occasional flag-marches up to the border to show the Chinese where their designated territory supposedly ended.

Die Kolonialmacht festigte sich in den birmanischen Gebieten und zerschlug systematisch die Herrschaften der Birmanen, während die nichtbirmanischen Minderheiten ein besonderes Schutzverhältnis und weitreichende Autonomie genossen. Die Kolonialherren ließen die traditionellen Fürstentümer etwa der Shan und der Karenni bestehen und beschränkten sich auf eine indirekte Herrschaft, um den Aufwand für eine direkte Kontrolle über die abgelegenen Minderheitengebiete zu vermeiden. Somit profitierten die Minderheiten in mancher Hinsicht von der Kolonialherrschaft, während sich die Birmanen durch die Eroberung und die Zerstörung ihrer Monarchie gedemütigt und gegenüber den Briten und den Nichtbirmanen im eigenen Land als „Bürger dritter Klasse“ behandelt fühlten.Dying Alive, 7.2: Colonial experience

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen vor allem unter den Birmanen Nationalismus und Unabhängigkeitsbestrebungen auf. Wortführer der Unabhängigkeitsbewegung wurde Aung San. Im Zweiten Weltkrieg, der in Myanmar von 1942 bis 1945 dauerte, standen Aung San und seine Anti-Fascist People’s Freedom League (AFPFL) wie die Mehrheit der Birmanen auf Seiten der japanischen Armee, die gegen die Briten kämpften. Vor allem die christlichen Karen und Kachin unterstützten hingegen die Briten und US-Amerikaner.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Unabhängigkeit Myanmars rasch vorangetrieben. Aung San erreichte 1947 das Abkommen von Panglong mit Vertretern der Shan, Chin und Kachin, wonach diese mit der Regierung des Unionsstaates (Union of Burma) kooperieren und mindestens zehn Jahre lang keine Sezession anstreben würden. Andere Minderheiten waren in Panglong nicht vertreten, aber wurden ebenfalls in den Unionsstaat Myanmar eingebunden. Aung San wurde 1947 ermordet, 1948 wurde Myanmar unter seinem Nachfolger U Nu von Großbritannien unabhängig. Seither gab es Bestrebungen verschiedener ethnischer Minderheiten, auch mit Waffengewalt, eine stärkere Selbstbestimmung gegenüber der birmanischen Mehrheit und dem von dieser dominierten Zentralstaat zu erreichen.

1962 übernahm das Militär die Macht in Myanmar. Seither herrscht eine Militärregierung, die verbreitet als Diktatur bezeichnet und von der EU und den USA kritisiert wird, mit Thailand, China und Indien jedoch gute wirtschaftliche Beziehungen erhält.

Natürliche Ressourcen Die Konfliktregion im Osten des Landes ist reich an diversen Naturschätzen wie Teakholz, Gold und Edelsteinen. Am Saluen-Fluss ist der Bau von vier Staudämmen geplant, deren Energieausbeute vorwiegend nach Thailand exportiert werden soll.

Vor der Küste am Golf von Bengalen liegen Erdgasvorkommen, die vor allem für den Export nach Thailand genutzt werden (siehe Yadana-Projekt); weitere Lagerstätten vor der Küste des Arakan-Staates sollen im Rahmen des Shwe-Projekts mit einer Pipeline nach Kalkutta erschlossen werden.Erdgas in Burma – ein Rohstoff und seine Folgen auf asienhaus.de (PDF; 331 kB)

Verlauf mini|Flagge der KNU

Unmittelbar nach Myanmars Unabhängigkeit von Großbritannien 1948 begannen kommunistische Rebellen einen Aufstand gegen die Regierung. Bis 1949 brachen in verschiedenen Landesteilen Aufstände und ethnische Konflikte aus. Die vorwiegend von christlichen Karen geführte Karen National Union (KNU) begann im Osten des Landes ihren bewaffneten Kampf für einen unabhängigen Karen-Staat Kawthoolei. Die Lage verschärfte sich zusätzlich, als U Nu den Buddhismus zur Staatsreligion erklärte und damit die zum Teil christlichen Karen, Chin und Kachin brüskierte.Reise Know-How-Verlag: Myanmar/Burma – Reisen im Land der Pagoden: Geschichte und Politik in Myanmar/Die Nachkriegszeit in Burma (reisebuch.de) Fragen des Föderalismus und der Stellung der Minderheiten wurden weitgehend außer Acht gelassen.

Aufgrund der Spaltung der Regierungspartei AFPFL wurde zwischen 1958 und 1960 eine militärische Übergangsregierung unter General Ne Win eingesetzt. Diese ging u. a. verstärkt gegen separatistische Tendenzen im Shan-Gebiet vor, wo manche zehn Jahre nach der Unabhängigkeit entsprechend dem Panglong-Abkommen eine Abspaltung anstrebten.

1962 übernahm eine Militärjunta unter Ne Win die Macht. Gerechtfertigt wurde der Putsch nicht zuletzt mit der drohenden inneren „Desintegration“ des Staates, die das Eingreifen des Militärs notwendig mache. Die seither etablierte Militärdiktatur bedeutete für die Birmanen wie für die Minderheiten Repressionen und Einschränkungen ihrer Rechte.

In den folgenden Jahrzehnten wurde mit niedriger Intensität weiterhin gekämpft (low-intensity conflict). Im Laufe der Zeit waren insgesamt Dutzende bewaffnete Gruppierungen gegen die Zentralregierung aktiv, die in den 1970er-Jahren schätzungsweise 20–30 % des birmanischen Territoriums kontrolliert haben sollen. Die KNU führte in den 1970er- und 1980er-Jahren de facto einen eigenen Staat mit Manerplaw als Hauptort; so übernahm sie in den von ihr kontrollierten Gebieten Aufgaben wie Justiz, Gesundheitsversorgung, Bildung, Verwaltung und Infrastruktur. Sie kämpfte sowohl gegen die Regierungsarmee als auch seit den 1950er-Jahren gegen Karen-Kommunisten, die sie 1976 besiegte.Dying Alive, 8.5: The Karen

Die Communist Party of Burma (CPB), von der ein Teil im Shan-Staat sowie im Kachin-Staat operierte und bis in die 1980er-Jahre von der Volksrepublik China unterstützt worden war, zerbrach 1989 und ist seither bedeutungslos. Aus ihr ging u. a. die United Wa State Army (UWSA) hervor. Im selben Jahr ging die Regierung dazu über, Waffenstillstandsabkommen auszuhandeln. So erhielt die UWSA gegen eine 1989 geschlossene Waffenruhe Autonomie für die Special Region 2 des Shan-Staats (auch Wa-Staat genannt). Andere bewaffnete ethnischen Organisationen, welche einen Waffenstillstand aushandelten waren die Shan State Army-North, die Myanmar Nationalities Democratic Alliance Army und die National Democratic Alliance Army-Eastern Shan State. Alle genannten bewaffneten Organisationen entstanden aus den Reihen der CPB.

Zwischen 1994 und 1996 kam es zu massiven Gefechten zwischen der Regierung und der UWSA einerseits und der Muang Tai Army MTA unter Khun Sa anderseits. Nach einer Rebellion innerhalb der Ränge der MTA ergab sich Khun Sa der Regierung. Die Rebellen der MTA gründeten eine neue Armee, die Shan State Army-South auch SSA-RCSS genannt. Durch die Kämpfe konnte die UWSA ihren Einfluss auf das Grenzgebiet zu Thailand ausdehnen. Die SSA-RCSS führte ihren bewaffneten Kampf gegen die Regierung bis 2012 fort.

In den 1990er-Jahren verschlechterte sich die Position namentlich der KNU. Dies lag zum einen daran, dass Thailand sie zuvor als „Puffer“ gegen die als Bedrohung betrachteten Kommunisten unterstützt hatte, dies nun aber nicht mehr tat und stattdessen unter Thaksin Shinawatra die wirtschaftlichen Beziehungen zur myanmarischen Regierung vertiefte. Zum anderen bestand die Führung der KNU vorwiegend aus Christen, während buddhistische und animistische Karen weitgehend ausgeschlossen waren. Buddhistische Karen gründeten deshalb 1994 die Democratic Karen Buddhist Army (DKBA), schlossen im selben Jahr einen Waffenstillstand und kämpfen seither auf der Seite der Regierung gegen die KNU. Die Unterstützung der DKBA ermöglichte der Armee im Januar 1995 die Einnahme von Manerplaw, die für die Aufständischen eine große Niederlage bedeutete.

Situation ab 2007

Manche der Rebellenorganisationen haben Waffenstillstandsabkommen mit der Regierung geschlossen und die Kampfhandlungen eingestellt, wofür ihnen in ihren Gebieten eine gewisse Autonomie zugestanden wurde. Es gibt aber Splittergruppen von diesen Organisationen, die sich nicht an die Abkommen gebunden fühlen. So hielt sich die Shan State Army-North an eine Waffenruhe, während die Shan State Army-South im Shan-Staat militärisch bis 2012 aktiv blieb.